Hallo,
Apps für Handys sind aufgrund der Natur der Sache häufig nicht gut kalibriert, außer sie sind ganz speziell für deinen Handytyp konfiguriert.
Die Mikrofone in Handys sind für verschiedenste Handytypen sehr unterschiedlich empfindlich -> 30dB Abweichungen sind durchaus drin...
Weiters hängt der angezeigte Schallpegel von der Frequenzgangkurve des Mikrofons ab -> ein Mikrofon, was für Bässe unempfindlich ist, zeigt den Lärm im Bass naturgemäß über eine Handy-App als viel geringer an.
Das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Mit (unkalibrierten) Handy-Apps könnte man höchstens Vergleichsmessungen machen, also Unterschiede im Schallpegel zwischen Schlagzeug und Gesang feststellen, weniger gut den absoluten Schalldruckpegel.
Am zuverlässigsten (oder glaubhaftesten) für billig Geld sind billige Schallpegelmessgeräte etwa von Conrad oder Pollin o.ä. Idealerweise hat der Hersteller in der Auswertelektronik die Empfindlichkeit und die Frequenzgang-Kurve des verbauten Mikrofons gut genug berücksichtigt, sodass der angezeigte Schalldruckpegel hinreichend gut der echte Schalldruckpegel ist.
Zum anderen ist der Ort wichtig für die Schallmessung. Für euer Problem wäre es sinnvoll, am Ort des Gesangsmikrofons zu messen. Und zwar wenn zum einen nur das Schlagzeug spielt, und zum anderen, wenn die Sängerin zusätzlich zum Schlagzeug in ihrer üblichen Lautstärke singt.
Idealerweise sollte der Pegel, wenn die Sängerin mit singt, etwa 10 bis 20dB lauter werden, direkt am Ort ihres Gesangsmikrofons gemessen, wohlgemerkt.
Sollte der von dir gemessene Schalldruckpegel von 110dB einigermaßen stimmen, wäre das mir persönlich ca. 20 bis 30dB zu laut.
Zielpegel sollten ca. 80dB Schalldruckpegel sein. Das ist immer noch druckvoll laut, aber ohne dass man sich die Ohren kaputt fetzt.
Zum einen hilft es sehr, leise spielen zu erlernen. Das geht, selbst wenn man schnell spielt.
Letztlich lernt man beim leise spielen Präzision und Genauigkeit, was auch hilft, wenn man bei einem Gig wirklich mal lauter spielen muss oder darf...
Als Hilfsmittel im Proberaum kann man möglichst leichte Stöcke benutzen. Also lieber 7A anstatt 2B.
Weiters kann man die Drums abdämpfen. Gaffa-Tape, Gaffa-Tape über Tempos, Moongel, ... auf Snare und Toms können da schon helfen. Auch Geschirrtücher über Snare und Toms gelegt, dämpfen etwas.
Und zur Not füllt man die Bass-Drum mit Kissen oder Schaumstoff.
Die Konfiguration des Kits kann auch helfen, die Becken und auch Toms leiser zu spielen: Becken und auch Toms so aufhängen, dass man nur in kurzen Wegen spielen muss. Crash-Becken, Ride-Becken so aufhängen, dass sie möglichst nahe an den Toms oder Snare sind, und dass man sie in bequemer entspannter Armhaltung aus dem Handgelenk heraus spielen kann.
Muss man für einen Schlag auf dem Crash z.B. weit ausholen, weil es weit weg hängt, so muss man den Arm und Stock schnell bewegen, und das macht dann auch mehr Lautstärke. Und kostet mehr Kraft.
Hängt das Crash so nahe an der Hi-Hat, dass man es aus dem Hi-Hat-Rhythmus durch einfache Drehung des Handgelenks oder nur leichtes Anheben des Unterarms erreicht, so fällt es viel leichter, es leise zu spielen, und es kostet auch nicht so viel Kraft.
Und man kann auch leichter präziser spielen.
Ein leise gespieltes Kit verbraucht weniger Kraft, man hält schnelle Parts besser durch, und es klingt klarer und frischer, und man hat für die wenigen Fälle, wo man noch mal Akzente setzen möchte, noch Luft nach oben, könnte also noch mal für einen Schlag oder Lauf über die Toms eine Schippe an Lautstärke drauflegen, als Akzent zur Betonung, nicht als Daueraktion.
Ein leise gespieltes Kit ermöglicht der Sängerin erst, tatsächlich zu singen, anstatt wild ins Mikrofon brüllen zu müssen, um sich selbst überhaupt nur zu hören.
Das weiß ich auch aus eigener Erfahrung.
Muss man dauernd ins Mikrofon brüllen, um sich im Lärm vom viel zu lauten Schlagzeug überhaupt nur ansatzweise hören zu können, so trifft man die Töne nur sehr schlecht, von Gesangstechnik ganz zu schweigen, und man ruiniert sich die Stimme.
Zum anderen die Akustik im Probenraum...
Schall vom Schlagzeug wandert zur Wand hinter der Sängerin und wird von dort reflektiert in ihr Mikrofon, in die Einsprechachse ihres Mikrofons. Da könnte es helfen, die Wand hinter ihr weniger schallreflektierend zu machen.
Ein Schlagzeug in der Ecke des Probenraums spielt quasi wie in einem Schalltrichter: Schall vom Schlagzeug wird von gleich zwei Wänden hinter bzw. seitlich vom Schlagzeug aus reflektiert und macht es lauter. Schlagzeug also eher vor der Mitte der Wand aufbauen statt in der Ecke, und die Wände hinter und seitlich vom Schlagzeug weniger reflektierend machen.
Einfache Mittel dazu wären, etwa hochflorige schwere Wandteppiche oder dicke schwere Flauschdecken/Wolldecken in gewissem Abstand (ca. 5 bis 20 cm) zur Wand aufzuhängen.
Auch die Decke und Fußboden reflektiert Schall. Evtl. auch die Decke mit dicken Wandteppichen abhängen, hochflorigen Teppich auf den Fußboden legen.
In einem kleinen Probenraum ist sowas aber nicht immer gut umsetzbar, weil man wertvolle Bodenfläche verliert, wenn man "Schallabsorber"/Teppiche im Abstand zur Wand aufhängen möchte.
Grüße