Auswirkung der Form auf den Gitarrensound

von Fliege, 17.01.06.

  1. Fliege

    Fliege Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 17.01.06   #1
    HI

    Welche Auswirkung hat eigentlich die Form einer Gitarre auf den Sound?

    Mal gesetzt den Fall, man würde eine SG bauen, nur etwas dicker und ne Decke draufleimen, wie bei ner Les Paul, so dass sie masetechnisch gleich wären, mit dem gleichen Material, eingeleimtem Hals, gleiche PUs und so weiter, würden die Gitarren dann gleich klingen? Ich möchte dabei jetzt den kleinen Unterschied ausklammern, dass auch 2 Paulas unterschiedlich klingen können, aber ich meine, würde man noch nen SG/LP-Unterschied hören, oder wär der durch die Masse an Holz dem Untergang geweiht?

    Eine SG und ne Strat (mit Humbucker) klingen ja tendentiell ähnlich, da beide ja relativ dünn und leicht sind (im Verleich zu ner Paula), würden die Unterschiede verschwinden, wenn man sie aus dem gleichen Holz bauen würde?

    Man hört ja viel über Hölzer und Hälse, Pickups und so weiter, aber über Auswirkungen der Form auf den Sound hab ich noch nichts gelesen. Die Schwingungen nehmen doch irgendwie einen anderen Weg, wenn sie 2 lange cutways passieren müssen wie bei ner superstrat, als wenn sie auf einen Les Paul-Body treffen, wo das Holz abgesehen vom winzigen cutway ein "kompaktes" Stück bildet...
     
  2. m~Daniel

    m~Daniel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.01.06   #2
    Wenn wirklich Masse etc alles gleich is würde das unter die Kategorie "gras wachsen hören" fallen (imo)
     
  3. -do_john_86-

    -do_john_86- HCA Gitarren Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 17.01.06   #3
    Hi Fliege,

    im Endeffekt zählt die Masse, welche sich durch die Form teilweise beeinflussen lässt. Die Masse ergibt zusammen mit der Materialdichte eine Komponente die man durchaus hören kann und nicht in die Gras-Wachs-Kategorie fällt. Durch die Saiten wird dieses Material in Schwingung versetzt.

    Es ist also eine 50:50 Angelegenheit. Sind es zwei unterschiedliche Formen, die im Endeffekt über die gleiche Masse und Volumen verfügen und aus dem selben Material sind, dann hört man keinen Unterschied.
    Das ist aber sehr selten der Fall, da Gitarren in Handarbeit entstehen und historisch gesehen jede Klangfarbe auch eine eigene Form mit sich bringt.

    Es fließen also noch andere Faktoren mit ein. Im Alltag und unter normalen Bedingungen würde ich jedoch sagen, dass man einen Unterschied hört, welcher durch die Form geprägt wird - wenn anständige Bedingungen gegeben sind.

    mfg. Jens

    EDIT:
    Du hast also Recht mit Deinem obigen Beispiel (technisch gesehen) inhaltlich wiederspreche ich Dir jedoch (ich bin gemein, gell?). Denn eine E-Gitarre ist ja auch Kunst, Entspannung und Hobby. Untergehen würde trotz Soundgleichheit so schnell keines dieser Modelle :)
     
  4. Fliege

    Fliege Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 18.01.06   #4
    HI

    do_John, ich denke du stimmst mir dann auch komplett zu, weil du entweder etwas falsch gelesen oder interpretiert hast, oder ich es undeutlich ausgedrückt habe, vermutlich ein wenig von beidem ;) Was ich mit dem Untergehen sagen wollte war, dass der Soundunterschied untergeht, eine so konstruierte Gitarre in SG-Form würde sicher auch Käufer finden, besonders wenn Gibson draufsteht ;) Gemeint war also die klangliche Differenz, nicht das Modell, und da stimmst du mir ja zu. Abgesehen davon sollten Gitarren eh nicht untergehen, Holz schwimmt ja :D

    Von Interesse wäre für mich da weiter die Frage, ob man anhand der Form Rückschlüsse auf den Sound ziehen kann, also ob sich eine Superstrat von einer Les Paul-Form stark klanglich unterscheidet, wenn sie aus den gleichen Hölzern etc. gebaut wurden, mit gleicher Dichte und gleicher Masse. Ob es sozusagen möglich wäre (rein hypothetisch), dass ich zum Gitarrenbauer gehen könnte, um mir eine Gitarre bauen zu lassen, die nach Les Paul klingt, aber wie ne (dann auch dickere, wegen der Masse, und mit einer Decke versehenen) Ibanez RG ausieht, oder ob diese RGPaul durch die Konstruktion mit den langen Double-Cutways automatisch aggressiver oder so klingt. Und könnte man es im Blindtest hören? 2 Gitarren mit gleichen Spezifikationen, aber ganz anderer Form?

    Wobei ich noch eben sagen muss, dass mich wundert, wie wenig Besserwisserdiskussion nach gut 24 Stunden aufgetreten ist, und aufgetreten wäre, wenn ich anch Holzarten und Pickups gefragt hätte:rolleyes:
     
  5. -do_john_86-

    -do_john_86- HCA Gitarren Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 18.01.06   #5
    Guten Morgen Fliege,

    okay, dann stimme ich Dir voll und ganz zu, wenn Du es ausschließlich auf den Sound bezogen hast. Das mit Deinem Beispiel ist eine Wissenschaft für sich und ich bin der festen Überzeugung, dass Du die Form mit dem menschlichen Ohr nicht raushören kannst in Bezug auf Dein Beispiel. Andere Form, andere Schwingungsausbreitung und Verteiligung - das ist logisch, ohne einen Spektrum-Analyser oder ein anderes sehr präzises Messinstrument wirst Du keine Unterschiede feststellen können.
    Deine Idee mit dem Gitarrenbauer ist durchaus realisierbar.
    Wenn die Masse einer Strat die gleiche ist, wie bei einer LP hast Du aber keine Strat mehr - denn das Volumen bzw. der Inhalt braucht Platz und lässt sich nur begrenzt komprimieren, darum hat eine Vergrößerung des Volumens automatisch auch eine Änderung der Form als Reaktion, und sei es drum dass es nur die Dicke ist. Denn die Dicke/Volumen ist Bestandteil der Korpus-Form und zählt dazu ;). Bei Gitarren muss man 3-dimensional denken.

    mfg. Jens

    EDIT:
    Es kommt natürlich immer drauf an wie ernst man es nimmt. Es gibt viele LP-/Stratkopien, die zum Beispiel aus rechtlichen Gründen nicht die Original-Form haben dürfen. Es wäre aber eine tolle Idee, einen Gitarren-Bauer mit soeiner Aufgabe zu beauftragen...da würden vielen Gitarristen die Kinnlade runterklappen.
     
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