Akkorde auf der 7. bzw. 2. Stufe

von neohawaii, 22.07.10.

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  1. neohawaii

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    Erstellt: 22.07.10   #1
    Wie wir ja alle wissen tritt in der klassischen Harmonielehre auf der 7. Stufe in Dur bzw. auf der 2. Stufe in Moll oft der verkürzte Dominantseptakkord auf.

    Meine Frage wäre jetzt, wie häufig war das damals nicht der Fall?

    Und falls ich eine Kadenz mit Funktionsbezeichnungen betitele und ich habe auf der 7. Stufe einen anderen Akkord als den verkürzten Dominantseptakkord kann ich ausnahmsweise eine "VII" drunterschreiben...das hab ich richtig verstanden oder?
     
  2. HaraldS

    HaraldS Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 22.07.10   #2
    Das wahr schon immer und unausweichlich so. Durch die Halbtonabstände innerhalb der Dur- und Molltonleitern entsteht dort zwingend der bewußte verminderter Dreiklang, der als verkürzter Dominantseptimakkord gedeutet werden kann. Das ist ein Faktum und vollkommen unabhängig von historischer Betrachtung ("damals").

    In einer Kadenz kommt in der Regel der Akkord der VII. Stufe nicht vor. Falls er doch vorkommt, kann er vermutlich als verk. Dominantspetimakkord gedeutet werden, wenn es der harmonische Zusammenhang erlaubt. Die Formulierung "Falls ich [...] auf der 7.Stufe einen anderen Akkord als den verkürzten Dominantseptakkord [habe]" macht keinen Sinn, denn auf der 7.Stufe in Dur steht eben einzig und allein der verkürzte Dominantseptakkord. Dort kann es keinen anderen Akkord geben, solange man in der Ausgangstonart bleibt.

    Deine Fragen kommen mir aber eher so vor als wolltest du fragen "wann hat man den verkürzten Dominantseptakkord als solchen gedeutet?" - meinst du das vielleicht?

    Harald
     
  3. Maler

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    Erstellt: 22.07.10   #3
    Der Dreiklang auf der 7. Stufe in Dur ist meistens dominantisch (D7 verkürzt), auf der 2. Stufe in Moll subdominantisch (s6). Aber es gibt tatsächlich Ausnahmen, nämlich bei Quintfallsequenzen, und hier greift man tatsächlich lieber auf Stufen- als auf Funktionsbezeichnungen zurück.
    Beispiel in C-dur: Auf den halbverminderten Septakkord h-d-f-a folgt e-moll-7; das ist sinnvoller mit VII und III bezeichnet als mit D79 verkürzt und Dp7.
    Das ist auch keineswegs unabhängig von historischer Betrachtung, denn im Barock hat man den Septakkord auf der 7. Stufe als eigenständigen Akkord betrachtet (ebenso wie den verminderten Septakkord), nicht als Ableitung von etwas anderem. Die spätere Funktionstheorie muß ihn als Ableitung, als verkürzt, betrachten, da sie für die 7. Stufe keine Funktionsbezeichnung kennt. Wenn der Akkord dominantische Funktion hat, erfüllt das auch durchaus seinen Zweck, aber die hat er nicht immer, übrigens auch der verminderte Septakkord nicht immer.

    Die Funktionstheorie hat ihre Stärken, aber sie hat auch Schwächen und Grenzen, ist nicht auf alles anwendbar und engt bisweilen den Blickwinkel ein wenig ein.
     
  4. neohawaii

    neohawaii Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.07.10   #4
    Ah ok, ich denke dann habe ich (mal wieder) was falsch verstanden...

    Wenn wir in beispielsweise C-Dur einen Sextakkord auf H bilden (h, d, g,) zählt dieser Sextakkord also nicht als 7. Stufe? (...sondern als 5., da es eigentlich nur ein umgekehrter G-Dur Akkord ist?)
     
  5. Maler

    Maler Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.07.10   #5
    Das hast du in der Tat falsch verstanden. h-d-g ist G-dur, also 5. Stufe.
    Es gibt allerdings auch Sextakkorde, wo der Baßton als Grundton zu betrachten ist: h-d-g in fis-moll z.B. ist nicht G-dur, sondern h-moll mit kleiner Sexte. Das nennt man dann einen Neapolitaner.
    Solche Dinge gehören eher zu den zu lernenden Grundlagen, nicht zu der Frage, mit welcher Theorie sich was besser beschreiben läßt - da habe ich, und HaraldS wohl auch, offensichtlich deine Frage überinterpretiert.
     
  6. neohawaii

    neohawaii Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.07.10   #6
    Danke das hat geholfen.

    Ist das ganze in der Funktionstheorie ähnlich? Dh. ein F-Dur Akkord in Sextstellung auf a gebildet ist nicht T sondern SP?
     
  7. Maler

    Maler Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.07.10   #7
    Richtig, a-c-f ist F-dur, in a-moll also Subdominantparallele, allerdings nicht "SP", sondern "sP" (Durparallele der Mollsubdominante).
     
  8. neohawaii

    neohawaii Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.08.10   #8
    Wie beschreibe ich eigentlich Akordstellungen mit Funktionen/Stufen?
    Bei den Funktionen eine 3 für Sextakkord und eine 5 für Quartsext und bei den Stufen so wie im Generalbass?

    Dazu noch ne ähnliche Frage, wenn ich jetzt normale Akkordsymbole habe wie beschreibe ich da die Stellung? Habe ich da mehrere Möglichkeiten? Und kann man die Lage (Terz,Quint,Oktav) eigentlich auch irgendwie beziffern??
     
  9. MaBa

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    Erstellt: 13.08.10   #9
    Es kommt ganz darauf an.
    Funktionstheorie ist klar - Zahl unter der Funktion steht für den Baßton.
    Stufentheorie (klassisch) wie beim Generalbaß.

    Aber Stufen in der Akkord-Skalen-Theorie wie bei Funktionen, nur nicht darunter, sondern mit Slash daneben - ähnlich wie beim Akkordsymbol im Pop/Jazz. (z.B. Tonika mit Terzbaß: I/3 oder Imaj7/3)

    Pop/Jazz: Baßton mit Slash hinter dem eigentlichen Akkord: C/E für C-Dur-Akkord mit E-Baß

    In Büchern mit klassischen Hintergrund wird es wie in der Funktionstheorie gemacht: C mit 3 darunter für C-Dur mit Terzbaß oder c mit 3 darunter für C-Moll mit Terzbaß.

    In einem Akkordsymbol wird keine Lage angegeben. Der Normalfall ist, daß du eine Melodie mit Akkorden vorliegen hast und du bastelst die eine passende Begleitung. Wenn du die Melodie mitspielst, ist auch die Lage klar, ansonsten ist es egal

    Selbst in den Büchern mit eher klassischen Hintergrund beschreibt G8 7 (beide Zahlen hochgestellt) nicht die Lage des Akkordes, sondern den Verlauf einer der oberen Stimmen.

    Gruß
     
  10. neohawaii

    neohawaii Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.08.10   #10
    danke maba. wie immer super erklärt! :)