Ich habe eigentlich keine Kriterien, die jetzt nur exklusiv bei LPs Anwendung finden würden. Das Gewicht spielt hier konstruktionsbedingt eine größere Rolle als bei anderen Gitarren, aber ist für mich auch kein echtes Ausschlusskriterium wenn mir die Gitarre an sich super gefällt. Eine Les Paul ist so oder so kein Leichtgewicht.
Wie ich aber generell vorgehe ist erst einmal sehr intuitiv.
Ich greife mir eine Gitarre, die mich irgendwie anspricht oder über die ich mehr wissen möchte, die mir jemand empfohlen hat oder was auch immer. Dann wird eine ganze Weile gespielt, aber ohne Amp!
Wenn eine Gitarre ohne Amp nicht klingt, muss ich sie mit Amp gar nicht erst spielen. Das hat sich für mich wieder und wieder bewahrheitet. Auch wenn das bei E-Gitarren vielleicht komisch klingt: Meine Anspielzeit ist etwa 70% akustisch / 30% elektrisch. Elektrisch ist aber eigentlich "nur" der Check, ob die Pickups zur Gitarre und meinen Vorstellungen passen. Wenn eine
E-Gitarre* trocken gut klingt, können einem die Pickups immer noch einen Strich durch die Rechnung machen. Aber eine Gitarre die trocken schlecht klingt, klingt auch mit guten Pickups nicht deutlich besser.
Ich habe vor nicht allzu langer Zeit eine Gibson Les Paul Traditional in Honey Burst gekauft (2016 T). Kontrahent war eine 2016er Standard als Goldtop - eigentlich meine Wunschlackierung. Akustisch und vom Handling haben mir beide sehr gut gefallen, aber hier hat tatsächlich die Elektronik den Ausschlag gegeben. Auch die Standard ist super, klang mir aber zu modern - die Traditional klang für mich mehr nach Les Paul. Wenn jemand das anders sieht, ist das natürlich vollkommen legitim - lediglich meine persönliche Vorstellung.
Zum Thema Verarbeitung: Über das war mir beim Spielen schon auffällt, schaue ich mir die Gitarre schon auch noch einmal genauer an (Bünde, Potis, Lackierung, Halstasche, Klinkenbuchse, ...), aber das kommt als letztes, wenn ich die Gitarre eventuell haben möchte und stellt eher einen "Desaster-Check" dar.
Imperfektionen bei einer teuren Gitarre ärgern mich - allerdings nicht so sehr, dass ich sie nicht kaufen würde, wenn ich sie WIRKLICH haben möchte. Es sei denn es sind wirklich grobe Schnitzer.
Dieses Vorgehen hat für mich gut funktioniert - wobei das mit zunehmender Erfahrung auch verlässlicher wird. Weiß nicht wirklich, was ich Anfängern raten würde - vermutlich länger spielen und an einem anderen Tag noch einmal wiederkommen, so vermeidet man, dass man sich von einem kurzen Eindruck zu sehr blenden lässt.