Beckenherstellung und Beckenfinishes

von Puncher, 05.11.08.

  1. Puncher

    Puncher Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 05.11.08   #1
    Ich geb mal einen kurzen Überblick darüber, wie Becken hergestellt werden. Danach und dabei zeige ich auf, was die verschiedenen "Finishes" sind.

    Zuerst braucht man das Roh-Material. B20-Bronze wird als einzelnes "Casting" produziert, d.h. aus einem Stück Bronze wird später ein Becken. B8-Bronze wird teilweise als Metallplatte geliefert, aus denen einzelne Stücke geschnitten werden.

    1. Bei B20-Bronze werden die Bronze (also 80% Kupfer und 20% Zinn plus ein paar Spurenelemente) in einen Ofen stark erhitzt (bis zu 1200°C). Die heiße Bronze wird in eine Gußform geschüttet und abgekühlt.

    2. Diese Stücke werden abgekühlt, und dann später wieder stark erhitzt (aber weniger als vorher), damit das Metallstück zwischen zwei Walzen dünn gewalzt werden kann. Es wird also immer dünner und in verschiedenen Richtungen durch die Walzen geführt, die immer enger gestellt werden.

    3. Nach einem erneuten Erhitzen wird als nächster Schritt die Bell eingestanzt. Heutzutage in einem Schlag per Maschine, früher per Hand gehämmert. Letzteres soll einen wesentlich besseren Klang haben (laut manchen Cymbalholics), ist aber so arbeitsaufwändig, dass es niemand mehr macht (außer evtl. ein paar Leute, die selber Becken hämmern).

    4. Danach (wieder erhitzt) werden die Becken abgeschreckt, also in kaltes (Salz)wasser geworfen.

    UFIP macht das Ganze beim Rotocasting etwas anders: Die flüssige Bronze wird in eine rotierende Form gebracht, die bereits (mehr oder weniger) die endgültige Form hat.

    5. Jetzt wird das Mittelloch gestanzt und der Rand geschnitten, damit man ein rundes Becken hat.

    6. Jetzt wird das Becken geformt. Die grobe Form (also Wölbung) wird häufig in einem/wenigen Schlägen von einer Maschine gemacht. Alternativ hat man auch eine Maschine oder Arbeiter, die das per Hand wölben (der arbeitsaufwändigste Teil).
    Die Sabian Leopard Becken, die alten Jack DeJohnette oder Zildjian Earth Rides sind jetzt bereits fertig, d.h. kein Hämmern und kein Abdrehen! Kosten natürlich (fast) genausoviel...

    7. Per Hand oder Maschine wird weiter gehämmert, bis das entgültige Profil und Hämmerungsmuster erreicht wurde.
    Wenn man jetzt aufhört, hat man "Natural" Becken oder (bei Meinl "Extra Dry"). Teilweise wird bei dieser Variante die Unterseite abgedreht, aber nicht die Oberseite.

    8. Jetzt wird abgedreht, d.h. die Becken werden aufgespannt und sehr schnell von einer Maschine gedreht. Ein Arbeiter schneidet mit unterschiedlichen Schneidwerkzeugen die Oberfläche (die immer noch dunkelbraun bis schwarz vom Ofen ist) weg. Das ist Feinstarbeit, und kann eigentlich (noch) nicht von einer Maschine übernommen werden.

    9. Jetzt wird evtl. nochmal gehämmert. Die Wellen bei Soundedge HiHats oder die flache Krempe bei den Sabian SoundControl Becken wird z.B. jetzt hereingehämmert.
    Jetzt hat man ein Traditional-Finish Becken.

    Die letzten beiden Schritte werden auch manchmal mehrfach durchlaufen.

    10. Bei Brilliant-Becken kommt noch ein Schritt dazu: Die Becken werden mit Poliermaschinen bearbeitet. Dadurch glänzen sie viel stärker, und das harte "Schneidbild" vom abdrehen wird etwas "weichgebügelt".

    Nach allem kommt dann noch das Aufdrucken und Einstanzen von Logos, Bezeichnungen, etc. Bevor die Becken fertig sind, werden sie eine Weile gelagert, damit das Material sich "entspannen" kann.

    Es gibt auch eine Endkontrolle; teilweise wird nochmal nachgehämmert, um den "richtigen" Sound zu erreichen. Wie penibel diese Kontrolle ist, ist auch von Firma abhängig. Paiste ist stolz darauf, das jedes Becken gleich klingt. Bei den türkischen & chinesischen Herstellern sind dagegen meist viel größere Toleranzen erlaubt.


    Noch ein Wort zu den Finishes:
    Gerade bei den türkischen Herstellern gibt es einige unterschiedliche Finishes bzgl. dem Abdrehen. Da wären z.B.:
    - Turk: überhaupt nicht abgedreht.
    - Sultan (Antique bei Bosphorus): Auf der Oberseite wird die Bell und das mittlere Drittel der Fläche nicht abgedreht. Unterseite komplett abgedreht.
    - Ottoman: Wie Sultan, aber die Unterseite ist nicht abgedreht.
    - Vezir: Die Oberseite ist komplett abgedreht, die Unteseite nicht.
    - Bosphorus Versa und Sabian Duo Ride: Auf der Oberseit ist die nur die äußere Hälfte der Fläche abgedreht. Unten komplett abgedreht.
     
  2. mrbungle

    mrbungle Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 05.11.08   #2
    Sehr schoen, fehlen nur noch Bilder. :)
     
  3. derMArk

    derMArk Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 05.11.08   #3
    Sehr schön, danke Puncher!
     
  4. Smelly

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    Erstellt: 05.11.08   #4
    Wirklich richtig gut! Danke!
     
  5. Limerick

    Limerick helpful and moderate Moderator HFU

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    Erstellt: 05.11.08   #5
    Das Ding hier bleibt offen für Lob und Kritik. Ein Duplikat wurde bereits in die Workshop-Ecke verschoben.
    Auch hier danke ich noch einmal herzlich für die Zeilen! Toll gemacht. :)

    Alles Liebe,

    Limerick
     
  6. Puncher

    Puncher Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 06.11.08   #6
    Wenn ich Zeit habe, scanne ich mal was ein.
     
  7. elsancho

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    Erstellt: 06.11.08   #7
    Feine Sache, aber eine Sache frage ich mich gerade:
    Weißt du an welcher Stelle dieses Prozesses bei O-Zone Crashes die Löcher reinkommen?
     
  8. Puncher

    Puncher Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 06.11.08   #8
    Ich weiß es nicht. Ich schätze mal stark, dass es ganz am Schluß, also nach dem Abdrehen kommt.
     
  9. BumTac

    BumTac Helpful & Friendly User HFU

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    Klasse Puncher, wertvoller Beitrag!
     
  10. Haensi

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