Der perfekte Moment

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Philip123

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Der perfekte Moment

Wir lagen auf dem Bett, die Angst war zu spür`n.
Unsere Gedanken ließen sich nicht führ`n.
Ist es zu früh oder sind wir bereit?
Ist dafür wirklich jetzt schon die Zeit?
Sind wir schon stark so ganz frisch zu zweit?
Oder macht sich doch die Angst hier breit?
Halten wir durch, so früh an dem Punkt?
Wo unsre Liebe doch gerade erst funkt.

Ein Kind ist was Großes und starkes zugleich.
Seine Liebe macht dich unendlich reich.
Doch ist man bereit oder doch eher nicht?
Wird man erdrückt von so viel Gewicht?
Kann die Liebe besteh`n und die Zweifel zerstör`n?
Wissen wir schon, ob wir zusammen gehör`n?
Du brauchst nur Vertrauen und ein wenig Mut.
Mit der richtigen Frau, da wird alles gut!

Dann kam plötzlich die Nachricht, es war doch nur ein Geist.
Doch wir wussten nun nicht mehr, was das für uns heißt.
Wir sahen uns an, die Enttäuschung war da.
Wir waren dem größten Wunder doch schon so nah.
Wir ließen ihn los, den Gedanken aus Glück.
Und kehrten zum alten Leben wieder zurück.
Doch er ließ uns nicht los, dieser ganz große Traum.
Wir wollten es doch, man glaubte es kaum….

Ein Kind ist was Großes und starkes zugleich.
Seine Liebe macht dich unendlich reich.
Doch ist man bereit oder doch eher nicht?
Wird man erdrückt von so viel Gewicht?
Kann die Liebe besteh`n und die Zweifel zerstör`n?
Wissen wir schon, ob wir zusammen gehör`n?
Du brauchst nur Vertrauen und ein wenig Mut.
Mit der richtigen Frau, da wird alles gut!

Wir lagen zusammen in unserem Bett.
Die Köpfe aneinander, es war einfach nett.
Du schautest zu mir, lächeltest mich an.
Ich konnte spüren, ich bin dein Mann.
Du sprachst diese Worte, sie sprengten den Raum.
Ich fühlte mich plötzlich wie in einem Traum.
Ich möchte ein Baby mit dir ganz allein.
Da wurde die Welt ganz plötzlich so klein.
Ich hatte Gefühle, die man sonst nicht so kennt,
und er war geboren, der perfekte Moment.
 
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Hi @Philip123
diesen Text finde ich den stärksten von den dreien, die Du gepostet hast. Warum?
Zum einen mag ich "twists" in Texten - also unerwartete Wendungen. Das hat was Überraschendes und weckt Interesse. Für mich ist das die Stelle, wo klar wird, dass es um einen Kinderwunsch geht. Dieses Thema wird dann durchgehalten und zeigt auch wieder die ein oder andere Wendung. Zum anderen spüre ich starke Gefühle, etwas, das nicht nur von einem vorangestellten Lyrischen Ich wie auf einer Bühne dargestellt wird, sondern das von einem tiefen Erleben herrührt. Das finde ich gut. Das hat einen anderen Anspruch als den, dass eine Musik jetzt unbedingt einen Songtext braucht.

Was mir an allen drei Songtexten auffällt, ist, dass sie ein sehr enges Reimschema haben: Die nächste Zeile reimt sich auf die vorige, dann kommt ein neues Reimpaar, dann das nächste. Man kann das ohne Zweifel so machen. Allerdings pocht dann schon der Reimzwang an der Tür und verlangt Eintritt. Zudem finde ich diese Vorhersehbarkeit sprachlich und formal ermüdend. Schon bei Gedichten ist seit mehr als hundert Jahren der Reim schon nicht mehr verpflichtend - bei Songtexten wird das noch viel lockerer gesehen. Es gibt sehr gute Songtexte, die sich gar nicht reimen und trotzdem als stimmig und formal gelungen empfunden werden und die großartig funktionieren.

Ich will hier gar nicht ins Detail gehen und auch gar nicht darauf hinaus, dass man das jetzt bei den bestehenden Songtexten ändern sollte. Es geht mir eher darum, Dich anzuregen, bei einem Deiner nächsten Texte freier heranzugehen und zu schauen, was passiert. Und: Beschäftige Dich mal mit Songtexten als Songschreiber. Das heißt, schau Dir mal Songtexte genauer an. Es reicht, wenn Du ein paar Deiner Lieblingssongs nimmst und da mal näher hinschaust. Wie sind die Zeilenlängen, wie ist die Zeilenanzahl? Wie ist das Reimschema? Wo reagiert der Songtext auf die Musik - wie oft werden bestimmte Passagen wie Verse und Refrain wiederholt, wo wird ein dritter Textteil eingebaut?

Im Grunde steckt da die Erfahrung hinter, die viele Songtextschreiber - mich eingeschlossen - gemacht haben: Auf Entdeckung zu gehen und sich auf verschiedene Art und Weise mit der Sprache, mit Formen und formalem Aufbau, mit Struktur und sprachlichen Mustern wie Reime, Alliterationen, Betonungen etc, zu beschäftigen. Weil es Spaß macht und weil es den Horizont erweitert - Projekt, das dauert, so lange man lebt und Texte hört und schreibt.

Herzliche Grüße

x-Riff
 
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  • #3
Vielen lieben Dank für deine ausführliche, sachliche und vor allem sehr konstruktive Kritik. Tatsächlich kommt mein Ursprung aus der Poesie und heftet mir in der Tat ordentlich nach. Ich werde den Vorschlag in meinem nächsten Text umsetzen und mal komplett ohne Reim schreiben. Ansonsten stehe ich tatsächlich am Anfang was die Umsetzung von Texten zu Liedern angeht und werde mir in nächster Zeit alle deine Vorschläge mal zu Herzen nehmen.
 
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Ich weiß nicht, ob Du die Möglichkeit dazu hast, aber es ist auch mal eine ganz gute Übung, auf eine musikalische Idee oder eine feste Musik zu texten. Da bekommt man auch ein sehr gutes Gespür für die formalen Aspekte eines Songtextes (Struktur, Länge der Verse und Zeilen, Refrain, Steigerungen und Dynamik).
Letztlich sollen ja Songtext und Musik an einem Strang ziehen und aufeinander eingehen, sich aufeinander beziehen ...

By the Way: Hier auf dem Musiker-Board haben sich mal ein paar Songtexteschreiber*innen zusammengetan und zu einigen Aspekten von Songtexten was niedergeschrieben. Nennt sich Workshop songtexte schreiben und gibt´s als PDF. Muss man nicht von vorne bis hinten durchackern - man kann einfach das lesen, was einem zusagt oder womit man sich beschäftigen möchte.

Den link dazu findest Du in meiner Signatur.

Herzliche Grüße

x-Riff
 
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  • #5
Gefunden, danke. Lese ich mir mal in Ruhe durch.
 
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@x-Riff bringt das, was ich Dir schreiben wollte, gekonnt auf den Punkt. Mehr habe ich auch nicht beizutragen.
 
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Ich sehe das mit den Reimen nicht so kritisch, wie @x-Riff
aber ansonsten stimme ich vollumfänglich zu :)

Ein ungewöhnliches Thema übrigens, finde ich
 
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  • #9
Ja, das stimmt. Ich kam drauf, weil ich im Zuge meiner Vergangenheitsarbeit der Beziehung mal gucken wollte, in welche Abschnitte ich unsere Beziehung unterteilen kann. Als ich an diesen Moment gedacht habe, wurde mir klar, dass dieser Moment die schönste Liebeserklärung war, die es je gab und geben kann und ich konnte mich fast an jede Sekunde erinnern. Es war so intensiv, ich musste es aufschreiben.
 
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