"Badewannen"-Gitarren vernünftig mischen

von das_Jan, 05.09.07.

  1. das_Jan

    das_Jan Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.09.07   #1
    Hallo ihrs,
    ich bin ab und zu in einem Jugendzentrum fürs Mischen bei Konzerten zuständig und hatte in den letzten 2 Wochen 2mal das Problem, dass die Gitarristen einiger Bands ihre Verstärker-EQs folgendermaßen einstellen: Bässe voll, Mitten nix, Höhen voll. Jedenfalls fast so. Das Problem daran ist, wie wahrscheinlich die meisten Leute hier wissen, dass die Gitarren damit im Gesamtsound total untergehen und ich noch keine möglichkeit gefunden habe, das am Pult irgendwie zu ändern.
    Letztens hat dann eine Band einfach ihre Verstärker lauter gemacht, ich hab sie von der PA komplett runtergenommen (sprich: mute) und dann gings.

    Meine Frage jetzt: Liegt's an mir, an der Technik, am Raum, an irgendwas anderem?

    Irgendwie muss es doch machbar sein, die Gitarren ein bisschen präsenter zu machen, ohne die Soundvorstellungen der Gitarristen total zu missachten. Gibt schließlich mittlerweile viele, die so ähnliche Sounds haben/haben wollen. Aus dem Profi-Bereich fällt mir zB Iced Earth ein, deren Gitarren auch kaum Mitten-Frequenzanteile haben.

    Danke für alle Antworten,
    das Jan
     
  2. morelino

    morelino Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.09.07   #2
    Rede doch einfach mit den Jungs. Sag ihnen, dass du dieses Problem hast und ob man nicht einen Kompromiss finden könnte.
     
  3. Boerx

    Boerx Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 05.09.07   #3
    Ohne den Raum und die verwendete Technik zu kennen ist das schwer einzuschätzen.
    Du solltest bei der Abnahme der Gitarren dann schon drauf achten, dass du das Mikrofon näher in uzr Mitte des Speakers hin platzierst.
    Ansonsten kriegen bei mir die meisten Gitarren einen LowCut bei ca 100Hz, dann hab ich unten rum schon raum. Je nach klang der Gitarre (Säge) zieh ich dann so bei 2-2,5khz noch was und helf in den tiefen Mitten etwas nach.

    Naja, die haben auch andere Bedingungen und wie sie das live umsetzten ist nochmal ein Thema.
    Allerdings solltest du nicht versuchen die Gitarren präsenter zu bekommen in dem du noch mehr Frequenzen hinzufühst sondern sie eher "entmulmen" in dem du was wegnimmst


    Ist die Bühne jedoch recht klein und du kriegst hier schon viel von der Bühne kannst eh nicht mehr viel machen außer mit den Jungs/Mädels reden. Die meisten dürften ja nicht mal wissen was sie da machen.
     
  4. BlackOrpheus

    BlackOrpheus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.09.07   #4
    Bei Auftritten im Jugendzentrum meiner Stadt sagt der Mischer der Band immer klar was Sache ist. Oft spielen junge Bands da das erste mal und haben eben noch keine Vorstellung davon wie das alles abläuft. Da werden meist Einstellungen genommen die zu Hause oder im Proberaum gut klingen. Sag den einfach das es so nicht möglich ist einen guten Sound zu machen - was ja auch im Interesse der Band seien sollte (aber vlt. nicht so wie hier : "Ey! Mach mal die Bässe raus - und weniger Gain!!!!). Mit einer freundlichen Bestimmtheit kommt man da glaube ich am weitesten :)
     
  5. Rockopa

    Rockopa Globaler Moderator Moderator

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    Erstellt: 05.09.07   #5
    Wenn man dazu noch ein paar erklärende Worte liefert,warum das so ist,kommt man meistens noch weiter.
    Dieses Phänomen kann man ausschliesslich bei jungen unerfahrenen Bands beobachten.
    Die stellen den EQ am Amp auch schon mal nach optischen Gesichtspunkten ein ;):eek::D,besonders bei Bassisten zu beobachten.
    Ich muss da auch immer viel Aufklärungsarbeit leisten,die meisten sind vollkommen erstaunt wie mit einemmal der Sound definierter wird und einzelne Instrumente im Mix wieder zu erkennen sind und nicht im Soundmatsch verschwinden.
    Besonders schwierig ist es bei Bands die besonders böse klingen wollen,runter gestimmte Gitarren,Mitten Fehlanzeige.
     
  6. FranceArno

    FranceArno Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 05.09.07   #6
    Man sollte der Band sagen, dass SIE (die Band) ein Problem hat.

    Man muss gerade den Gitarristen recht häufig klarmachen, dass der fette Sound für sich alleine ja ganz nett sein mag, im Bandgefüge aber nichts zu suchen hat. Zum Glück sehen das die meisten ein, wenn man es entsprechend überzeugend rüberbringt ("Ihr wollt doch, dass es gut klingt, oder?").
     
  7. das_Jan

    das_Jan Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.09.07   #7
    Bis jetzt hatte ich das Problem wie gesagt 2 mal und ich hab jedesmal versucht, ihnen das 'n bisschen zu erklären. Hat aber nix geholfen. Die wurden fast sauer und meinten: Im Proberaum klappt das aber doch immer, dass wir die Gitarren gut hören. Oder sowas ähnliches.
    Eine Band hat n bisschen auf mich gehört und den EQ etwas geändert. Sie fanden dann aber, dass ihre Gitarren so nicht klingen sollen, weil`s nich zu ihrer Musik passt und haben's wieder geändert.
    Die sind einfach von einem bestimmten Gitarren-Sound begeistert und finden, dass das mit "zuviel" Mitten. (also mehr als "9Uhr" ca.) scheiße klingt....
     
  8. Bannockburn

    Bannockburn Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.09.07   #8
    Jaja, das ist bei uns Gitarristen schon ein weit verbreitetes Unding, der Badewannen-Sound ;)

    Viel machen kannst du da wohl echt nicht, außer sie eben drauf hinzuweisen.
    Was evtl. helfen könnte: In nem JUZ dürfte der Raum ja nicht allzu groß sein. Sag den Jungs doch einfach mal, sie sollen sich mal vor die Bühne stellen und selbst hören, was dabei rauskommt. Das Ganze einmal mit und einmal ohne Mitten.
    Wenn sie dann nicht überzeugt sind würde ich ihnen ganz klipp und klar sagen: "Jungs, euer Sound ist besch...eiden und das Publikum wird nicht viel davon mitbekommen, was ihr da spielt. Ihr macht euch jetzt entweder nen gescheiten Sound, oder ich misch euch eben so ab, wie ihr wollt. Dann braucht ihr euch nachher aber bloß ned zu beschweren, wenn euch keiner im Publikum hört."

    Das ist ja im Endeffekt kein Problem des Mischers, sondern der Band. Klar kann man als Gitarrist Badewanne fahren, aber dann muss man sich eben in der Band die Frequenzen entsprechend aufteilen. Für junge Bands ist es da um Längen einfacher, halt doch mal bisschen Mitten rein- und Gain rauszudrehen ;)
     
  9. metalpete

    metalpete Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.09.07   #9
    hm... also bei laut-und-böse-kapellen macht sichs m.e.n. ganz gut unter den wohl recht schwierigen akustischen und technischen bedingungen in solchen kleinen clubs, ein paar radikalere settings zu fahren, also so, dass man zwar nicht mehr unbedingt hört, welche genauen töne jetzt von welchem instrument gespielt werden, aber dafür der gesamt-brei wenigstens halbwegs ausgewogen klingt.

    bei den high-gain gitarren kann man am pult ja alles (fast) komplett wegnehmen, was unter ca. 400 Hz liegt, damit sich der e-bass-mulm (dem man bei den ca. 400 Hz nach obenhin erstmal den riegel vorschiebt) dort mit dem base-drum-mulm arrangieren kann. in der mitte (ab ca. 800 Hz) ist dann i.d.r. platz für den "gesang", da bei den gitarren dort ja eh nicht viel ankommt (die badewanne halt), obendrüber kreischt dann der kreissägenanteil der gitarren (ja, die wollen den sound so...) und den muss man eben so schadensbegrenzend behandeln, dass er keine direkten schmerzen in den ohren verursacht, aber trotzdem (halbwegs kultiviert) kreischen und sägen kann (wie gesagt, die wollen den sound wirklich so....) - bei ca. 8 kHz hat das eh ein Ende (Gitarrenlautsprecher können i.d.R. nich viel höher) und ab dort wäre dann auch noch etwas platz fürs beißen, zischen und scherbeln der becken (die auch nich viel tiefer in den mix hineinragen sollten, damit se nich alles überdecken, besonders das china, welches sich als hihat-ersatz in bestimmten kulturellen gruppierungen großer beliebtheit erfreut). schwierig isses dann nochmal nen kompromiss zwischen basedrum-kick und konsonanten des gesangs hinzubekommen, da beides bei ca. 4 kHz vorhanden (falls vorhanden...) - wenn es das basedrum-signal hergibt setzt man den base-kick am besten oben drüber, so dass das so'n richtig fieser spitzer "klick" wird (ja, auch das wollen die so...) - hier wäre die optimalste lösung, die base-drum zu triggern - man hört dann zwar recht deutlich, wenn bei den "double-base"-passagen oder "blast beats" eine gewisse unregelmäßigkeit bzgl. der zeitlichen abstände unter den einzelnen schlägen vorhanden ist, aber auch das wollen die so.... es geht da in erster linie um den (möglichst-schnell-)knüppel-, nich um den groove-faktor....

    just my 2 cent
     
  10. maccaldres

    maccaldres Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.09.07   #10
    Das sollte man irgentwo pinnen:



    das ist die geilste erklärung ala "how to mix a ...band" die ich bislang gelesen hab
     
  11. MatthiasT

    MatthiasT Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.09.07   #11
    @ metalpete: Ich musste echt grinsen beim lesen. Super Erklährung.



    Das gleiche Affentheater mache ich jede Probe in meiner Band mit. "Stell meine Gitarre nicht mit so vielen Mitten ein, die quäkt dann so." Dass mir der Gitarrenklang an sich erstmal scheißegal ist und es mir um den Bandsound insgesammt geht, dass kann die Sechssaitergilde dann irgendwie nicht verstehen. ;)
     
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