1. Shreddern ist geil.
2. Auch bei der Gitarre ist Ausdruck wichtig. Shredderer werden sehr häufig dafür kritisiert, dass sie anscheinend nur shreddern können. Meistens von Bluesern in den Youtube Kommentaren. Seltsamer Weise findet man aber keine Shredderer unter Blues Videos, die den Mangel an Shred anprangern.
3. Du hast recht, die Monscheinsonate doppelt so schnell zu spielen wäre hirnrissig bis eklig, bei dem Stück handelt es sich aber auch nicht um eine Etüde. Sein wir mal ehrlich, um in die Top Liga der Pianisten aufzusteigen, sollte man auch Stücke wie La Campanella beherrschen. Und da wird auch ordentlich "geshreddert".
Komponisten wie Franz Liszt/Chopin etc. waren halt so gut, dass sie eigentlich komplett technische Etüden in teils wundervoll klingende Musikstücke verpacken konnten. Die Top Gitarristen der Welt Shreddern halt ihre Arpeggios und Tonleitern rauf und runter, hier mal ein bisschen Oktavensprung, da mal eine kleine Sequenz, die in Terz, Quint oder Oktavenschitten wiederholt wird... Ich verstehe auch nicht ganz, wieso Gitarristen damit durchgekommen sind. Wenn man am Klavier ein Stück schreiben würde, bei dem Apreggios tatsächlich nur rauf und runter genudelt werden, würde es wie eine dämliche Etüde klingen und man würde, wegen Mangels an Kreativität (vielleicht zu recht), bei der Erstaufführung einen Stein an den Kopf geschmissen bekommen.
Fazit: Spiel die E Gitarre wie du willst. Wenn dir das heutige Gitarrenspiel zu emotionslos ist (und da wäre ich komplett bei dir, auch wenn ich das Gefühl zu shreddern mag), dann versuche es besser zu machen. Das ist jetzt auch nicht zynisch im Sinn von "machs erstmal besser, dann reden wir weiter" gemeint. An der E Gitarre ist das schöne, dass es wirklich keine Regeln gibt. Wenn du Lust darauf hast dein Gitarre durch den Einsatz von Effektgeräten klanglinch in ein japanisches Animemädchen zu verwandeln, dann tu es. Dir stehen alle Wege offen.