Saitenpfeifen: Beim Umschalten von bestimmten Akkorden kann je nach Tastenkonfiguration ein lautes Pfeifen auftreten. Das passiert immer dann, wenn eine Saite durch den neuen Akkord abgedämpft wird und der Dämpfer direkt auf einem Flageolettton liegt (das sind die Knotenpunkte der Obertöne der Saite, Gitarristen kennen das). Gegen die Physik kann man nichts ausrichten, aber man kann die Flageoletts durch zusätzliche Ministege so verschieben, dass sie keine Probleme mehr machen. Bei mir waren die A- und C-Saite betroffen und ich habe mir entsprechend zwei kleine gekerbte Ministege auf dem 3D-Drucker ausgedruckt und die Saiten damit etwas verkürzt. Man könnte diese Blöckchen aber auch passend aus einem Stück Holz schnitzen. Anschließend die Saiten wieder etwas herunterstimmen und das Pfeifen ist verschwunden.
Ich habe noch eine viel bessere Möglichkeit entdeckt, wie man Saitenpfeifen verhindern kann und insgesamt eine viel bessere Klangqualität bei der Autoharp bekommt. Der Grund für das starke Anschlaggeräusch und die störenden Flageoletts ist, dass die feinen Filzhärchen auf den Akkordbalken nach einiger Zeit regelrecht abrasiert werden und dadurch die Filze die nicht gebrauchten Saiten immer schlechter abdämpfen können. Bei den dicken Basssaiten passiert das am schnellsten, weil die die größte Schwingungsenergie besitzen. Dadurch dauert es länger, bis die Saiten zum Stillstand kommen, was sich als lauteres und längeres Anschlaggeräusch und Saitenpfeifen bemerkbar macht. Der Spieler reagiert darauf mit immer stärkerem Druck auf die Tasten, bis sich die Saiten tief in den Filz gegraben haben und ausgetauscht werden müssen.
Das Problem tritt auch bei den Samtaufklebern auf, die ich bisher als oberste Dämpferschicht verwendet habe, der Kunststoff ist einfach zu weich und neigt ebenfalls zur Glatzenbildung im Bassbereich. Auf der Suche nach einem besser geeigneten Material bin ich schließlich im Bastel- und Nähbedarf fündig geworden. Diese 5 mm breiten Samtbänder werden aus dünnen Nylonfäden gewoben und haben sich als enorm widerstandsfähig und langlebig erwiesen:
Die Samtbänder werden meterweise für wenig Geld angeboten und lassen sich innerhalb Minuten sehr einfach auf den Filzen anbringen. Zum Aufkleben verwende ich 5 mm breite, doppelseitige Klebestreifen, die man am besten zunächst auf die Rückseite eines längeren Samtbändes klebt. Anschließend kann man die 'Filzschoner' passend zurecht schneiden und auf die hoffentlich noch intakten Filze kleben.
Das Ergebnis ist sofort ein klarerer Klang der Autoharp, der über sehr lange Zeit erhalten bleibt. Im letzten halben Jahr ist es mir nicht gelungen, diese Samtbänder herunter zu schrubben, ich gehe daher davon aus, dass sie auch bei intensiver Spielweise viele Jahre halten. Austauschen lassen sich ggf. auch sehr leicht, einfach abziehen und neue Samtbänder aufkleben. Die Filze selbst altern nicht mehr und müssen nie mehr ausgetauscht werden. Als Nebeneffekt verringert sich der Tastenhub der Autoharp um ca 1 mm, was dem Melodiespiel sehr entgegen kommt.
