Die Filter in einem Amp sind ebenso nicht regelbar. Unerwünscht ist Frage der Vorstellungen.
Ein Amp selbst ist auch nichts anderes als verschiedene Zerren und Filter hintereinandergeschaltet. Wenn nun jemand das ganze gern modular hätte, könnte man einzelne Stufen entweder regelbar machen oder das ganze über ein Patchbay tauschbar haben (komisch eigentlich, dass es einen solchen Amp noch nicht gibt - obwohl, der
Marshall*-4-Kanaler arbeitet ja ähnlich). Es gibt für den eigenen Geschmack natürlich bessere und schlechtere Kombinationen, aber es macht technisch gesehen keinen Unterschied, ob eine der Zerrstufen extern ist (z.B. als Tubescreamer) oder eine Triode im Amp die nötige Soße dazugibt. Die Aussage, verschiedenartige Zerren würden vermischt werden, ist zutreffend, aber in jedem Amp der Welt der Fall.
Wenn ich dich also mal nach meinem Verständnis rephrasieren darf:
Du ziehst eine vom Hersteller abgestimmte und vorgegebene Lösung einer vor, die aus modularen, feiner einstellbaren Stufen zusammengesetzt ist.
Das ist in Ordnung. Aber das hat nichts mit Taschenradio oder minderwertig zu tun, mir gefällt die Konnotation einfach nicht, die du implizierst. Ohne deine Kompetenz in Frage zu stellen, falls du diese Erfahrungen hattest, vielleicht waren es dann einfach die falschen Geräte oder Einstellungen. Es bedarf natürlich mehr Erfahrung und Übung, mit mehr Potis umzugehen, zumal auch dabei hilfreich wäre, zu verstehen, warum welche Amps welche Sounds produzieren, wie die einzelnen Stufen aufgebaut sind etc., und da kommt man um gewisse Elektronikkenntnisse nicht herum. Allerdings kann auch das Gehör und der Zufall helfen.
In manchen Fällen gibt es aber keine vorproduzierte Lösung, oder das Budget reicht nicht für einen besseren Amp, oder man möchte live verschiedene Charakteristika ohne das Crux eines Cabswitchers und meherer Topteile haben. Für einen solchen Fall gibt es nichts besseres als Vorschaltgeräte. Wer will denn schon, nur weil ein zweiter Gitarrist in die Band kommt, sein geliebtes und lange selektiertes Besteck neu zusammenstellen? Oder man hatte früher mal einen Bassisten mit einem modernen, leicht angezerrten Scoop-Sound, wie ichs im Metal in letzter Zeit häufiger höre, und der neue drückt mit seinem Preci die Mitten rein, was dann? Oder man verwendet eine Gitarre, die den nötigen Peak fürs Palmmute-Gewitter von Haus aus hat, da kann doch grad der TS-typische Mittennöck ein Segen sein, um ihn dann an den Stellen, wo man es warm singen lassen will, wieder wegzunehmen? Natürlich, es ist nicht wie früher eine Notwendigkeit, Amps für hohe Zerrgrade anzublasen. Aber ich habe ehrlich gesagt auch noch keinen Amp gehört, der von Haus aus den Rory-Gallagher-Sound gebracht hat.
Ich will dir hier nicht eine Philosophie aufdrücken, es ist schön, dass du deinen Sound magst - aber es gibt viele Optionen, und hier gibts viele Leichtgläubige, die im nächsten Thread dann alles, was nicht integriert ist, als minderwertig zu bezeichnen anfangen, das würde ich gern vermeiden. Mein LIeblingssound ist übrigens ein ziemlich weit aufgebrezelter Traynor Darkhorse, den ich mit nem Earthquaker Devices Monarch zum Schwitzen bring. Das hab ich so noch von keinen Amp gehört, und ist derart fett, sahnig und transparent, dass die meisten Metalamps dagegen für mich wie ein schmalbandiges Taschenradio klingen, um es mal überspitzt zu formulieren.
Also, no offense, und abschließend würde ich gern noch positiv bemerken, dass ich es echt angenehm und überraschend finde, dass hier noch keiner mit "im Pedal ist aber keine Röhre" angefangen hat. Danke Leute, das gibt mir grad den Glauben ans Board zurück.