Ich habe mich vor Dorico bisher gedrückt, weil ich befürchte, dass die Noten nicht so-mal-eben einzugeben sind.
Die Noteneingabe an sich ist nicht wirklich komplizierter oder aufwändiger als z.B. bei Finale. Allerdings ist Bedienkonzept sehr anders als bei Finale, angefangen bei der Einrichtung eines neuen Notensatzes, aber auch sonst an allen Ecken und Enden. Die meisten Befehle musste ich erst mal finden, und die Lernkurve fand ich verdammt steil.
Aber da für registrierte Nutzer von Finale seinerzeit der Crossgrade zu Dorico zu einem extrem günstigen Preis angeboten wurde, hatte ich mich ohne langes Zögern entschieden, überzuwechseln. Und, obwohl anfangs öfter geflucht, den Wechsel nicht bereut. Im Gegenteil, denn wie schon gesagt ist Dorico ein sehr ausgereiftes und durchdachtes Programm mit dem exzellente Ergebnisse möglich sind. Und mit etwas Übung auch ziemlich flott.
... setze ich dann Lieder mit Text und Harmonie - im Liedblatt für die Kirche. Zwar bündele ich immer zwei Achtel, was man ja sonst nicht tut ...
Bei der Notation für Gesang ist es üblich, bei Achteln den Silben des Textes zu folgen. Wenn auf jede Achtel eine Silbe gesungen werden soll, werden sie einzeln als Achtel mit Fähnchen notiert. Wird eine Silbe (bzw. ein Vokal) über mehrere Achtel gesungen, bekommen diese einen Balken.
Übergebundene Noten müssen sie akzeptieren und verstehen. Hat noch niemand gemeckert, scheint auch heute noch allgemeines Kulturgut zu sein.
Wenn eine Note in den nächsten Takt verlängert werden soll, also über den Taktstrich gebunden werden soll, geht es ja gar nicht anders als sie übergebunden mit Haltebogen zu notieren. Innerhalb eines Taktes könnte man sich entscheiden, den entsprechend langen Notenwert zu setzen, z.B. statt Viertel mit angebundener Achtel eine punktierte Viertel, wenn da noch eine Sechzehntel dazu kommen soll, ggf. eine doppelt punktierte Viertel usw.
Aber dabei gilt es, nicht gegen das Grundprinzip zu verstoßen, nämlich dass die Lage der Taktschläge nicht verschleiert werden sollte.
Beispiele die scheinbar dagegen sprechen wie der weiter oben angeführte Claves-Rhythmus (2 punktierte Viertel + 1 Viertel) sind typische Ausnahmen von dieser Regel. Erstens bleibt der Takt mit nur drei Noten immer noch sehr übersichtlich, und zweitens handelt es sich um ein Standard-Pattern, das zudem mit den Claves permanent repetiert wird
Gängige Standard-Patterns können sowieso von dieser Notationsregel abweichend notiert werden, bzw. etablieren sie mit ihrer eigenen Notation sozusagen ihren eigenen Standard.
Notation ist zudem Genre-abhängig. Wenn der Stil "Latin" ist, muss der Claves-Rhythmus korrekt in seinem eigenen Standard notiert werden. Bei z.B. Brahms würde man beim selben Rhythmus eher "punktierte Viertel - Achtel mit angebundener Viertel - Viertel" finden.