Alle Bluesklänge

  • Ersteller haiiiner
  • Erstellt am
Dann historische Verweise, die auf die Cotton fields zeigen usf. - alles richtig, nur: wie wird gesungen? Wie angeschlagen? Rhythmiken? Klänge? Wie wird gebendet? Wie wird phrasiert? Was wird nur im BLues so gemacht und in keiner anderen Musik? Mach jetzt nicht schlapp! ;)

Die Fragen KANN ich mit meinem Wissen nicht ansatzweise beantworten (und habe weder Interesse noch ausreichend Zeit, mir dies anzueignen), noch WILL ich das tun.

Ich habe Spaß an dieser Musik, ich verstehe/fühle für mich genug - das reicht im Endeffekt völlig aus. Wir können auch nicht zusammenfinden - Ihr kommt über die musiktheoretische Schiene, ich eher über mein in langen Jahren, aus vielen Büchern, Artikeln, Diskussionen aber vor allem Konzerten und Aufnahmen gesammeltes Wissen über Entwicklung der Traditionen der Afroamerikanischen Musik in ihrem historischen und sozialen Kontext... und besonders der emotionalen Komponente, die eine solche Musik auslösen kann.

Zu der Diskussion, die Ihr hier führen wollt, kann ich fachlich nichts beitragen (hats off to you and CUDO) - noch halte ich es für nötig (wie mehrfach gesagt), Blues so zu anlysieren, noch halte ich es eben für möglich und sinnvoll und zielführend.

Daher "ich bin raus", nicht beleidigt oder so, ich hab' meinen Senf brav abgegeben und versucht, eine andere Richtung einzuschlagen - bin aber wahrlich erwachsen genug, kein totes Pferd weiterzureiten oder irgendwie beleidigt zu sein.
 
Ja, C7/b9, kleine Septime - klar.

Der Name Deines Akkordes wäre also C7/b9/#9/#11/13.

Ein Hammerklang - muss ich morgen ausprobieren - klingt das wirklich gut?

Ich habe hier im Forum in diesem Zusammenhang schon des öfteren die Kumoi Pentatonik in's Spiel gebracht. Es hat noch nie jemand darauf reagiert. Es ist aber unbestritten, dass diese Art von hemitonischer Pentatonik im Blues eine sehr große Rolle spielt.
C Kumoi wäre: c d eb g a
Diese Tonleiter gibt mit dem Ton a eine sehr bluestypische Farbe her, die man durch anhemitonische Pentatonik nicht ereicht.

Das ist interessant für mich, weil ich c d eb f f# g a als Voodoo Blues Scale kenne. Kumoi als solche ist mir neu - hab es aber eben gegoogelt. "Persichetti führt Kumoi in seinem Buch mit den Stufenfolgen 1, 2, b3, 5 und 6 an..." und "In-Sen vielleicht der Fachbegriff für den 2. Modus der Kumoi"...

Der Ton a wird nämlich sehr häufig als Auftakt zum c gebraucht. Die Töne a c eb dieser Tonleiter ergeben einen Diminished. Du weißt worauf ich hinaus will?

Leider nein - aber ich möchte es gern wissen ! :)

Gruuuß,
Heiner
 
Zuletzt bearbeitet:
@Zauberer: Oki doki, verstehe ich!

Ich würde mir nur eines wünschen: wenn man selber keinen SINN in einer Analyse sieht, nicht zu behaupten, es ginge generell nicht oder mache generell keinen Sinn. Denn es bleibt Dein subjektives Empfinden und in Sätzen wie: ich halte es nicht für möglich, sinnvoll und zielführend formulierst Du einen generellen Geltungsanspruch, der immer meinen Widerspruch provozieren wird. Denn wenn es nicht möglich wäre, für manche Zwecke zielführend und für manche Menschen sinnvoll, wäre ich ein Schwachkopf diesen Weg zu verfolgen

Heiner
 
"Persichetti führt Kumoi in seinem Buch mit den Stufenfolgen 1, 2, b3, 5 und 6 an..."
Ja, richtig!
und "In-Sen vielleicht der Fachbegriff für den 2. Modus der Kumoi"...
Egal wie Du sie nennst. Dieser Scale kommt im Jazz eine immense Bedeutung zu. Keiner sagt etwas darüber. Grübel...

Hier meine Herleitung.

Falls Du Fragen dazu hast, bitte.

Die andere offen stehende Sache behandeln wir dann später weiter, weil Kumoi schon irgendwie Voraussetzung dafür ist.
 
Hi Cudo,

habe inzwischen einen Deiner Threads zur Pentatonik gefunden (https://www.musiker-board.de/vb/harmonielehre/45109-pentatonik-inside.html) und mir auch Dein Musikbeispiel runtergeladen. Das klingt faszinierend und wird mich noch beschäftigen. Auf Anhieb verstehe ich vieles in dem Thread nicht, was wohl nur den Rückschluss erlaubt, dass ich zu große Wissenslücken habe.

Dazu - zu den Lücken - gehören bspw. klar anwendbare Regeln zum Erkennen von Avoid notes. Ich weiß nur, dass sie einerseits aus einer unerwünschten Verfremdung des Akkordklanges, andererseits aber auch aus Gründen der Stimmführung hergeleitet werden.

Hinsichtlich Kumoi frage ich mich, ob die Übereinstimmung dieser Pentatonik in japanischer Musik und Jazz Zufall ist - ob es sich um eine historische Parallelentwicklung handelt oder ob es tatsächlich japanische Einflüsse im Blues und Jazz gibt - witzige Vorstellung...

Die Idee, aus der Pentatonik ein vollständiges harmonisches System mit allen Modi herzuleiten find ich absolut reizend und kommt auf meine To Do List.

Gruuuß,
Heiner
 
... klar anwendbare Regeln zum Erkennen von Avoid notes.

Die Terzschichtung über einem Grundton erreicht die 13 (in manchen Fällen auch mehr!). Dabei zählen 9, 11 und 13 als Akkorderweiterungen, sprich Tensions.
Die Brauchbarkeit der Tensions innerhalb des Akkordgefüges hängt ab von deren Position.
Jede Tension hat einen Bezugston zu dem sie sich hingezogen fühlt. Dieser liegt in der Regel unterhalb und stellt einen rudimentären Akkordton dar. Also entweder 1, 3 oder 5.
Man kann nun sagen Tension 9 findet ihre Auflösung im Grundton. Tension 11 in der Terz und Tension 13 in der Quinte.
Da unser durch westliche Musik geprägtes Gehör die kleine None immer noch als starke Dissonanz empfindet, kommen Tensions die nur einen Halbton über ihrem Auflösungston liegen nicht als Akkorderweiterung in Betracht. Sie sind "avoid". Avoid ist ein ganz schlimmes Wort und kommt bei ganz vielen Musikern überhaupt nicht an. :D
Dabei meint das Wort avoid in diesem Zusammenhang wirklich nur die entstehenden starke Dissonanz bei Anwendung dieses Tones als Tension. Eine Diskussion darüber ist mühselig und wurde schon tausendmal geführt. Ich bin mittlerweile immun dagegen.
Die sogenannten avoids sind natürlich interessant als pasing- oder approach notes.

Wenn man mal die avoids auf die 3 Grundfunktionen T SD D bezieht, wird einem schnell klar warum das so ist.
Im Dominantbereich, Mixo und Lokrisch, ist der Grundton der Tonika avoid.
Im Tonikabereich, Ionisch, Phrygisch und Aeolisch ist der Grundton der Subdominante avoid.
Im Subdominatbereich, Lydisch und Dorisch, gibt es keine avoids.


CIAO
CUDO
 
Astrein - hier stecken viele wertvolle Definitonen drin, die für mein Verständnis auf dem zweiten Bildungsweg unerlässlich sind.

Und jetzt kommt die überprüfung, weia. :redface:

Wenn Skalentöne einen Halbton über den Akkordtönen 1, 3, 5 (und 7?) liegen, sind sie als Tensions ungeeignet (und nur als Melodietöne brauchbar) - richtig?

Beispiel A-Dur:
Bei der Dominante ist das "a" avoid - weil es einen Halbton über der Terz der Dominante liegt. Also Tension 11 vermeiden. Und -> "f", "c", "d#" wären avoids, wenn eine Skala sie enthielte -?

Bei der Tonika ist das "d" avoid - weil es auch wiederum einen Halbton über der Terz der Tonika liegt. Ebenfalls 11er-Akkord vermeiden.

Bei der Subdomiante wäre analog das "g" avoid - hier gibt es aber gar keine avoids - das verstehe ich nicht. :gruebel:

Da unser durch westliche Musik geprägtes Gehör die kleine None immer noch als starke Dissonanz empfindet, kommen Tensions die nur einen Halbton über ihrem Auflösungston liegen nicht als Akkorderweiterung in Betracht.

Das hieße also b9, 11, b13 sind für einen Durakkord avoids, bei einem Dominantseptakkord außerdem noch die große Septime zu dissonant als Akkorderweiterung.

Heißt das, es kann keinen Dur-Akkord mit Tension 11 geben?

Gruuuß und
vielen Dank soweit :)
Heiner
 
Wenn Skalentöne einen Halbton über den Akkordtönen 1, 3, 5 (und 7?) liegen, sind sie als Tensions ungeeignet (und nur als Melodietöne brauchbar) - richtig?

Ja, genau. Dabei gibt es, wie so immer, ein paar kleine Ausnahmen wovon eine die Tension b9 im Dominantseptakkord ist. Das hier wiederum zu erklären sprengt den Rahmen. Nehmen wir dies einfach zur Kenntnis.

Beispiel A-Dur:
Bei der Dominante ist das "a" avoid - weil es einen Halbton über der Terz der Dominante liegt. Also Tension 11 vermeiden.
Genau. Sollte es aber vorkommen, dass das "a" als Ton im Klangbild E7 Dominant erscheinen muss, weil er zum Beispiel einen wichtigen Melodieton darstellt, wird der Ton "a" kurzerhand zum Quartvorhalt erklärt. Er steht dann als Ersatz für die Dominantterz und wird dementsprechend auch stimmführungstechnisch behandelt.

Und -> "f", "c", "d#" wären avoids, wenn eine Skala sie enthielte -?
Verstehe ich nicht. Wieso f, c und d#? Die sind doch skalenfremd. Die Regel bezieht sich hier nur auf Diatonisches.

Bei der Tonika ist das "d" avoid - weil es auch wiederum einen Halbton über der Terz der Tonika liegt. Ebenfalls 11er-Akkord vermeiden.
Genau. Tension 11, die reine Undezime also, ist nur im Umfeld von Mollakkorden zu gebrauchen.

Bei der Subdomiante wäre analog das "g" avoid - hier gibt es aber gar keine avoids - das verstehe ich nicht. :gruebel:
Wir sind in A Dur! Da gibt es kein g sondern nur g#. g# wiederum steht einen Ganzton über seinem Bezugston f# (=große Subdominantterz) und kann als Tension #11 sehr wohl im SubdominantKlangbild erscheinen.



Das hieße also b9, 11, b13 sind für einen Durakkord avoids,
So rum kann man sich's allerdings auch merken. Allerdings sind Dominantseptakkorde auch Durakkorde und bei denen gibt es, wie oben schon erwähnt, Ausnahmen!

bei einem Dominantseptakkord außerdem noch die große Septime zu dissonant als Akkorderweiterung.
Die ist ohnehin nicht diatonisch und steht hier eigentlich nicht wirklich zur Debatte.

Heißt das, es kann keinen Dur-Akkord mit Tension 11 geben?
Ja.



CIAO
CUDO
 
Ah - ah ah - hab's endlich geschnallt!

Jetzt weiß ich, wo ich hakte - ich habe nicht diatonisch gedacht, sondern "absolut". Das liegt daran, dass ich immer die Bluesskala zu den Grundfunktionen denke und daher theoretisch immer dazu neige, auch die diatonisch gesehen skalenfremden Töne auf Stimmigkeit zu überprüfen: :rolleyes:

Verstehe ich nicht. Wieso f, c und d#? Die sind doch skalenfremd. Die Regel bezieht sich hier nur auf Diatonisches.

Wir sind in A Dur! Da gibt es kein g sondern nur g#. g# wiederum steht einen Ganzton über seinem Bezugston f# (=große Subdominantterz) und kann als Tension #11 sehr wohl im SubdominantKlangbild erscheinen.

;)

Ja, also Durakkorde mit T#11, Mollakkorde mit T11 -

Tension 11, die reine Undezime also, ist nur im Umfeld von Mollakkorden zu gebrauchen.


Sollte es aber vorkommen, dass das "a" als Ton im Klangbild E7 Dominant erscheinen muss, weil er zum Beispiel einen wichtigen Melodieton darstellt, wird der Ton "a" kurzerhand zum Quartvorhalt erklärt.

Patent! :D

Er steht dann als Ersatz für die Dominantterz und wird dementsprechend auch stimmführungstechnisch behandelt.

Ja. Versteh ich.

Ja, genau. Dabei gibt es, wie so immer, ein paar kleine Ausnahmen wovon eine die Tension b9 im Dominantseptakkord ist. Das hier wiederum zu erklären sprengt den Rahmen. Nehmen wir dies einfach zur Kenntnis.

Gut, dass Du das schreibst - diese Ausnahme bltzt sofort im Zusammenhang mit Gypsy Music und Flamenco durch meinen Kopf und hätte mir sonst Kopfschmerzen bereitet. Ich liebe den Einsatz aber auch im Blues - und frage mich daher gerade: Gilt die Ausnahme ausschließlich für Dominantseptakkorde mit echter Dominantfunktion und nicht für die I. und IV. im Blues?

Total gut, was ich hier durch Dich lerne! Macht Spaß! Da bin ich sogar um 4 h morgens hellwach :)

Heiner
 
Nun könnte man umgekehrt doch auch formulieren:

Als Tensions/Akkorderweiterungen können (ausschließlich) Töne verwendet werden, die (mindestens*) eine große Sekunde oberhalb der Dreiklangstöne 1, 3, 5 liegen (nämlich T9, T#11 in Dur, T11 in Moll und T13).

Dabei wirkt es sich nicht störend aus, wenn Halbtonintervalle aufwärts zu nächst höher gelegenen Akkordtönen entstehen.

Bspw.:
Am9 - T9 hat Ganztonintervall abwärts, Halbtonintervall aufwärts
A#11 - T#11 hat Ganztonintervall abwärts, Halbtonintervall aufwärts
A7/13 - T13 hat Ganztonintervall abwärts, Halbtonintervall aufwärts
*A7/#9 - T#9 hat Anderthalbtonintervall abwärts, Halbtonintervall aufwärts
Amj7/13 - Tmj7 hat Ganztonintervall abwärts, Halbtonintervall aufwärts

Oder umgekehrt: zu vermeiden sind Tensions, die eine kleine Sekunde oberhalb der Drei- bzw. Vierklangstöne liegen... (b9, 11 in Dur, b13, mj7 bei DomSeptAkkorden)

Richtig?
 
Gut, dass Du das schreibst - diese Ausnahme bltzt sofort im Zusammenhang mit Gypsy Music und Flamenco durch meinen Kopf und hätte mir sonst Kopfschmerzen bereitet. Ich liebe den Einsatz aber auch im Blues - und frage mich daher gerade: Gilt die Ausnahme ausschließlich für Dominantseptakkorde mit echter Dominantfunktion und nicht für die I. und IV. im Blues?
Die Ausnahme gilt auch für Dominantseptakkorde ohne Dominantfunktion wie z.B. I7 und IV7 im Blues.

Bei Dominantseptakkorden gilt weiterhin, Tb13, normalerweise wegen b9 Bildung zur darunter liegenden Quinte, ist immer dann erlaubt, wenn keine Quinte im Voicing ist. Sie wird dann stimmführungstechnisch als Quintersatz behandelt.

Nun könnte man umgekehrt doch auch formulieren:

Als Tensions/Akkorderweiterungen können (ausschließlich) Töne verwendet werden, die (mindestens*) eine große Sekunde oberhalb der Dreiklangstöne 1, 3, 5 liegen (nämlich T9, T#11 in Dur, T11 in Moll und T13).

Ja natürlich. Das, so denke ich, ist die schlankeste Art diese Gesetzmäßigkeit auszudrücken.
Bei Moll hast Du übrigensT9 vergessen, die geht da natürlich auch.



Dabei wirkt es sich nicht störend aus, wenn Halbtonintervalle aufwärts zu nächst höher gelegenen Akkordtönen entstehen.

Das ist ein sehr wichtiger Aspekt wie Du gleich sehen wirst, den die meisten übersehen.

Schau mal. Im Jazz/Blues ist man sehr bedacht Reibung (primary dissonance = kleine Sekund oder auch MA7) in den Harmonien selbst zu verwirklichen. Nun ist es aber so, dass Reibungen die eine Avoid miteinschließen dem Ohr dann doch zu heftig sind. Resultat -> es klingt falsch.
Nun was bleibt um Reibung zu erzeugen? Es bleiben genau die Stellen in der Tonleiter bei denen zwei non-avoids eine Halbton bilden.
T9 bildet mit der darüber liegenden Mollterz z.B. eine primary dissonance.

Hier ein Beispiel:
g'
eb'
ab
g
F

F-9. In diesem Voicing bilden sich nun genau 2 primary dissonances. Einmal zwischen g und ab und die Zweite zwischen ab und g'.

Genau so verhält es sich z.B. mit T13 und b7 im Dominantseptakkord. Beide sind erlaubt, können aber trotzdem primary dissonance erzeugen.



Bspw.:
Am9 - T9 hat Ganztonintervall abwärts, Halbtonintervall aufwärts
A#11 - T#11 hat Ganztonintervall abwärts, Halbtonintervall aufwärts
A7/13 - T13 hat Ganztonintervall abwärts, Halbtonintervall aufwärts
*A7/#9 - T#9 hat Anderthalbtonintervall abwärts, Halbtonintervall aufwärts
Amj7/13 - Tmj7 hat Ganztonintervall abwärts, Halbtonintervall aufwärts

Zur Schreibweise der Akkordsymbolik. Es gibt dazu viel Meinungen. Ich benutze die der Legal Realbooks da sie am weitesten verbreitet ist.
T#11 würde man nicht direkt hinter den Tonbuchstaben stellen. Also besser A7/#11.
Wohingegen man die 13 gerne direkt hinter den Tonnamen stellt, also A13. Damit ist immer die kleine Sept und große None miteingeschlossen.

Die Septime gilt nicht als Tension und unterliegt somit nie irgendwelchen Restriktionen.



CIAO
CUDO
 
Wenn ich eure Beiträge überfliege (mehr bleibt mir nicht, weil ich nichts davon verstehe), krieg ich auch langsam den Blues :D

Aber bei euch beiden ist schön erkennbar das Blues-typische Frage und Antwort-Spiel ;)

Weitermachen :)
 
Die Ausnahme gilt auch für Dominantseptakkorde ohne Dominantfunktion wie z.B. I7 und IV7 im Blues.

Das ist natürlich echt 'n Ding! Ich fand nämlich auch, dass der IV7/b9 im Blues nicht übel klingt und hab mich schon gefragt, ob ich da Panne bin.

Bei Dominantseptakkorden gilt weiterhin, Tb13, normalerweise wegen b9 Bildung zur darunter liegenden Quinte, ist immer dann erlaubt, wenn keine Quinte im Voicing ist. Sie wird dann stimmführungstechnisch als Quintersatz behandelt.

Cool, das heißt für mich in meinen Stücken: immer :) - weil ich die 5 bisher mehr aus Transparenzgründen wegließ - aber nun werde ich mit der b13 als Quintersatz experimentieren!

Ja natürlich. Das, so denke ich, ist die schlankeste Art diese Gesetzmäßigkeit auszudrücken. Bei Moll hast Du übrigensT9 vergessen, die geht da natürlich auch.

Ich freu mich, ich hab es verstanden!

Und: ja - hatte es nicht eindeutig aufgeschrieben:
Als Tensions/Akkorderweiterungen können (ausschließlich) Töne verwendet werden, die (mindestens*) eine große Sekunde oberhalb der Dreiklangstöne 1, 3, 5 liegen - nämlich in Dur: T9, T#11, T13 bzw. in Moll: T9, T11, T13 oder in Dur und Moll kann bei suspendierter Quinte auch Tb13 als Quintersatz schön sein.

Das folgende muss auch unbedingt in Dein Lehrbuch, Cudo ;), weil Du es so glasklar und didaktisch spitzenmäßig formuliert hast:

Im Jazz/Blues ist man sehr bedacht Reibung (primary dissonance = kleine Sekund oder auch MA7) in den Harmonien selbst zu verwirklichen. Nun ist es aber so, dass Reibungen die eine Avoid miteinschließen dem Ohr dann doch zu heftig sind. Resultat -> es klingt falsch.

Nun was bleibt um Reibung zu erzeugen? Es bleiben genau die Stellen in der Tonleiter bei denen zwei non-avoids eine Halbton bilden.

T9 bildet mit der darüber liegenden Mollterz z.B. eine primary dissonance.

Hier ein Beispiel:
g'
eb'
ab
g
F

F-9. In diesem Voicing bilden sich nun genau 2 primary dissonances. Einmal zwischen g und ab und die Zweite zwischen ab und g'.

Ich wär gar nicht auf die Idee gekommen, die T9 auch schon direkt über dem F einzusetzen, aber jetzt fällt es mir natürlich wie Schuppen aus den Haaren, dass ich dadurch immer eine schöne primary dissonance verschenken würde!!

Genau so verhält es sich z.B. mit T13 und b7 im Dominantseptakkord. Beide sind erlaubt, können aber trotzdem primary dissonance erzeugen.

Ja!

Zur Schreibweise der Akkordsymbolik. Es gibt dazu viel Meinungen. Ich benutze die der Legal Realbooks da sie am weitesten verbreitet ist.
T#11 würde man nicht direkt hinter den Tonbuchstaben stellen. Also besser A7/#11.
Wohingegen man die 13 gerne direkt hinter den Tonnamen stellt, also A13. Damit ist immer die kleine Sept und große None miteingeschlossen.

Ich bin da ein ziemlicher Banause, wie Dir nicht entgangen ist. Weil ich kein übergreifendes kohärentes Konzept für Bluesskala und Bluesgrundfunktionen habe und kenne :confused: und die dortigen harmonischen Widersprüche nicht auflösen kann, hab ich bislang auch den diatonischen Darstellungskonventionen entsagt. Deshalb gibt es in meiner kleinen Welt auch - bislang - keine enharmonischen Verwechslungen, sondern ich benenne alle Halbtöne mit # :eek: :eek:

Jetzt läuft es Dir bestimmt kalt den Rücken herunter :rolleyes: - aber Du siehst bestimmt das systematische Problem, das ich vom Blues ausgehend habe - kannst Du es auflösen?

Bisher gibt es bei mir nur ein System von zwölf Tönen und darin zwei Subsysteme - eins für die Melodie, also bspw. Bluesskala, und das andere eben für den Akkordaufbau, also die I7, IV7, V7. Wegen des fehlenden Gesamtsystems habe ich aber Schwierigkeiten, mir schlüssig weitere Stufenakkorde zu diesen dreien aufzubauen - dabei würde ich mir wünschen, dass das so systematisch geschlossen wie bei den Kirchentonarten ginge! :confused:

Noch 'ne Frage zu den Avoids: komischerweise klingt für mich A7/11 spannungsärmer als A7/#11 - ähem, das kann doch gar nicht sein? :gruebel:

Ich bekomme langsam ein schlechtes Gewissen für diesen unbezahlten Privatunterricht, den Du mir hier gibst, Cudo. Darüber müssen wir nochmal reden. Zum Glück gibt es immerhin Leute wie Dich, FoxyTom, die auch etwas daraus ziehen! :D

So, muss arbeiten gehen,
Gruuuß, Heiner
 
Das ist natürlich echt 'n Ding! Ich fand nämlich auch, dass der IV7/b9 im Blues nicht übel klingt und hab mich schon gefragt, ob ich da Panne bin.
Dazu noch ein Wort. I7 und I7 sind nämlich zwei Paar verschiedene Stiefel.
Wenn Blues harmonische Erweiterung erfährt, eine jazztypische Angelegenheit, wird die dominantisierte Tonika eben auch als V7/IV eingesetzt. Sie fungiert dann sozusagen als Dominante zur Subdominante hin.
Nur in dieser Funktion, nämlich als V7/IV wird für gewöhnlich die dominantisierte Tonika mit Tb9 angereichert. Das passiert situationsbedingt natürlich immer im 4. Takt des Blues-Schemas.
Manchmal kommt ja schon im 2. Takt eine Exkursion zur Subdominante. In diesem Falle kann dann V7/IV mit Tb9 auch auf der 2. Hälfte des 1. Taktes erscheinen.

IV7 wird selten mit Tb9 gespielt. Nach der bluestypischen Bewegung im 5. Takt zur Subdominante hin kommt oft als Folgeakkord im 6. Takt der Durchgangsakkord #IVo7. Dieser repräsentiert eigentlich in gewisser Weise einen IV7/b9 ohne Grundton, wenn man so will. Natürlich wird er nicht als solcher analysiert, aber klangliche Ähnlichkeit hat er.

in Dur und Moll kann bei suspendierter Quinte auch Tb13 als Quintersatz schön sein.
In Moll geht das nicht. Der Mollakkord bekommt durch das Ersetzen der Quinte durch die kleine Sexte Sextakkordcharakter, will sagen, er klingt dann als Umkehrung der bVI Stufe und wechselt seine Identität (Funktion). Somit würde die kleine Sexte in dieser Situation nicht als kleine Sexte sondern als Grundton gehört werden.
Beim Dominantseptakkord verhält sich das anders. Seine Struktur ist durch dem ihm eigenen Tritonus genug gefestigt so daß er diese "Verbiegung" durchaus verträgt ohne zu kippen.



Ich wär gar nicht auf die Idee gekommen, die T9 auch schon direkt über dem F einzusetzen,
Eine Tension kann durchaus in der Unter- oder Mittelstimme eines Voicings liegen. Zu beachten gilt dabei lediglich die L.I.L. "Low Interval Limits" Gesetzmäßigkeiten was die Transparenz von Intervallen im tiefen Frequenzbereich betrifft.



Deshalb gibt es in meiner kleinen Welt auch - bislang - keine enharmonischen Verwechslungen, sondern ich benenne alle Halbtöne mit # :eek: :eek:
Du weißt Bescheid. :))

- aber Du siehst bestimmt das systematische Problem, das ich vom Blues ausgehend habe - kannst Du es auflösen?
Auf der Blues Harp spielst Du doch bestimmt auch b-Tonarten, oder? Schreibst Du dann auch alles mit Kreuzen auf?


Bisher gibt es bei mir nur ein System von zwölf Tönen und darin zwei Subsysteme - eins für die Melodie, also bspw. Bluesskala, und das andere eben für den Akkordaufbau, also die I7, IV7, V7. Wegen des fehlenden Gesamtsystems habe ich aber Schwierigkeiten, mir schlüssig weitere Stufenakkorde zu diesen dreien aufzubauen - dabei würde ich mir wünschen, dass das so systematisch geschlossen wie bei den Kirchentonarten ginge!

Da musst Du Dich ein bisschen reinarbeiten. Lies Dir auch mal die Artikel von Mathias Löffler, MaBa oder meinetwegen auch meine durch. Da steht viel drin über Akkordfortschreitungen und ihre Funktionsweise.

Noch 'ne Frage zu den Avoids: komischerweise klingt für mich A7/11 spannungsärmer als A7/#11 - ähem, das kann doch gar nicht sein?

A7/11 gibt es nicht. Es würde ein Clash produzieren den die meisten Ohren nicht akzeptieren. Aber das haben wir oben eigentlich schon abgehandelt.

CIAO
CUDO
 
Leuchtet mir ein mit der T9 auf der I. Stufe - man arbeitet sozusagen ihre Zwischendominantfunktion zur IV mit der T9 heraus.

Interessant auch das Umkippen der IVm7/b13 zum bVI6/9 durch die Tb13:
Dm7/b13 = d f a a# c wirkt als a# c d f a = A#6/9 - hab ich verstanden, glaub ich.

Auf der Blues Harp spielst Du doch bestimmt auch b-Tonarten, oder? Schreibst Du dann auch alles mit Kreuzen auf?

Ja - einschließlich der Tonartbezeichnung. :eek: Bei mir lautet der Quintenzirkel linksherum F, A#, D#, G#, C#, F# :D

Da musst Du Dich ein bisschen reinarbeiten. Lies Dir auch mal die Artikel von Mathias Löffler, MaBa oder meinetwegen auch meine durch. Da steht viel drin über Akkordfortschreitungen und ihre Funktionsweise.

Mache ich. Beginne damit, die Ergebnisse dieses Threads zusammenzuschreiben.
Die Fragen, die beim Durcharbeiten der genannten anderen Threads auftauchen, stelle ich Dir dann wieder... :)

Mit vielem Dank und Gruuuß,
Heiner
 

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