Welche Hardware braucht ihr für Streaming?

von .s, 23.03.17.

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  1. .s

    .s .hfu Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 23.03.17   #1
    Welche Audio-Hardware braucht man wirklich für Streaming?

    Da es immer mal wieder gefragt wird, dachte ich mir, dass ich einfach mal ein paar Tipps zusammen trage, was man so an Audio-Equipment fürs Streaming braucht. Grundlegend kann man sich hier an die Ratgeber halten, die sich an Recording-Starter richten, denn da wird für kleines Geld gutes Equipment empfohlen. Ich möchte es etwas mehr in Richtung "Relevanz für Streamer" richten.

    Streaming.jpg

    Wer Streamen möchte, egal ob es Youtube, Twitch oder „nur“ ein Radio-Podcast ist, der muss sich mit Audiotechnik auseinander setzen, weil stumme Streams keiner gern schaut. Zurecht. Es darf auch gern eine gute Qualität haben, denn Video wird mittlerweile auch in HD bis zu 4K gestramt, warum dann bei Audio die Qualität niedriger ansetzen? Richtig, es gibt keinen plausiblen Grund. Ganz ohne Geld geht das allerdings nicht. Ich werde mich nur an Neupreisen orientieren, man kann mit Gebrauchtkauf aber nochmal sparen. Manchmal sogar über die Hälfte. Allerdings hat man dann keinerlei Garantie, dass das Equipment einwandfrei funktioniert. Das nur als Warnung, aber ich kaufe in der Regel auch sehr viel gebraucht und bin damit immer gut gefahren.

    Nehmen wir an, ihr habt den Videoteil hinter euch gelassen. Ich habt eine Software oder Hardware für die Bildschirmübertragung gefunden und das klappt problemlos. Nun muss irgendwie noch euere Moderation dazu.

    Möglichkeit 1: Vorhandenes nutzen

    Ihr seid Gamer oder habt eh schon zufällig ein Headset zu Hause: Dann versucht es erst einmal damit. Eine halbwegs brauchbare Soundkarte hat jeder Rechner eingebaut, wenn euer Headset nicht vom Grabbeltisch ist, dann könnte es schon ausreichen.

    ABER: Es kann sein, dass ihr euch durch schlechte Stecker, Kabel, Buchsen oder andere Quellen und elektronischen Bauteilen im Computer eine Störung in Form von Brummen oder Rauschen ins Signal holt.

    Das stört den Zuhörer eher, aber schadet auch euch. Wer Gamer ist, der kennt das vielleicht, wenn über Teamspeak, Skype oder Ingame ein kratzend-brummendes-rauschen im Verbund mit einer lauten Stimme ins Ohr schallt und das Trommelfell am liebsten platzen möchte. Wenn sich das bei euch auch so anhört, solltet ihr lieber Nichts damit aufnehmen und in eine der anderen Möglichkeiten investieren.

    Möglichkeit 2: USB Mikro

    Hier scheiden sich die Geister. Vor allem von erfahrenen Audiotechnikern wird man hier oft viel Schlechtes hören, dabei sind USB-Mikros mittlerweile gut – und man kann über den Daumen gepeilt sagen, welche Mikros Potenzial für schlechten Klang haben und welche gut sein könnten. Außerdem hilft hier immer: an Bewertungen im Netz orientieren. Vielleicht nicht bei Amazon, weil da jeder bewerten kann. Bei Thomann oder anderen Händlern können das in der Regel nur die wirklichen Käufer.

    Das Mikro ist ein Mix aus denen der Möglichkeit 3, es ist das normalen Mikro, aber dazu ist ein USB-Interface eingebaut. Dazu auch ein Lautstärkeregler und vielleicht noch andere Funktionen, wie ein Low Cut, um die ganz tiefen und bei Sprache störenden Frequenzen abzusenken. Wichtig wäre für den einen oder anderen sicherlich noch ein Mute Button, also ein Knopf zum Stummschalten. Vielleicht um mal zu niesen oder zu husten, oder weil man einfach mal durchatmen möchte. Das ist in aller Regel bei der Variante nicht vorhanden.

    Preislich liegt man hier zwischen 70 und ca. 500€. Je weniger man ausgibt, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Mikro vielleicht rauscht oder nicht all zu gut klingt. Das heißt aber nicht, dass es immer schlecht ist. Die verbaute Technik ist es nicht zwingend, es sind vor allem die fehlenden Qualitätskontrollen oder sehr preiswerte Produktion in Fernost, die den Preis drücken. Man kann hier für unter 100€ ein sehr gutes Mikro bekommen, man braucht aber etwas Glück – oder Zeit, um das beste Mikro aus der Menge heraus zu filtern. Das ist als Anfänger nicht unbedingt einfach, deswegen empfehle ich, mit mindestens 150€ einzusteigen.

    Merke: Ein teureres Mikro bedeutet somit nicht automatisch, dass es immer um X Euro besser klingt, sondern, dass der Hersteller (hoffentlich) qualitativ hochwertigere Teile oder bessere / teurere Produktionsbedinungen hat. Auch hier gibt es schwarze Schafe, aber in der Regel weniger.

    Mögliche USB Mikros für Stimme wären meiner Meinung nach:

    Budget Variante mit Qualitätsschwankungen: T.Bone SC450 USB
    Solide Mittelklasse: AT2020 USB, Rode NT-USB, Blue Yeti Studio
    Oberklasse: Sennheiser MK4 Digital

    Möglichkeit 3: Mikro + Audiointerface oder Mischpult

    Mikro

    Hier wird es Aufgrund der der Modularität etwas teurer, aber die empfehlenwerten Mikromodelle sind nicht unbedingt andere als die mit eingebauten USB-Anschlüssen. Die beiden MB-User whitealbum und artcore haben hier mal die wichtigsten Vertreter für Stimme zusammengetragen. Mit dabei sind das AT2020 und AT2035, die anderen genannten werden da schnell teurer. Bei Bonedo gibt es eine Kaufberatung für Mics unter 200 Euro, die sicherlich auch brauchbar sind. Dabei sind Shure PGA27, AKG P220, Lewitt LCT240, sE Electronics X1R und ein USB Mikro, das ich schon oben mit genannt habe, das Rode NT-USB. Es bewegen sich alle im ähnlichen Qualitätsbereich, das SHire springt ein wenig aus der Reihe und ist eher für dunkle Stimmen geeignet.

    USB Interface

    Dann braucht ihr aber noch ein Interface, dass die analogen Signale vom Mikro zum Computer schickt, USB ist hier idR. am preiswertesten und verbreitet.

    Meine Favoriten sind hier, sowohl vom für eine Quelle ausreichendem Funktionsumfang auch preislich:

    Focusrite Scarlett Solo für 109€ oder das Steinberg UR12. Beide sind ausreichend für simple Aufnahmen und sprengen kein Riesenloch in den Geldbeutel. Auch ganz witzig ist das Tascam MiniStudio Personal US32, womit man auch live Effekte auf die Stimme legen kann. Kostet mit 129 Euro etwas mehr, ist aber vielleicht für den einen oder anderen ein netter Zugewinn. Hier findet ihr eine ältere Übersicht im MB. Ich würde nicht zu billig einkaufen, ich habe allerdings auch schon mit einem Behringer-Interface gute Erfahrungen gesammelt, nur die Verarbeitung stimmte da nicht.

    Zubehör und Wissenswertes

    Bedenkt, dass ihr hier auch noch ein XLR-Kabel vom Mikro zum Interface braucht. Das kostet nochmal ein bisschen Geld, ca. 5 – 20 Euro sollten da je nach Qualitätsanspruch und Länge eingerechnet werden. Nehmt lieber eine Nummer länger als zu kurz. 2-3 Meter sollten aber für jegliche Belange genug sein.

    Nun müsst ihr nur noch das Interface oder Mikro in eurem Streaming-Programm als Voice Over Quelle deklarieren. Und dann kann es schon losgehen. Wichtig ist noch, dass euer Mikro nicht übersteuert. Hört hier in Test-Streams oder Aufnahmen rein und findet den richtigen Pegel für euch heraus. Die Clipping-Lampe am Interface sollte nie rot leuchten, auch nicht wenn ihr ins Mikro schreit. Notfalls zieht den Pegal vom Spiel runter und macht die Lautsprecher oder Kopfhörer lauter.

    Es gibt auch zu beachten, dass euer Betriebssytem nun das Interface als externe Soundkarte erkennt und die Sounds von Betriebssystem und Spielen automatisch dahin sendet. In dem Fall müsst ihr eure Boxen oder den Kopfhörer dort anschließen.

    Gronkh

    Wer sich mit Youtube, Gaming und Streaming beschäftigt, ist sicherlich mal an dem Namen vorbei gekommen. Der größte Youtuber Deutschlands in Sachen Gaming nutzt trotz Millionen von Abbonenten und tausenden Videos seit Jahren vergleichsweise preiswertes Equipment für ca. 500€ (Mikro + Mischpult). Laut seinem Pastebin sind das momentan ein Rode Procaster und ein Behringer Xenyx UFX1204. Davor war es ein kleineres Behringer-Pult und ein Rode Podcaster. Kann sein, dass die Liste schon nicht mehr aktuell ist – aber dennoch sieht man, dass es nicht immer das Beste sein muss, um brauchbare Ergebnisse zu bekommen.

     
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