Klavierspielen lernen mit Bach und Co.

  • Ersteller Pianoteq
  • Erstellt am
Der Vorteil des Internets ist: Man bekommt eine Menge verschiedenster Informationen in kurzer Zeit.
Der Nachteil des Internets ist: Man bekommt eine Menge verschiedenster Informationen in kurzer Zeit.

😎

Seht guter Punkt. Das ist in der Tat ein zweischneidiges Schwert.

Allerdings hatte Robert Gjerdingen als Professor sein Leben lang Zeit, darüber zu forschen. Das trifft für uns Normalsterbliche nicht zu. Deshalb ist Beschränkung das Gebot der Stunde. Wenn Gjerdingen das erklärt, schöpft er aus einem fast unermesslichen Wissensvorrat, den er sich über Jahrzehnte angeeignet hat. Wir, die wir etwas darüber lernen wollen, kratzen verglichen damit gerade mal an der Tür zur Bibliothek.

Die Leute, die früher das Partimentospiel gelenrt haben, haben das vermutlich auch jeden Tag mehrere Stunden geübt.

Da denkt man dann fast schon, es gibt nur das. Aber es gibt mehr als das, und das ist sehr erfreulich.

Man fängt ert einm vorne an. Mit den einfachen Dingen. II-V-I und Quintfallsequenzen sind so ubiquitär, dass ich sie - ohne zu wissen,wie Dinger heißen - selbst erkannt habe, einfach wilman sie so oft zu hören bekommt.

Es gibt ja noch das ganze weite Feld der Reharmonisation. Nicht, um Dich zu verwirren, sondern um zu zeigen, dass es da keine Regel heutzutage gibt "Bei Melodieverlauf von <Ton 1> nach <Ton 2> brauche ich Akkord <Akkord> mit Bass <Note im Bass>", sondern esgibt viele Wege,wie man das harmoniseren kann und darf.

Nehmen wir mal 'Oh Tannenbaum'.
Starkes Signal am Anfang: Quarte aufwärts. Oft Indikation dafür, dass der zweite Ton der Grundton sein könnte.
(Hornsignal, Obertonraihe, 3. Oberton => 4. Oberton).
Dann ist der erst ja die Quinte zum Grundton, ah, da können wir die Dominante nehmen.

Kann man so machen.
Ist der Normalfall.
Kann aber auch ganz anders machen, den ersten gar nicht harmonisieren und der zweite dann ein IV add 2.
Das kann einem Oktavregel, Partimento und Co., vermutlich nicht erzählen.

Oder das Beispiel hier:


View: https://www.youtube.com/watch?v=ZvDUkldQcrc

Ob das 'schön' ist, ist eine andere Frage. Aber ... darf man das?
latuernich.jpg

(Man beachte den leicht angeheiterten Zustand.)

Grüße
Omega Minus
 
Was hier in letzter Zeit so Thema war, ist für einige AnfängerInnen vielleicht regelrecht abschreckend. Generalbass und Kontrapunkt sind nicht gerade das, womit man beim Klavierspielen anfängt. Die neapolitanischen Waisenkinder sind da wahrscheinlich auch erst nach Jahren hingekommen.

Aber was macht man denn nun am Anfang, so im ersten, zweiten Jahr des Klavierlernens? Im klassischen Bereich spielt man da vielleicht Stücke aus der Russischen Klavierschule, dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach, Übungen von Hanon und Czerny, Etüden von Burgmüller etc.

Im nicht so klassischen Bereich spielt man eventuell etwas aus einer Klavierschule wie der von Jens Rupp oder Stücke in dieser Art, die er und andere extra für Anfänger geschrieben haben. Da kommen William Gillock in den Sinn oder auch Ailbhe McDonagh mit ihrem It’s a Piano Thing! Und viele andere, vor allem englischsprachige KomponistInnen.

Deutschsprachig ist die Auswahl an entsprechenden Noten/Notenbüchern nicht so groß, aber es gibt sie. Daniel Hellbach, Sandra Labsch, Oxana Krut, Anne Terzibaschitsch, Aniko Drabon sind nur einige von noch vielen mehr. Schwierig wird es, wenn man deutschsprachige Videos auf YouTube mit schönen Akkordfolgen und Vorschlägen für kleine Improvisationen sucht. Das meiste ist auf Englisch. Aber es gibt auch deutsche Angebote wie das von Daniel Hunziker, das ich oben schon erwähnt und verlinkt hatte. Ein weiteres dieser deutschsprachigen Angebote ist von Klavierlernen mit Melanie:


View: https://youtu.be/9pZo2l6zycI?si=R33Jo0NxBpqB0o8y

Melanie unterrichtet keine fertig komponierten Stücke (bis auf Ausnahmen), sie gibt nur Anregungen, um selbst kleine Stücke zu improvisieren. Zu Anfang auf sehr einfache Art, die sich dann Stück für Stück ein wenig steigert. Was sie von vielen anderen unterscheidet, ist, dass sie keinen Jazz macht. Bei ihr geht es ausschließlich um Pop-Improvisation. Das ist ein außergewöhnlicher Weg, denn die große Masse der Anbieter, vor allem der englischsprachigen Anbieter, ist doch sehr dem Jazz verhaftet. Das ist aber nicht unbedingt jedermanns (oder jederfraus) Geschmack.

Wenn man also eher in die Pop-Richtung tendiert, sollte man sich die Vorschläge von Melanie einmal ansehen. Ich habe mir heute obiges Video noch einmal (ich kannte es schon) angesehen und es nachgespielt, und das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wenn man etwas anderes ausprobieren will, kann man sich bei Melanie aus über 130 Videos etwas aussuchen, um das ganz von Anfang an zu lernen. Mit ihren Videos habe ich schon einige Klingeltöne für mein Handy erstellt. Das klingt sehr gut, und kein anderer hat dieselben. Alles Einzelstücke. 😊
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Melanie macht keine Stücke, sie gibt nur Anregungen, um selbst kleine Stücke zu improvisieren.
Hab mir mal zwei von den Videos angeschaut. Das macht sie sehr schön "kleinteilig", gut für Anfänger aufbereitet. Danke für den Hinweis!
 
Was hier in letzter Zeit so Thema war, ist für einige AnfängerInnen vielleicht regelrecht abschreckend. Generalbass und Kontrapunkt sind nicht gerade das, womit man beim Klavierspielen anfängt. Die neapolitanischen Waisenkinder sind da wahrscheinlich auch erst nach Jahren hingekommen.
Ich verfolge die Beiträge schon eine ganze Weile und viele Begriffe erzeugen bei mir als Spätanfängerin (noch sehr am Anfang) nur Fragezeichen im Kopf. Mitunter denke ich: "Oh Gott, was es noch alles zu lernen gibt!" und doch finde ich es auch interessant, bereits jetzt anderen Input zu bekommen.

In der Praxis umsetzen kann ich davon leider noch gar nichts - auch das gut gemeinte Video von Melanie nicht. Wenn man berufstätig (Vollzeit) ist, Familie und Haus hat und noch dazu neben dem Klavierspielen man sich hin und wieder auch sportlich betätigen will, bleibt neben dem eigentlichen Klavierunterricht und den dort aufgetragenen Übungen leider keine Zeit mehr. Das Umsetzen der Infos von Melanie würde aber genau das Einfordern: Zusätzliches Üben zum eigentlichen Unterricht.

Aber, ich finde es spannend, das alles zu lesen und denke mir: Toll, was es noch alles zu lernen gibt. Langweilig wird es mir die nächsten Jahre bestimmt nicht! :LOL:
 
Das Umsetzen der Infos von Melanie würde aber genau das Einfordern: Zusätzliches Üben zum eigentlichen Unterricht.
Kollegin Pianoteq beleuchtet alle möglichen Aspekte rund um's Klavierlernen und Spielen. Sie betreibt das Hobby besonders engagiert und zu entsprechend vielen Entdeckungen und Anregungen kann sie hier berichten.

Üben könnte man als eine Zeit für sich sehen. Die Beschäftigung mit Übungen und Spielstücken ist dann einer von verschiedenen Wegen zur Entfaltung der Persönlichkeit. Durch das Üben erweitert man den eigenen Ausdruck im Spielen. Das Üben und die damit verbundene Überwindung so mancher Hürde entlang des Weges kann dann zunehnehmde Motivation und zunehmende Freude am Musizieren bewirken.
Wieviel man bis wann erreicht ist dabei gar nicht so wichtig.
Weil es mir gerade einfällt: als Vertreter der Czerny schätzenden Minderheit unter den Klavierschülern möchte ich noch auf eine clevere Titelwahl des Meisters hinweisen. Er nannte eine Zusammenstellunge von Üben für Anfänger "100 Erholungen".
https://universaledition.com/100-erholungen-fuer-klavier-czerny-carl-ue260

EDIT Nachtrag: meine komprimierte Lieblingszusammenstellung ist - ab dem meistens 2. Halbjahr Unterricht oder etwas später - "Hello, Mr Gillock! Carl Czerny!". Die schönen Etüden und Stücke steigen in den Anforderungen und können eine ganze Weile begleiten. Das Heft wird bereits seit 25 Jahren verlegt und immer wieder im Lehrplänen berücksichtigt, u.a. in den ABRSM Piano Exams.

Gruß Claus
 
Zuletzt bearbeitet:
Gerade eben habe ich mich beim Üben aufgenommen und nachher, als ich mich selbst in dem Video beim Üben angeschaut und angehört habe, so gedacht: Wieso denken wir immer, dass wir nichts können? Ich glaube, das trifft für viele Spätanfänger zu. Vor einiger Zeit las ich drüben im Clavioforum (da bin ich kein Mitglied, aber lese mit), dass eine Spätanfängerin, die mit 70 angefangen hat, Klavier zu lernen, und jetzt 81 ist, also seit 11 Jahren lernt, meinte, sie könnte nichts. Sie spielt ganz schön anspruchsvolle Stücke, wie ich das so mitgekriegt habe, also sie hat ganz bestimmt eine Menge gelernt und auch und gerade in Anbetracht ihres Alters kann sie eigentlich stolz auf sich sein, aber wir sind irgendwie immer unzufrieden mit dem, was wir können. Das trifft sicherlich auch für Nicht-Spätanfänger zu, aber ich habe das Gefühl, dass wir Spätanfänger so sehr davon überzeugt sind, dass wir das nie mehr aufholen können, was die „Frühanfänger“ gelernt haben, dass wir unsere eigenen Erfolge manchmal gar nicht sehen.

Natürlich habe ich auch in dem Video, das ich heute beim Üben von mir aufgenommen habe, viele Fehler gespielt. Selbst bei der fis-moll-Tonleiter war nicht alles richtig und ich musste neu ansetzen. Das Stück Anastasia in fis-moll hat auch noch einige Hürden für mich, an denen ich arbeiten muss, obwohl es sicherlich nicht furchtbar schwer ist. Ich denke, es entspricht ziemlich genau meinem Niveau. Wenn ich es diese Woche endlich einmal jeden Tag üben kann, werde ich es nächsten Montag bei der Klavierstunde meiner Klavierlehrerin wohl recht flüssig vorspielen können. Da ich jetzt so krank war, dass ich nicht üben konnte, hat sich das verzögert, sonst wäre ich schon am nächsten Stück. Es geht also eigentlich ganz gut voran. Heute habe ich wieder eine Übung von C-Dur in fis-moll transponiert beim Spielen, um das weiter zu üben. Das geht auch immer besser. Was ich vor noch gar nicht so langer Zeit noch nicht für möglich gehalten hätte.

Nun überlege ich schon, was mein nächstes Stück sein könnte, wenn ich mit Anastasia fertig bin. Da ich so viel Spaß an den Klängen in diesem Stück habe, dachte ich, dass ich etwas Ähnliches machen könnte, aber es ist schwierig, etwas genauso Gutes zu finden. Das Stück ist wirklich sehr gelungen, finde ich. Schön wäre es, wenn es ein Stück mit ähnlich interessanten Klängen wäre, denn das fasziniert mich im Moment am meisten. Als ich heute die tonleitereigenen Akkorde von fis-moll gespielt habe und es da von Gis vermindert zu A übermäßig ging, ist mir richtig ein Schauer den Rücken heruntergelaufen. Das ist ein irre schräg klingender Übergang.

Was ich gestern entdeckt habe, war der Pyramid Dance von Angeline Bell:


View: https://www.youtube.com/shorts/r4L6dguuOVc

Das könnte etwas sein als mein nächstes Stück, auch wenn es sicher etwas einfacher ist als Anastasia. Es ist auf jeden Fall lustig. 😊
 
Ach, es ist wirklich ein Kreuz. So viele schöne Stücke, die man spielen könnte, und so wenig Zeit. 😊 Selbst wenn ich stundenlang jeden Tag üben würde bis zu meinem Tod, könnte ich das nicht mehr alles lernen und spielen. Da haben die „Frühanfänger“ einfach die Nase vorn. Die hatten Jahrzehnte mehr, um all diese schönen Stücke zu spielen. Dafür gibt es jetzt allerdings viele neue Stücke, die es damals noch nicht gab, wie beispielsweise die von Ailbhe McDonagh und Angeline Bell. Die sind ja erst in den letzten Jahren entstanden.

Ein paar Stücke gibt es allerdings schon länger wie die von Cécile Chaminade. Sie lebte von 1857-1944 und war damals als Pianistin und Komponistin ziemlich berühmt. Zumindest bis zum ersten Weltkrieg. Danach war ihr Stil anscheinend nicht mehr so gefragt. Ihre Lebensgeschichte zeigt, dass sie sehr begabt war, aber ihr Vater meinte, dass Mädchen nur Ehefrauen und Mütter werden könnten und hat ihr ständig Steine in den Weg geworfen.

Georges Bizet nannte Cécile jedoch „seinen kleinen Mozart“ und unterstützte sie. So ist sie dann doch noch eine erfolgreiche Pianistin und Komponistin geworden. Sie hat sogar Konzerte in der ganzen Welt gegeben. Heute ist sie ziemlich vergessen, in letzter Zeit aber ein bisschen wiederentdeckt worden.

Wie so viele andere Komponisten hat auch sie ein „Album für Kinder“ komponiert, das auch für uns heutige Spätanfänger Stücke enthält. Sehr hübsch ist dieser Walzer:


View: https://youtu.be/p8nok-Up26w?si=zLb32dVbK9PzXuMs

Aber auch viele andere Stücke aus dem Album sind in einem Schwierigkeitsgrad komponiert, den man als etwas fortgeschrittener Anfänger spielen kann. Je nachdem, wie weit man nach zwei oder drei Jahren eben ist. Für mich wäre es machbar, aber ich müsste doch ziemlich üben, um dieses Stück zu lernen. In einer Woche ist das wohl nicht getan. Macht aber bestimmt Spaß, weil es so etwas Lustiges, die Stimmung Hebendes hat.

Somit auch eines der Stücke (bzw. das ganze Album), das ich auf meine Liste setze, um sie in absehbarer Zeit zu spielen.

Einige ihrer Stücke sind auch in das ABRSM-Programm aufgenommen worden, und dort wird dieses hier mit Grade 4 eingeordnet:


View: https://youtu.be/_p5ox10T-j8?si=nPGjplahfmp6ir_y

Das hier ist allerdings nicht aus dem „Kinderalbum“ und Grade 8:


View: https://youtu.be/-Xh8vBCk_VI?si=wpkpXhp7HzAYize_

Das wird wohl noch ein paar Jahre dauern, bis ich das spielen kann. 😎
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Ach, es ist wirklich ein Kreuz. So viele schöne Stücke, die man spielen könnte, und so wenig Zeit. 😊 Selbst wenn ich stundenlang jeden Tag üben würde bis zu meinem Tod, könnte ich das nicht mehr alles lernen und spielen. Da haben die „Frühanfänger“ einfach die Nase vorn.
Das geht mir als "Frühanfänger" leider genauso ;)

Aber es hat ja auch sein Gutes. Stell Dir vor, du wärst eines Tages "fertig" und hättest alles gespielt, was Dir gefällt. Nichts neues mehr zu entdecken. Wäre auch doof irgendwie :)

Wichtig ist aber, dass man seine Zeit effektiv nutzt. Dann ist man meiner Meinung nach Faktor 2 bis 3 schneller.
Das heißt fokussieren - weniger youtube, Übeplan, und die konkreten Schwierigkeiten finden und gezielt üben.

Das gilt vor allem, wenn man ein Stück zum Tag x fertig haben will.
Falls man natürlich einfach Spaß haben will, kann man es auch ganz entspannt angehen ;)

Die RKL finde ich auch toll
was ist die RKL?
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Oops, RKL war ein Schreibfehler.
Ich meinte "RKS" für "Alexander Nikolajew, ed. Julia Suslin, Russische Klavierschule (3 Bände)", habe die Stelle oben korrigiert.
Die Ausgaben gibt es auch mit Einspielungen der Stücke auf CD (immer noch?).
rks1.jpg rks2.jpg rks3.jpg
https://www.thomann.de/de/sikorski_verlag_russische_klavierschule_1.htm
https://www.thomann.de/de/sikorski_russische_klavierschule_2.htm
https://www.thomann.de/de/sikorski_musikverlage_russische_klavierschule_spielb.htm

Bei dieser Gelegenheit: der Herausgeber "Sikorski Musikverlage" wurde vor einigen Jahren von Boosey & Hawkes übernommen. Der neue Eigentümer hat die informativen Homepages zum Verlagsangebot und speziell die zur Russ. Klavierschule leider bis heute offline gestellt, ein Trauerspiel.
https://www.sikorski.de/
https://www.die-russische-klavierschule.de/

Gruß Claus
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Bei diese Gelegenheit: der Herausgeber "Sikorski Musikverlage" wurde vor einigen Jahren von Boosey & Hawkes übernommen. Der neue Eigentümer hat die informativen Homepages zum Verlagsangebot und speziell die zur Russ. Klavierschule leider bis heute offline gestellt, ein Trauerspiel.
https://www.sikorski.de/
https://www.die-russische-klavierschule.de/

Manchmal hilft das Archiv (archive.org) weiter, z.B.
https://web.archive.org/web/20210115164608/www.die-russische-klavierschule.de/

Grüße
Omega Minus
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Immerhin bekommt man im Webarchiv einen Eindruck, was da weggeräumt wurde und dass das Online-Marketing von Boosey & Hawkes nicht unbedingt erfolgsorientiert handelt.
Leider speichert das Webarchiv nur Teile der ursprünglichen Homepage, auch wenn das verständlich ist.

Gruß Claus
 
Es dauert alles länger, als man denkt, vor allem, wenn man nicht so viel Zeit zum Üben hat, aber es wird. 😀 Immer wieder stelle ich fest, dass die Art des Übens fast wichtiger ist als die Zeit, die man damit verbringt. Natürlich muss man üben, sonst kommt man zu gar nichts. Aber man muss nicht stundenlang stupide immer wieder dieselben Stellen üben. Das tut man fast automatisch, wenn etwas nicht klappt. Man will eben, dass es klappt. Und dann wundert man sich, dass es doch nicht so viel besser wird, wie man erwartet hat.

Denis Zhdanov hat das in seinem jungen, aber doch schon langen Pianistenleben auch herausgefunden:


View: https://youtu.be/DSu7JuiYHQo?si=9ylrYrmAFUaRMpLD

In diesem Video stellt er etwas vor, das er The principle of variability nennt. Auf Deutsch übersetzt so etwas wie das Prinzip der Veränderung oder das Prinzip der Abwechslung. Es ist nicht unbedingt etwas Neues, eine große Aufgabe in viele kleinere herunterzubrechen, die einfacher zu lernen sind, um es dann zum Schluss zu einem großen Ganzen zusammenzusetzen. Dennoch stellt er hier sehr kompakt in einem einzigen Video einige Strategien vor, wie man das am besten tun kann. Er nimmt als Beispiel Mozarts „Einfache Sonate“ KV 545, die wohl alle kennen. Und die gar nicht so einfach ist, wie sie heißt. 😉 Zumindest nicht für Anfänger.

Insgesamt hat er 13 Punkte. Punkt 3 ist mit getrennten Händen zu spielen, und ich persönlich habe festgestellt, dass das viel hilfreicher ist, als man denkt. Am Anfang denkt man, das macht man nur, solange man das Stück noch nicht mit beiden Händen spielen kann. Man fängt mit einer Hand an, bringt sie fehlerfrei auf das richtige Tempo, dann nimmt man die andere Hand, bringt sie fehlerfrei auf das richtige Tempo. Und zum Schluss bringt man beide zusammen und bringt sie zusammen fehlerfrei auf das richtige Tempo.

Das ist auf jeden Fall schon mal gut, aber ich habe festgestellt, selbst wenn man ein Stück schon recht gut mit beiden Händen spielen kann, hilft es immer noch, beim Üben die Hände wieder zu trennen. Das habe ich jetzt beispielsweise mit „Anastasia“ gemacht. Ich kann das mit beiden Händen spielen, aber beim Üben mache ich es so, dass ich erst mit der rechten Hand das Stück so schnell wie möglich durchspiele und so richtig wie möglich, dann mit der linken Hand so schnell wie möglich und so richtig wie möglich, dann mit beiden Händen dasselbe. Dann wieder mit der rechten Hand allein, mit der linken Hand allein, wieder mit beiden zusammen. Und das bringt eine Menge, auch wenn ich das Stück im Prinzip schon kann.

Früher habe ich das nicht gemacht. Da habe ich zwar mit beiden Händen separat geübt, solange ich das Stück noch nicht flüssig und in einem guten Tempo mit beiden Händen spielen konnte, aber dann nicht mehr separat. Und dann ging es irgendwie nicht weiter. Die Hände auch dann noch separat zu üben, wenn ich das Stück schon kann, das ist mir nicht eingefallen.

Es gibt noch eine Menge mehr Punkte bzw. Methoden, die Denis Zhdanov hier in diesem Video vorstellt, und die sind alle gut, aber die letzte ist „Transponieren“, und das ist besonders gut. Das habe ich ja gerade kürzlich erst mit meiner Klavierlehrerin angefangen, und das ist eine Technik, mit der man sich gewaltig verbessern kann. Ich habe das jetzt schon mit einigen kleinen Stücken gemacht, und es ist erstaunlich, was das bringt. Wie viel freier und auch bewusster man sich auf der Tastatur bewegt.

Es hat glaube ich auch etwas mit den Mustern zu tun, die beim Klavierlernen so hilfreich sind. Das hatte ich ja schon mal in einem anderen Thread angesprochen. Beim Transponieren kann man nicht die Töne spielen, die in den Noten stehen, man muss das Muster erkennen. Intervalle sind Muster, die immer wiederkehren. Ebenso wie Akkorde. So löst man sich auch ein wenig davon, genau das zu spielen, was in den Noten steht, und denkt mehr darüber nach, wie die Musik aufgebaut ist. Sonst kann man das nicht transponieren. Man kommt dem großen Ganzen näher.
 
Zuletzt bearbeitet:
Kollegin Pianoteq beleuchtet alle möglichen Aspekte rund um's Klavierlernen und Spielen. Sie betreibt das Hobby besonders engagiert
Da bist Du aber das beste Vorbild. 😊 Wir haben glaube ich einen ähnlichen Ansatz, dass wir viel recherchieren und nach Hintergrundinformationen suchen. Was manchmal auch ein bisschen zu viel Zeit in Anspruch nimmt, weil man in der Zeit ja üben könnte. Aber ich habe für mich persönlich festgestellt, dass sich mir dadurch Zusammenhänge besser erschließen und ich das irgendwie brauche. Wenn ich immer nur vor den Noten sitzen und Ton für Ton üben würde, würde mir das wahrscheinlich doch irgendwann langweilig werden. So wird es mir nicht langweilig, weil ich immer wieder etwas neues Interessantes entdecke. Manchmal muss ich mich allerdings sehr am Riemen reißen, um dann stattdessen zu üben statt weiter "herumzuforschen". Da muss man ein bisschen aufpassen, weil das alles so spannend ist. Und Üben ist manchmal nicht ganz so spannend. 😎

Üben könnte man als eine Zeit für sich sehen. Die Beschäftigung mit Übungen und Spielstücken ist dann einer von verschiedenen Wegen zur Entfaltung der Persönlichkeit. Durch das Üben erweitert man den eigenen Ausdruck im Spielen. Das Üben und die damit verbundene Überwindung so mancher Hürde entlang des Weges kann dann zunehnehmde Motivation und zunehmende Freude am Musizieren bewirken.
Wieviel man bis wann erreicht ist dabei gar nicht so wichtig.
Das ist sehr wahr. Besonders für uns Spätanfänger. Heute habe ich gemerkt, dass es jetzt langsam wird mit "Anastasia", und am Anfang dachte ich, ich kann das Stück in einer Woche, war unzufrieden, dass es nicht so schnell ging. Aber es freut mich jetzt eben doch, dass das Üben mich weitergebracht hat. Sonst hätte ich mich wahrscheinlich jetzt auch nicht so intensiv mit fis-moll beschäftigt. Ich wundere mich manchmal, dass es sehr viel besser läuft, wenn ich gerade mal ein oder zwei Tage nicht geübt habe, weil ich keine Zeit hatte oder es mir nicht so gutging. Heute Morgen war es richtig aufbauend, doch besser spielen zu können als noch das letzte Mal, als ich das Stück geübt habe. Das war am Donnerstag.
 
am Anfang dachte ich, ich kann das Stück in einer Woche, war unzufrieden, dass es nicht so schnell ging.
das ist normal.
Es dauert eigentlich immer länger, als man am Anfang denkt ;)

Ich wundere mich manchmal, dass es sehr viel besser läuft, wenn ich gerade mal ein oder zwei Tage nicht geübt habe
Das kennt glaube ich auch jede(r).
Ist natürlich keine Strategie, die man ständig anwenden sollte ;) aber man muss sich auch keinen Stress machen, wenn man mal nicht alles jeden Tag übt.

aber die letzte ist „Transponieren“, und das ist besonders gut.
Das mache ich auch gerne. Dafür ist es aber gut, wenn man sich vorher genau überlegt hat, was die Schwierigkeit eigentlich verursacht. Und wenn es um ein klassisches Stück geht, finde ich wichtig, den gleichen Fingersatz zu verwenden, auch wenn es beim Transponieren komisch ist.

Wenn es eher ums "echte" Transponieren geht, dann sollte man sich besser für jede Tonart den optimalen Fingersatz überlegen.
 
Das gilt vor allem, wenn man ein Stück zum Tag x fertig haben will.
Das ist bei mir nie so, weil ich ja nicht irgendwo vorspielen muss. Es gibt also keinen richtigen Endtermin. Ein richtiger Endtermin könnte manchmal helfen. Am Anfang war das ein bisschen ein Problem für mich, dass ich kein so ganz konkretes Ziel hatte, aber mittlerweile denke ich, ich nehme das als positiv, dass ich nie "aufführungsreif" spielen muss. Wenn ich das Gefühl habe, ich kann ein Stück ganz gut, gehe ich weiter oder bitte meine Klavierlehrerin, mir jetzt etwas Neues vorzuschlagen.

Falls man natürlich einfach Spaß haben will, kann man es auch ganz entspannt angehen
Ja, kann man. Aber auch nicht zu entspannt, wenn man sich selbst nicht demotivieren will. Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass man das Gefühl hat voranzukommen. Wenn ich zu lange an einem Stück bin, habe ich nicht das Gefühl voranzukommen, obwohl ich natürlich an jedem Stück etwas lerne und es sich immer lohnt, ich hinterher immer mehr kann als vorher. Es ist gar nicht so einfach, die Balance zu finden, finde ich. Wir müssen ja nicht spielen. Wie machen das nur zum Spaß und niemand hetzt uns. Aber wir wollen doch trotzdem etwas davon haben, sonst würden wir es ja nicht machen. Wenn man sich selbst keine Ziele setzt, kann das in die Hose gehen. Dann kommt einem das Üben nach einiger Zeit sinnlos vor.

Ich wollte mein Leben lang Klavierspielen lernen, aber ich habe es mir auch einfacher vorgestellt (wie vermutlich alle). Man möchte spielen können, aber man weiß am Anfang nicht, dass das so ein langer Weg ist. Wenn ich mich aber heute ans Klavier setze, kann ich mehr als vor fast zwei Jahren, als ich angefangen habe. Ich kann nicht genau sagen, ob ich ein bestimmtes Ziel erreicht habe, weil es keines gab außer das allgemeine "Klavierspielen können", aber ich sehe, dass ich weitergekommen bin und dass das Üben sich lohnt.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 2 Benutzer
Ist natürlich keine Strategie, die man ständig anwenden sollte
Das ist wie die Sache mit dem Regenschirm. Wenn man keinen dabeihat, regnet es. Wenn man ihn das nächste Mal mitnimmt, regnet es nicht - oder es regnet. Man kann nicht den Regenschirm mitnehmen, damit es nicht regnet.

Und man kann nicht nicht üben, damit es besser läuft. Aber man braucht zwischen den Übeeinheiten Pausen, damit es sich besser festsetzt. Ich weiß nicht, ob man feststellen kann, was der ideale Abstand ist. Wenn ich Zeit habe, übe ich, so viel ich kann. Wenn ich nicht so viel Zeit habe, übe ich eben weniger. So wissenschaftlich muss man das ja auch nicht angehen. Aber es würde mich mal interessieren, ob es einen Idealabstand gibt. Wahrscheinlich ist das wieder von Mensch zu Mensch verschieden.

Das mache ich auch gerne. Dafür ist es aber gut, wenn man sich vorher genau überlegt hat, was die Schwierigkeit eigentlich verursacht.
Bei mir war das vor allem das, dass ich nicht in Intervallen gedacht habe. Es ist immer noch ungewohnt für mich, das zu tun. Wenn ich ein Stück spiele, denke ich nicht, "da kommt jetzt als nächstes eine Quarte, dann eine Terz, dann eine Sexte", ich schaue eben einfach auf die Noten. Das dauert wahrscheinlich eine Weile, bis ich eher die Intervalle sehe statt die Noten. Oder beides.

Und wenn es um ein klassisches Stück geht, finde ich wichtig, den gleichen Fingersatz zu verwenden, auch wenn es beim Transponieren komisch ist.
Das werde ich mal ausprobieren. Bisher habe ich nur eine kleine Übung von Aloys Schmitt transponiert. Das ist kein richtiges Stück. Aber jetzt könnte ich die Schwierigkeit mal erhöhen, indem ich beispielsweise den Pyramid Dance transponiere. Oder die Invention 1.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Der Pyramid Dance von Angeline Bell ist jetzt das erste Stück, das ich aus ihrem "Quirky Notebook" spiele: https://www.musica-ferrum.com/books/my-quirky-notebook/

Wie ich schon in dem anderen Thread schrieb, habe ich mich gestern mit meiner Klavierlehrerin in der Klavierstunde fast schiefgelacht, als ich das zum ersten Mal mit ihr angespielt habe. 😂 Ich weiß auch nicht, aber ich muss immer lachen, wenn ich das spiele. Es ist ein bisschen wie eine Parodie.

Das Büchelchen lohnt sich. Das sind alles sehr hübsche und nicht zu schwere Stücke. Ich habe mir das als PDF gekauft, zum selbst Ausdrucken oder direkt auf dem Computer anschauen, aber es gibt auch eine gedruckte Version, die man bei Angeline Bells Musikverlag Musica Ferrum bestellen kann. Der Verleger selbst hat alle Stücke eingespielt, und man kann sie sich auf der Webseite anhören.
 
Zuletzt bearbeitet:
Bisher habe ich nur eine kleine Übung von Aloys Schmitt transponiert. Das ist kein richtiges Stück. Aber jetzt könnte ich die Schwierigkeit mal erhöhen, indem ich beispielsweise den Pyramid Dance transponiere. Oder die Invention 1.
Ich mache das nicht mit ganzen Stücken, sondern nur mit den schwierigen Stellen. Dann ist es eine rein technische Übung und ich nehme den gleichen Fingersatz.
 
Eine kleine Überoutine, die ich wirklich gut finde:


View: https://youtu.be/kWwtkH6Y9uk?si=ozkO_FwxtcVT7-GD

So oft heißt es "Ich habe keine Zeit zum Üben", aber 15 Minuten sollten sich wirklich irgendwo reinquetschen lassen. Alarm auf dem Handy stellen für jeweils den Schritt, den man durchführt. 2-3 Minuten für jeden der 5 Schritte, und man hat eine ganze Menge abgedeckt. Außerdem verzettelt man sich nicht mit einer Aufgabe und vergisst die anderen. Das passiert mir nämlich oft schon bei Schritt 1, Tonleiter üben. 😁 Und dann habe ich hinterher keine Zeit mehr, das Stück zu üben. Auch wenn man mehr Zeit hat, kann es nützlich sein, die Übezeit so aufzuteilen, nur dann entsprechend mehr Zeit pro Schritt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Aber man muss nicht stundenlang stupide immer wieder dieselben Stellen üben.
Die "Wahrheit" liegt in der Mitte.
Klassischer Fall: wenn man nicht problematische Stellen separat übt, bis sie flüssig laufen, sondern immer das ganze Stück spielt, verschwendet man Zeit und fliegt immer an den selben Steller raus. Man neigt dann auch dazu, den Anfang im Schlaf zu können, aber im weiteren Verlauf des Stücks wird man immer unsicherer.

Denis Zhdanov hat das in seinem jungen, aber doch schon langen Pianistenleben auch herausgefunden:
Seine Tipps sind goldrichtig, da geht es aber vor allem darum, die harmonische Struktur zu verstehen. Somit kann man ein Stück viel leichter auswendig lernen bzw. wird sehr viel sicherer auch beim Spiel nach Noten.

Aber die handwerklichen Grundfähigkeiten müssen dennoch vorhanden sein. Gerade für Anfänger sind viele Bewegungsabläufe ungewohnt und deshalb holprig. Und zur Geläufigkeit kommt man nur durch Wiederholungen.

Erst die Kombination von inhaltlichem Verständnis und notwendiger Spieltechnik (Motorik!) verhelfen zum Durchbruch.
Dieses "inhaltliche Verständnis" hilft auch dabei, nicht Einzelnoten zu lesen/spielen, sondern größere Sinnzusammenhänge zu erfassen.
Also wie beim Lesen: Nicht Buchstabe für Buchstabe, sondern zunächst Silbe für Silbe, später Wort für Wort und schließlich sogar ganze Sätze/Satzteile erfassen.

Viele Grüße
Torsten
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Da ich das hier so ein bisschen als mein musikalisches Tagebuch betrachte, sammle ich hier auch Stücke, über die ich zufällig stolpere, um sie nicht zu vergessen. Eins davon ist dieses hübsche Nocturne von Sandra Labsch:


View: https://youtu.be/cc9rqUEw59U?si=aQPTryBjVnjOGLHw

Sandra Labsch kenne ich schon lange, bzw. ihre Musik. Ich habe schon einiges von ihr gespielt. Aber dieses Nocturne ist schon etwas für Fortgeschrittene. Ich weiß nicht, ob ich das schon spielen kann. Ich finde es aber so schön, dass ich es irgendwann einmal spielen möchte.
 

Ähnliche Themen


Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Zurück
Oben