Einsamkeit

  • #21
Ich finde bei jedem vorgebrachten Aspekt, bei jeder dargestellten Perspektive: ist verständlich, kann man vertreten & einnehmen, kann man so machen.
Allerdings: jeder Aspekt & jede Perspektive ist auch ambivalent! Beispielsweise bedeutet Offenheit auch Unfreiheit: Wer sich die Berufswahl sein ganzes Leben offen lässt (Freiheit), ergreift eben keinen Beruf und findet sich in den ewigen Leichtlohngruppen (Unfreiheit), wer offen lässt, ob er Kinder haben will, wird keine haben - oder die Entscheidung seiner Partnerin überlassen.

Insofern: kann man alles so machen - aber für eine Variante fällt die Entscheidung. Oder: in jedem Refrain eine andere Variante ...

x-Riff
 
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  • #22
Allerdings: jeder Aspekt & jede Perspektive ist auch ambivalent! Beispielsweise bedeutet Offenheit auch Unfreiheit: Wer sich die Berufswahl sein ganzes Leben offen lässt (Freiheit), ergreift eben keinen Beruf und findet sich in den ewigen Leichtlohngruppen (Unfreiheit), wer offen lässt, ob er Kinder haben will, wird keine haben - oder die Entscheidung seiner Partnerin überlassen
Herzlichen Dank, sehr geschätzte Kollegen, für eure feinfühligen Antworten zum Thema „Verbindlichkeit“.
Mit den Jahren wird mein Sprechen vorsichtiger – nicht, weil ich weniger wüsste, sondern weil ich gelernt habe, wie trügerisch Gewissheiten sein können, besonders jene über uns selbst. Natürlich sollen meine Worte mich in einem guten Licht zeigen. Aber braucht ihr wirklich MEIN positives Spiegelbild? 😉 Oder genügt euch meine Hoffnung, dass das Glück es gut mit mir wie dir meinen könnte?

Wenn ich das Glück der Menschen betrachte, fallen mir viele Hindernisse bzw. Zufälle ein. Die natürlich auch für mich gelten. Diese allgemeinere Betrachtungsweise erscheint mir, sorry, eigentlich sympathischer, klüger… ;)
 
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  • #23
Hi @GeiGit ,

Für mich stellt sich also die Frage: Wie könnte ich den Text besser formulieren, dass jeder erkennt, das es um dieses unbekannte "es" geht ohne es näher zu benennen?
..es gibt hier ja eine Reihe von Ideen, die allesamt eines gemein haben, nämlich, dass sie den Satzbau vereinfachen..genau dies tut einem Songtext meist gut..außerdem wird es einfacher ihn zu bearbeiten, man kann Zeilen vertauschen, uvm..

..dein Chorus geht ja so:
>>
Was tief in meinem Herzen schlummert
ist gut versteckt, doch die Einsamkeit
macht, das mein Herz mit Schlägen wummert
und es bricht sich durch, bald kommt seine Zeit.

<<

..wenn wir für das im Herzen schlummernde versteckte "??" etwas annehmen z.B. "das Verlangen nach Erdbeereis", lässt sich zeigen, dass die grammatischen Bezüge innerhalb des Satzes durchaus tückisch sind..

!! Sorry, mir ist nichts besseres eingefallen!!

..lesen wir nun..
>> (Variante 1)
Das Verlangen nach Erdbeereis, das tief in meinem Herzen schlummert ist gut versteckt [...] und es (das Verlangen) bricht sich durch, bald kommt seine Zeit.
<<

..so bezieht sich die letzte Zeile auf das "??"..es kommt also die Zeit des Verlangens;-)

..oder ist gemeint, dass die Zeit des Herzens bald beginnen wird..
>> (Variante 2)
[...] die Einsamkeit macht, dass mein Herz mit Schlägen wummert und es (das Herz) bricht sich durch, bald kommt seine Zeit.
<<

..ich finde, dass der Konflikt für den Hörer nicht in der fehlenden Auflösung "was versteckt sich?" besteht, sondern in der Mehrdeutigkeit des Satzbaus, die obige Frage überlagert..

..was kann man tun?

..für Variante 2 könnte man nach dem "versteckt" einen Punkt setzen oder beim Singen das Satzende signalisieren..ich denk, das könnte klappen..

..für Variante 1 könnte man die zusammengehörigen Aussagen anders anordnen und dabei enger zueinander platzieren..

>>
Mein Herz, wenn es mit Schlägen wummert
erhebt sich aus der Einsamkeit
Was gut versteckt noch in ihm schlummert
das bricht sich nun durch, bald kommt seine Zeit
<<

..deinen schönen Stil, der eher auf Tun (Verben) und weniger auf Eigenschaften beruht, hab ich versucht beizubehalten..

Gruß, Micha
 
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  • #24
Tja, diese „Worte“…. Ich will mal nachträglich meine ersten Gedanken beim Lesen schildern…

Was mir sofort auffiel, war „wummern“. Ich interpretierte dieses extrem kräftige Wort zwar sofort als Zwangsreim - dennoch fielen mir zum „Wummern“ leider nur die Bullen vor der Tür ein, also existenzielle Bedrohung. Wahrscheinlich tauschte ich deshalb sofort „Herz“ mit „Tiefe“, um schon mal die Bullen zu verscheuchen.

Aber ein Wummern in der Tiefe klingt noch immer sehr bedrohlich. Also denke ich nun an einen untrainierten Körper, den ein Erdbeben drohen könnte. An ängstliche und/ oder bequemen Menschen. Ich denke an einen schüchternen Menschen, für den eine wummernde Herausforderung letztlich zu gewaltig sein könnte.

Und damit wird die Situation immer unklarer. Und der Wunsch, von „jedem“ gut verstanden zu werden rückt klare Bilder immer mehr in die Ferne… Mit solchen Gedanken im Hinterkopf entwickelt sich allmählich die verwaschene Phantasie eines schüchternen Menschen. Wie gesagt, allein schon von diesem „Wummern“ ausgelöst… ein „Klopfen“ hätte garantiert völlig anderer Assoziationen ausgelöst.
 
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