Wie nutze ich am besten zwei Bändchenmikrofone

von HD600, 22.02.17.

  1. HD600

    HD600 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.02.17   #1
    Hallo,

    ich hatte vor einiger Zeit das Glück bei einer Ausmist-Aktion 2 Mikrofone mitnehmen zu dürfen. Da ich mir zu diesem Zeitpunkt sowieso einen AT 2035 (Nein, kein Rode NT1....) kaufen wollte habe ich die zwei Dinger mitgenommen und bin eher davon ausgegangen, dass sie 1. nichts taugen und 2. womöglich sowieso defekt sind, immerhin reden wir hier von ca. 30-40 Jahre alte Konferenzmikrofone. Um sie zu testen habe ich mich erstmal auf die Suche nach einem Kleintuchel auf XLR-Kabel gemacht und bin nach einer Weile fündig geworden. Erstaunlicherweise funktionieren beide Mikrofone einwandfrei und eine erste Probeaufnahme fand ich wirklich vielversprechend. Ich betreibe sie an einem recht günstigen M-Audio M-Track der scheinbar gut mit den beiden Beyerdynamic M260 N harmoniert. Obwohl beide Mics die gleiche Bezeichnung tragen hat nur das eine einen Drehregler am Fuße des Mikrofon (Nahbesprechungseffektfilter glaube ich).

    Was mir gut an den beiden gefällt ist, dass sie m.E. recht neutral klingen, ich würde sogar "unspektakulär" sagen. Finde ich gut. Ich habe damit bisher nur eine Testaufnahmen mit Amp-Abnahme und Gesanggebrabbel gemacht in meinem normalen Wohnzimmer. Dabei fällt auch auf, dass die Mikros recht unempfindlich gegenüber Rückkoppelungen sind und dass sie wenig Umgebungsgeräusche wiedergeben da sie ja recht nah verwendet werden. Ich konnte damit sogar ein recht lautes - im Raum klingendes - Monitoring bewerkstelligen, ohne jegliche Rückkoppelungen und Störungen. Dies war für mich neu da ich es von meinem Macbook Mics und von dem eingebauten Mikrofon an meinem alten Boss BR total anders kannte.

    Nun, verwenden möchte ich die Mics für Ampabnahme (derzeit Blackstar HT1 und Vox AC10), für Akustikgitarre und für Gesang. Des Weiteren vielleicht für ein bisschen Getrommel und Percussion. Dabei frage ich mich, ob die Verwendung von zwei Mikrofonen Sinn macht und wenn ja - je nach Anwendungsfall - in welcher Positionierung.

    - Bei der Ampabnahme würde ja ein Mic reichen und wenn ein zweites dann eben ein anderes Modell (AT2035, SM.... die ich nicht habe) um den Sound zu mischen oder macht es Sinn den zweiten Beyerdynamic weiter weg zu platzieren?
    - Für Gesang fand ich die auch gut, macht es da Sinn zwei zu verwenden um in Stereo aufzunehmen obwohl man bei diesem Modell schon sehr nah ran muss? Wenn ja, wie positionieren, 45º?
    - Bei der Akustikgitarre müßte ich die Gitarre schon ruhig halten und die Mics müssten auch hier sehr nah dran daher frage ich mich auch hier ob der Einsatz des zweiten Mic Sinn macht.
    - Sind Bändchenmikrofone auch für Percussion geeignet? Ich meine damit nicht die Abnahme eines ganzen Schlagzeugset sondern nur eine Kenianische Hochzeitstrommel und noch so ein paar kleine perkussive Teile.

    Klar, ich könnte alles testen und werde es sicherlich auch tun. Nur habe ich momentan sehr wenig Zeit und ich komme in allem nur sehr sehr langsam voran. Interessieren tut es mich aber jetzt schon... daher die Fragen mal hier reingeworfen. :)

    Danke schon mal,
     
  2. alexanderjoseph

    alexanderjoseph Registrierter Benutzer

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  3. HD600

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    Erstellt: 22.02.17   #3
    Cool, danke für den Link. Wow, 1965.... Wenn ich mir alles auf die schnelle durchlese geht wohl alles was ich mir vorstelle damit...
     
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  4. mjmueller

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    Erstellt: 23.02.17   #4
    Hallo,
    interessante Mikros und dann auch noch so günstig :great:
    Bändchen sind seit ein paar Jahren auch wieder in Mode scheint mir. Bei den alten ist halt noch etwas mehr Vorsicht geboten im Umgang (insbesondere im Hinblick auf Phantomspannung).
    Das 260 hat ja Hypernierencharakteristik. Das ist schon mal interessant, weil die meisten Bändchen 8-Charakteristik haben. Und es erlaubt auch eine etwas weniger "durchdachte" Positionierung.
    Für Gitarrenboxen finde ich Bändchen sehr gut geeignet und der ganze Rest geht damit auch.
    Eventl. musst Du nur etwas sensibler sein, was den Schalldruck anbelangt. Zum Grenzschalldruck konnte ich allerdings keine Angaben finden.
    Coole Sache! Viel Spaß damit!
    Grüße
    Markus
     
  5. HD600

    HD600 Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.02.17   #5
    Yep, für Gitarrenboxen gut geeignet da ja eine Gitarennbox recht still hält... :D
    Bei einer Akustikgitarre bin ich mir noch nicht sicher...
     
  6. The_Dark_Lord

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    Erstellt: 23.02.17   #6
    Ja, allerdings mischst du damit nicht nur die Klangcharakteristik zweier Mikrofone, sondern auch zweier verschiedener Mikrofonpositionen.
    Etwas Raumklang zu einer trocken aufgenommenen E-Gitarre dazuzumischen kann hilfreich sein, wenn der Raum gut klingt, kann aber auch absolut nutzlos sein.

    Für typischen "Leadgesang" (egal welches Genre) kenne ich keine Situation in der eine Stereoaufnahme irgendwelche Vorteile böte - die "Breite" im Klang kommt durch entsprechenden Effekthall sowie Delayeffekte.
    Einfach weil es SEHR ungewohnt klingt, wenn die führende Gesangsstimme nicht völlig aus der Stereomitte kommt.

    Akustikgitarren mit Bändchenmikrofonen aufzunehmen ist ja nun nichts neues, hier brillieren sie.
    Eine A-Gitarre mit mehreren Mikrofonen abzunehmen ergibt völlig andere Klangbilder - je nachdem welcher Klang gewollt ist kann das gut oder schlecht sein. Hängt auch stark vom Genre ab - in einem dichten Rock-Mix wird die zusätzliche Akustikgitarre eher mit einem Mikrofon aufgenommen dafür zweimal eingespielt (gedoppelt) und links/rechts gepannt.
    In einer Singer-Songwriter Ballade kann die Gitarre riesig groß klingen wenn sie in mono mikrofoniert wird aber mit einem Stereo-Hall kombiniert.
    In einem larger-than-life Popsong kann man die Gitarre auch in AB-stereo mikrofonieren und damit diesen "riesigen" Sound erzeugen.
    Du siehst - viele Möglichkeiten.

    Durch die dünne, leichte Membran spielen Bändchen ihre Vorzüge bei perkussiven Klangquellen voll aus - bieten gleichzeitig aber nicht den selben Detailreichtum wie Kondensatormikrofone, da bei ihnen die oberste Oktave meist fehlt.
    Für Percussion wie du sie beschreibst, wo keine Metallteile vorkommen ist dieser letzte Punkt meist irrelevant, da so hohe Frequenzen gar nicht erzeugt werden.
    Aber ganz wichtig, speziell beim Thema Percussion: Bändchenmikrofone halten keine all zu hohen Schalldruckpegel aus. In oder vor einer Kickdrum wird die Membran sehr schnell reißen.
     
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  7. HD600

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    Erstellt: 23.02.17   #7
    Wow... :great:, Danke! Viele Fragen beantworte und das Bild wird immer klarer.

    Klar, dennoch habe ich den Eindruck, dass diese Mics Nähe zur Schallquelle brauchen und ich frage mich ob sie überhaupt für Raumklang geeignet sind. Andererseits bin ich über deren Charakteristik schon ganz froh da ich sie so auch in meinem Wohnzimmer mit normalen Umgebungsgeräuschen verwenden kann.
     
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  8. mjmueller

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    Erstellt: 23.02.17   #8
    Oh, das passt oft sehr gut - kommt halt schon auch auf den gewünschten Sound an. Mir gefällt das zB als Untermalung oder Stütze einer leicht angecrunchten E-Gitarre sehr gut.
    DarkLord hat es ja prima auf den Punkt gebracht: die Transienten werden schön abgebildet, weil die Bändchen bauartbedingt sehr bewegungsfreudig sind. Es fehlt etwas die Auflösung, wie bei vielen (aber nicht allen!) dynamischen Mikrofonen.
    Hier ein kleines Sample: Sowohl E-Gitarre als auch A-Gitarre und Background sind mit Bändchen aufgenommen. Die Aufnahme ist nahezu unbearbeitet.
    Grüße
     
  9. HD600

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    Erstellt: 23.02.17   #9
    Jetzt bin ich echt gespannt wie sich die Teile mit meiner Western vertragen.... hoffentlich finde ich demnächst die Zeit für eine Probeaufnahme.
    Den einzigen Test den ich mit einem der Micro gemacht habe ist dieser hier (zwei mal E-Gitarre und einmal Gesang):

    https://soundcloud.com/user-1381730/ibaneztestpickup
     
  10. The_Dark_Lord

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    Erstellt: 23.02.17   #10
    Das würde ich so überhaupt nicht unterschreiben.

    Im Gegenteil - je näher Bändchenmikrofone an der Schallquelle sind, desto stärker werden tiefe Frequenzen überbetont - der Nahbesprechungseffekt bei Mikrofonen mit 8er-Charakteristik (das sind immerhin die meisten Bändchen) liegt eine ganze Oktave höher als bei Mikrofonen mit Nierencharakteristik.
    Oder anders ausgedrückt: Je näher, desto mehr werden Bässe verstärkt, das wird schnell zuviel des guten.

    Näher als einen halben Meter würde ich Bändchen als Faustregel nicht aufstellen, ohne nicht nachträglich mit dem Equalizer die Bässe abzusenken.

    Also ich sag nur soviel, die Coles 4038 (vielleicht das bekannteste Bändchenmikrofon überhaupt) ist gleichzeitig auch vielleicht das beste Mikrofon um bei Schlagzeugaufnahmen den Raumklang aufzunehmen.
    Also: Ja, Bändchenmikrofone sind ganz eindeutig geeignet um "Raumklang" aufzuzeichnen (also Schallquellen die vom Diffusschall dominiert werden).

    Am wenigsten Diffusschall nehmen übrigens Mikrofone mit Hypernierencharakteristik auf :)
     
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  11. HD600

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    Erstellt: 23.02.17   #11
    Boah.... ne Menge Input hier und eine Menge Anhaltspunkte für meine nächste Recording-Session... :great:
     
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