Gerhard Eichberger
Interessant, daß die meisten hier offenbar zuerst mal von einer Musik ausgehen, sich also zuerst eine Melodie einfallen lassen und dann erst versuchen, einen Text dazu zu schreiben.
Also, ich svhreibe schon seit 1980 Liedtexte - zwar nur selten, aber immerhin. Dabei ist es oft so, daß sich der Text erst beim Schreiben entwickelt und dann etwas ganz anderes wird, als ich anfangs vorgehabt habe. (Leider hat meine Mutter selig viele meiner Texte verbrannt, weil ich es gewagt hatte, diese im größeren Familienkreis vorzulesen. Das ist aber eine andere Geschichte.)
Eine konkrete Melodie habe ich eigentlich bei den wenigsten Texten im Kopf. Meist ist das sehr rudimentär (nur in etwa die Musikrichtung, die auch während eines Liedes wechseln kann) oder auch gar nicht vorhanden.
Bei den Gedichten "Damit man sich liebt" und "Logik" hatte ich gemeint, daß man eine Klanguntermalung machen soll, damit die CD nicht fad wird. Ich hatte dann eine Kombination bestimmter Instrumente (die man eigentlich nicht miteinander kombiniert) geplant; nur wurde mir gesagt, daß meine Ideen zu aufwändig wären und sehr viel Geld für zusätzliche Studiomusiker kosten würden, also wurde das dann nicht gemacht, sondern in einer einfacheren Form im Studio während des Aufnehmens ausgearbeitet.
Bei "My Little Girl" (aus dem Jahr 1980) und "Punkers Philosophie" (ebenfalls aus dem Jahr 1980, mit neuer Textfassung aus 1992) hatte ich von Anfang an eine Melodie im Kopf, die bei "My Little Girl" etwas ungewöhnlich ist. Da ich nicht wirklich ein Instrument spiele, habe ich "Punkers Philosophie" mit dem Mikrofon dergestalt aufgenommen, daß ich die Musik mit dem Mund gedudelt habe und das einer Bekannten zum Ausarbeiten gegeben habe - sie hat daraus allerdings etwas ganz anderes gemacht, was ich nicht brauchen konnte, offenbar hat sie nicht verstanden, was ich meinte.
Dann bin ich mal zum Keyboarder gefahren und habe ihm diese beiden Lieder vorgedudelt, und er konnte dann eine erste Version dieser beiden Lieder machen. Wobei allerdings die beiden Lieder länger wurden, als ich vorgesehen habe. So wurde "My Little Girl" eine 5-Minuten-Nummer, obwohl es eigentlich nur eine 2-Minuten-Nummer sein sollte. (Wir müssen da ein paar Instrumentalteile rausnehmen, und die Nummer muß ausgeflippter werden.) Aber immerhin ist ein Anfang gemacht.
Bei den Liedern meiner CD habe ich die Texte verschiedenen Musikern gegeben, die dann dazu eine Musik komponierten. Bei "I waar' so gern a Rockstar" hatte ich ursprünglich gemeint, daß das eine Hardrocknummer, etwa im Stil von URIAH HEEP werden sollte. Als ich die von einer Bekannten ausgearbeitete Version (mit ihrer Pilotstimme) das erstemal hörte, kam sie mir zuerst sehr ungewohnt vor, also dergestalt, daß ich mir zuerst dachte, daß das überhaupt nicht paßt. Als ich mir jedoch diese Version mehrmals angehört habe, bin ich erst draufgekommen, wie genial ihre Musik dazu ist. Denn im Grunde drückt die Musik genau das aus, was ich geschrieben habe, nämlich, daß ich gerne ein Rockstar wäre, alllerdings kein Talent habe und daher das Beste daraus mache.
Interessant, hier zu lesen, daß manche Bands offenbar zuerst die Musik komponieren und sich dann erst einen passenden Text dazu schreiben. Das geht bei mir insoferne kaum, weil die Musik die Information des Textes unterstreichen und mit dazu passende Stimmungen vertiefen soll. In etwa so, wie es Ludwig Hirsch oder Franz Morak gemacht haben.
Ist wohl eine etwas ungewöhnliche Herangehensweise...
Gerhard