Digitalklavier mit Monitorboxen, kleiner Erfahrungsbericht

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Trompete1966
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Hallo,

nachdem ich schon so oft kompetente Antworten auf die unterschiedlichsten Fragen bekommen habe, möchte ich dem Forum nun auch etwas
zuückgeben, zumindest meine ganz persönlichen Erfahrungen mit der Verstärkung eines Stagepianos zum Üben in den eigenen vier Wänden..
Die Frage taucht ja öfters auf und die Antworten sind mannigfaltig, nun gibt es eine Antwort mehr ;-)

Mein Stagepiano (Korg SV1) klingt über Kopfhörer (zB. Sennheiser HD598) ganz ausgezeichnet (das Kawai CS 10 klingt allerdings noch besser), doch über Monitor wurde ich lange nicht glücklich. Gerade der Klaviersound machte Probleme, siehe unten...


1. Der erste Versuch war ein Set von Thomann, dass ich als Kleinstanlage für Gigs nutze: The BOX Pro Achat

https://www.thomann.de/de/the_box_pro_achat_mini_bundle.htm 444 Euro

Das System (wohl nicht unähnlich dem oft empfohlenen Syrincs: https://www.thomann.de/de/syrincs_m3_220.htm) hat auf der Bühne einen
schönen Sound, aber fürs Wohnzimmer/Übezimmer ist es dann doch zu wuchtig und auch etwas mittenbetont, einfach etwas zu grob in der Auflösung, speziell beim Flügelsound


2. Roland CM-220

http://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/roland-cm-220.html 495 Euro

Im Laden klang es großartig, zuhause war die Ernüchterung groß, es rauscht wie ein Wildbach am Himalaya, war auch zu groß (Sub) und irgendwie künstlich, wohl eher was fürs E-Drum...mehr auf Power getrimmt...


2.1 Auch ein Paar der Roland CM 30 für 400 Euro zauberte kein Lächeln auf mein Gesicht
Für die Bühneals Monitor, aber nichts fürs traute Heim! Zu agressiv!



3. Jetzt ging ich zu Nahfeldmonitoren über, zuerst die KRK Rokits RP6 G3 400 Euro

http://www.musicstore.de/de_DE/EUR/KRK-Rokit-6-RP6-G3-SE-Studiomonitor-aktiv-wei-/art-REC0010867-000

Mein Piano steht an der Wand, darüber habe ich einen Tisch gebaut, auf dem die Rokits zum Stehen kamen (recht nah an der Wand, auf Dämpfungsmatten)).
Obwohl sie den Bassport vorne haben, hatten sie doch etwas zu viel Wumms, auch bei -4 db Absenkung klangen sie zwar nicht übel, aber doch larger than life...mitten im Raum hätten sie mich wohl überzeugt (trotz leichtem Brummen), der Sound war angenehm warm (bis ganz leicht topfig) in den Mitten, etwas HiFi, etwas Schönklang, sehr feine Boxen zum Witzpreis...aber nicht zum Pianieren


4. Also musste es kleiner sein und vielleicht etwas nüchterner die JBL LR305

http://www.musicstore.de/de_DE/EUR/...R305-aktiver-Studiomonitor/art-REC0010870-000 300 Euro

Hochgelobt, aber....ich fand sie gar nicht gut: Der Bass aufgedunsen (Bassport hinten), nichts zu machen..., die Mitten...dröge.

Ein kulinarischer Vergleich: waren die Rokits ein Sandwich mit Schinken, Käse, Tomaten und Mayonaise, dann waren die JBL........ ein Knäckebrot mit einem Glas Kranenwasser!

Dröge, steril, farblos, pappbassig, ich habe jede Minute gehasst...vielleicht etwas für Tonmeister mit den ganz großen Ohren, nix für Pianisten und Musikhörer....IMO


5: Kleiner geht immer: Prodipe MS4C

https://www.thomann.de/de/prodipe_ms4c_coaxial_studio_monitor.htm 129 Euro

Vielleicht waren die Boxen bisher alle zu groß?
Also schnell die Prodine besorgt, wahnsinn, was aus den Dingern so raus kommt, selbst der Bass reicht für heimisches Üben aus...aber auch hier:
Die Mitten! Inzwischen hatte ich den EQ des Korg schon so eingestellt, dass die Mitten um ca 2 db abgesenkt sind, sonst klang es wie mein erster Radiowecker in den 70ern (na ja, ich übertreibe...)
Aber auch hier waren es die latent lieblosen plärrigen Mitten, die mich störten...so klingt kein Klavier..ansonsten sind die Teile richtig gut zum Musikhören, nur nicht zum Klavierverstärken..habe sie behalten.


6. Einfach zu billig? Also die Adam A5X bestellen

https://www.thomann.de/de/adam_a5x.htm 780 Euro

Alle Achtung, diese Monitore machen Spaß, ein sauberer straffer Bass, eine klare Tonsprache, transparent, neutral, viel regelbares...
Moment, neutral?
Zu neutral, ja....zwar nicht so furzdröge wie die JBL, farbiger und unten präziser (na ja, bei dem Preis...), aber auch etwas "streng", ein wenig mehr HiFi-Mitten in Richtung Rokits und die Adam wären perfekt gewesen...anosnten würde ich sie für alles andere empfhelen, auch als LS fürs Musikhören...


7. Empfehlungen.... Die Presonus Eris 5 wurde mir von einem Fachverkäufer ans Herz gelegt...

Da ich aber mittlerweile empfehlungsresistent bin, habe ich einfach die kleineren Eris 4.5 bestellt

http://www.musicstore.de/de_DE/EUR/...ign=GBase/DE&gclid=CJT72Nnc9cUCFQHJtAodem8Afw 169 Euro


Was soll ich sagen??

BINGO!!!

Sie klangen sofort, ich musste sie nicht mal einspielen, transparenter angenehmer Sound, schöne regelbare (!) Mitten, regelbarer Bass (Absenkung erforderlich)
Miniklinke (kann auch dazugemischt werden), Phones und Powerknopf sind an der Frontseite..usw...

Und das für 169 Euro, ich kann die Teile wirklich uneingeschränkt fürs Klavierüben empfehlen.
Es sind keine Lautstärkewunder, aber sie bieten (mir) genau die Richtige Mischung aus Transparenz, Wohlklang,
Straffheit im Bass, Regelbarkeit und Bezahlbarkeit...kein plärr, kein topf....eine knackiges frisches Baguettes mit lecker Belag...

Also, nehmt die kleine Presonus ruhig mal in die engere Wahl, wenn ihr auf der Suche nach Verstärkung seid, ich habe meinen heilgen Gral
gefunden und muss mich nun von meinem persönlichen Testmarathon erholen....


....doch halt, da gibt es doch noch ein Sub.. ;-)
 
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Wie ist das mit den Laufzeitunterschieden bei den Presonus? Man schließt ja beide Kanäle an einem Speaker an.
 
Laufzeitunterschiede? Wenn Du einen Laufzeitunterschied zwischen einem 10cm Kabel und einem 20cm Kabel messtechnisch nachweist spendiere ich Dir einen Nobelpreis....

@Trompete1966

Von Achat zu den Presonus ist aber ein weiter Weg. Aber schön, dass Du was gefunden hast das passt.....
 
Von mir auch noch ein paar kleine Ergänzungen, was ich probiert habe:


Audioengine A2
http://audioengineusa.com/Store/Powered-Speaker-Systems/A2-plus-W-Powered-Desktop-Speakers
200 Euro, und ja, die gibts auch dezenter in Schwarz

Hochgelobt als kleine Aktivlautsprecher, zum Musikhören klasse. Fürs Klavier fehlten mir aber die Mitten, es klang recht bassbetont, und mir fehlte die Wärme und Fülle des Klavierklangs. Pegelfest und laut genug sind sie aber schon, also vielleicht auch Geschmackssache. Übrigens auch schön ruhig ohne Rauschen. Ich hab dann einen kleinen EQ im Boss-Bodentreter-Format davor gehängt, damit war der Klang gut, war mir aber dann auf die Dauer zu lästig, extra einen EQ zu brauchen.



Roland Cube CM30
https://www.thomann.de/de/roland_cm_30_cubemonitor.htm
200 Euro

Na ja, Hi-Fi ist das nicht, will es vielleicht auch nicht sein. Sicher kein Studiomonitor für alle Feinheiten des Klangs, eher ein robusters Bühnentier für alle Lebenslagen, das alles verstärkt, was gerade verstärkt werden muss, egal woher oder mit welchem Anschluss, also das Schweizer Taschenmesser unter den Aktivmonitoren. Hab ihn behalten, weil wie gesagt praktisch für die Bühne, und zu Hause auch überraschend brauchbar, wenn man normalerweise mit Kopfhörern spielt, aber ab und zu halt doch mal das Piano laut machen muss, weil man jemand was vorspielen soll.



So richtig das rundum-sorglos-Lautsprecherpaket, das einfach nur die fehlenden internen Lautsprecher eines Stagepianos ersetzt, hab ich auch noch nicht gefunden.
 
Nachtrag zu den Presonus:

Sie brummen ganz leicht, also der Master, rauschen aber nicht besonders..

Die Laufzeitdiskussionen kann ich nicht nachvollziehen, ich habe noch nie ein Problem mit unterschiedlichen Kabellängen gehört...wenn man es hören will, kann man es bestimmt...aber ob es objektivierbar ist, möchte ich bezweifeln.
Wie hoch ist nochmal die Geschwindigkeit des Signals in einem durchschnittlichen Kabel?

Die Achat: ich finde die Achat für den live Betrieb unglaublich gut, immer wieder verblüffend, was man mit den Teilen ohne großen EQ - Aufwand realisieren kann
 
Ich nutzte zu Hause die von Dir beschriebenen Adam A5x, hab aber noch ein Mischpult mir Equalizer vorgeschaltet. Für mich war vor allem wichtig, dass man bei leisen bis moderaten Lautstärken eine gute Soundwiedergabe hat. Da sind die Adams wegen praktisch nicht vorhandenem Rauschen bei gleichzeitig gutem Klang ziemlich optimal.

Gruß

murrel
 
Das alles ist immer sehr abhängig von dem Raum und der Aufstellung der Monitore/Boxen darin. Ist es ein kleiner rechteckiger Raum mit 10qm, ist es ein großer offener Raum über 25qm, stehen die Boxen frei oder an der Wand, was ist sonst noch im Raum (Möbel? Personen? usw.). Das Verhalten der Anordnung im Bass, aber auch in allen anderen Frequenzbereichen ändert sich drastisch. Daher wird es keine Universallösung geben.

Persönlich finde ich, dass fürs Alleinspielen im kleinen Raum ein gutes und bequemes Paar Kopfhörer klanglich nicht zu toppen ist.
Wenn es aber darum geht, für andere hörbar zu spielen, und der Raum etwas größer wird, kommen kleine Monitorboxen sehr schnell an ihre Grenzen.

Ich bin selbst nach etlichen Versuchen mit kleinen Monitoren beim Roland CM30 gelandet. Was chaltechalte oben sagt, trifft es ziemlich genau. Mit denen geht es (mit gewissen klanglichen Abstrichen) im kleinen Raum, aber auch bei klein(st)en Auftritten, und zusammen mit anderen Musiker*innen ohne großen Aufwand.

Ähnlich konzipiert, aber eine Preis- und Leistungsstufe größer sind die Yamaha MSR100. Werden wohl meist als Bühnenmonitore genutzt, könnten aber auch anders eingesetzt werden. Hat die hier schon jemand ausprobiert?

Ach ja, und als Nachtrag: Als glücklicher Besitzer eines kleinen roten Nord Electro habe ich den EQ schon im Instrument. Ihn zu nutzen ist absolut essentiell - ohne auf den Raum passend abgestimmte EQ Einstellungen bekommt man nach meiner Erfahrung mit keiner Box ein optimales Ergebnis fürs Piano.
 
Zuletzt bearbeitet:
Laufzeitunterschiede?
Die Ausbreitungsgeschwindigkeit des elektrischen Stroms beträgt ca. 2/3 der Lichtgeschwindigkeit bzw. 199.861.639 m/s.
Die Unterscheidbarkeit zweier aufeinanderfolgender Laute wie da und ba liegt (für gesunde Kinder) bei ca. 0,008 Sekunden.
Demnach müsste ein Kabellängenunterschied von 1,6 Mio km vorliegen, damit man bei gutem Gehör und fittem Hirn ein gleichzeitig eingespeistes Signal auf zwei Boxen als hintereinander erfolgt hören kann.
1,6 Mio km minus ein paar (Zenti?-)Meter Kabellängenunterschied in der heimischen Verlegung, da scheint mir ein komfortabler Puffer vorzuliegen.

http://www.wdr5.de/sendungen/leonardo/diekleineanfrage/weltundall/strom120.html
http://epub.uni-regensburg.de/10065/1/Barbara Limmer Dissertation.PDF
Basisinformationen zum Hören im Bezug auf Musik: http://www.immm.hmtm-hannover.de/fi...tionen/Altenmueller_Musik_Vox_Humana_2012.pdf

Gruß Claus
 
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Sind bei der Geschwindigkeit in 8ms zwar nur 1,6 Mio m, sollte aber auch reichen ;-)

Die 8ms sind aber auch zu viel, da das bei Schall (ca. 350m/s) einen Unterschied von 2,8 m ergeben würde, und diese Schwelle liegt aber im cm Bereich.
 
Herrliche Zahlen, das stützt ja meine Voodo These, aber wer Fledermausohren zu haben glaubt, der kann ja trotzdem was hören...
Immerhin ist es der katholischen Kirche einst auch gelungen, das Gewicht der Seele zu ermitteln...
Ich kaufe jetzt im großen Maßstab (ein paar Millionen Meter) Kabel auf und werde dann den Test machen, wahrscheinlich, aus Platzgründen, im Weltall..

Das war off topic....

Zum EQ: Ich hatte ja geschrieben, das ich bei meinem roten Gerät, dem Korg SV1, das auch, wie eigentlich jedes mir bekannte Keyboard, einen EQ besitzt, etwa 2 Dezibel aus den (durchstimmbaren) Mitten genommen habe :)

Interessant, dass die Hörgewohnheitens zum Beispiel im Bezug auf die Roland "Plärre" CM 30 dermaßen unterschiedlich sein können...meine 25 Jahre am Steinway D (nicht meiner, leider) haben wohl eine andere Klangvorstellung von Flügelsound geprägt...viel weiter kann man sich nach meinen Höreindrückender CM 20 nicht davon entfernen!

Nicht mal als Monitor waren sie (für meine Zwecke) live zu gebrauchen, und das bei einem Preis, den man für das Achat Set mit allem Schnickschnack abdrücken muss.
Nicht mal laut konnten die..
Die Achat hingegen sind als Monitor schon fast zu schade...

Ich gebe zu, alles subjektiv, wie auch sonst?!
 
Zuletzt bearbeitet:
Trompete, ich hab zu Hause auch einen schönen Flügel stehen und von dem Gedanken, dass ein Digitalpiano einen solchen Klang leidlich und ohne großen Aufwand reproduzieren könne, hab ich mich schon lang verabschiedet. Alles eine Frage der Kompromisse. Für größere oder laute Sachen live taugen ein oder auch zwei CM30 natürlich nicht.
 
Ich habe leider keinen Flügel im Haus, da muss ich zur Musikschule fahren, und mit dem Kopfhörer muss ich Dir Recht geben...das ist einfach der beste Sound, und dem sind die kleinen Presonus am nächsten gekommen.
Ich habe auch einen Studiokopfhörer von AKG gehabt, der klan lustigerweise auch nicht schön..wie neutrale Monitore eben...der Sennheiser 598 oder ein Beyer 880 machen sich aber wunderbar.
 
Die Ausbreitungsgeschwindigkeit des elektrischen Stroms beträgt ca. 2/3 der Lichtgeschwindigkeit bzw. 199.861.639 m/s.
Die Unterscheidbarkeit zweier aufeinanderfolgender Laute wie da und ba liegt (für gesunde Kinder) bei ca. 0,008 Sekunden.
8 ms sind viel zu viel. Laufzeitdifferenzen sind ab 10 µs unterscheidbar, denn damit orten wir Klang im Raum. Bei 630 µs liegt bereits das Maximum für die volle Seitwärtsauslenkung.

http://de.wikipedia.org/wiki/Laufzeitdifferenz
 
Wenn ich das richtig sehe, legt der Strom in 10µs immerhin über 1998 m zurück, insofern.....




PS. Das verhält sich ja hoffentlich heute noch genauso wie 2015! :tongue:
 

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