Ich habe seit Jahren einen Boogie DC5-Combo.
Der unterscheidet sich von dem DC-10-Head nur insofern, dass er 50 statt 100 Watt Leistung hat (durch 2 statt 4 Endstufenröhren) und natürlich ein Combo ist. Ansonsten müssten Vorstufen (2 völlig separate Kanäle) und Endstufe absolut baugleich sein.
Zum Klang:
Typisch Boogie: Man kann mit dem Amp alles machen.
VORTEILE:
Der Clean Kanal ist wenn man will absolut klar bis angezerrt vergleichbar mit
Fender* Twin-Reverb. Das ist kein Zufall, denn in frühen Mesa Boogie Zeiten hat man wohl kräftig bei
Fender* abgekupfert und das zieht sich wohl durch die ganze Produkt-Historie bis heute durch. Zusätzlich gibt es noch einen Push-Potie im 1. Kanal, mit dem man von Clean auf (leicht) angezerrt umschalten kann. Das ist sozusagen ein 3. Kanal.
Der Lead-Kanal soll (so eigene Boogie-Aussage!) dem Rectifier sehr ähnlich bzw. nahezu identisch gebaut sein. Klanglich ist da auch eigentlich alles drin vom singenden Lead-Sound im Stile von Santana (na ja wers mag) bis hin zum absoluten Metal-Brett. Auch wenn sicherlich Ähnlichkeit zum Rectifier besteht, so klingt der Amp doch insgesamt etwas weicher. Ich habe selbst aber auch erst vor kurzem (! siehe unten) festgestellt, dass wenn man die Mitten voll reindreht, der Klang dem Rectifier sehr nahe kommt.
"NACHTEILE": Ist eigentlich keiner, bereitet aber - so denke ich - vielen echte Probleme. Die Klangregelung ist (auch eben typisch Boogie) recht "ausgefuchst" und es ist echt nicht einfach den gewünschten Klang auf Anhieb hinzubekommen. Ich finde z.B. das ist ein gewaltiger Unterschied zu
Marshall*-Amps. Das kommt daher, dass sich die Klangregler gegenseitig beeinflussen. Dreht man z.B. den Treble-Regler volle Kanne auf, kann man am Bass-Regler drumdrehen wie man will, das Klangbild wird immer höhenlastig bleiben. Hinzu kommt noch der zusätzliche grafische Equalizer, mit dem man den Klang nochmals völlig "verdrehen" kann. Dreht man z.B. in der "normalen" Klangregelung die Mittten ziemlich rein und stellt mit dem grafischen Equalizer das typische V dar, ist das natürlich Quatsch, da sich die beiden Einstellungen widersprechen.
Ich spiele den Combo zusätzlich über eine 2x12
Marshall* Box und habe ihn auch schon über 4 x 12
Marshall* Boxen ausprobiert. Das passt sehr gut zusammen, soll heißen, man muss nicht unbedingt eine Boogie-Box kaufen.
Zur Lautstärke:
Die Verstärker sind ziemlich laut. Als Combo-Version kann aber schon mal der Druck fehlen. Ein DC-10-Head mit 4 x 12 Box dürfte aber in jeder Beziehung reichen. Nur die DC-3 Verstärker dürften mit ihren EL-34-Röhren abfallen. Aber wer will schon einen Boogie mit EL-34 Endstufenröhren?
Zu den Preisen (was ja bei Boogie immer so ein Thema ist):
Generell halte ich die Boogie-Preise für maßlos überteuert auch wenn die Verstärker und Boxen schon Extra-Klasse sind. Was mich allerdings wundert ist, dass man speziell die DC-Serie in ebay ab und zu schon mal recht günstig kaufen kann. Da gehen die Teile echt unter Wert weg. Ich denke z.B. das die DC-Serie alleine schon wegen dem grafischen Equalizer besser ist als die Nachfolge-Serie Nomad (die es ja auch schon nicht mehr gibt). Wer also gerne Boogie spielen will und für den Rectifier kein Geld hat, sollte mal nach den DC-Verstärkern Ausschau halten. So einen Verstärker gebraucht kaufen dürfte eigentlich (verkünftige Behandlung des Vorbesitzers vorausgesetzt) kein Problem sein. Die Teile sind super solide gebaut und halten ewig.