wer spielt live mit click im ohr

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beate_r
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Taktwechsel, krumme Signaturen usw. sind dabei auch überhaupt kein Stress. Einfach Click ohne Akzent und Click-Presets in MPC, Ableton oder sonstwo anlegen...

Na ganz so einfach ist das auch nicht immer. Stell Dir doch nur ein Stück mit Tempowechseln und Freiheit im Arrangement vor - zum Improvisieren. Stell Dir doch bloß mal Child In Time oder Stairway to Heaven in konstantem Tempo und mit festen Längen vor.

Dabei bin ich alles andere als gegen den Click - ganz im Gegenteil, in unserem Duo läuft das Metronom wesentlich Teile der Proben und auch später bei Wiederholen immer wieder mal, damit wir leichter zusammenkommen und -bleiben. Tempowechsel sind da natürlich ein Problem - wenn es nicht gerade um den Faktor 2 geht.

Meistens lassen wir daher in der frühen Phase des Erarbeitens eines Stücks das Metronom mitlaufen, üben aber gezielt auch ohne, so im Sinn von "3 mal mit Klick, ein mal ohne".

Jetzt suche ich aber doch eine Möglichkeit, mich mit definiertem Tempo einzuzählen und den Klick dann schnell auszufaden. Für Live, wenn der Adrenalinspiegel hoch ist und eine eher langsame Nummer folgen soll.
 
Steelwizard
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Ich finde die Diskussion ein wenig müßig, denn es hängt ohne Frage davon ab, welche Art von Musik man macht. Und hier möchte ich gleich mal einen Zahn ziehen: Musik, die Elemente vom Computer enthält, ist nicht weniger Musik als jene, bei der alles just in diesem Augenblick live gespielt wird.
Völlig richtig! Die Frage ist eher, obs zur jeweiligen Musik passt.

Ich habe schon Schlagzeugparts programmiert, die genauso "echt" waren alsseien sie live eingespielt gewesen - sowohl vom Timing als auch vom Feeling her.

Ich habe schon Schlagzeugparts programmiert, die genauso "echt" waren alsseien sie live eingespielt gewesen - sowohl vom Timing als auch vom Feeling her.
Das würde ich jetzt zum Beispiel wieder anders machen (So, dass es ganz arg nach Drumcomputer klingt, das kann ja auch cool sein). Wenns echt klingen soll ist der Computer doch irgendwo ein Kompromiss.
Wer meint, es sei eine Abkürzung, auf solche Arten zu "tricksen" und quasi vorzugaukeln, man könne etwas, aber in Wirklichkeit ist man nur ein Windbeutel, der soll mal einen "echt" klingenden Drumpart programmieren.
Naja, nicht unbedingt eine Abkürzung. Aber ein bei normalerweise handgemachter Musik doch ein Kompromiss. Wenn ein echter Musiker 30 Takes einspielt, frustriert aufgibt und nach weiteren 30 Takes kommt dann was dabei raus, was man sich eine Stunde vorher noch nicht mal vorstellen konnte - dann ist das der Vorteil eines echten Musikers. Wenns steril klingen soll - was ja manchmal auch der Fall ist - wäre ein echter Musiker ein Kompromiss. Ist immer stilabhängig ;)
ein zeichen das man dem Taktgeber nicht vertraut.. und man lieber sein eigenes Ding durchziehen will .. statt den Song ordentlich zu festigen und auch mit einem Drumcomputer zu spielen ;)
Der Witz ist - ein echter Drummer macht ja auch sein eigenes Ding. Dass ein Computer eben genau das nicht kann ist genau das Problem.

Hier ist nicht die fehlende Konzentration das problem .. sondern das man eben doch nicht zuhört was die anderen machen! Musik macht man im Team.. und damit ein Team funktioniert braucht es Struktur .. in unserem fall ein Arrangement wo wir uns zu halten haben .. und nicht ein einzelner einen Takt mehr braucht um eine Message zu bringen ;)
Wie soll ein Computer denn auch zuhören was die anderen machen? Wir Menschen haben uns natürlich durchaus zugehört. Nach ein paar Versuchen war klar - ich muss meinen Laptop zukünftig nicht mehr mitschleppen, lieber warten bis wir nen jamlustigen Drummer finden oder halt ohne.

wieso dauert das Solo nun einen Takt länger ? fehlende Strukturen oder was spielt den die Band in diesen einem Takt ?
Wieso auch nicht? Und was spielt die Band - normalerweise automatisch das richtige, wir kennen uns ja alle seit zehn Jahren oder so. An Struktur fehlts eigentlich nicht, ich neige ja dazu Songs zu schreiben die die Leute vom auswendig lernen her in den Wahnsinn treiben. Aber wenn alle einen Song mal verstanden haben ist man doch auch flexibel und spielt nicht mehr einfach das was mal auf den Notenblättern gestanden hat sondern der Song klingt jedes Mal ein bisschen anders. Wär ja sonst auch langweilig. Aber klar, damit das klappt braucht man natürlich eine gewisse ... Verbindung. Keine Ahnung wie ich das ausdrücken soll, die Musiker von CAN haben dafür bessere Worte gefunden, die hab ich inzwischen wieder vergessen.

was hat dies mit dem Click zu tun ? was ist den ein treibendes Element ? Temposchwankungen ?
AC/DC treibt wie sau .. durch Präzision ( abgesehen davon ob man die Musik jetzt mag)
Gut, da müsste ich jetzt natürlich wissen ob auf den letzten AC/DC Alben quantisiert wurde oder nicht.

Beispiele ?
wenn ein song 90bpm hat .. dann sind es 90.. das ist ein fester wert! Musik kann man leider Mathematisch erklären ;)
90bpm sagen ja nix über das Mikrotiming. Beispiele? Die erste Iron Maiden bzw generell die NWOBHM Bands. Die haben diesen Punkigen Drive und man kommt sich vor als würde man aus einem fahrenden Zug springt. Obwohl die Songs gar nicht soo schnell sind, das merkt man ja wenn man sie spielt. Im Gegensatz dazu z.B. die Schwere von Black Sabbath oder Saint Vitus. Bill Ward - Einer der besten Drummer für mich (übrigens). Merkt man besonders bei The Wizard und Wicked World - aber komm da komm ich jetzt ins Schwärmen.

hast du den das Gefühl das Van Halen heute noch mal bekannt werden können mit deren Musik ?
Deep Purple ? nein.. Solche Bands waren wichtig für die Musik und sind es immer noch..
Aber dennoch füllen die einfach keine Stadien mehr
Das ist doch kein Maßstab - wenn man nur reich werden will ists doch schlauer Investmentbanker zu werden, da braucht man nicht extra Musik machen dafür bzw es wäre sogar unnötig umständlich und unnötig unsicher auf diese Weise reich werden zu wollen.

und Van Halen ist aufgrund der Samples welche sie eingebaut haben .. angewiessen auf ein Click ;)
Samples wären mir beim Van Halen Debüt noch nicht aufgefallen, welchen Song/ welche Stelle meinst du.

Ich würde auch Click und Backingtrack nicht so leichtfertig in einen Topf schmeißen. Wir spielen mit Click, erzeugen aber alle Klänge live, weil wir die Möglichkeit haben wollen, hier und da mal nen Part zu verlängern und weil wir bei aller Synthese und Samplerei "echte" Musik machen wollen etc.

Taktwechsel, krumme Signaturen usw. sind dabei auch überhaupt kein Stress. Einfach Click ohne Akzent und Click-Presets in MPC, Ableton oder sonstwo anlegen...
Also quasi mehrere bpm Werte als Presets die man dann z.B. per Fußschalter selektieren kann?
 
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Wir proben immer mit Click, einfach weil wir gemerkt haben, dass es uns weiterhilft.
Live (wir spielen mit InEar) hat es sich als "für uns am besten" herausgestellt, wenn wir alle den Click für die Anfangsphase des Songs auf dem Ohr haben. Je nach Song ist der Click dann nach 20 bis 30 Sekunden aus. Hört sich vielleicht problematisch an, funktioniert aber erstaunlich gut.
 
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Bei uns ist der Click im In ear bei jedem da aber jeder außer dem Drummer (der braucht ihn natürlich) kann natürlich für sich selbst entscheiden, ob und wie laut er ihn draufhaben will. Geht bei uns einfach nicht ohne, da unser Keyboarder viele Sachen (Sequenzer etc.) hat, die ein fest programmiertes Tempo haben.

Wir lösen das so:
Wir haben fest programmierte Cubase-Projekte (mit Tempowechsel etc.) und unser Tech startet diese beim Gig für uns. Hat ein Stück programmierte Tempowechsel, wird zwei Takte vorgezählt und dann muss man starten. Hat es ein durchgehendes Tempo, startet er den Track einfach relativ direkt nachdem der Song davor zu Ende war. Dann sind wir da flexibel und der Drummer kann einzählen wann er will. Hat sich für uns so bewährt.
 
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Ich kenn jedoch keine Musik wo Temposchwankungen als Stilmittel gilt ..
Und was sollen dann die ganzen Tempoangaben in den Noten?
Ich passe hier in diese Diskussion als Sänger in einem Gesangsensemble ja vielleicht nicht so gut rein. Aber Tempi und Tempiwechsel sind zumindest in unserer Musik ein wichtiges Ausdrucksmittel.

Beim Einstudieren neuer Lieder arbeiten wir zwar nicht mit Klick, aber meist lernen wir uns das Stück mit Computerunterstützung ein. Das heißt natürlich exaktes Tempo. Aber zu klingen beginnt es erst, wenn das Tempokorsett des PCs weg ist, und gemeinsam musiziert wird. Für genaue Einsätze brauche ich kein Metronom, sondern ich muss die anderen hören und fühlen. Und wenn der Einsatz noch nicht so exakt kommt, muss man halt üben, üben, üben ...
Für mich ist das immer wie bei einem Fischschwarm: wenn einer agiert, reagieren die anderen intuitiv und unmittelbar. Das macht für mich viel vom gemeinsam Musikmachen aus. Ich finde es schade, dass man immer weniger Musik hört die noch "lebt".
 
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In der letzten Band haben wir ohne Klick gespielt. War zwar auch ok, aber nur solange man es nicht gehört hat auf einer Aufnahme. Im Studio war es dann problematisch: Einer der Musiker konnte nicht auf Klick spielen und war immer daneben. Die Aufnahmen waren fürn Arsch.

In den letzten Monaten habe ich mit vielen verschiedenen Musiker gespielt, mal mit, mal ohne Klick. Und siehe da: Die Bands mit Klick waren wesentlich tighter und wirkten insgesamt professioneller. Mir gehts auch so: Wenn ich auch Klick bin spiele ich wesentlich ausgefallener.


Welche Profiband spielt denn mit Klick?
 
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In einer Band hat der neue Trommler von Anfang an ein Metronom und Kopfhörer-Verstärker mitgebracht und benutzt das sowohl beim proben, als auch live. Er ist aber der einzige in der Band und gibt uns dann bei Intros und Zwischenteilen dann über die geschlossene HiHat oder über "Stöckchen-Klackern" den Klick weiter.
Das funktioniert auch ziemlich gut, nur bei einem Lied scheiden sich band intern die Geister, weil (meiner Meinung nach) ein Part etwas schneller sein müsste, um sich abzuheben. Aber da der flüssig in den Songablauf integriert gehört (ohne Ausklingen zum nächsten Segment) lässt sich da nicht ohne weiteres ein loslösen vom Klick realisieren, wenn wir sauber zurück zum Tempo wollen. Also leben wir da jetzt mit einem Tempo Kompromiss.

In der anderen Band spielen wir ohne Klick. Immer mal wieder kommt der Trommler auf den Trichter, dass das zum proben doch ne gute Idee ist... Dabei stellen wir immer wieder fest, dass Tempoänderungen zwischen Strophe, Refrain und anderen Teilen doch zu unserer Musik dazu gehört und dann entweder Teile gehetzt klingen bzw. andere Teile wie eingeschlafene Füße. Also bräuchten wir dann wohl eine Möglichkeit den ganzen Song irgendwie durch zu programmieren oder so - das ist besagtem Trommler aber dann zu aufwendig...
 
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Welche Profiband spielt denn mit Klick?

Zumindest schonmal alle, die irgendwas vom Band verwenden. Bei denen geht es nicht ohne.
Und bei den andern gibt es eben solche und solche. Aber bei sehr vielen hat zumindest der Drummer nen Klick im Ohr.

@ka-zwo,
einen Song mit Tempoänderungen zu programmieren ist doch nicht aufwendig. Das ist in 10 Minuten gemacht, wenn man sich mit seinem Tool ein Bisschen auskennt. Ich rate euch dringend dazu, das mal zu probieren. Denn das Verwenden eines Klicks sollte euch natürlich auf keinen Fall die künstlerische Freiheit rauben. Und das wäre es, wenn ihr deswegen in eure Songs keine Tempoänderungen einbauen könnt.

Leider haben wir noch keine wirkliche Alternative zu Cubase + Laptop gefunden, weshalb das Live auch unser Tech macht. Wenn es eine gute Lösung für einen Tablet geben würde, könnte das auch der Drummer selbst machen, das wäre natürlich noch besser.
 
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AndiMandi
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Servus zusammen,

ich spiel Gitarre in einer Hard Rock Band und wir spielen jetzt endlich auch alle mit Klick.
Es hat mit über ein Jahr gekostet meine Bandmitglieder zu überziegen und ich musste mir auch immerwieder die Argumente wie: "Das klingt doch dann alles steril und ohne Leben", oder:"Sowas brauchen wir nicht, Musik muss leben" und so weiter. Das es jetzt aber darum ging, unsere neuen Songs aufzunehmen, habe ich drauf bestanden einen Click zu verwenden, weils bei Aufnahmen meiner Meinung nach einfach unverzichtbar ist. Das hat der Rest dann zum Glück auch eingesehen, da ich ihnen mal auf ihren alten Aufnahmen ihre ganze Temposchwankungen gezeigt hab und das hat nicht künstlerisch geklungen, sondern einfach nur falsch.
Seitdem üben wir auch mit dem Click in den Proben, da es ohne Übung nicht geht (vorallem weil unserer Drummer es überhaubt nicht gewohnt ist) und siehe da, es macht den anderen auf einmal Spaß. Vorallem weil man mal merkt, wie Songs doch gleich ganz anders und meistens auch besser klingen, wenn man sie mal in einem Tempo durchspielt. Also sind wir jetzt mal so verblieben, dass wir in den Proben den Click weiter mitlaufen lassen, damit wir sicherer werden was Tempo und Zusammenspiel anbelangt, live werden wir aber drauf verzichten. Wie/ob das gut funktioniert, werden wir dann beim nächsten Auftritt sehen.
Im Großen und Gnazen bin ich ein befürwortet des Clicks und finde auch, dass es vorallem als Unterstützung und nicht als etwas Abwertendes gesehen werden soll. Gutes Timing und Zusammenspiel hat man nicht einfach so, dass muss man üben!
Man soll es einfach erstmal ausprobieren ;)

LG
Andi
 
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Bei uns in der Coverband holt sich der Drummer die Tempi per Click, das Durchspielen mit Click haben wir wieder bleiben lassen. Bei neuen Songs machen wir es manchmal.
Wir spielen aber auch nichts vom Keyboard oder Sampler ein, keine Sequenzer, Computer etc.

Bei unserer Musicalband haben wir bei der Ouverture von Cats alle den Click auf dem Ohr, auch bei den Aufführungen. Da die recht schwierig zu spielen ist und wir das Tempo etwas reduziert haben,
haben wir so wenigstens eine gute Führung.

LG Gunnar
 
reisbrei
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@Steelwizard Der Trick ist, den Computer als Instrument zu sehen, denn genau das ist er auch. Die Angst, die bei vielen umgeht, daß der Computer uns entmündigt und zeigt wo's langgeht, ist natürlich völliger Humbug. Der Grund weshalb ich Drums auch heute noch meist am Rechner entstehen lasse, anstatt sie selbst am Drumset einzuspielen, ist simpel: der Raum. Ich habe keinen 4m hohen, holzvertäfelten Raum, in dem ein Schlagzeug so groß klingt, wie es auf einer richtigen Profiaufnahme zu klingen hat. Und nichts schreit so laut "Amateurproduktion!" wie ein nicht amtlich klingendes Schlagzeug. Will ich ein roheres, dreckigeres Feeling bei den Drums, spiele ich sie am Set ein, aber für den "Moneysound" nutze ich Samples. Mein Punkt war aber folgender: um so etwas zu machen, muß man Drummer sein, der Rechner ist nur ein Werkzeug. Ein Keyboarder/Gitarrist/... kann keine Drums programmieren, weil er nichts vom Schlagzeug versteht. D.h. ich muß sowieso ein guter Musiker sein, um mit dem Rechner was vernünftiges zustandezubringen (Minimaltechno mal ausgenommen). Der Computer bestimmt also nichts, entscheidet nichts und bevormundet auch niemanden.

Die Frage, welche Profiband mit Click spielt, würde ich eher umdrehen. Welche spielt nicht mit Click? Ich behaupte, daß fast alle einen Click verwenden - vermutlich vor allem die, die das Gegenteil behaupten :tongue:. Das ist ja auch kein Nachteil, umso mehr können sie sich gehenlassen, mit dem Publikum interagieren, Blödsinn anstellen - ohne den Groove zu verdummbeuteln. Werden keine In-Ears verwendet, könnte es aufgrund der Bühnengröße evtl. auch zu merklichen Laufzeitunterschieden kommen :gruebel:, insofern sind In-Ears und Click wohl mittlerweile absoluter Standard. Den Dirigenten im Orchester gibt es ja auch nicht, weil die Musiker zu schlecht wären, um alleine zu spielen, sondern wegen der Entfernungen.
 
DerZauberer
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Ein riesen Schritt nach vorn ist, wenn der Drummer mit Klick am Start ist - die Chance, dass man eine lebende Maschine mit perfektem Timing hinter den Kesseln sitzen hat, ist eher gering. Wenn die Band weiss, dass der Drummer das "absolute Timing" hat, dann setzt man sich da drauf und rockt dann los. Man kann naemlich als cooler Gitarrist nur enspannt "behind the beat" spielen, wenn es einen klaren Beat gibt. :D

Haengt aber - wie ja auch gesagt wurde - immer von der gemachten Musik und von der Groesse der Band bzw. der Komplexitaet des Arrangements ab. Mit einer 2-Mann-Combo a la White Stripes oder fruehen Black Keys sieht das ganz anders aus als bei einer grossen Funk-Combo mit Horn Section. Im ersten Fall muessen sich 2 Musiker einigen, im zweiten vielleicht sogar 12. Die Chance fuer Mulm steigt mit der Anzahl der Musiker. Und wie auch schon geschrieben wurde - es gibt ja einen Unterschied zwischen "wir koennen nicht ohne" und "wir sind besser mit". Nicht immer kann/muss man sich sklavisch dran halten, natuerlich gibt es Stuecke mit Tempo- und Taktwechsel, natuerlich kann man auch so mal "rausfliegen".

Meine Erfahrung zeigt aber, dass die wenigsten (Hobby)musiker wirklich Tempofest sind. Da kann es enorm helfen, wenn es "DAS" Tempo eben gibt. Der Gesamteindruck fuer den Hoerer wird besser. Im Profi-Bereich sieht das anders aus, hier wuerde ich erwarten, dass viele der ganz ganz grossen Stars sowas nicht brauchen. Aber - die machen das eben taeglich und ihr Leben lang, da steckt auch verdammt viel Uebung und Erfahrung drin. Und auch hier - Wikipedia sagt z.B. folgendes ueber Max Weinberg (E Street Band), der von seiner Musik ganz gut leben kann:

Weinberg suffered an acknowledged "drumming slump" around 1980, and his time-keeping skills were criticized by Springsteen. What could pass unnoticed in concert became apparent on record, and Weinberg practiced drumming components for months in order to regain a fine sense of timing.
Fuer mich ist so ein Klick Teil dieser Uebung. Wer ohne ihn genau so sicher ist wie mit - geschenkt. Aber wer ist das?

Und - Platz fuer sympathische Fehler ist auch so. Es muss ja nicht das Timing sein...
 
chris_kah
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Wir spielen ohne Klick. Nicht nötig und manchmal nicht möglich. (Spiel mal jemand "Here Comes The Sun -Batles, Harrison mit Klick :evil: )
Gut, wir sind ein Trio und ich habe ein ziemlich sicheres Timing, die anderen auch. (Habe z.B. schon mal "Blue Bossa" die Begleitung in den Looper gespielt - danach den Click angeschaltet und es hat über die ganze Loop gestimmt - und das war eine Bossa -Begleitung mit vorgezogehen Übergängen usw.)

Bei uns geht es eher so: "oh, das war jetzt doch einiges zu schnell, schätze 120 ... und dann war es 116 oder 125 ...)

Zum Proben, damit sich ein Tempo festigt, ist das sicher ok - live wollte ich da nie und nimmer.

Wer es anders mag - da mische ich mich nicht ein. Jeder wir er will.

Gruß
Christoph
 
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Wurde, glaube ich, schon das eine oder andere Mal angedeutet. Hier geht's nicht darum, ob Backingtracks und wie man das meistert. Vergesst bei dieser Diskussion doch einfach mal den ganzen Sequenzerquatsch. Klar, braucht man zwangsweise einen Klick, wenn man zum Sequenzer spielt, und klar ist man dann sehr festgelegt und hat so gut wie keine Flexibilität, was den Ablauf angeht.
Hier geht's - wenn ich den TE richtig verstehe, und ich meine, das tu ich - darum, ob man für ein gleichbleibendes Tempo sinnvollerweise einen Klick einsetzen kann/sollte, oder ob's auch anders geht.
Wenn wir mal jede timing-abhängige Geschichte wie Sequenzer, Loops, Phrasen etc. außen vor lassen, ist das Einhalten des korrekten Tempos nicht kriegsentscheidend, und so kann es durchaus mal passieren, dass man einen Song mal 2 bis 4 Beats schneller oder langsamer spielt, als er eigentlich sollte. Und ob man nun während des Songs ein wenig eiert, mag auch nicht das Riesenproblem sein. Hast Du einen timing-festen Drummer, der so dominat ist, dass er die Band zusammenhält, ist ein Klick auch über.
Meine Erfahrung bislang ist, dass ich nur selten mit einem solchen Drummer spiele, zudem auch mit Nicht-Drummern, die gerne mal einen Song zu schnell beginnen oder während eines Songs treiben, weil sie nicht auf den Rest der Band hören. Hier hat uns das Proben zum Klick ne Menge geholfen, und live, wo kein Klick läuft - auch nicht beim Drummer - haben wir davon enorm profitiert. Mich würde es auch überhaupt nicht stören, wenn ich die ganze Zeit den Klick auf dem Ohr habe, und dass man sich da zu sehr drauf konzentriert, dass die Spontanität, Kreativität, Musikalität und Flexibilität oder womöglich - was totaler Quatsch ist - die Dynamik drunter leidet, können nur Leute behaupten, die die Erfahrung mit Klick nicht gemacht haben, oder sich nicht drauf einlassen. Ich will nicht sagen, zu blöd, weil das eine reine Übungssache ist, und am Ende jeder mit Klick klarkommen kann. Andernfalls wäre wohl auch kaum ein Musiker in der Lage, im Studio einen Song aufzunehmen, denn dort geht's ohne Klick eigentlich nicht.

Ich finde es auch irgendwie bescheuert, wenn das Spielen mit Klick hier verteufelt wird. Es geht um einen Erfahrungsaustausch, nicht darum, jemanden zu überzeugen.
 
pitsieben
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druck kommt nicht von laut .. oder ähnliches.. sondern von "Genau"! (siehe auch AC/DC)

Und genau die spielen ohne...zumindest mit Rudd. Bei Slade weiß ich es nicht. Bei dem drängt sich der Verdacht auf, er würde eins benutzen.

Ich finde dieses "für und wider" völlig überflüssig.
Wer das Metronom braucht und gut damit klar kommt, der soll es doch gerne benutzen. Wenn ich Covermucke machen würde und in einem vierstündigen Schützenfestprogramm verhindern wollte, dass ich immer wieder in die Lieblingstempi falle, dann brauche ich halt eins.

Wer so ein Ding überhaupt nicht sehen (hören) will...voila...geht auch...sollte man aber können.

so lonely.png

Schon oft gepostet und immer wieder erhellend. Wer sagt, dass diese Nummer nicht grooved, hat scheinbar ein Problem mit dem Begriff.

Diese Aussagen, dass Bands ohne Liveklick nicht tight klingen und eiern und Bands mit Klick steril und mechanisch sind jedenfalls das eigentliche Problem. Nicht der Klick. Dogmen sind für'n...ach...lassen wir das.

Ich höre den Klick in meinen beiden Bands dann, wenn wir das Tempo festlegen oder kniffelige Parts üben. Wenn das sitzt, ist er aus. Die Drummer können das dann ohne. Aber ich mache auch Schweinerock ohne Sequenzer.
 
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Ich würde mal ganz frech behaupten, dass man 'So Lonely' mit Klick, also festem Tempo spielen könnte und es trotzdem grooven kann, weil das nichts mit dem tempo zu tun hat. Ein Song, der z.B. nicht mit Klick funktioniert, ist 'Time Warp', weil das Metrum vor dem 'It's just a jump to the left' stopped. Nichtsdestotrotz hilft es, den Song mit Klick zu beginnen und bis zum ersten Break laufen zu lassen, weil der Gitarrist bei den durchgehämmerten 8tel hier gerne mal treibt ;)
 
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Ich würde mal ganz frech behaupten, dass man 'So Lonely' mit Klick, also festem Tempo spielen könnte und es trotzdem grooven kann, weil das nichts mit dem tempo zu tun hat.

Natürlich. Man kann alles auf dem Raster spielen und grooven.
 
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Nichtsdestotrotz hilft es, den Song mit Klick zu beginnen und bis zum ersten Break laufen zu lassen
So ist mir das auch lieber. Ich persönlich finde es unerträglich, wenn der Klick den ganzen Song mitläuft
 
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Zur Grundsatzdiskussion sollte man dann aber auch den gesamten Artikel anschauen:
http://musicmachinery.com/2009/03/02/in-search-of-the-click-track/

Ich finde ja den hier super - zeigt schoen, wie das Stueck quasi konstant (!) immer schneller wird (die MINUS-Werte zeigen die Verkuerzung der Zeit zwischen den Beats).
Sowas geht natuerlich nur mit viel Feeling, nicht mit Klicktrack. Aber wer zeigt mir einen normalen Drummer in einer Rockband, der das macht?
stairway.png




Interessant fand ich dabei auch den Text hier: http://dataconomy.com/back-in-black-analyzing-the-loudness-tempo-of-the-rolling-stone-top-500-songs/
Der Mensch hat die beruehmt-beruechtigte Top500 Song Liste vom Rolling Stone Magazine rauf-und runter-analyisiert.

Spannend fand ich da das hier - die "most static songs", also die mit der geringsten Tempoabweichung ueber die Spielzeit (die Werte sind die Standardabweichung, die die Software berechnet hat):
  • Bizarre Love Triangle by New Order (0.048)
  • I Want You Back by The Jackson 5 (0.035)
  • Stand By Me by Ben E. King (0.027)
  • I Heard It Through the Grapevine by Marvin Gaye (0.0075)
  • Walk This Way by Run-DMC (0.0035)
Interessant ist, wie hier Elektro-Sounds (New Order) und Sampler-Lastige Beats (Run-DMC) eine Gruppe von ganz klassischen (und garantiert ohne Klicktracks eingespielten...) souligen Nummern flankieren.

Was will ich damit sagen? Klick im Ohr ist nicht "besser". Es gibt viele tolle Stuecke in der Musikgeschichte, deren Tempo "all over the place" ist. Es gibt Stuecke, die Temposchwankungen gezielt nutzen und vielleicht sogar ein Stueck weit "brauchen". Es gibt aber genau so Stuecke, die tempotechnisch "wie eine 1" durchtuckern, und trotzdem grooven/bewegen/rocken.

Was bleibt, ist doch Folgendes: Wer ehrlich ist, mal eigene Aufnahmen macht und hoert, der wird als Band merken, wie das mit dem Tempo so ist. Dinge wie "live spielen wir immer schneller als in der Probe" und "wenn es im Refrain richtig abgeht, werden wir immer schneller" sind keine Ammenmaerchen, sondern Realitaet. Dazu kommt noch die Frage, wer eigentlich das Tempo "bestimmt" - wenn der Drummer nicht DAS Zentrum der (Rock)band ist, und der Basser und Rhythmusgitarrist sich da kompromisslos "reinsetzen", dann fasert das sehr gerne auseinander. Kann man in jedem beliebigen Jugendzentrum jedes Wochenende hoeren.

Kurzum: Ein Klicktrack im Ohr kann helfen, (1) den Song im richtigen Tempo zu starten (ein riesiger Gewinn, gerade in Live-Situationen), (2) im richtigen Tempo konstanter zu bleiben (und wenn ihn halt nur der Drummer im Ohr hat), (3) fuer Sondersituationen wie Studio-Aufnahmen und Sampler-Einsatz das Leben deutlich vereinfachen. All dies kann helfen, dass die Band beim Publikum ankommt.

Meine Meinung ist und bleibt dabei: Es wuerde der durchschnittlichen "Hobby"band (alles von "Anfaenger" ueber "ambitionierte Newcomer" bis hin zu "wir nennen uns semiprofessionell, weil wir mit Hochzeit- und Stadtfest-Gigs was dazu verdienen") eher gut tun als schlecht, wenn sie konstanter im Tempo bleiben wuerden, ein Klick im Ohr wuerde also helfen, dass die Musik besser rueberkommt.

Genau so bewusst kann man das alles ueber den Haufen werfen. Wir haben auch mal eine "magische" Session mit der Band gehabt, tolles Stueck, toll gejammt, Publikum war begeistert, beste Live-Atmo ever... auf der Aufnahme hinterher kommt aber auch klar raus, wie wir mit dem Tempo alles moegliche gemacht haben. Wir haben es aber eben ZUSAMMEN gemacht, nicht jeder fuer sich. Das eine Mal haben wir es geschafft, wir waren "in the Zone", das war toll. Aber eben auch die Ausnahme, normalerweise klappt das nicht.

Also - seid ehrlich mit Euch selbst, denkt mal ueber Eure Temposchwankungen nach und ueberlegt euch, ob ihr damit zufrieden seid oder ob es "besser" geht. Im Zweifel ist ein Klick im Ohr vielleicht die bessere Anschaffung als ein neuer Amp oder ein neues Keyboard oder ein neues Mikro. :D
 
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