Gar lustig geht es zu im Metal

von Guvnor, 03.11.18.

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  1. Captain-P

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    Erstellt: 28.04.20   #41
    Das ist schon richtig. Aber das Schockieren/Provozieren ist ein Aspekt der Jugendrebellion. Ja, das hat auch mit Metal zu tun aber ist für mich sicherlich nicht das Wesentliche.
    Tatsächlich habe ich schon eine Ewigkeit nicht mehr an diesen Zusammenhang gedacht. Aber klar, wenn man keinen Plan von der Musik hat und es für einen nur nach Geschrei und Krach klingt, mag man da wohl selten mehr hinein intepretieren.
    Bedauerlich, denn in diesem weiten Feld ist so unglaublich viel ...
     
  2. Rushmore

    Rushmore Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 28.04.20   #42

    --- Beiträge zusammengefasst, 28.04.20, Datum Originalbeitrag: 28.04.20 ---
    also hier KANN es sich nur um eine Parodie handeln, angefangen bei Bandname und Cover"art".
     
  3. Captain-P

    Captain-P HCA Gehörschutz HCA

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    Erstellt: 28.04.20   #43
    Ich finds ziemlich cool :D
    Ist zwar ein ziemlicher Crossover Bastard und kein Metal aber so ein Anarcho Sytyle ist mehr Rock'n'Roll als alle Frogleaf Affen zusammen :rock:
     
  4. Torraner

    Torraner Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.06.20   #44
    Ich habe mir den Thread hier mit intresse gelesen, obgleich ich selbst mit Metal eigentlich nicht viel zu tun habe. Ich habe ein paar Scheiben in meiner Picture Vinyl Sammlung die ich aber der Gestalltung wegen gekauft habe.
    Soviel zu meinem Bezug zu Metal.

    Was ich hier jedoch höchst ingeressant finde ist die Diskussion um die Veränderung ins mehr oder weniger lustige, oder vielleicht sogar das abdriften ins lächerliche. Und die Verteidigung des Anspruches auf Ernsthaftigkeit.

    Erklärt mir doch bitte einmal folgendes: Was zeichnet eurer Meinung nach eine gute Metal Band aus ?Was sind die Besonderheiten ? Was sind die Eigenschaften ? Was sind die möglicherweise vorhandenen Gemeinsamkeiten ? Was muss gegeben sein damit ihr sagt „Das ist eine gute Metalband“

    Erklärt es mir am besten so, dass ich es ohne Szene-Kenntnisse verstehen kann.

    Es intressiert mich, auch, oder vielleicht gerade weil ich kein Metalhead bin.

    Nebenbei, die Covergestalltung von Metal-Vinyl hat mich stets fasziniert. Stets irgendwie düster gehalten, aber dennoch immer creativ.
     
  5. Laiendarsteller

    Laiendarsteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.06.20   #45
    Auf diese Frage gibt es keine stimmige Antwort, weil Metal ein sehr diverses Genre ist, in welchem absurd und ernst gut nebeneinander existieren können.
    Es ist also mehr eine Frage, welchen Humor und Anspruch man Individuell hat und welche Witze landen und welche daneben gehen. Genauso die Frage, ob man die Darstellung der ernsten Themen akzeptiert oder ob sie dem eigenen Weltbild widersprechen.

    Für mich ist es relativ einfach:
    Humor darf nicht ins Fremdschämen abdriften, wie es für mich bei Steel Panther der Fall ist. Lieder über wilde Parties im Stile Ballerman 6 sind echt nicht meins, und das nicht weil ich zu der "Oh mein Gott, Frauenfeindlich!!!1111elf" Fraktion gehöre. Ich finde es einfach nur Unlustig und peinlich. Dagegen sind Party/Spaßmetalbands wie Alestorm oder Grailknights innerhalb meiner Wellenlänge des Humors, sie erzählen ihre Witze in Musikform sehr konsequent und zaubern mir immer ein breites Grinsen ins Gesicht. Der Humor ist zugegeben Nerdig, aber dazu stehe ich und das sieht man anders, wenn man mit Witzen über trinklustige Seefahrer oder Superhelden nichts anfangen kann.

    Ernster Metal ist da etwas schwieriger, weil ich das Gefühl habe dass heute wenig Metal Ambitionen in der Richtung "Ernst" oder "Gesellschaftskritik" aufbaut. Ich hänge da natürlich noch "WASP" nach, welche die mMn besten "ernsten" Alben gemacht haben.
     
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  6. Palm Muter

    Palm Muter Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.06.20   #46
    Das muss man glaube ich so betrachten:
    Metal ist und bleibt in erster Linie eine musikalische Ausdrucksform. Und, ganz Subgenreübergreifend, er ist nunmal eher nicht geeignet, Liebesschnulzen und Happy-Feeling-Sommer-Sonne-Heiterkeit Musik zu machen.

    Deine Unterteilung bezüglich Humor unterschreibe ich 1:1.

    So, nun gibt es weiters den "bösen" Anteil des Metals, die Beschäftigung mit Tod, Okkultismus, generellen Tabuthemen - und da verschwimmen im Metal schnell die Grenzen. Weil, und das ist im Metal ziemlich allgemein anwendbar: Das wird meist "von intern heraus betrachtet".
    Es gibt kaum Metal, der offen und ganz klar einen Sachverhalt angreift, wie man das ja vom Punk durchaus kennt. Ein klassisches Beispiel, nehmen wir Paschendale von Iron Maiden, da geht es, wie so oft bei Maiden-Songs, um die Eindrücke eines Soldaten auf dem Schlachtfeld. Es wird eigentlich nicht offen kritisiert, lediglich all das Leid dargestellt, das Urteil, ob das alles denn gut oder schlecht ist muss der Hörer selbst treffen.

    Ist es die bombastische Inszenierung von Tod und Leid, oder aber mehr als Mahnmal zu verstehen, dass daran erinnern soll, was Menschen Menschen antun können? Es liegt einerseits im Auge des Betrachters, andererseits findet man wenn man ein wenig nach Interviews von den jeweiligen Bands/Musikern sucht meist heraus, dass sie eher das Gegenteil von bekennenden Menschenhassern sind, auch wenn sie "superböse" Musik machen.

    Eine weitere, gesellschaftlich weniger heikle Spielwiese dieser internen Betrachtung ist das, was man unter Viking/Pagan/und allgemein einen großen Teil des Powermetal zusammenfassen kann. Weil der Vorposter es schon erwähnt hat, Alestorm ist geradezu ein Paradebeispiel dafür. Es gibt kaum ein Alestormlied, dass allgemein die Piraterie in einen Kontext zu Gut/Böse oder sonst was stellt. Es geht mehr darum, ein Pirat zu sein, die Vorzüge von rauer Gitarrenmusik und Blastbeats zu nutzen, um aus Sicht eines Freibeuters der die Meere bereist ein düsteres Bild zu zeichnen. Auf eine für Metal ziemlich einzigartige (humoristischen) Weise, aber sie machen auf der Bühne mit ihren Texten, ihrem Outfit, ihren Requisiten dasselbe wie Amon Amath oder Hammerfall, wenn der Sänger mit seiner Mjölnirattrappe herumfuchtelt: "Heute sind wir mal alle Piraten" (bzw. Wikinger, oder allgemein "Krieger").
    Wenn man bei Alestorm das erste Album anschaut sieht man mMn, dass sie da noch nicht so sehr auf dem "Party-Metal"-Zug waren, das erste Album wirkt wirklich düster im Vergleich mit denen danach.

    Wenn man nun den "Unterhaltungsanteil" weglässt, der bei so etwas wie Alestorm sehr stark gewichtet ist und "das Ernste" in der Musik sucht muss man auch wieder aufdrösseln:
    Metal ist auf der einen Seite auch und mMn. vor allem eine Spielwiese für Musikfreaks. Entstanden aus der langen Kette von Musikern, die Clapton und Yardbirds geliebt haben, und ab Aufkommen von Bands wie Led Zeppelin und Sabbath immer radikaler, lauter und schneller spielen wollten. Da ist der (Text)-Inhalt erstmal auch gar nicht so wichtig.

    Oder anders (meine Persönliche Meinung), ich kann z.B. mit all den Spielformen des Metal, die sich hauptsächlich über den Inhalt ihrer Texte definieren (Black/True Metal) gar nicht so viel anfangen weil mir die musikalische Komponente fehlt, und meist ist diese eben auch entsprechend schwächer gewichtet. Weil es in erster Linie ja darum geht, eine Art Schwarze Messe zu zelebrieren (im Falle von Blackmetal), wohingegen, um ein krasses Gegenbeispiel zu bringen, die Jungs von Dream Theater dich nahezu erschlagen mit der Komplexität ihrer 10min+ Songs, und auf der Bühne auch generell recht wenig reden und gut damit ausgelastet sind, ihre eigenen Stücke mit teils taktweisen Tonart- und Rhythmuswechseln in guter Qualität darzubieten - da kann man durchaus einen Vergleich zu studierten Orchestermusikern schlagen, die sachlich konzentriert ohne eine Miene zu verziehen stundenlang Werke von den großen Meistern der Klassik spielen.

    Und dann kommt nunmal noch der Faktor eines Undergroundgenres dazu - was für manch Teile des Metal nicht mehr wirklich, für andere ausschließlich gilt.
    Aber es gibt jedenfalls eine Subkultur, die in manchen Ländern/Städten mehr, in manchen weniger stärker vorhanden ist. Und das kann man am besten mit Fussballfans vergleichen. Es gibt den allgemeinen Fussballfan, der Präferenzen hat, aber für keine Manschaft sterben würde, bis hin zum fanatischen Fan. Da sie aber nicht gegeneinander spielen können aber die unterschiedlichen "Fanblöcke" idR. sehr gut miteinander :D
    Allerdings, weil Subkultur gibt's keine Champions Leage und keine WM, sondern "Regionalliga" in Form von Festivals und Konzerttouren, nebst einigen Bands wie Metallica oder Iron Maiden, die auf der "Weltstarbühne" spielen - und in den meisten urbaneren Gebieten gibt es zumindest den einen Metalschuppen, wo sich Szeneanhänger die von Discomusik alle Zustände bekommen ihren wochenendlichen Rausch käuflich erwerben können.

    Aber, wie bei Fussballfans, ist das Bekenntnis ein Metalhead zu sein etwas exklusives, und wer das tut nimmt in der Regel für sich in Anspruch, sich mit der Materie besser auszukennen als jemand, auf den das nicht zutrifft.
    Was teils zu interessanten Situationen führt, da genau dieser Umstand bei der Form von Festivals und Konzerten, die Otto Normalverbraucher gar nicht kennt ja egal ist, da ja wie in einem Fussballstadium jeder jedem pauschal unterstellt, auch zum selben Fanclub zu gehören.

    Und das ist dann eben die Metal-Subkultur, äußerlich oft erkennbar mit langen Haaren (oder bei vielen älteren Semestern Glatze und Vollbart^^), Leder, Bandshirts, vielen Totenköpfen... aber auch ihren eigenen Gepflogenheiten - und die allervorderste, allgemein gültig für alle Subgenre- und Allgemein-Metalanhänger: Wie der Fussballfan ins Stadium geht der Metalhead auf Konzerte.
    Das muss man natürlich nicht machen, um ein Metalfan zu sein, also um Metal prinzipiell gerne zu hören, dafür gibt es Stereoanlagen und Kopfhörer, aber genau hier kann man am besten die Grenze zwischen Szeneanhängern und "unabhängigen Musikfans" ziehen.

    Nun passiert es aber immer wieder, dass Bands, die idR. nicht unbedingt gluteral singen oder sich mit den tiefsten Abgründen der menschlichen Seele beschäftigen kommerziell erfolgreich werden. Da gibt es dann wie in jeder Kultur die "religiösen Eiferer", die dann sofort Verrat am wahren Metal attestieren :rolleyes:.

    Aber normallerweise bleibt es halbwegs getrennt, entweder auf eigenen Festivals und Konzerttouren und auch bei großen Festivals, wo die Headliner von etwas wie dem Metalfest um 17:00 am Nachmittag 45min spielen füllen ja idR. deren Fans den Wavebreaker.

    Eine Erfahrung hierzu:
    War bei einem (Einzel-)Konzert von Arch Enemy und Nightwish. Beides schon wesentlich öfter als einmal im vorhin umrissenen Kontext gesehen. Von ersteren bin ich schwerer Fan, von zweiteren ein großer Fan vor allem der alten Alben. So, nun hat Nightwish einige kommerziellere Alben herausgebacht und ist auch durchaus in einigen Charts herumgestolpert. Ich bin jetzt kein Stilistikpolizist, der ihnen das Übel nimmt, aber auf dem Konzert dachte ich, ich bin im falschen Film:

    Offenbar, und das bekommt man innerhalb der "Metalblase" nicht so mit, gibt es dadurch recht viele "Normalos", die Nightwish hören.
    So, nun findet man sich vor der Bühne, Arch Enemy wird in so 20min kommen, ich bin umgeben von kreischenden Mädels, die offenbar großteils auf ihrem ersten Konzert sind, allesamt aus der Auswahl der selben 5 aktuellen Nightwishshirts bekleidet und Frage mich "Hier müssen doch auch ein paar Arch Enemy-Fans sein....". Tja, man hat dann bei Konzert gemerkt, dass wohl über 90% Arch Enemy gar nicht kannten und eh nur auf Nightwish gewartet und AE dafür "ertragen" haben. Gesamtstimmung und wie das für die Band gewesen sein muss kann man sich vorstellen.
    Und selbst während Nightwish, die Halle "steht", kaum was bewegt sich, gefolgt von Gekreische nach jedem Lied.... (kA., laufen Popkonzerte idR. so ab?)
    Jedenfalls, ich halte wenig von "Ihr müsst unbedingt Musik schreiben, die entweder so komplex oder so böse, auf jeden Fall aber so Alternativ ist, dass sie niemals im Radio gespielt würde", aber ich mag eben "echte" Metalkonzerte, mit Moshpits, Walls, Bands, die ihre alten Klassiker spielen (die "Ausbeute" an meinen präferierten Nightwish-Titeln an dem Abend war natürlich auch unterirdisch) und vor allem, inmitten anderer Metalfreaks, die unbedingt Song XY hören wollen weil sie das Solo so geil finden und nicht inmitten von Leuten, die da sind "weil die ja ganz gut sein sollen" oder sie die Sängerin so geil finden.

    Meine Lehre von damals: Auch hier gibt's ein Set und Setting.
    Nightwish auf einem Metalfestival werd ich mir weiterhin auf jeden Fall reinziehen.
    Von einem Einzelkonzert, wo sie die Hauptband sind werde ich mich in Zukunft eher fern halten.


    @Torraner
    Und was jetzt eine "gute" Metalband ist hängt dann von verschiedenen Faktoren ab:
    -) Suchst du eher den "Rockkonzert"-Faktor?
    -) Magst du dunkle, melancholische Geschichten, bzw. reizt dich der Umgang von und mit "nicht netten Themen?"
    -) Hast du einen Hang zu komplexer Musik, mit vielen Takt- und Tempowechseln und dem Spiel mit vielen Dissonanzen, sprich geht es dir bei Musik darum, "Genies beim arbeiten zuzuhören"?
    -) Wie schauts mit dem kleinen Rebell in dir aus, verlangt der nach Aufmerksamkeit und Ausleben?

    Je nachdem, ich glaube auf die meisten Metalfans treffen alle 4 zu, aber in den unterschiedlichsten Gewichtungen- und dementsprechend weit und schwammig ist die Definition von "Guter Metalband".

    Grüße
     
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  7. Torraner

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    Erstellt: 01.07.20 um 03:15 Uhr   #47
    @Laiendarsteller @Palm Muter Zuerst einmal danke an euch beide. Danke dafür dass ihr das Thema wirklich gut erkärt habt.
    Ich glaube ich habe vestanden worum es euch im Metal eszentiell geht, bestimmte, zumeist wohl recht unschöne, Dinge vom Point of View aus zu zeigen wie sie sind (Beschreibung des Iron Maiden Song-Motivs) und ein wenig oder auch ein wenig mehr Rebellion. Das ganze findet dann seine Ausdrucksform in möglichst scheller und heftiger Musik. Wobei ich mir vorstellen kann, dass der Aspekt der Rebellion auch und vielleicht besoders in der Musik selbst liegt. Der Effekt dass sicher viele « Normalos », wie ihr sie nennt, fragen « wie kann man sowas als Musik bezeichnen » ist ja ansich schon ein Anzeichen für Rebellion.

    Wobei ich sagen muss, dass mir diese Frage auch schon sehr häufig gestellt wurde. Und ich bevorzuge, nein ich verehre trifft es wohl besser, eine 73 Jährige Sängerin aus Frankreich namens Michele Torr. Die ihre Karriere 1964 gestartet hat, und immernoch auf der Bühne steht. Und in deren Fangemeinde ich mit 51 einer der allerjüngsten bin. Aber ich denke diese Dame, wäre nicht wirklich etwas für euch. Obwohl bestimmte Songs wie Et tout la ville en Parle, den Aspekt, bestimmte unschöne Dinge aus dem Point of View aufzuzeige, der hier angesprochen wurde, absolut erfüllen.

    Dieses Lied aber einfach viel schneller und mit nem Destortion Pedal zu spielen macht daraus sicher keinen Metal Song, denke ich mal. Zudem würde die Geschwindigkeit das Lied zerstören. Aber es ist tatsächlich so, dass viele meiner Freunde sagen « wie kann man sowas blos hören, das ist ja grausig » Das ist sicherlich etwas was wir gemein haben. Und auch weite Reisen zu Konzerten und Fantreffen sind mir nicht fremd. Aber Rebellion auszuleben in dem man Michele Torr hört, das ist wohl ziemlich unmöglich. Nebenbei, ich bin 2009 durch einen Tipfehler bei YouTube auf die Dame gestossen. (Hoffentlich habe ich euch mit dieser Offenbarung hier nicht zu sehr gelangweilt)

    Das mit der Düsterniss, Okulten Themen, mal den Teufel oder vielleicht auch seine Groß- bzw. Schwieger-Mutter aus dem Sack lassen. Oder auch die Endlichkeit des Lebens mal klar darstellen und dass eben nicht gerade fröhlich, dafür aber laut.

    Das kenne ich noch aus meinen Jugentagen. Bis ich etwa 28 war, habe ich viel Gothic gehört. Mag sein dass sich das mit Metal etwas überschneidet, aber vielleicht auch nicht. Wenn ich an Siouxsie and the Banshees oder ähnliches denke das war damals, für mich zumindest, schon ziemlich heftiger Stuff. Besonders wenn man bedenkt, dass ich bis zu meinem 17. Lebensjahr zum Großteil Künstler wie Chris Rea bevorzugt habe, war das schon ein ziemlicher Wechsel.
    Als dann noch der Klamotten-Wechsel hin zum Gothic dazu kam, hat meine Mutter gemeint ich sei nun völlig verückt geworden.
    Es gibt Gothic-Bands, wie etwa Goethes Erben, die einen mit ihren vertonten Gedichten an den Rand der Depression treiben können. Die Musik ist zum Großteil mit Geige, Flöte, Teils auch Harfe und ähnlichem gemacht aber alles in Moll. Die instrumentalen Intros von denen machen einen sehr schnell, sehr traurig. Die Musik dient dazu, die Epik und Düsterniss eines Gedichtes zu verstärken. Eine solche CD bis zum Ende zu hören, ist eine Qual. Und so ist es auch gedacht. Ok, eine CD von Helene Fischer bis zum Ende zu hören ist auch eine Qual. Aber bei Goethes Erben ist es doch anders.

    Avec Amitiés
    Torraner
     
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  8. Palm Muter

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    Erstellt: 02.07.20 um 19:10 Uhr   #48
    Prinzipiell so allgemein - ja.
    Aber das ist wie das bei Kunst und menschlichen Verhalten so ist derart schwer pauschalierbar, dass ich an jeden deiner Sätze auch ein "Ja, aber:" dranhängen könnte :D
    Ich hab bewusst beim vorherigen Beitrag darauf geachtet, meine persönliche Meinung nicht einfließen zu lassen und möglichst objektiv zusammen zu fassen, was mir bis jetzt so alles an Exemplaren Mensch begegnet ist, für die Metal in irgendeine Form wichtig ist.
    Ich versuche in dem Beitrag mal meine Wenigkeit exemplarisch etwas herauszuarbeiten um von diesem "Prinzipiell ja, aber..." weg zu kommen, was sich ja sonst immer aufzwingt wenn man versucht etwas Komplexes mit vielerlei verschiedenen Zusammenhängen zu pauschalieren. Also Achtung, jetzt ists bald vorbei mit Objektivität, was folgt ist stark von persönlicher Meinung eingefärbt.

    Allgemein kann man sagen, dass die meisten ja nicht unbedingt übers Elternhaus zu dieser Musik kommen. Wenn man sich bei diversen Events mit anderen unterhält, es gibt so 2 "Hauptwege" in die Metal(hörer)community. Einen sozialen und einen musikalischen. Und, mal wieder, vermutlich treffen in verschiedener Gewichtung meist beide zu.

    Der erste, recht naheliegende, pubertäres Rebellentum, Abgrenzung von den Eltern, einen auf Bad Boy/Girl machen.
    Das ist ja auch voll legitim, solange man dafür das richtige Alter hat^^ Da geht es weniger um die Musik, sondern das soziale Setting. "Wir, die coolen harten Alternativen, die sich vom Mainstream abheben wollen". Allerdings, wenn das eigene Alter mit einer höheren Zahl als 2 beginnt nennt man es idR Midlifecrysis :o
    Genau wegen diesem Umstand gibt es zusätzlich wenige mit "elterlicher Prägung", wenn von den Eltern gerne harte Gitarrenmusik gehört wird äußert sich dieses pubertäre Rebellentum ja eher in einer expliziten Abkehr von dieser Musik.
    "Metal Natives" findet man am ehesten in jenen, die über ältere Geschwister, Freunde, Nachbarn, Onkels deren Präferenzen nachgeeifert haben.

    Aber es gibt viele, die im Teenageralter dazu kommen, weil sie eben lieber einen auf coolen Rocker als auf lässigen Discogänger machen. Da hängt natürlich viel soziales Umfeld dran, was macht der beste Kumpel, was der überbeliebte Klassenkaiser mit dem man sich gut stellen - oder sich distanzieren - will und was das eine Mädel, in das man sich verguckt hat und keinen Plan hat wie man damit umgehen soll.
    Für manche ist das die Eintrittspforte, für andere letztendlich irgendwann vergangenes Jugendrebellentum, mit dem man nicht mehr wirklich was zu tun hat. Aber der Weg ist insofern wichtig zu erwähnen, weil er einerseits auf fast jeden Metalhead zutrifft und von allen Metal-Musikern, die ja die Grundsubstanz aus dem all das besteht im Studio und auf der Bühne erschaffen ist mir kein einziger geläufig, der nicht irgendwie auch ein bisschen auf diesem Weg motiviert wurde, das zu tun was sie tun.

    Der zweite geht einerseits über "Hörerfahrung"
    Und das spaltet sich recht klar in Hardrock und Punk. Fast jeder Metalfan erzählt dir, dass er (wie ich) entweder irgendwie über Bands wie Status Quo, AC/DC, Led Zeppelin, Queen,... zu immer härterer Musik gekommen ist. Oder eben selbiges mit Punk, da kenn ich mich nur zu wenig aus. Aber es ist einfach naheliegender. Die aufgezählten Hardrock-Weltstar-Bands kennt man einfach, und Punk hat für den noch ungeschärften Verstand eines 14 Jährigen einen Vorteil: Man versteht ihn. Wie gesagt, ich kenne mich im Punk wirklich wenig aus, aber dass etwas wie die Ärzte naheliegender sind wenn ich einen auf Teenierebell mache liegt denke ich auf der Hand- in fast jedem Lied in meiner Muttersprache gut verständlich in leicht greifbaren Melodien unsere Gesellschaft anprangern zieht da etwas besser als mit gutturalen Gesang, idR. auf Englisch ein düsteres Bild zu zeichnen in das man dieses und jenes hineininterpretieren kann. Und auch wieder: Sowas wie die Ärzte oder Green Day kennt man. Damit kommt man auch im Autoradio und kommerziellen, klar am Mainstream orientierten Veranstaltungen in Berührung.
    Die allermeisten, die diesen Weg weiter beschreiten landen auf dem einen oder anderen Weg dann meistens entweder bei Metallica oder Iron Maiden ("Metal-Weltstars") oder bei einer archetypischen Subgenreband (CoB, Amon Amarth, Arch Enemy, Manowar, Powerwolf, Rotting Christ ....) als "DIE" Lieblingsband und inhalieren dann mal jahrelang intensiv deren Diskographie. Die allermeisten Metalfans haben so eine "Dreh-und Angelpunkt"-Band, die sie meist eher zu Teenagerzeiten einfach elektrisiert hat und so viel gehört wurde, dass man selbst nach langer Abstinenz weil musikalisch längst auch woanders hin entwickelt so ziemlich alle (damals vorhandenen) Stücke dieser Band in- und auswendig kennt. Und je nachdem, was sie daran fasziniert werden die Hörgewohnheiten weiter entwickelt. Noch schnellere Soli, noch böser, noch komplexer und/oder noch härter.

    und andererseits - jetzt wird's schwer nicht überheblich zu klingen - ich nenne es mal musikalische Erfahrung/Bildung
    (Das ist eigentlich ja ein Unterpunkt, aber ein spezieller. Man kann Fußballfan werden, ohne jemals Fußball gespielt zu haben. Man kann auch Metalfan werden, ohne jemals ein Instrument gespielt zu haben oder auf einem Konzert gewesen zu sein - das trifft aber auf mich eben ganz und gar nicht zu)
    Bis jetzt könnte man den Text ja Copy-Pasten und mit minimalen Änderungen zu jedem anderen Thema, wovon Menschen Fans sein können verwenden :D
    Jetzt schwenken wir wie angekündigt von einer allgemeinen, pauschalen Analyse mal direkt in meine persönliche Entwicklung.

    Begonnen hat die mit 6. Trompete. Warum? Ich war auf einem Musikschul-"Lehrer führen ihre Instrumente vor"- Konzert und auf die Frage, was ich denn gerne spielen würde fiel die Wahl auf Posaune, dafür war ich aber noch zu klein.
    Während meiner Kindheit wurde ich hauptsächlich mit Klassik beschalt. Mein Vater hatte zwar auch immer einen Hang zu Clapton/Cream/Sabbath/... meine Mutter aber dafür eine mindestens ebenso starke Abneigung. Als Kind hörst du in Musik ja hauptsächlich die Geschichten, ich kenne z.B. die Zauberflöte seit ich denken kann auswendig. Liegt vermutlich an diversen langen Autofahrten^^

    Jedenfalls, bis dann mit so 14 die Hormone zum brodeln begannen hab ich mich über Trompete>Bariton>zur Posaune "hochgearbeitet". Bevor ich irgendwie "individuelles" in Musik gesucht habe hab ich was Musik betrifft zumindest auch schon "grob abstrakt gedacht". Konnte Notenlesen (nicht Blattsingen aber Blattspielen), Blasinstrumente kann man fast nur nach Noten lernen, Posaune ist ein intonierendes Instrument (du hast nicht nur E und F sondern den gesamten Raum "stufenlos" dazwischen), wie viel "passive Gehörbildung" das war ist mir erst im Laufe des nächsten Lebensjahrzehnts bewusst geworden.
    Mein Haupteinfluss waren da diverseste Musikschulprojekte (als einziger Posaunist einer ganzen Musikschule spielst du beinahe überall mit) - und da haben wir alles mögliche quer durchs Gemüsebeet gespielt. Ich hab da sicher einen sehr "klassischen" Einfluss diesbezüglich, dass Musik für mich immer ein Zusammenspiel aus Musikern war. Und ich weiß nunmal was es heißt, Instrumente zu lernen. Hab selbst insgesamt 4 gelernt (zumindest so weit, dass es fürs Musikschulorchester gereicht hat, Posaune bis 19 im Verein) und hatte da ja immer Kontakt zu anderen, die andere Instrumente oder Gesang gelernt haben.
    Das ist für den späteren Verlauf insofern wichtig, da ich schon vor "ideologischer Szeneprägung" eine chronische Abneigung gegen Nicht-menschengemachte Musik entwickelt habe, bzw. bis heute darin kaum etwas finde, was bei vielem anderen, sei es Klassik, sei es Jazz, sei es Bluesrock oder eben Metal sehr wohl der Fall ist. Also diesen leicht verurteilenden "Ich weiß nicht so ganz was ich damit anfangen soll"-Blick, den die meisten Metalheads aufsetzen wenn sie HipHop hören, den hatte ich schon bevor ich überhaupt wusste, dass es Metal gibt.
    Als dann mit so sagen wir mal 12J allmählich der Aufbruch in eigene Gefilde anbrach war für mich der Weg zu Bands wie Led Zeppelin einfach am naheliegensten. Erste Lieblingsband (die ich heute kaum noch höre aber fast jedes Jahr noch immer life anschaue): Uriah Heep. Kannte ich übern Vater, mochte ich (und der Umstand, dass wir 2 Live- DVDs von ihnen hatten hat sicher auch seinen Teil beigetragen). In der Musikschule gut integriert war der Weg zur Gitarre (dem wohlgemerkt einzigen Instrument welches ich heute noch spiele) ein leichter - so ungefähr zeitgleich bin ich von irgendeiner "Jahresabschlussprobe", wo die gesamte Musikschule zusammen spielt heimgekommen und meine Eltern quasi vor vollendete Tatsachen gestellt, dass ich mich mit dem E-Gitarrenlastigeren der beiden Gitarrenlehrer etwas unterhalten hab und beschlossen habe, ab nächsten Herbst auch Gitarre zu lernen. Frechheit siegt ;)

    Während ich mit der Gitarre angefangen hab, bin ich irgendwann recht zeitnah über Iron Maiden gestolpert und dann wars vorbei. Ich glaub ich hab mindestens ein Jahr nichts anderes gehört :rolleyes:. Rebellion? Klar, speziell meine Mutter hat gelitten. Aber eigentlich eher.. nein. Szenezugehörigkeit? Wusste ich nichts von. Was übrig für "schwarze Themen"? Ist mir kackegal, solange die Gitarre geil klingt. Mein Zugang, und daran hat sich bis heute wenig geändert war ein musikalischer. Text? Egal. Nicht die Tonhöhe oder der Gesangsrhythmus, aber der Inhalt. Ich liebe dieses Riff und dieses und dieses Solo und das und das und will das auch spielen können. Als das erste Mal Iron Maiden in Reichweite war bin ich mit meinem Bruder von 09:00 Vormittags an vorm Stadion gesessen.
    Und dann, nachdem man endlich ein paar Maiden- Sachen so lala kann stellt man fest, dass es da ja noch viel freakigere Musik gibt. Parallel findet man im Freundeskreis "Geschmacksgenossen", von den kindlichen Wurzeln wo bei mir die Blasmusik unstrittig dazu gehört beginnt man sich zu emanzipieren (Schlussendlich aus wars, als ich mit 19 in die Stadt gezogen bin. Posaune ohne Verein ist so langweilig wie Fußball ohne Mannschaft).
    Und dann beginnt man seine Fühler allmählich weiter auszustrecken und landet bei Bands, die man außerhalb der Szene eher nicht kennt. Spätestens dann fängt man an, sich mit der Metalszene zu beschäftigen- schlicht und einfach deswegen weil deren Publikum zu 90% aus Szeneanhängern besteht.

    Und dann merkt man allmählich, dass es neben dem omni-überpräsenten Wacken einen Haufen Metalfestivals gibt, die kein Schwein kennt. Metalfest, Metaldays, Area53, Kaltenbach, Grazer Metal on the Hill,..... und man nicht wie bei den großen, kommerziellen Festivals, wo jeder 16 Jährige der "cool sein will" hin will am Tag eine Band um 14:00, eine um 18:00 und ein-zwei Head/Preheadliner hat, die man unbedingt und ohne Diskussion sehen will, sondern als "geübterer Metalhörer" könnte und will man eigentlich 24/7 vor min. einer der Bühnen stehen.

    So platt es klingen mag, mein Hauptgrund sich damit zu beschäftigen ist und war schlicht und einfach der Umstand, dass es mir gefällt :)
    In weiterer Folge hat sich dann auch herausgestellt, dass ich unabhängig von der Musik mich auch mit der Metalcommunity recht gut identifizieren kann. Es ist zwar klar eine alternative Subkultur, aber keine Protestkultur (Punk empfinde ich z.B. so). Das spiegelt sich ja auch in den Texten wieder - die Metalband ist eher ein Maler, der ein Bild malt und was du damit machst oder darin siehst ist dir überlassen. Im Punk findet sich schon ein sehr klares "Ideologie befeuern" in vielen Liedern. Das mochte ich beim Religionslehrer nicht, von meiner Großmutter nicht, und auch wenn ich ideologisch sicher eher links angesiedelt bin, ich brauche keinen Farin Urlaub um zu wissen, dass "es nicht meine Schuld ist, dass die Welt ist wie sie ist es aber meine Schuld ist wenn sie so bleibt".....(und zieht man solche Botschaft von den meisten Punkliedern ab wirds sehr dünn, zumindest soweit mein beschränkter Überblick reicht. Musik war und ist für mich eigentlich eine gänzlich unpolitische Angelegenheit). Und ich hege eben auch prinzipiell eine tiefe Abneigung zu den Ausgaben der Spezies Mensch, die mir aufgrund einer pauschalen Grundannahme sagen, was ich tun oder nicht tun soll. Egal ob Priester, Wahlwerber, Politiker, Weltverbesserer, Unterschriftensammler und was auch immer.
    Musik, bzw. Kunst allgemein ist da doch etwas anderes, aber wenn es eben das Kernelement ist um das sich alles dreht und dann erst die Musikalität kommt stimmen für mich die Prioritäten einfach nicht. Das mag aus Sicht eines Punks vermutlich alles ganz anders sein, aber deswegen ist er ja ein Punk und ich ein Metalhead :engel:
    Obwohl man an der Stelle anmerken muss, dass es eben bei vielen Metal-Szeneanhängern sehr wohl auch um Ideologie geht. Aber meist eher unpolitisch - wer die schwarze Messe, die eine Blackmetalband abhält 1:1 ernst nimmt, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Weiters sieht man ja auch, dass es bei Metal oft eher um den Klangeindruck als den Inhalt des Gesangs geht, weil man diesen oft auch mit viel Übung nur eher mäßig verstehen kann :D

    Die Metalcommunity ist auch "erwachsener", was insofern logisch ist, da es als 16-25-Jähriger sich recht leicht sagt, dass Kapitalismus böse ist und wir doch nur alle Rechten irgendwie loswerden und uns sonst nur lieb haben müssen um in einer viel besseren Welt zu leben. Nur die meisten sind irgendwann mit Ausbildung fertig, Kind unterwegs etc. und dann werden die meisten zwischen Lohnzetteln, Hauskreditraten und Windeln plötzlich erzkonservativ für ihre Verhältnisse. Dadurch ist die Metalcommunity eben auch deutlich unpolitischer. Die Punks aus meinem Teenagerumfeld, zu denen ich noch Kontakt habe hören alle noch regelmäßig Punk, aber die Fahne der antikapitalistischen, rebellischen Subkultur hält jetzt (ich bin Baujahr 1990) keiner von denen mehr hoch.

    Metalhead "darf" man auch bleiben, wenn man Karriere macht. Wie gesagt, da geht es jetzt um die Bewegung in der Subszene, nicht die Musik die man bevorzugt konsumiert.
    Über Gothic muss ich ehrlich sagen, dass ich da wenig Ahnung habe, mein Eindruck ist folgender:

    Gothic, Punk und Metal sind von extern betrachtet (vor allem optisch) sehr ähnlich- "Dunkel, seltsam, hören 'böse' Musik und alle haben offenbar einen Fetisch für den menschlichen Schädel....". Ich glaube auch, dass sich diese Szenen unbewusst gegenseitig beeinflussen, weil sie idR. sehr gut sind, sich voneinander abzugrenzen bzw. sich gegenseitig gar nicht war nehmen, aber von allen anderen, die keiner der 3 Szenen angehören (also dem bescheidenen Rest der Menschheit) als so +- dasselbe wahrgenommen werden. Bei Gothik würde ich sagen, dass es das extrovertierteste ist (während Punks möglichst viel Kutte und Nieten und Metalheads Ebenso Kutte oder Leder und Military Stuff tragen muss ich bei Gothic Girls an Korsettkleider und dunkeläugig geschminkte Männer denken).
    Womöglich sitze ich auch nur in meiner Metalblase und aus Sicht der Punk- oder Gothicblase sieht das ganz anders aus^^
    (Aber wie gesagt, hier spricht der Metalhead aus der Metalblase; sowohl in der extrovertierten "wir sind noch anderer als die Anderen"-Aufmachung von Goths und der "kommunistischen" Einstellung von Punks stört mich, dass in diesen Subkulturen genau diese Attribute offenbar wichtiger sind als die simple Liebe zur Musik.)

    Wenn ich Literatur über E-Gitarren lese (Jazz lassen wir mal ganz aus), da geht es um Hendrix, Page, Clapton, Zappa, VanHalen, Joe Satriani, Steve Vai, aber auch John Petrucci, Yngwie Malmsteen und Dave Mustaine - auch als "Gitarrenfreak" findet man wesentlich mehr Wege zu Metal und Hard/Bluesrock als zu Punk/Gothik, was mich darin bestärkt dass dieser subjektive Eindruck, dass Metal einfach die "musikalischere" Subkultur davon ist, Punk das politischere, gesellschaftskritischere und Gothic ....kA. zu wenig Eindrücke für eine Meinung, wohl nicht ganz falsch sein kann. Und höre ich diese Musik sagen mir meine Ohren meist dasselbe.


    Soviel mal kurz und knapp meine Meinung :D
    Das ist aber natürlich nur ein Beispiel. Ich hab auch innerhalb der Metalszene natürlich regelmäßig Menschen erlebt deren Prioritäten deutlich anders gewichtet waren.

    Hier mal der Versuch einer Auflistung:
    Da gibt es z.B. die "Krieger". Die selben 10 Typen, die man ein ganzes Festival lang im Moshpit und der ersten Reihe der Walls findet. Bisschen gehöre ich da auch dazu, aber ich muss auch dazwischen aktiv Musik hören oder dem Gitarristen auf die Finger schauen. Den klassischen Krieger erkennt man übrigens unter Umständen daran, wenn die Band den Refrain ihres bekanntesten Songs ansetzen und er nicht mitsingt weil er die Band nicht kennt. Wer steht bei einer Metalband ganz vorne? Die größten Fans und die, die unbedingt moshen wollen.
    Ortsnahe Krieger kennen sich idR., und wenn man bei Konzerten gerne vorne steht kennt man sie idR. zumindest vom sehen, weil der Krieger nicht nur gefühlte ganze Festivals im Pit verbringt, sondern auch bei lokalen Konzerten daheim je nach Subgenre ja auch ganz vorne vor Bühne steht und Krieg führt.

    Dann den schon erwähnten Midlifecrysler. Erkennt man oft an kleinen Details - z.B. einer Kutte mit allerlei Aufnähern, die suggerieren das der Typ sein halbes Leben vor Bühnen verbracht haben müsste, die aber alle den gleichen (nicht vorhandenen) Abnutzungsgrad haben. Ansonsten machen sie sich oft verdächtig, indem sie über alles, das Konzert, den Aufbau der Bühne, die Qualität des Campingplatzes, ihren Eindruck von den Möglichkeiten, ihren Darm zu entleeren etcetcetc reden, aber kein einziges Wort über vergangene Konzert/Festivalerfahrungen verlieren.
    Weiters erkennt man dann oft auch, dass er wohl noch kein allzu genaues stilistisch Feintuning hatte. Sagen wir mal so, ein erfahrener Szeneanhänger verwechselt Trash- und Melodic Death in etwa mit er Wahrscheinlichkeit, mit der ein erfahrener Fußballfan Bayern mit Dortmund verwechselt. Tut er das 2x hintereinander kippt der Kopfinterne "Nicht-Ernst-Zu-Nehmen"-Schalter sehr schnell auf "ON".

    Weiters die Groupies (M & W). Braucht man nicht mehr zu sagen. Sind nur wegen Band XY, oder gar Mitglied (welches idR. vom anderen Geschlecht ist) von Band XY da, in der vagen bis imaginären Hoffnung ja ev. vielleicht anbandeln zu können. Allerdings muss man auch sagen, dass so ziemlich jeder Metalhead zumindest ein bisschen Groupie von zumindest einer Band ist.

    Klarerweise auch die Satanisten/ Nordische Mythologieanhänger und diverse andere Hobbyheiden.
    Bei einigen kann man nicht wirklich sagen, wie viel davon Freizeitspaß oder Protest gegen die etablierten Systeme ist oder der eine oder andere wirklich davon überzeugt ist, nach seinem Tod nach Vanhalla zu kommen. Ein wenig trifft das "Hobbyheidentum" ganz gut auf die ganze Szene zu, aber es gibt eben Szeneanhänger die in erster Linie gerne auf Metalkonzerte gehen, weil sie gerne Wikinger spielen. Während die Satanisten beim Blackmetal an vorderster Front stehen, haben die Amateurvikinger eine große Schnittmenge mit den Kriegern.

    Dann natürlich den Festivaltouristen. Den findet man nur auf Festivals und nicht auf normalen Konzerten. Der Festivaltourist hat einen breiten Musikgeschmack und liebt es, neue Nachbarn kennen zu lernen, einen Tauschkurs für die jeweils mitgebrachten Biersorten auszuhandeln und mit lustigen Aktionen das nähere Umfeld seines Campingplatzes zu bespaßen - ob es dem passt oder nicht.

    Weiters die Quellgruppe all dieser seltsamen Gestalten, den Grünschnabel.
    Zu erkennen oft einerseits am geringen Alter, vor allem aber an Ausrufen wie "Ohgott was tun die da?" wenn sich ein Pit zu einer Wall spaltet oder im Falle von Festivals z.B. daran, wenn man von seinem Campingstuhl aus beobachtet, wie jemand die Erfahrung macht, dass es nicht mit sonderlich viel Spaß verbunden ist sein nigel-nagel-neues Zelt nach ewigen Geschleppe aus der Originalverpackung zu holen und in der Mittagshitze herauszufinden, wie man es aufbaut. Oder aber nach Sonnenuntergang feststellen, dass ihr Handyakku wohl eher bald aus ist und es keinen Lichtschalter gibt^^
    Der Midlifecrysler ist eine Sonderform des Grünschnabels, vorerst mal getarnt duch sein Alter. Der spezielle Unterschied ist, dass der normale Grünschnabel wie erwähnt bei diversen härteren Aktionen vor der Bühne dem Umstand, dass das alles neu für ihn ist durchaus Ausdruck verleiht, während der Midlifecrysler so tut, als wäre es für ihn das normalste der Welt. Wenn du so tust als würdest du dich schon immer in Pits bewegen, aber nicht weißt das 2x Schulter antippen bedeutet "Achtung Crowdsurfer, umdrehen und weitermelden" (und das schnell, womöglich stürzt er just in diesem Moment schon auf dich) wirst du dir dort vermutlich weh tun.

    Und natürlich den Musiker (Meine Kerngruppe^^). Der Musiker spielt idR. Gitarre, Schlagzeug oder Bass (kann aber auch jedes andere Instrument sein), hat idR. so er fähig ist eine solche zu bedienen auf Festivals eine Gitarre dabei. Er ist nahe verwandt mit dem Soundfetischisten, einer Einstellung, die in gewisser Weise auch auf all anderen Szeneanhänger zutrifft, aber der echte Soundfetischist outet sich idR. durch fachliche Kommentare zu dem Equipment welches er seht. Es gibt kaum Musiker, die nicht Soundfetischisten sind, aber man muss nicht Musiker sein, um Soundfetischist zu sein, deswegen die extra Unterteilung.
    Echte Soundfetischisten, die kein Instrument spielen haben meistens eine Profession diesbezüglich - etwa Tontechniker oder Elektroniker.

    Je nach Setup eine eher kleine Gruppe, aber z.b. am Pilsner Metalfest stark vertreten: Eltern. Mit kleinen Kindern - ein Kind mit 12J, wo die Hauptbeschäftigung in Interaktion mit anderen Kindern besteht ist auf einem Festival arm. Aber mit 12J kann man meist Problemlos 1W zur Oma. Kinder in dem Alter, wo sie ohnehin 24/7 Überwachung brauchen gibt's erstaunlich oft, auch wenn Mama und Papa in Totenkopf-Lederoutfit mit schnittigen, neumodischen Kinderwagen in so einem Umfeld wirklich seltsam aussehen. Meine Favourit bleiben einerseits schlafendes Baby mit Gehörschutz im Arm der Mama, die gaaaaanz vorsichtig die Mano Cornuta macht um den Kleinen nicht aufzuwecken und anderseits Papas so 3J alten Liebling, der mehr auf dessen Kopf sitzt denn auf seinen Schultern steht und ebenso die Mano Cornuta versucht, aber durch noch nicht sonderlich weit entwickelte Feinmotorik den kleinen Finger nicht isoliert bewegen kann und dann die Pommesgabel nur mit dem Zeigefinger macht. Sieht zum fressen süß aus :o

    Und schlussendlich noch die Party People. Sie sind aus Prinzip dauerdicht, dass sind bei Konzerten oder auf Festivals viele andere auch, nur steht bei ihnen die Dichtheit und die vage Hoffnung in dieser Dichtheit irgendwas zu tun, was darin mündet nächsten Tags neben einem Menschen anderen Geschlechts aufzuwachen klar weiter oben auf der Prioritätenskala als bei den anderen. Sind auf Festivals im nachhinein leicht zu identifizieren indem man sie fragt, welche Bands sie alle gesehen haben und sie nach 5 Bands fertig sind weil sie den Rest der Zeit an einer Bar oder Rausch ausschlafend verbracht haben.

    Und dann noch die inhomogene Gruppe an seltsamen Gestalten, die ich wohl zu wenig verstehe um mich hineindenken zu können.
    Die gibts aber überall. Das naheliegenste sind die, denen man ansieht dass sie irgendwas damit kompensieren, einen auf "superböse" zu machen. Der erwähnte Midlifecrysler ist eine Form davon, die ich noch irgendwo nachvollziehen kann, aber da gibt's noch ganz andere Kaliber.
    Oder die Spießer. Wenn dich laute Musik stört warum bist du dann auf einem Metalfestival? Ich rede nicht von 03:00 morgens, sondern Nachmittags. Die Poser - seht her, ich habe das perfekte 80k Wohnmobil mit allen Ausstattungen, und zwar so gut, dass ich es niemals verlassen muss. Worin jetzt genau der Mehrwert liegt, auf seiner einsamen Insel auf einem Festivalcampingplatz zu sitzen.... tja jedem das seine.

    Dann natürlich die Szenepolizei, die Religiösen Eiferer :D
    Haben zu allem eine Meinung, auch was eine Band spielen "darf", haben aber interessanterweise von Musik idR. keine Ahnung, soll heißen, spielen kein Instrument, haben auch sonst nichts bildendes in die Richtung gelesen, sie fokussieren sich nur auf ihr subjektives Empfinden, und wenn was gemäß diesem nicht True genug ist verhalten sie sich wie christliche Missionare in einem heidnischen Land. Diskussionen sind so ähnlich wie mit Verschwörungstheoretikern - es gibt einerseits eine subjektive, fixe Meinung, die stehts als allgemeingültige Tatsache und nicht als Meinung transportiert wird und wenn man versucht, es auf das zu reduzieren oder gar mit sachlichen Argumenten kommt (ich kann z.B. sehr lange mit sehr vielen coolen Fachbegriffen erklären, warum ich True Metal zum sterben langweilig finde) entsteht so eine typische "Diskussion dreht sich sinnlos im Kreis"-Situation.


    Dann muss man sich noch vor Augen führen, dass auf kaum jemanden genau einer der Absätze zutrifft, sondern eher verschiedenst gewichtete Mischformen auftreten. Und für jede Form passen manche Bands besser, für manche schlechter, deswegen ist Metal ja in so viele ineinander übergehende und auch nicht immer klar abgrenzbare Subgenres aufgespalten, die unterm Strich ja doch wieder irgendwie alle zusammengehören.

    Und wenn man das alles in einen großen Topf kippt, den Deckel draufgibt, kräftig schüttelt, 3x in beide Richtung umrührt und ihn dann umdreht fällt eben "Metal" unten raus :D

    Grüße
     
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  9. Torraner

    Torraner Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.07.20 um 01:37 Uhr   #49
    @Palm Muter

    Ganz zuallererst. Die Zauberflöte habe auch ich in Kindertagen oft gehört, weil meine Eltern auch Klassik Liebhaber sind. Sie hatten eine gekürzte Version auf 4 Schallplatten. Ich habe die Zauberflöte dann später auch noch 2 mal live gesehen.
    Aber mit Bach zum Beispiel konnte ich nie etwas anfangen.

    Aber zu etwas anderem.
    AKTIVE MUSIKERFAHRUNG
    Ich wollte eigentlich immer Gitarre spielen lernen, aber ich habe das Akkorde Greifen nie wirklich hin bekommen. Die Saiten liegen so nah beieinander und wenn man 3 von ihnen gleichzeitig mit 3 Fingern greift, dämpft man mindestens 1 von den restlichen so ab dass der Akkord falsch klingt. Das habe ich dann irgendwann aufgegeben. Meine alte Les Paul Kopie hängt jetzt an der Wand. Als Deko.

    Aber weil ich das Thema nicht ganz aufgeben wollte bin ich dann zum Bass gewechselt. Da hat mich mein Gitarrenlehrer drauf gebracht. Das ist viel besser. Die Saiten sind weiter auseinander, Sind auch nicht so dünn und man braucht auch nicht mehre töne gleichzeitig zu spielen. Ich nehme seit zwei Jahren Untericht. Und übe viel. Aber sehr viel mehr Melodisches als normale Bassläufe. Da kommt dann der eigentliche Wunsch nach der Gitarre durch. Aber egal, es macht spass.

    Manchmal nehm ich die alte Les Paul trotzdem noch in die Hand und versuch mich daran, mit dem Buch was mir der Lehrer mitgegeben hat. (Country Gitarre für Anfänger) Aber die Chancen dass ich vom einen auf den andern Tag von Michele Torr zu Iron Maiden wechsle stehen wohl bei weitem besser als dass ich noch mal richtig Gitarre lerne.

    KONZERT UND FESTIVAL ERFAHRUNGEN
    Die diversen Typen von Festival Besuchern die du aufgezählt hast erinnern mich sehr stark an meinen Besuch vom « Age Tendre ! Le Magique des annees 80 » 2019 im Le Dome in Marseille.

    Die Age Tendre Tour zu Verdeutlichen ist gar nicht so einfach weil in Deutschland nichts wirklich vergleichbares gibt. Aber ich versuch es trotzdem mal.
    Am jeweiligen Standort findet bis zu 3 Tage lang eine art Indoor- Festival statt. Sehr grosse Hallen bis hin zu kleineren Stadien. Normalerweise kommen da so 30 bis 40 tausend Leute hin.
    Letztes Jahr, Sommer, Marseille wirst du vielleicht kennen.

    Da treten dann französische Künstler auf die in den 80ern in Frankreich echte Stars waren. Zum Teil Popmusik, Teils auch Chanson und auch ein wenig Rockmusik aber nicht hard. Wobei hier noch zu erwähnen ist dass in Frankreich mit « Chanson » etwas anderes gemeint ist, als das was wir darunter verstehen. Es geht ein grosses Stück mehr in Richtung Schlager ist aber nicht ganz so seicht. Eine typischer französischer Chanson-Sänger aus den 80er hat weit mehr von Wolfgang Petry oder Ibo als von Jaques Brel.

    Dies erzähle ich so ausführlich damit du dir ein Bild vom dem Umfeld machen kannst.

    Dort finden sich auch diverse Typen von Leuten ein, hier 3 Beispiele.

    ECHTE ALTE FANS
    Also Leute die in den 80ern Teenager waren. Die erkennt man schon am alter. 50+ und daran dass sie die Typischen Klamotten aus der Zeit tragen. Teils sogar echte Vintage Kleidung. Die kommen da hin um ihre, mittlerweile auch alt gewordenen Idole zu sehen. Die fanden diese Musik als Teenies schon geil, und daran hat sich nix geändert.

    80er FANS
    Das sind Typen die 80er ansich abfahren. Aber etwas jünger sind. Man erkennt sie daran, dass sie versuchen mit Kleidung von heute etwas zu kopieren, was sie zwar toll finden aber nicht erlebt haben. Und trotzdem versuchen Jünger zu wirken als sie wirklich sind, was sich ja eigentlich widerspricht. Und die auch diese Zeit nicht wirklich verstehen.

    Als Beispiel, wenn man denen erzählt dass es zu dieser Zeit eine Selbstverständlichkeit war, dass man sich in einer Kneipe eine Zigarette anzünden konnte. Und dass eben deshalb auf jedem Tisch nen Ascher stand. Dann gucken die einen an, als hätte man violette Augen und Elfenohren.

    DIE ZEITREISENDEN
    Diese Spezies, habe ich bisher nur in Frankreich gesehen, aber nicht nur auf diesem Konzert, sondern auch auf anderen Reisen.
    Das sind Jugendliche die die Teenager aus meinen Jugendtagen so gut kopieren, dass sie direkt von meinem damaligen Schulhof stammen könnten. Als ich mir an der Bar etwas zu trinken geholt habe stand da eine original Popper-Klique. 15 Teenies, zwischen 16 und 18, Yachting-Schuhe oder Mokasins, Röhrenjeans, Lacoste Polo, Eine leichte Chevignon Sommerjacke, Poppertolle. Absolut original wie vor 35 Jahren bei mir auf dem Schulhof. Und sie benehmen sich auch so. Es war wirklich wie früher auf dem Schulhof.

    Die Festival-Touristen und Party People gibt es da natürlich auch, und da muss ich mich mit einschliessen, denn schliesslich bin ich über 20 Stunden mit Flixbus unterwegs gewesen um da hin zu kommen. Dann muss ich mich wohl so nennen lassen.

    ————

    Es ist zwar eine ganz andere Couleur von Leuten, aber auch hier findet sich, wie du es auch beschrieben hast: « Echt, » und « nachgemacht » wobei ich dieses Phänomen der « Zeitreisenden » als was ganz eigenes betrachte.
     

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  10. Palm Muter

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    Erstellt: 03.07.20 um 11:43 Uhr   #50
    Das kommt bei mir jetzt allmählich wieder. Sieht man auch am Avatar - ich bin mir recht sicher, dass Vivaldi im Melodic Metal gelandet wäre wenn er 300J später auf die Welt gekommen wäre :D
    Bach ist ein Kapitel für sich. Polymelodik :ugly:. Im Kopf war der Typ kein Musiker, sondern eher 3 Musiker. Gleichzeitig. Aber ich verstehe was du meinst, er ist schwer zu fassen - eben weil er ganz anders dachte. Nicht in Akkordstruktur und Melodien, sondern in mehreren Einzelstimmen die zusammen Harmonien formen. Das ist wie mit Jazzharmonien die drölfzig verschiedene Tensions einbauen, das muss man "hören lernen".

    Dafür wurde doch der Power Chord erfunden ;)

    Mir gehts umgekehrt, wenn ich nen Bass angreife ist alles zu fett und zu anstrengend- Instrumente suchen sich schon ihre passenden Spieler. Bzw. verschrecken unpassende, indem sie sich einfach nicht spielen lassen. Ist wie mit der Liebe, du kannst dich noch so sehr vergucken, kommt nix zurück such dir besser was anderes, auch wenn du eigentlich gar nicht willst weil es sonst idR. nur mit andauernder Enttäuschung verbunden ist^^

    Ne - muss ich aber mal schauen. Das Ding ist, meine "Standardrotation" schaut so aus: Ende Mai/ Anfang Juni Metalfest in Pilsen. Langes WE.
    Juni Novarock, auch wenn ich die ganze Zeit mich beschwere, dass dort unterm Strich viel zu wenig Metal gespielt wird, aber dafür kann man mit den Leuten aus dem Freundeskreis hinfahren, die niemals auf ein echtes Metalfestival zu bekommen wären. Und das ist so groß, dass bei insg. 8 Headlinern ja auch Nicht-Metal-Stuff dabei ist, die man sehen will- Slash z.B. Das frisst idR. 4 Urlaubstage.

    Juli & August je ein WE Area 53 und Metal on the Hill. Geht mit je einem Urlaubstag, notfalls Fr. mit fertig gepackten Auto in die Arbeit und direkt weiter.
    Und Juli 1W Metaldays.
    Rechnet man noch Einzeltage für Konzerte ein, die nicht in Wien außerhalb des WEs stattfinden bin ich so schon bei mehr als dem halben Jahresurlaub. Mehr geht nicht mehr wirklich :weep:
    Es hat sich auch als gefährlich herausgestellt, die hl. Bierachse zu verlassen :rolleyes:
    Die hl. Bierachse beginnt am Mittelpunkt der Belgisch/Holländischen/Norddeutschen Küste und führt über das Mittel aus D/Polen/Tschechien ins südliche Österreich und endet dort. Im Bereich gute 500km westlich und östlich dieser Achse findet man idR. gutes Bier.
    Was bedeutet: Metaldays in Slowenien, 1W, bedingt den Transport von horrenden Biermengen wenn man sich nicht die slowenische Version schöntrinken will.

    Jaaa, vermutlich ist die länge meiner Beiträge eine Kompensation des Umstandes, dass wohl ein Jahr des Fastens ansteht :rolleyes:. Das wird wohl mein einziges Festivalshirt dieses Jahr bleiben:
    shirt-rueckseite.png
    (Obwohl ich mich mit dem Gedanken, dass es ab nächstem Jahr sicher einige Male zur Erheiterung beitragen wird ganz gut trösten kann^^)
    Stimmt, ich hab einen nicht unwesentlichen, recht allgemeingültigen Aspekt vergessen:

    Metalheads sind Traditionalisten. Das ist DER krasse Gegensatz zur Populärkultur. Es geht nicht um die neuesten Hits, sondern die alten.
    Und es gibt viel weniger "die" aktuelle Aufsteigerband, die gerade angesagt ist. Bis eine Band Kultstatus hat geht sie idR. einen min. 10jährigen Weg über min. 5, eher 10 Alben und viel, viel touren.

    Diese Begriffe habe ich beim Versuch, das zu kategorisieren erfunden. Das ist kein "Szene-Slang", niemand würde dich auf einem Konzert so bezeichnen.
    Der Festivaltourist zeichnet sich durch viel Festivalerfahrung und oft ein gefühltes Kilogramm an Festivalbändern am Handgelenk aus, das steht in keinem Zusammenhang mit der räumlichen Entfernung zu seinem Wohnort. Es braucht ja etwas Erfahrung, dass man übern Campingplatz geht und versucht, 2 Mannschaften für ein Flunkyballturnier aufzustellen. Deswegen hat er auch den breiten Musikgeschmack, es geht ihm in erster Linie um Festivalflair, "Festivaltourist" war so gemeint, dass er weniger ein spezifischer Szeneanhänger ist, sondern anstatt als "normaler" Tourist fremde Länder zu bereisen reist er von Festival zu Festival.
    Ob du zu den Partypeople gehörst kannst du dir leicht damit beantworten, ob du im Verhältnis zu den anderen Besuchern überdurchschnittlich viel getrunken und unterdurchschnittlich viele Bands gesehen hast;)

    Das finde ich ja das coole an Szenefestivals, dass die Leute allgemein eher von weit her kommen - Metaldays etwa, das geht eine Woche, da zahlt es sich auch aus in ein Flugzeug zu steigen.
    So 1/3 Slowenen, ist ja in Slowenien, und der Rest bunt durchgemischt von überall, allgemeine Amtssprache ist sowieso Englisch. Und überall meine ich wirklich überall, klar, aufgrund der räumlichen Nähe sind Deutsche, Italiener, Österreicher schon mehr als andere, aber genauso Franzosen, Rumänen, Briten, sehr viele Skandinavier und ich hab auch jedes mal deutlich mehr als eine Person von einem anderen Kontinent dort kennen gelernt. Und man ist unter sich. Man weiß schon "Ah ja, irgendwo weit vorne steht wieder dieses Riesen Schweizer Zelt, da ist das Schwedencamp, dass nur so heißt weil die 2-3 Schweden, die eigentlich eine deutliche Minderheit in "ihrem" Camp sind 2016 eine riesige schwedische Flagge aufgehängt haben, unser Standardplatz ist >>da<< - und oh, wir haben die selben Grazer Nachbarn wie 2018 und 2017".
    Auf dem Metalfest gibt's 2 norddeutsche ältere Semester, mit denen wir uns seit 5 Jahren jedes Jahr ungeplant übern Weg laufen, inzwischen unsere Camps am Equipment erkennen und es eine kleine Tradition geworden ist, sich einen Vormittag gemeinsam zu besaufen (Nachmittag/Abend ist ja Konzertzeit) und über den Dialekt des anderen lustig zu machen.


    LG
     
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  11. Torraner

    Torraner Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.07.20 um 14:55 Uhr   #51
    @Palm Muter

    Nee, wenn das so gemeint ist, dann ist das wohl doch die falsche Bezeichnung für mich. Ich bin da hin gefahren weil MT dort an zwei von drei Tagen jeweils 2 mal für je 90 Minuten aufgetreten ist, und um mal zu erfahren, welcher Art denn ihre Konkurenz in den 80ern war.

    Was übermässigen Alkohol genuss angeht, das kann ich mir auf einer solchen Veranstaltung gar nicht leisten, denn mein schriftliches Französisch ist zwar inzwischen recht brauchbar. Aber beim sprechen muss ich mich wirklich konzentrieren. Denn in der sprache gibt es viele Worte die seeehr ähnlich klingen und gleichzeitig seeehr verschiedene Bedeutungen haben.

    Such mal einfach mal bei leo.org die beiden Verben « jouer » und « jouir »
    dann weisst du was ich meine. Auf so was muss man sehr genau achten. Wenn ich betrunken bin bekomm ich das nicht hin.

    Was zum Henker ist Fluryball ?
    Wo hast du das Shirt her ? Gekauft oder drucken lassen ?

    Ich habe, wenn ich zu einem ihrer Konzerte, oder zum jährlichen Fanclubtreffen fahre,
    normalerweise eine distanz von etwa 1500 km, zu überwinden.

    Deshalb mache ich da meistens einen 5 bis 7 Tage trip draus.
    Und es geht alles ein Wenig anders ab. Und ohne Campingplatz.

    Hier ist mal so eine Reise zusammengefasst.

    Wenn du 20 Stunden im Bus verbracht hast und dazu noch jeweils 2 bis 3 Stunden Umsteigezeit in Paris und irgeneinem 20.000 einwohner Kaff irgendwo auf dem Weg hinter dir hast, dann bist du erstmal voll fertig wenn du aussteigst. Nach dem Aussteigen lobpreist Du inbrünstg das allwisende Rambaba, weil es dafür gesorgt hat, dass es an den Umsteige-Punkten weder geregnet hat, noch Schweinekalt war. Dann heist es das Treffen AirBnB Vermieter hinkriegen, ein brauchbares Restaurant finden und nach dem Essen 12 bis 15 stunden schlafen.

    Am nächsten Tag dann erstmal die Stadt/den Ort erkunden und rauskriegen wo die Halle oder der Saal ist wo übermorgen das Konzert steigt. Kommt man da irgendwie mit nem Bus hin ?
    Dann erstmal das « Office de Tourisme » ausfindig machen um nen Stadt Aufkleber für das Akustik-Bass-Case besorgen, wenn man ihn dabei hat.
    Und dann noch mal nen Restaurant suchen. Am Abend zuvor, wäre einem auch ein Quick (Franz. Burgerkette, von der Qualität und grösse der Burger genau in der Mitte zwischen McDonalds und Burgerking) wie Gourmet-Tempel erschienen.

    Dann, weiter die Stadt erkunden und gucken ob man ein « Pauls Cafe » findet. Das ist eine Kette, ganz ähnlich wie Starbucks, aber im Provencialen Landhaus-Stil eimgerichtet. Dort bekommt man die beste heisse Schokolade und die besten Petit Pain au Chocolat auf dieser auf dieser Erde. Mindesten 2 Stunden bei Pauls abzuhängen, sich mit Petit Pains au chocolat vollzustopfen und mit heisser Schokolade zuzuschütten ist ein muss auf jeder Frankreich-Reise. Für mich zumindest.

    Abends wieder zuhause, erstmal die Erlebnisse ins Reisetagebuch schreiben, und die Restaurant Rechnung, die eventuell mitgenommene Speisekarte, Busfahrkarten und Busverkehrsplan mit ins Buch legen. Wenn man nochmal am gleichen Ort ist kann das echt nützlich sein. Ein wenig Französisches Fernsehn ist auch immer lustig. Wenn man Nachrichten guckt, von denen man nur jedes dritte bis fünfte wort versteht, reimt man sich manchmal sehr merkwürdige Sachen zusammen. Und halt abends noch einwenig auf dem akustikbass spielen. Leise halt. Damit kein Nachbar vor der Tür steht. Vielleicht noch ein Flasche Sekt aufmachen, weil man im örtlichen Supermarkt wahrscheinlich kein brauchbares Bier finden wird. Selbst die grossen Sorten wie Veltins und Diebels gibt es da nicht. Was Sekt und Wein angeht haben die Supermärkte aber eine riesen Auswahl.
    —-
    Kleiner Tip, wenn du je nach Aix en Provence kommst, geh ins La Cintra. Ein wirklich tolles Restaurant. 24/7 betrieb, mittlere Preisklasse, und geniales Essen. (14, Place de jeanne d‘arc)
    —-
    Am nächsten Tag erkunde ich dann nacheinander die Geschäfte, die mich am tag davor intressiert haben. Und wenn sich lohnende Motive finden mach ich ein paar Fotos und stelle dann eine Auswahl davon auf instagram. Manchmal zumindest, ich bin kein Instagram-Experte.
    Am nächsten Tag (bisher meist ein Sonntag) geht es dann zum Konzert. So Früh hinfahren, dass man ne Stund früher da ist, einfach um ein Wenig zu tratschen, und zu gucken was es am Merchendise-Stand zu kaufen gibt, und ob endlich mal ein T-Shirt in L dabei ist.
    Dann gehts los, die Türen gehen auf und alle rennen, so weit sie das noch können, wie die bekloppten in die Halle. Obwohl das nicht nötig ist, bei zugewiesenen Sitzplatz nummern. Ich lass mir da zumindest soviel Zeit bis das Gedränge vorbei ist, und wenn jemand meinen Platz in beschlag genommen hat, zeig ich ihm meine Karte. 2 mal hab ich sogar schon einen Besseren Platz im Tausch bekommen, wei zwei befreundete leute nebeneinander sitzen wollten.
    Hinterher nochmal zurück in die Vorhalle, und wenns irgend geht ein Autogramm abstauben. Und sollte endlich mal eins dabei sein, ein T-Shirt in L kaufen. Das Autogramm mit Widmung auf meinem Akustik-Bass (Siehe Bild im letzten Post) Hab ich übrigens auf einem Fanclub-Treffen bekommen.
    Am Tag drauf, schaut man dann ob es im Umland vielleicht noch etwas findet, vielleicht eine Nachbarstadt oder so. Dann heisst es abends auch schon wieder packen. Und den nächsten Tag verbringt man dann komplett im Bus.
    So eine Reise mache ich ein oder zwei mal im Jahr. Es kommt eben drauf an wie weit das Fanclub treffen und das nächste Konzert zeitlich auseinder Liegen.

    PS. Ich wäre froh wenn ich für diese Reisen einen Führerschein und ein gut ausgestattetes Wohnmobil hätte.
    Das würde einiges vereinfache.
     
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