Der Linkshänder-Geigen-Thread

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MaryAnne

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Ich habe mit Interesse den Thread verfolgt und mich nun angemeldet, weil ich gerne meinen Senf dazu geben möchte.

Auch wenn es oft die Meinung gibt, es sei doch egal, mit welcher Hand man den Bogen führt, dass man doch beide Hände gleichberechtigt was zu tun haben (streichen und greifen), ist dem nicht so.
Man kann sich mal als erstes fragen, wieso kein Rechtshänder je auf die Idee kommen würde, ein Instrument mit der linken Hand zu spielen. Weil es einfach keinen Sinn macht.

Die dominante Hand, sei es die linke oder die rechte, ist immer die ausführende. Die nicht-dominante Hand die zuarbeitendene und vorbereitende.
Z.B. haut man den Nagel mit der dominanten Hand in die Wand, die andere führt den Nagel an die richtige Stelle und hält ihn.
Die dominante Hand ist auch die, mit der man Emotionen besser ausdrücken kann. Es ist die Hand, der man vertraut, der man etwas zutraut, die geschicktere, die sensiblere. Und genau deshalb sollte man mit der dominanten Hand den Bogen führen.
Die nicht dominante Hand arbeitet zu, indem sich greift, die dominante führt aus.
Und da es ja Musik werden soll, nicht nur das Abspielen von Tönen, streicht die Hand, die Emotionen rüberbringen und all die feinen Nuancen ausführen kann, die die Töne zu Musik werden lassen.

Wen das Thema wirklich interessiert, dem empfehle ich das Buch 'Musizieren mit links' von Walter Mengler. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Da geht es auch um die Mehranstrengung, die es bedeutet, mit der falschen Hand zu üben, darum, wie die Aufgaben im Gehirn gesteuert und verarbeitet werden, um kreative Lösungsansätze für alle Probleme, die sich ergeben etc.

Nach der Lektüre habe ich keine Sekunde mehr gezögert, meinen Sohn Cello mit der linken Hand lernen zu lassen. Auch wenn es ein Mehraufwand ist beim Organisieren von Instrumenten, wenn es vielleicht im Orchester mal Probleme gibt etc.
Hätte er mit der rechten Hand lernen müssen, bin ich mir sicher, hätte er auch nie in einem Orchester gespielt, weil er bald die Lust verloren hätte. So spielt er mit Freude solo und das ist ein viel größerer Gewinn als ihn mit der falschen Hand ins Orchester zu quetschen.

Im Übrigen, und das führt Herr Mengler auch aus: wo ein Wille ist, ist auch immer ein Weg. Und den gibt es auch, wenn man einen Linkshänder im Orchester unterbringen möchte.
 
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