Gesang nach oben pitchen?

von BlackParade, 18.08.10.

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  1. BlackParade

    BlackParade Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.08.10   #1
    Hey :)

    habe mal eine Frage zum pitchen von Gesang:
    Ich höre zur Zeit viel My Chemical Romance und was mir das jedes mal auffällt wenn ich "Welcome to the Black Parade" höre ist, dass der Sänger so unglaublich hoch singt!
    Live ändert er die hohen Stellen komplett ab, weil er vermutlich das nicht durchhält bzw. überhaupt nicht hinkommt. Habe mal geschaut. Also ich kenne bisher nur Robert Plant, der ein Cis ohne Falsett schafft xD
    Könnt ja mal reinhören:
    http://www.youtube.com/watch?v=6q0VcgOfIQA
    bei 3:52 kommt öfter mal ein Cis.

    Weil er live mit Mühe und Not zum B (international) kommt, kam mir natürlich gleich der Gedanke. Gerard singt, Pro Tools pitcht, Gerard singt ein Cis.
    Habe das mal mit meinem Cubase LE ausprobiert, nach einem Halbton hört man aber, dass ich nicht wirklich so hoch gesungen habe. Habe das dann noch mit der Demo von Melodyne ausprobiert. Da wars schon besser, aber nach 2-3 Halbtönen war auch hier Schluss.

    Meine Frage: Ist es im Studio üblich den Gesang tiefer einzusingen und dann ihn zu pitchen und mit welchen Programmen ist das möglich min. 3 Halbtöne zu pitchen ohne dass man hört, der Sänger kommt nicht so hoch?
    Oder hat Gerard wirklich ein Cis gesungen? :)

    lg^^
     
  2. Reflex

    Reflex Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.08.10   #2
    Also ich kann mir nicht vorstellen, dass sie seine Stimme mit Pitch Shift bearbeitet haben.

    Ich denke es wird eher so sein, dass sie im Studio eine Tonart gewählt haben, die der Sänger gerade noch schafft (mit Anstrengung), und live spielen sie das Stück eben einen Ganzton tiefer. Im Studio muss er ja nachher nicht noch eine oder zwei Stunden weitersingen, wie bei einem Konzert. Sowas ist durchaus üblich.

    Dazu gibt's eine berühmte Anekdote von den Beatles... beim ersten Album haben sie bewusst "Twist and Shout" als letztes aufgenommen (was ich weiß wurde das erste Album komplett an nur einem Tag eingespielt :D), da sich John Lennon bei dem Song derart verausgaben musste, dass er danach kein anderes Lied singen konnte.

    Ein neueres Beispiel wäre Robbie Williams, der die höchsten Stellen von "Feel" live kaum mal so bringen kann wie auf der Platte, und sie daher oft dem Publikum überlässt (auch ne gute Strategie, hat schon Elvis praktiziert, hehe).

    Übrigens wäre das Thema auch ganz gut im Gesangsforum aufgehoben.
     
  3. Hephaistos

    Hephaistos Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.08.10   #3
    Intonationsprobleme beheben ist die eine Sache, die man im Studio gerne mal macht und dann heutzutage auch nicht als wirkliche Schummelei mehr ansieht, aber ein gezieltes hochpitchen um ein paar Töne zu erreichen wäre schon mehr Betrug, bzw auch nicht wirklich sinnvoll. Als Spezialeffekt (ne ganze Oktave hoch bsp) kann man das ja gut ausnutzen, aber um ein, zwei Töne höher zu kommen bringt es wohl nichts die Computertechnik zu bemühen. Wie Reflex ja schon gesagt hat, kommen diese "Höchstleistungen" eher von der entspannten Atmosphäre im Studio. Auf der Bühne hat man vielleicht schon 5 songs gesungen und wenig auf gesunde Technik geachtet, ist also schon etwas angeschlagen. Im Studio kann man immer Pausen einlegen, morgens früh nach dem Aufstehen singen (besonders entspannter Hals), Tee trinken, mehrmals hintereinander probieren etc. Insgesamt ist also die performance im Studio immer besser als live. Besseres Monitoring im Studio wäre noch ein Grund. Man kann auch davon ausgehen, dass Singen sehr Tages- und Stundenform abhängig ist. 3 schlechte Livekonzerte müssen nicht bedeuten, dass dieser Sänger ein Cis nicht singen kann, es kann einfach heißen, er hat vielleicht die letzten paar Wochen Probleme mit der Stimme und war davor im Studio besonders fit beispielsweise. Das ist eher anzunehmen als an Pitch-shifting zu denken.

    Mit Melodyne hab ich ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass man eine Stimme komplett etwas höher oder tiefer pitchen kann mit überzeugendem Ergebnis, wenn es jedoch um einzelne Noten geht wird das ganze schon komplizierter. Insgesamt sei dazu zu sagen, dass es ja keinen Zuhörer stören sollte einen song einfach zwei Töne tiefer zu spielen, warum also sollte sich jemand die Mühe machen sich die höchsten Töne zu erschummeln?!

    Keine Gewähr auf fachliche Richtigkeit. ;) Vielleicht irre ich auch und alle Sänger cheaten in so einem Maße, wie ich es mir nicht vorstellen kann.
     
  4. Deltafox

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    Erstellt: 19.08.10   #4
    jup, kenn das von mir, manche hohen Töne in manchen Songs bekomm ich manchmal gut, manchmal sehr angestrengt und manchmal überhaupt nicht (bsp. letzte Bandprobe, Wish you were here von Incubus, der hohe Ton im letzten Refrain.. setz an, will den Ton rauslassen, kommt nur Gekrächze.. hab ihn aber definitiv auch schon geschafft, mal mehr, mal weniger gut)

    im Studio wird das einfach in dem Moment aufgezeichnet, wo der Ton passt und evtl. leichte Schwankungen nachträglich glattgebügelt, live geht das nicht so einfach

    gutes Beispiel find ich da auch immer wieder Billy Talent.. die kriegen live nicht annähernd die Vocal-Quali der Studio-Aufnahmen hin. Total dünn und krächzig live und die hohen Töne trifft er fast ausnahmslos nicht :D
     
  5. Reflex

    Reflex Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.08.10   #5
    Tja früher war zwar nicht alles besser, aber als Sänger/Sängerin musste man schon singen können, auch im Studio.
     
  6. BlackParade

    BlackParade Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.08.10   #6
    ja. heute muss man nicht mehr singen können^^
    danke für die schnellen Antworten.
    Zu dem "Live-tiefer-spielen": Genau das wundert mich ja! Die spielen die Songs alle in der originalen Tonart wie im Studio. Von Sum 41 / Green Day kenne ich es, dass sie live die Gitarre runterstimmen (einen Halbton meistens).
    My Chemical Romance hat eigentlich nur so hohe Lieder und die Variante mit dem Publikum kennen die auch ;)
    Zu dem Thema mit "ist doch egal ob der Song 2 Halbtöne tiefer ist, warum schummeln?": Wenn andere Parts dann zu tief werden nimmt man es denke ich schon in Kauf die hohen Teile tiefer einzusingen.
    Ein Freund von mir, Bassist mit langjähriger Studioerfahrung, meinte, dass das alles nicht mehr echt ist. Wenn ein Sänger ein C machen will dann erlaubt ihm das Pro Tools. Aber sein Lieblingsspruch ist auch "Traue nur dem was du selbst gefälscht hast". Also weiß ich nicht ob er da ganz objektiv ist :)
    lg
     
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