Aus Kompositions-Schnipseln wird Überblick

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Hirschhuf
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hallo zusammen und einen schönen abend,

ich bin in folgender situation: ich habe zig musikschnipsel (von 0,5 bis 10 minuten länge) in ca. 30 cubase-files aufgenommen, mehrheitlich in audio, manche auch in midi. mein ziel ist, songs draus zu machen, so 12-14 stück. nicht jeder schnipsel wird in einen song reinkommen und sicher wird´s noch ergänzungen brauchen.

fürs komponieren und arrangement brauche ich allerdings vorrangig einen überblick über all diese musikalischen ideen, denn ich habe leider vor allem die kürzeren schnipsel nicht im kopf und erinnere mich erst wieder an sie, wenn ich sie mir von der DAW vorspielen lasse.
da ich aus der "akustischen erinnerung" heraus also keinen song zusammengestellt kriege, brauche ich – denke ich mir jedenfalls in unkenntnis anderer möglichkeiten* – eine visuelle lösung. diese sieht so aus, alle files in noten abzubilden, die kann ich mir ausdrucken, auseinanderschnippeln, zusammensetzen etc. – sehr analog, aber übersichtlicher als in der DAW, glaube ich.

drei fragen (für jetzt :) ergeben sich daraus für mich, für die ihr vielleicht antworten wisst:

1. midi-takes: für die midi-einspielungen kann ich cubase 7.5 ja noten ausgeben lassen – was super ist, wenn ich den takt gehalten habe und ansonsten weniger gut lesbar ausschaut ... kennt ihr ein gutes tutorial, das einem zeigt, wie man töne per midi-keyboard so einspielt, dass die notenwiedergabe in der daw nicht völlig nach kraut und rübig aussieht?

2. audio-takes: die umwandlung von audio in midi funzt in cubase 7.5 ned wirklich gut. und zum nachspielen/aufnehmen der takes in Midi sind mir manche phrasen zu kompliziert, d.h. ich kann z.b. die gespielten akkorde nicht auseinanderklamüsern und noch mal einspielen. was tun?

3. * welche alternativen zum notenerstellen und -ausdrucken würdet ihr mir empfehlen?

ganz lieben dank und schöne grüße!
helena
 
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Es geht dir ja eher um technische und weniger um musiktheoretische Aspekte,

Ja, so ist das wohl.
Allerdings bin ich der Meinung, dass es aus prinzipiellen Gründen keine technische Lösung geben kann, da es einen wesentlichen unterschied zwischen real gespielter und notierter Musik gibt.
Jede Art von Notation ist zwangsläufig eine Vereinfachung, das geht ja schon bei den Notenlängen los. Was beispielsweise im Notenbild wie eine Reihe von Viertelnoten aussieht (alle mathematisch exakt gleich lang und exakt über die gesamte Dauer ausgehalten), wird in der Praxis unterschiedlich umgesetzt und selbst bei "Tenuto" ist ein Mensch keine Maschine.
Mit Ausnahme von bewusst steril-unmenschlicher Computer-Musik erhält man deshalb beim automatischen Umwandeln von (real eingespielten, nicht programmierten) MIDI-Spuren immer ein Dickicht von 128stel-Pausen und Noten-Überbindungen, leichten rhythmischen Verschiebungen (nicht aus Unfähigkeit, sondern als "Groove").

Das kann man zwar bis zu einem gewissen Grad per Quantisierung glattbügeln (aber bitte nicht die Original-Aufnahme verhunzen, sondern mit einer Kopie arbeiten), aber spätestens bei einer gewissen Agogik und bei freiem Spiel ohne Click-Track wird das auch scheitern.
Zudem ist polyphone Musik, vor allem Klavier- oder allgemein Tastenistrumente-Musik, extrem aufwendig zu notieren.

Vor der Schwierigkeit einer automatischen Audio-Erkennung ganz zu schweigen.
Wenn man den Kram selber eingespielt hat, sollte man halbwegs wissen, was man gemacht hat und deshalb sollte es ungleich leichter sein, zu transkribieren, was man da getrieben hat als bei völlig fremden Aufnahmen.

Das heißt: um ein brauchbaren Notenbild zu erhalten, kommt man meiner Meinung nach immer noch nicht an Handarbeit vorbei.
Automatische Ergebnisse muss man so stark vor- und nachbearbeiten, dass es eher mehr als weniger Arbeit macht.

Deshalb handelt es sich in erster Linie um ein handwerkliches Problem (Notensatz), weshalb der Thread hier im Bereich "Notation" gut aufgehoben zu sein scheint, selbst, wenn die TEin (schreibt man das so?) selbstverständlich eine vollautomatische Lösung bevorzugen würde.


@Hirschhuf
Willkommen im Forum, Helena!

1. midi-takes: für die midi-einspielungen kann ich cubase 7.5 ja noten ausgeben lassen – was super ist, wenn ich den takt gehalten habe und ansonsten weniger gut lesbar ausschaut ... kennt ihr ein gutes tutorial, das einem zeigt, wie man töne per midi-keyboard so einspielt, dass die notenwiedergabe in der daw nicht völlig nach kraut und rübig aussieht?

Das ist schon ein grundlegendes Problem: "Echtes" musikalisches Spielen (egal, ob per MIDI oder nicht) und technische Noteneingabe per MIDI zum Zwecke der Notenerstellung sind zwei völlig getrennte Paar Stiefel.
Wenn man spieltechnisch sehr versiert und sattelfest ist, kann man sich eine computergerechte spezielle Spielweise zur Noteneingabe antrainieren, das hat aber nichts mit einer musikalisch sinnvollen Darbietung zu tun.
  1. Du bräuchtest also zwei separat eingespielte MIDI-Spuren, d. h. die existierenden Schnipsel würden Dir nicht viel helfen
  2. Du müsstest die existierenden Schipsel so quantisieren, dass eine lesbare Notation herauskommt.
  3. Um manuelle Nachkorrekturen der Noten (oder manuelle Vorkorrekturen der MIDI-Spuren) wirst Du nicht herumkommen und es stellt sich wirklich die Frage, ob eine komplette manuelle Neueingabe nicht schneller und effizienter wäre

Sinn und Zweck - Vielleicht gibt es einen Mittelweg?
Da es Dir ja nur um das Erkennen und die Zuordnung der Schnipsel geht, ist eine perfekte druckreife Notenausgabe ja überhaupt nicht erforderlich.
Vielleicht genügt schon eine Vereinfachte Version, die z. B. nur eine Akkordfolge und oder eine skizzierte Melodielinie enthält?
Also in etwa wie im "Real Book", in dem der melodische/Harmonische Kern von Jazz-Standards bewusst vereinfacht skizziert ist: ohne rhythmische Feinheiten oder Umspielungen/Verzierungen.

Die Schwierigkeiten beim automatischen Erkennen von Audiospuren potenzieren sich, wenn diese Spuren mehrstimmig sind. Trotz aller Werbeversprechen sehe ich da immer noch große Defizite.

Also lautet das Motto: Vereinfachung, nur Charakteristisches notieren, evtl. reichen bei längeren Passagen die ersten paar Takte, um sie identifizieren zu können.
Oder vielleicht nur die Schnipsel nach einer nachvollziehbaren Systematik benennen. Wenn die Schnipsel schon fertig sind und "nur noch" angeordnet werden müssen, ist es doch völlig übertrieben, nur zum Zwecke der Kategorisierung exakte Noten-Niederschriften zu erzeugen. Wenn das so einfach möglich wäre, OK, aber ich weiß nicht, ob sich der Aufwand lohnt.

Viele Grüße
Torsten
 
turko
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1. midi-takes: für die midi-einspielungen kann ich cubase 7.5 ja noten ausgeben lassen – was super ist, wenn ich den takt gehalten habe und ansonsten weniger gut lesbar ausschaut ... kennt ihr ein gutes tutorial, das einem zeigt, wie man töne per midi-keyboard so einspielt, dass die notenwiedergabe in der daw nicht völlig nach kraut und rübig aussieht?

Quantisieren.
Und - vor allem - LÄNGENQUANTISIERUNG.
Das mach man am besten im Key-Editor recht schnell und bequem, und ist ungleich weniger Arbeit, als später in einem Notensaztprogramm die notwendigen Korrekturen anbringen zu müssen.

LG
Thomas
 
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Quantisieren.
Und - vor allem - LÄNGENQUANTISIERUNG.
Das mach man am besten im Key-Editor recht schnell und bequem, und ist ungleich weniger Arbeit, als später in einem Notensaztprogramm die notwendigen Korrekturen anbringen zu müssen.

In der Regel bieten aber auch die Notensatzprogramme beim Upload von MIDI-Dateien Quantisierungsoptionen.
Kommt eben immer darauf an, wie lange und komplex die Schnipsel sind, Agogik usw.
Schon ein einfaches Ritardando kann da Schwierigkeiten machen: Im MIDI vorhanden (weil so auszuführen), im Notenbild nicht sichtbar (außer durch Textanmerkung).

Viele Grüße
Torsten
 
turko
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In der Regel bieten aber auch die Notensatzprogramme beim Upload von MIDI-Dateien Quantisierungsoptionen.
Schon richtig.

Ich hatte aber primär die Längenquantisierung im Auge, die erhebliche Nacharbeitsmühen verursachen kann, und die in der DAW viel bequemer
zu glätten bzw. korrigieren sind. Zumindest meinem Workflow kommt das mehr entgegen.

LG
Thomas
 
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[...], und die in der DAW viel bequemer
zu glätten bzw. korrigieren sind.
Das stimmt natürlich. In einer DAW ist MIDI-Datenbearbeitung natürlich weitaus komfortabler möglich als in einem Notensatzprogramm.
Vor allem, weil man im Notensatzprogramm zunächst einmal nur Voreinstellungen für den Import treffen kann und dann mit dem Ergebnis leben muss.
Da kann man in einer DAW viel besser Bereiche markieren, Quantisierungsfunktionen ausführen, rückgängig machen, ändern usw.

Aber die Übergänge werden ja immer fließender - DAWs können ein bisschen Notensatz und Notensatzprogramme werden mit Soundbibliotheken ausgeliefert, die den Speicherplatzbedarf des reinen Notensatzprogramms um ein Vielfaches übersteigen. :rolleyes:

Wie dem auch sei, wir haben unterschiedliche Ansätze aufgezeigt, am Ende muss @Hirschhuf entscheiden, was für ihren speziellen Fall am besten funktioniert.

Viele Grüße
Torsten
 
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hallo ihr vier,

wow, da ist ja ne menge infos zusammengekommen – ganz herzlichen dank für eure hilfreichen antworten!

längen zu quantisieren: da hätte ich auch mal selber draufkommen können, ein prima tipp! ebenso der hinweis zur vereinfachung: es müsste mit ein bisschen übung schon möglich sein, takes wiedererkennbar zu notieren. dafür muss ich mich dann halt mal in die handarbeit, also das notieren, eingrooven. bissl ironisch ist das schon, schließlich habe ich das recorden angefangen, um meine musikalischen ideen festzuhalten, denn meine notation war leider zu murxig: beim wiederlesen der buchstaben, der über die notenzeilen torkelnden noten und der jeglicher metrik entbehrenden tabs erschloss sich mir einfach ums V nicht, wie ich das, was da stand, gemeint haben könnte ...

ich danke euch und wünsche einen hervorragenden 4. advent!
helena

ps: gibts musik von euch irgendwo in den weiten dieses forums? :)
 
lil
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Ich hätte noch einen Tipp für die Zukunft:
neue "Schnipsel" nicht nur als Audio oder Midi aufnehmen, sondern parallel dazu auch Noten erstellen, solange du noch weißt, was du gespielt hast ...
 
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Hirschhuf
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danke für den tipp! werde ihn beherzigen! :)
 

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