Etwas Kritik:
Für Besucher, die nicht am Abendprogramm interessiert sind, finde ich die Ticket-Preise schon etwas heftig. Aber ok, es scheint nicht sehr viele davon abgehalten zu haben, trotzdem vor Ort zu sein. Mit dem Abendprogramm zusammen ist das dann aus meiner persönlichen Sicht aber ok.
Ich denke, die Preise gehen schon in Ordnung so. Damit ist irgendwie auch sichergestellt, das sich das Publikum auf Fachbesucher / interessierte Hobbyisten beschränkt und die Leute draußen bleiben, die nur Abwechslung für den Wochenendausflug suchen.
Die Messe war zwar gut besucht, aber ich hatte bei nahezu allen Ständen den Eindruck, ich hätte in kurzer Zeit einen Ansprechpartner oder ein Instrument zum Ausprobieren in die Finger bekommen können.
Neben den Gitarrenbauern mit denen ich schon in der Vergangenheit zu tun hatte (Andreas Thiemann, Carsten Reetz), habe ich dann so auch mal ein Schwätzchen mit Leuten gehalten, die man sonst so nicht direkt zu sehen bekommt (z.B. Harry Häussel, Erik van de Haar).
Meistens hab ich mich dann doch eher zurückgehalten, da ich in die Schublade "interessierter Hobbyist" falle und da niemandem geschäftlich im Weg stehen wollte.
Es gab natürlich wieder ganz viele tolle Sachen.
Natürlich hatten wir auch selbst ein paar schöne Sachen dabei, aber ich finde z.B. auch die Gitarren von Andreas Thiemann immer ziemlich lecker, aber auch die Hubers, oder auch die von Patrick James Eggle, der ja auch mit einem ganz kleinen Stand vor Ort war. Sicher aber noch zig andere Gitarren, die mir auch gefallen würden.
Eine gewisse Reizüberflutung habe ich dieses Mal tatsächlich verspürt, deswegen hatte ich am Ende aller Tage auch keinen Kaufdruck. Es gab etliche neue Aussteller, die für mich zumindest von der Optik her interessante Sachen präsentiert haben, die sich aber entweder mit mir bekannten anderen Gitarrenbauern überschneiden oder einfach schwerer erreichbar sind weil sie aus den fernen Ecken Europas / der Welt kommen.
Habe ich selbst etwas gesehen, dass ich unbedingt kaufen möchte? Nein.
Ging mir -wie gesagt- auch so, auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, das in nicht allzu ferner Zukunft noch was von Andreas Thiemann kommen wird.
Eine der Gitarren, die mich optisch am meisten überrascht haben, stand bei Nik Huber. Eine Decke, die in der oberen Hälfte aus Quilted Maple besteht und in der unteren Hälfte aus Flame Maple kann tatsächlich richtig schön aussehen. Habe weder auf das Preisschild geschaut, noch habe ich sie angefasst.... aus "Gründen".
Wenn ich auf dem Summit mit den Fingern schnippen könnte und alle S-Style, T-Style, LP-Style und alles, was halt irgendwie ähnlich ist, wäre plötzlich verschwunden, dann wäre es schon sehr übersichtlich. ;-)
Am Ende des Tages, sind es halt alles auch oft nur die hundertsten Varianten irgendwelcher “Klassiker”.
Man muss aber auch sagen, die klassischen Formen haben sich unter anderem auch deswegen gehalten, da sie ergonomisch in vielen Positionen funktionieren.
Sicher wird viel mit neuen Formen und Designs gespielt. Warum auch nicht.
Ist alles erlaubt und sogar erwünscht. Allerdings sind da auch immer wieder mal Formen drunter, die in der Praxis vermutlich eher unangenehm sind weil z.B. ersichtlich das Spielen im Sitzen nicht bedacht wurde.
Was Design angeht fehlt mir noch ein bisschen der Rücksturz in die 1980er. An manchen Stellen bahnt sich ein bisschen was an, da Neonfarben und Crackle Finishes immer wieder mal zu sehen sind. Was noch fehlt sind die richtigen Airbrush-Kunstwerke.
In diesem Zusammenhang noch etwas Kritik:
Am meisten enttäuscht hat mich der Stand von ESP. Der war zwar groß und gut gelegen am Eingang, aber auch unfassbar lieblos. Einfarbige Wände, kaum ausgefallene Gitarrenmodelle oder Eyecatcher präsent und eine unbrauchbare Anspielstation.
Ich habe den Versuch es mir auf dem einzelnen viel zu hohen Barhocker bequem zu machen aufgegeben um die ca. 3 T€ Gitarre nicht fallen zu lassen während ich gleichzeitig die Gitarre balanciere und mit beiden Händen den Kopfhörer anziehe ohne jedoch meine Brille herabzureißen.
Trotzdem eine M-I suche ich noch immer, vielleicht aber lieber auf dem Gebrauchtmarkt.
Aber bei vielen kleinen und z.T. auch noch recht jungen Gitarrenbauern auf dem Summit frage ich mich halt schon, wo sie da noch ihr Plätzchen finden sollen oder “können”. Oft ist es dann halt doch mehr Hobby und Leidenschaft. Was ja natürlich auch völlig ok sein kann!
Aus kaufmännischer Sicht und als altes Marketing- und Vertriebs-Häschen sehe ich da aber regelmäßig auch einiges, dass ich dann so gar nicht verstehe. ;-)
Vielleicht ist das ein bisschen wie Musik machen? Nur die wenigsten können wirklich davon leben...
Vielleicht noch etwas zu den Käufern/Kunden.
Das gibt es wirklich alles. Vom Profi, der die Gitarren auch wirklich spielt und das herausholen kann, was die Instrumente denn tatsächlich liefern können, den mehr oder weniger intensiv spielenden Sammler und Liebhaber, die reiche Säcke, die alles kaufen, was ihnen irgendwie gefällt, oder womit sie ein bisschen prahlen können und auch einige sehr seltsame Leute, die Custom-Wünsche haben, bei denen ich mit nur noch an den Kopf greife.
Bei den Kategorien würde ich mich am ehesten bei den "mehr oder weniger intensiv spielenden Sammlern/Liebhabern" einordnen. Und ich habe mich da schon manches mal gefragt, ob ich nicht einem jungen und aufstrebenden Musiker ein tolles Instrument wegkaufe, das bei mir vergleichsweise sporadisch und laienhaft zum Einsatz kommt.
Ich glaube, als Gitarrenbauer sieht man das am Ende eher pragmatisch und denkt sich "verkauft ist verkauft". Natürlich ist ein Verkauf an einen Musiker, der mit der Gitarre auf der Bühne steht und Sichtbarkeit erzeugt noch mal was anderes, aber besser verkaufen als die Ware ewig lagern.
Deine Beispiele, die ich jetzt nicht zitiert habe, zeigen ja gut die ganze Bandbreite auf.
Was ich an dem Summit am meisten Liebe, das ist das bunte und internationale Publikum dort, die vielen wirklich interessanten Musiker, denen man so am Stand begegnet und die ganzen netten Menschen, die man dort trifft und die Leidenschaft für den ganzen Gitarren-Wahnsinn teilen, die uns ja alle verbindet. ;-)
Kann ich nur bestätigen, so empfinde ich das auch als Besucher.