Auswendig Spielen- Tutorial von Matthias Matzke

von Malineck, 20.01.20.

  1. Malineck

    Malineck Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.01.20   #1
    Hallo Akkordeon-Freunde,
    Zum Thema Auswendig Spielen wurde hier schon öfter diskutiert. Ich selbst bin ein fast reiner Auswendig Spieler..
    Aber: Ich konnte erstens nicht gut erklären, wie ich das eigentlich mache und zweitens habe ich bisher keine schlüssige Erklärung dafür gehabt, warum ich in den letzten Jahren immer öfters Aussetzer bekam und dann plötzlich nichts mehr wusste/ konnte.
    Matthias Matzke hat letztes Jahr einige Seminare zu dem Thema gegeben und nun endlich einen eigenen Kurs bzw. freie Tutorials produziert.

    Wie ist das bei euch?

    Schaut euch gerne mal folgenden ersten Teil an



    Viel Spaß!
     
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  2. Notenfahne

    Notenfahne Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.01.20   #2
    Hallo Malinek!
    Das ist ein interressantes Thema!Bin zur Zeit an einem Online-Kurs für steirische Harmonika der sich nur mit Auswendiglernen beschäftigt.Das Auswendiglernen
    habe ich mir während meiner Berufstätigkeit abgewöhnt, weil dort nur Logik gefragt war wie z.B.Teile mit SAP bzw. CAD parametrisch zu erfassen.
    Ich habe gemerkt, wie schwer es ist, bei einem Systemwechsel das Unterbewusstsein umzuprogrammieren.Habe mir jetzt einschlägige Taschenbücher
    besorgt wie man das Auswendiglernen wieder aktiviert.Wenn man auswendig lernt mit einer steirischen Harmonika muss man das vorgespielte genau anhören
    um hinterher nicht danebenzuliegen.Die Töne sind manchmal nicht weit voneinander.Der Kursleiter meint das käme alles automatisch.Desweiteren werden wie bei meinem Kurs Abläufe gezeigt die für einen Anfänger knackig sind.Schaft er das nicht,kann er schon mal die Lust verlieren.Desweiteren mach ich mir Gedanken wie es nach dem Kurs weitergeht.
    Wie ist es,wenn ich ein neues Musikstück lernen will habe aber keine Unterlagen wie Notenblatt,den Kursleiter nicht mehr fragen kann weil der Kurs abgeschlossen ist.Um ein Lerntief zu überbrücken setze ich mich an das Keyboard und spiele es nach.Danach habe ich wieder Motivation.In welchen zeitabständen muss ich wiederholen damit das erlernte nicht vergessen wird.Aus meiner beruflichen Tätigkeit weiss ich dass nach einer 3 monatigen Pause(PC) schon viel vergessen ist.
    Wie sehen das andere Auswendigspieler,welche Lernmethoden habt Ihr.
    Auswendigspielen ist schön erfordert aber einiges an Können.
    mfg
    norbert
     
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  3. Malineck

    Malineck Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.01.20   #3
    Hallo @Notenfahne
    Bei mir ist es umgekehrt. Mir fällt auswendig spielen viel leichter als das Spielen vom Blatt.
    Vorausgesetzt es ist geübt :)
    Wie lange es behalten wird, hängt meiner Erfahrung nach von mehreren Faktoren ab
    - wie alt war ich, als ich es auswendig konnte
    - wie intensiv habe ich mich mit dem Stück befasst
    - habe ich es immer wieder mal gespielt (z b alle paar Wochen nachdem ich es kann)
    - wie ernst nehme ich das Stück (ich kann z. B. recht komplexe schwierige Stücke recht zuverlässig auswendig, muss aber bei „Happy Birthday to You“ zuerst überlegen und ein zwei mal probieren )

    Um unnötige ineffektive Übezeit zu vermeiden, finde ich es sehr nützlich, sich sein Übeverhalten genauer anzuschauen und somit ein besseres Ergebnis = mehr Spaß zu haben.

    Ich übe normalerweise so, dass ich genau so viele Takte zunächst vom Blatt spiele, bis mein Gehör es begriffen hat. Ab dann arbeite ich solange dran, und zwar direkt auswendig, bis es auf jeder Hand einzeln und schließlich beidhändig sitzt. Das sind je nach Stück 2 bis 8 Takte etwa.
    Erst dann geht’s weiter, bis wenigsten ein ganzer Satz auswendig klappt.
    Ab dann rühre ich die Noten gar nicht mehr an und tüftele so lange an dem Satz herum, bis ich bereit bin, wieder die Noten auszupacken und den Rest des Stücks wie beschrieben zu erarbeiten.
    Oft lasse ich besondere Stellen, wie ein Intro oder einen besonderen Schluss lange weg, bzw. Übe das sowie besonders schwierige Passagen separat und füge es später hinzu. Durch diese Art und Weise habe ich zu 99% ohne Noten vor der Nase geübt und alles was ich brauche damit es dann auch läuft, ist das zuverlässige Erinnern an die einzelnen geübten Teile, Passagen, Übergänge.

    Was ich derzeit zum Absichern versuche, sind mehrere Triggerstellen, an denen ich einsteigen kann.

    Sich über Harmonieverläufe, Zusammenhänge zwischen Melodie, Bass und Akkorden im Klaren zu sein, hilft weitere Trigger zu haben, die bei Versagen anderer Merkmethoden einspringen können. Wenn man z. B. improvisiert, sollte man sich in jedem Takt im Klaren sein, welche Harmonien gerade zugrunde liegen. Daher hilft auch Improvisieren, sich Strukturen von Stücken zu merken und das kann der reinen Motorik auch mal auf die Sprünge helfen zu finden, wie es weiter geht.

    Wenn also ein grundsätzliches Auswenig-Problem vorliegt (und bei mir gibt’s auch Stücke, gegen die ich eine Abneigung habe, sie auswendig spielen zu wollen ... lach) dann würde ich tatsächlich immer kurze Passagen immer wieder ohne Noten wiederholen und das Gehörte mit der Bewegung in Bezug setzen.

    Was auch hilft bei mir sind Bewegungsmerkmale in Bezug zur Tastatur. (Z b „jetzt kommt der Hüpfer auf das Fis mit dem 4. Finger“ - je kniffliger das Hinzubekommen war umso weniger kann ich’s vergessen :) )

    Ein ganz anderes Thema ist ja das Heraushören bzw Nachspielen von Stücken. Da war ja nie ein Notenblatt vorhanden. Ich finde das auch eine gute Möglichkeit, auch das Gedächtnis zu trainieren, da man auf vielfältige Weise abspeichern kann, wie das Gehörte auf dem Instrument umgesetzt wird. Z B „oh, hier muss ich zwei Tasten überspringen“ oh, hier kommt ganz überraschend ein Moll-Akkord und ich brauch eine Taste, die sonst nicht im Stück vorkommt“

    Etc etc

    Letztlich geht’s wohl darum, so viele Bezugspunkte in einem Stück zu finden, wie möglich, um das dann ohne Notenblatt sicher abrufen zu können.
    Das kann sein
    Motorik (Autopilot laut Matthias)
    Harmoniestruktur
    Besondere Töne, Pausen, Läufe
    Klangliche Besonderheiten / Gehör/ Inneres Mitsingen
    Gefühle die auftreten an diversen Stellen im Stück
    Visualisierung der Notenschrift

    Etc

    Grüßle
     
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  4. morigol

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    Erstellt: 22.01.20   #4
    Bei mir ist es so, dass ich schon immer recht schnell auf Noten verzichten konnte. Das hat zwei Gründe:

    1. Mein Lehrer war Musiker, Komponist und Verleger und ich war oft bei seinen Auftritten dabei. Er hatte seine Orgel und/oder sein Akkordeon, sonst nix. Von daher war mir völlig klar, dass Musik machen vor Publikum ohne Noten stattfindet. Dass dies bei den meisten nicht so ist, habe ich erst einige Jahre später mitbekommen.

    2. Ich bin ein unordetnlicher Mensch. Wenn ich also immer nach Noten spielen wollte, müsste ich diese einfach auch parat haben. Von daher war bei mir immer: So schnell wie es geht, weg von den Noten. Sind nur überflüssiger Ballast.

    Unterstützend dazu kam, dass ich recht schnell auch kein Stück mehr so spielte, wie es in den Noten stand. Mein Lehrer hat mich immer dazu ermutigt, in Stücke meine eigenen Interpretationen einfließen zu lassen, was dan natürlich auch nicht notiert war.

    Große ausnahme sind in den letzten Jahre die Arrangements von Frank Marocco. Diese sind dermaßen konstruiert, dass es halt nicht mehr klingt, wenn man da variiert.
    Der andere Arrangeur, der mich heute interessiert, ist Kölz.
    Der Unterschied zwischen beiden, und warum ich Marocco so unendlich mehr mag liegt darin, dass Marocco mit Wiederholungen schreibt, d.h. der identische Teil kommt mehrfach wieder. Der Kölz hingegen bringt, wenn ein Teil wiederholt wird, Abwandlungen. DAS macht mir extreme Probleme beim Auswendigspielen
    Vor vielen Jahren hatte ich den Tango 'Jalousie' auf dem Notenständer. Dieses Stück hat sich dem Auswendigspielen bei mir auch verweigert, weil im zweiten Teil das Thema mehrfach hintereinander, aber leicht anders kommt.
    Das sind die Arrangements, aus denen ich mir Teile herausziehe, aber niemals komplett spiele.

    Heute forciere ich das auswendigspielen durch verschiedene Techniken, die ich mir im Laufe der Jahrzehnte angeeignet habe.
    Matthias hat die meisten ja schon beschrieben. ..... vieleviele wiederholungen, die verschiedenen Gedächtnisse u.s.w.

    Im ersten Schritt bin ich froh, wenn ich einmal das Stück komplett 'durchgegriffen' habe. Das dauert dann so das 3-5 fache der angestrebten Spielzeit des Stücks.

    Der Anfang ist klar: rechte Hand, linke Hand müssen sich erst einmal zusammenfinden. In dem Stand mache ich mir auch Notizen in die Noten, versuche aber diese auf ein absolutes Minimum zu beschränken.

    Einen Trick verwende ich nun auch schon seit vielen Jahren, den ich so aber noch nirgends gelesen habe:Im Laufe der nächsten Tage geht das Stück immer besser, die Konzentration verlagert sich dann schon darauf, das Stück zu spielen und nicht mehr nur, die Noten zu lesen und umzusetzen
    Und dann nehme ich als kurzsichtiger Brillenträger die Brille ab. Die Noten sind dann nicht mehr lesbar, aber die Struktur ist noch erkennbar. Der Witz ist nun, dass es dann immer nochmal ganz schön lange dauert, auch darauf zu verzichten.

    Das betrifft nun aber Stücke, die in meinem oberen Spielniveau angesiedelt sind. Bei Stück die mir leicht fallen, die ich 'im Ohr' habe und bei denen ich die Struktur sofort verstehe, geht das mitunter mit 2-3 x spielen.
     
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  5. Herbizid

    Herbizid Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.02.20   #5
    Während ich Gedichte, Liedertexte, also sprachliche Sätze lernen und einprägen muss, geht es bei Musistücken von selbst, d. h. in dem Masse wie ein Stück technisch erlerne und trainiere, merkt sich mein Hirn das Stück, sodass ich es auswendig spielen kann, wenn ich es technisch beherrsche, bei technisch schwierigeren Stücken, hat das Gehirn sogar oft Vorsprung, sodass das weitere Feilen an technischen Passagen dann ohne Noten möglich ist. Schnell auswendig konnte ich schon als Bläser, und als ich mit 62 das Akkordeon begann, war ich gespannt, ob das dann mehrstimmig auch klappen würde. Es tat, mir scheint sogar, dass Das mehrstimmige Tongelecht den Vorteil, dass eine Stimme die andere braucht und damit das Behalten unterstützt. Ich muss sagen, dass ich bis jetzt mittelschwere Stücke spiele, Volksmusik vieler verschiedener Völker, die ich auf Reisen von dort mitbringe.
     
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  6. Malineck

    Malineck Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.02.20   #6
    @Herbizid
    Mir geht es ganz genau so. Matthias Matzke hat das schn erklärt über die Wiederholungszahl. Denn schwierige Passagen übt man intensiver und damit prägt es sich besser ein.
    Mehrstimmigkeit prägt sich wiederum mehr über das Gehör ein wegen Harmonien die sich gegenseitig ergänzen. Oder über das Wissen über die Struktur des Stückes.

    Ein wenig gefährlich kann es werden, wenn man nur noch rechts und links gemeinsam abrufen kann, da man bei einem Fehler auf einer Seite gar nicht mehr weiterkommt. Kann man beide Seite getrennt auswendig, dann kann die andere Seite solche einseitigen Patzer überspielen, bis man wieder reinkommt.
    Mir hat es enorm geholfen, mehrere Ebenen des Stücks isoliert abrufen zu können. Dadurch hat man Redundanzen, die bei irgendwelchen „Unfällen“ weiterhelfen, ohne komplett abbrechen und neu einsteigen zu müssen.

    Ich finde daher nicht improvisiere Jazzstücke viel schwerer sicher einzuprägen, da die harmonische Zusammensetzung oft recht komplex und variantenreich ist.
     
  7. suxeedJo

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    Erstellt: 07.02.20   #7
    Ich habe mit dem Auswendigspielen sehr früh angefangen. Eigentlich nicht nur auswendig sondern auch nach Gehör und improvisiert. Damals, ich war so ca. 12 Jahre alt, lernte ich Heimorgel. Wenn ich von mittags von der Schule heim kam war mein erster Weg zur Orgel. Kopfhörer auf und los. Ich brauchte das zum "runterkommen". Interessant war hierbei, dass Heimorgel, ganz ähnlich wie das Akkordeon, einen Melodiepart in der rechten Hand hat und eine zugehörige Begleitung. In der U-Musik läuft diese Begleitung ja sehr schematisch ab. Es war also absolut ausreichend eine Melodie auswendig spielen zu können - die Begleitung ergab sich dann quasi automatisch. Hat sich gleichsam aufgedrängt. Später habe ich mich mehr und mehr mit der Harmonielehre beschäftigt. Das hat zunächst sehr beim Auswendigspielen bzw. Improvisieren geholfen, hier kamen mir diese Kenntnisse beim autodidaktischen Lernen des Akkordeons sehr gelegen. Den Fingersatz auf dem MII empfinde ich als logisch, aufdrängend - ich denke, dieser wird erst etwas komplexer wenn auch die gespielte Literatur etwas komplizierter wird. Heute spiele ich meist Stücke die für mich so schwer sind, dass ich recht lang für das Einüben benötige - hier kann ich die Titel dann eh auswendig wenn sie "sitzen".

    Ich glaube, wichtig für das improvisierte Spiel, auch für das Nachspiel ist, dass man sein Instrument gerne experimentell benutzt - ich meine damit einfach ausprobieren, Gefühle zulassen und das Herz öffnen - frei raus spielen was man empfindet. Halz einfach eine Jam-Session mit sich selbst oder natürlich mit anderen. Das macht Spaß... ;)
     
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  8. morigol

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    Erstellt: 09.02.20   #8
    Meine erste Orgel hatte keinen Anschluss. Deshalb bekam ich ein Akkordeon, mir dem ich nicht an das Wohnzimmer gebunden war - Sprich, meine Eltern wollten auch mal ihre Ruhe haben.

    Diese im Wohnzimmer stehenden orgeln waren schon doof. Als meine nächste einen Kopfhöreranschluss hatte, war damit noch nicht viel gewonnen, wegen des Geklappers.
     
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