[Gitarre] Epiphone ES-335 "The Dot"

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Ergänzend zu meinem Review der Gibson ES-339 Pro möchte ich noch ein paar Zeilen zu meiner

Epiphone ES-335 „The Dot“ schreiben, stellt es doch für viele unter uns den Einstieg in die Welt der ES- und speziell der 335-Modelle dar, so auch bei mir.

Dieses Modell befindet sich schon recht lange im Epiphone-Sortiment und dies zeugt von anhaltendem Interesse seitens der Musiker. So ein 335-Modell darf natürlich auch nicht im Programm der Gibson-Tochter fehlen, dabei besetzt „The Dot“ den Niedrigpreisbereich. Im gleichen Stall findet sich auch noch die opulentere Sheratone II, die mit jeder Menge Kopfschmuck daher kommt. Die 335 gibt es in vier Farbtönen: Natural, Cherry, Vintage Sunburst & Black.

Epiphone ist eine Marke, bei der sich die Geister oftmals zu scheiden scheinen. Von totaler Ablehnung (nur Chinaschrott) bis zur vollkommenen Harmonie reichen hier die Aggregatzustände der Protagonisten. Es sollte jedoch zu jeder Zeit der Preis der Epiphone im Auge behalten werden. Es gibt Dinge, die tolerierbar und andere, die es eben nicht sind und diese Grenze sinkt mit den Beträgen, die für ein Instrument auf den Tisch gelegt werden. So kann ich es z.B. absolut tolerierbar, wenn die schwarze Farbe der F-Löcher bei meiner ES ein wenig in das Sunburst „ausblutet“. Bei einer Gibson würde ich das nicht hinnehmen. Und so gilt es immer abzuwägen, was vertretbar erscheint und was nicht. Mit der335 begannen meine Erfahrungen in Sachen Epiphone nicht, es kamen und gingen unterschiedliche Modell von SG über Explorer bis hin zur ES-339. Keine war auch nur im Ansatz so schlecht verarbeitet, dass ich sie hätte sofort zurücksenden oder umtauschen müssen. Nein, vielmehr zeigten alle eine saubere Ausführung aller Arbeiten, ob bei der Bundierung, den Sättel oder dem Paintjob usw.

Mein Weg zur ES…
Initialzündungen für diese große Gitarre gab es neben den unzähligen Fotos im Internet, zwei. Zum einen und für mich heutzutage nicht mehr ganz ergründbar, kaufte ich mir kurz nach den ersten Gehversuchen auf einer Les Paul (zu der ich eigentlich auch wie die Jungfrau zum Kind kam) ein ES 335-Modell unbekannter Herkunft. Es fanden sich weder Herstellername noch Seriennummer auf oder im Inneren des Instruments. Heute gehe ich davon aus, dass es sich hierbei um eine ES-Kopie aus Deutschland handelte. Sie war nicht soooo schlecht, wenn ich mich zurückerinnere, aber, wusste ich damals wirklich, was gut & was schlecht war? Ich verkaufte sie recht schnell wieder. Danach wurde es erst einmal still in Bezug auf die ES. Festzuhalten gilt jedoch, dass dieses Modell bereits recht früh in meinen Wahrnehmungskreis geriet.

Der zweite Funke entfachte die Epiphone ES-339, die ich mir zulegte. Ich wollte zum damaligen Zeitpunkt wieder einen Versuch mit einer Semiakustik wagen und dabei geriet die kleine ES in meinen Focus. Sie zeigt sich auch wunderbar bespielbar und machte einfach Spaß, so dass der Gedanke an die große Schwester, die ES-335 aufkam. Zu dem Zeitpunkt (November 2013) kostete sie neu noch deutlich unter 300 €, so dass ein Ausflug in die Welt der großvolumigen Gitarren moderat ausfallen würde.

Da meine Homeshop gerade ausreichend mit diversen ES-335 „The Dot“ bestückt war, wollte ich mir vor Ort ein Bild der Lage machen. Die zur Verfügung stehende Farbpalette gab bis auf Natural alles her, wobei ich die schwarze ES von vorneherein ausschloss. Schwarze Gitarren habe ich genug und eine 335er muss Cherry oder Sunburst sein, so nahm ich diese beide Damen mit in die Kabine. Bereits trocken, ohne Verstärker angespielt zeigten beide, wie unterschiedlich laut sie bei Stimme waren und schon hier konnte man große Unterschiede zwischen den beiden Exemplaren ausmachen. Die Rote war insgesamt etwas leiser und zurückhaltender und auch die Bässen erschienen nicht so stark ausgebildet. Die Sunburst dagegen legte gleich ein ganz anderes Temperament an den Tag. Sie klang um einiges kräftiger, präsenter und voller und damit mehr nach dem, was ich suchte. Die Grundstimmung setzte sich natürlich auch am Amp, ob angecruncht oder auch mit etwas mehr Overdrive, fort. Bereits bei diesen zwei Modellen stellte sich klar heraus, dass ES´s tonal sehr unterschiedlich ausfallen können und man sich die Zeit nehmen sollte, sie anzutesten, will man das für sich beste Instrument finden. Mein Resümee, die Rot hätte wohl eher einem Jazzer gut zu Gesicht gestanden, wohingegen die Sunburst mehr für Blues & Rock gebürstet erschien.

Die ES war eigentlich auch dafür gedacht, ab und an einfach mal akustisch auf ihr rumzuspielen, aber wie es so oft geht, fing ich richtig Feuer, der Ehrgeiz brach sich Bahn und meine ES sollte gemoddet werden.

Die Epiphone-Pickups leisten keinen schlechten Job. Ich denke, da hat man in der Vergangenheit wesentlich schlechteres von diesem Hersteller gehört. Gerade bei einer semiakustischen Gitarre ist es von Haus aus wichtig, dass die Pickups eine ansprechende Qualität aufweisen, da ein Austausch, ob ihres fehlenden E-Faches nicht so einfach zu bewerkstelligen ist.

Dennoch folgten schnell zwei Gibson Humbucker nebst angelaufenen Cover mit passendem Spacing, die aus einer anderen Umbausession überzählig waren. Beim Einbau beschritt ich den Faulenzerweg, in dem ich einfach die Kabel nahe der verbauten Pickups kappte und die neuen daran anlötete. Nicht gerade die professionellste, dafür aber zeit- und nervsparendste Methode. So verblieb sie eine Weile, bis ich mich ihr wieder widmete. Angespornt durch so manches Foto einer originalen 1958er ES wechselte ich von Grover Rotomatic auf Kluson-like-Tuner, die ursprünglich von meiner Orville by Gibson stammten, keine Markenmechaniken, dafür jedoch passend und schön Vintage aussehend. Dabei passierte mir ein Malheur beim Einkleben der Tuneradapter mittels Sekundenkleber. Da ich diese Arbeiten noch unbedingt vor dem zu Bett gehen erledigen wollte, tat ich dies im Halbdunkel, was dazu führte, dass sich der recht dünnflüssige Kleber fast auf dem gesamten Hals ausbreitete. Was tun? Kurzerhand schliff ich den gesamten Halsrücken bis auf das blanke Holz ab und so verbrachte ich ca. 2 Stunden mit dieser Tat! Nix mit ins Bett gehen. Tags darauf vollendete ich mein „Werk“ und so kam wenigstens das Wachs, welches ich bereits vor Jahre kaufte, ohne zu wissen, was ich damit anstellen könnte, zum Einsatz. Aus einer Katastrohe wurde doch noch ein Triumph, da ich mir einbilde, dass die ES ohne den Lack besser klingt und sich angenehmer spielen lässt.

Kurz darauf folgten noch E-sert, die die zweitteilige Konstruktion aus Bridgebuchse und –bolzen durch ein einteiliges Bauteil ersetzt. Der Einsatz gelang allerdings nicht zu 100 % zufriedenstellend. Trotz großer Bemühungen und meinem komplette Einsatz waren die Bolzen nicht dazu zu bewegen, komplett im Korpus Platz zu finden, so schauen sie noch ca. ein Millimeter aus dem Korpus heraus. Ich wollte sie jedoch nicht wieder entfernen, da dies eventuell deren Zerstörung mit sich gebracht hätte. Mit der jetzigen Situation kann ich jedoch ganz gut leben. Darauf setze ich eine ABR-Bridge, dessen Hersteller ich nicht mehr verifizieren konnte (mit der Zeit sammelt sich so viel Equipment an und wenn dann auch noch keine Herstellerangaben zu finden ist, wird´s eben eng). Kurzzeitig versuchte ich auch einer Gibson-ABR, die mir jedoch zu viele Höhen produzierte. Also entsprechend wieder zurückgerüstet. Demnächst folgt noch ein Faber-Kit und u.U. ein Alu-Stoptailpiece. Pickguard und Bracket wurden ebenfalls den Gibson-Modellen angeglichen. Lässt man nun die Kopfplatte außeracht, so gewinnt man den Eindruck, eine Gibson vor sich zu haben und das war mein Ziel. In Summe steht mir jetzt für runde 400 € ein mehr als passables Instrument der Gattung ES 335 zur Verfügung.

Kommen wir zum Tone der Epi ES:
Wie bereits weiter oben schrieb, haben ES-Modelle viele Stimmen. Hier gilt es zum Ersten das für sich passende Instrument zu finden. Hat man dies erfolgreich abgeschlossen, kann man mit dem Finetuning beginnen. Rein akustisch ist sie bereits recht laut, so dass man auch vortrefflich ohne Verstärkung mit ihr aufspielen kann (wie bereits berichtet). Ran an den Amp mit ihr und mal hören, was sie da so kann. Schön offensiv dringt ihr Tone an mein Ohr. Etwas luftiger und nicht so mächtig wie eine Les Paul, aber mit ordentlich Biss in der Stimme. Leichtfüßig und ang-riffs-lustig erscheint sie mir. In den Höhen und Hochmitten stärker, als im Bass angesiedelt. Clean ertönt sie schön warm und breit, auch fülliger, als eine Les Paul in diesem Tonspektrum. Dabei nimmt sie schön das Perkussive aus der Luft auf.

Alle Maßnahmen, die ich bis dato durchführte, brachten den Tone eindeutig nach vorne. Empfand ich ihn zu Beginn etwas ausgefranst, so fokussierte er sich zusehends. Nun wirkt er um einiges kompakter und homogener. Derzeit fehlt mir noch der Vergleich zu einer echten ES, allerdings denke ich, dass ich mit meiner Epi schon recht nahe an ihn heranreichen kann und Unterschiede gibt es bekanntlich in Hülle & Fülle unter den verschiedenen Modellen und Herstellern.

Eventuell kommt sie gegenüber einer Gibson nicht so solide vom Toneumfang und –qualität daher. Hier fehlen die letzten Nuancen gegenüber der großen Schwester, wie ich es bereits bei einem Vergleich zwischen meiner Epi und Gibson ES-339 feststellen könnte.

Mein Fazit…
…lautet daher: sucht man ein ES-Modell, das auch in den Abmessung und der Ausstattung dem großen G nacheifern soll, kann man ohne Probleme bei Epiphone fündig werden. Dabei sollte man die Berichte, die man vielleicht über Epiphone gelesen oder gehört hat, außeracht, sich viel mehr auf das Instrument einlassen und sich die Zeit nehmen, seine 335 im realen Leben anzuspielen, um es daraufhin einzupacken. Eventuell muss man sich von seinen Farbvorlieben zugunsten eines besseren Tones verabschieden, aber es wird sich lohnen. Denn, gefällt erst einmal der Tone der Gitarre, so folgt auch irgendwann der Farbton.

Lasst Euch darauf ein!





Fast Werkszustand:

 
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Das geht mir runter wie Öl beim Lesen; ist mir doch meine einst vertickerte Epi Dot CH längst ans Herz gewachsen und liebaeugele ich doch immer noch mit einer erneuten Dot...

Die Trockentests kann ich hinsichtlich der verschiedenen Ergebnisse zu 100% unterschreiben - ging mir ebenso. Inwieweit das ein Zeichen für gute oder schlechte Qualität ist, will ich nicht beurteilen. Ebenso wie ich nicht weiss, ob ES-335 vom Großen Hersteller hier nicht auch streuen können oder nicht. Man ist schnell bemüht, G heranzuziehen, aber vielleicht ist das nicht wirklich angezeigt und man sollte u.U. die Epiphones als eigenständige Gitarre sehen. :gruebel:

Wenn man Glück hat, erwischt man eine klanglich sehr gute Epi ES-335 vergleichsweise zu einer schlechten ES-335 von G oder ist so etwas gar nicht möglich? Ich weiss es nicht, würde mich aber hüten, eine Epi ES-335 zu bestellen. Antesten, denke ich, ist Pflicht, und gut dran ist, wer einen Laden vorweisen kann, der mehrere Epis antestbereit hat...

Auf jeden Fall gibt es immer angesichts ihrer Preisleistung ungemein viel Spaßfaktor bei diesen Epiphones; nicht auch zuletzt dank der z.Zt. sehr guten Verarbeitung; vermutlich ein Zeichen, dass man die Fertigung im Griff hat.

Ich habe hier im Forum an verschiedensten Stellen schon viel über die ES The Dot geschrieben und freue mich, dass hie rnun endlich ein Review erscheint.

Klar gibt's daher schon aus Prinzip ersma Kekse. :)
 
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Hi Stratspieler,

erstma danke für den Keks. Echt, es gab noch kein Review zur Dot?! Dann wurde es aber höchste Zeit. :)

Meiner Meinung nach sind die unterschiedlichen Klänge einer ES, einer Gitarre kein Indiz für schlechter oder besser, sondern viel mehr für gefallen oder nicht gefallen. Das Gute ist, dasss sich so jeder sein passendes Instrument aussuchen kann. Gibson, wie alle anderen Hersteller bauen ihre Produkte aus Materialien verschiedenster Herkunft und so ist jeder Baustoff einzigartig und kann andere Klangeigenschaften mitbringen. Von daher wird es immer von Hersteller zu Hersteller, von Instrument zu Instrument, auch wenn sie direkt hintereinander gebaut wurden, Klangunterschiede geben und das ist doch das Schöne, bzw. unser Argument gegenüber Nichtwissern, neue Gitarre anzuschaffen! Wer kennt nicht den Spruch "So eine hast Du doch schon!!!", verbunden mit einem vorwurfsvollen Blick! :D

Und ja, wann darf beim Kauf einer Epi keine Gibson vor Augen haben. Man muss sie nehmen, wie sie ist und dann wird definitiv Freundschaft daraus.
 
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...Und ja, man darf beim Kauf einer Epi keine Gibson vor Augen haben. Man muss sie nehmen, wie sie ist...

Diesen Fehler machte ich bei meiner guten alten Dot, die ich ja hatte und von daher könnte ich mir schon noch vor Ärger 'n Monogramm in den Allerwertesten beissen.

Das, was auch eben bei einer Solidbody hörbar ist, nämlich die unterschiedlichen Klänge trotz gleichen Materialien, setzt sich viel mehr bei den Semis oder Flattops (wie auch immer sie heissen mögen) fort. Die Krux ist, eben eine Auswahl zu haben, so dass man baugleiche Gitarren unmittelbar vergleichen kann. Möglichkeit vorausgesetzt, die eben nicht jeder hat.

Da fällt mir ein - ich muss mal wieder ins Soundlad latschen, um Epis anzutesten. Wie ich schon mal an anderer Stelle schrieb: Die cherryrote wollte ich, vom Klang aber hätte es die naturfarbene sein müssen. Das Sunburst mag ich ned - mir zu gelbschwarz. Tobacco Burst ist m.E. toll, aber wird nicht mehr hergestellt und die, die seit Monaten in den Kleinanzeigen steht, ist mir jedenfalls zu teuer.
 
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sehr tolles review.....bin ja auch schon eine weila am liebäugeln mit so einem modell
 
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Danke!

Mein Rat, dann teste mal eine Paar an! Meiner Meinung nach sind es günstige, aber gute Instrument. Man muss sich eben nur seines heraussuchen. Schlug vor ca. 14 Tage bei einer ES-345 zu, die ich nicht anspielen konnte, da eBay-Auktion. Hatte Glück, sie klingt wirklich toll und ist doch ein gutes Stück vielseitiger, als eine ES-335, man muss eben nur eine finden. Jedoch gefällt mir meine 335 immer noch hervorragend!
 
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[Fred exhumier'. Mich beziehend das hier Geschriebene und auf alles, was ich im Board bislang zu meiner 2005er ES schrieb, die ich mal hatte.]

Geliebäugelt mit einer "Neuen" habe ich ja schon lange. Gehadert mit dem Verkauf meiner 2005er ebenso. Gemeckert über das Nichtbekommen einer cherryfarbenen Pro in D ebenso lange genug. :D

Vor kurzem ist mir eine cherryrote, gebrauchte 2009er Epiphone ES 335, angeblich aus Indonesien inklusive Koffer über den Weg gelaufen und gestern nun habe ich zugeschlagen. Sie müsste die kommenden Tage bei mir eintreffen.

Eintreffen? Ja, ich habe mich ganz bewusst für eine gebrauchte entschieden und nur nach der Optik geschaut. Ich weiss, wie unterschiedlich die Modelle gleichen Typs klingen (selbst oft genug getestet) und ich habe (wenngleich stark hinkender Vergleich!) zwei Gibson LP Standard.

Für mich wird das eine spannende Sache, denn ich möchte einmal sehen, wie sich so eine nur nach der Optik und nicht nach dem Klang ausgesuchte Eiphone vergleichsweise zu meinen beiden Gibsons in Klang, Bespielbarkeit und Dynamik schlägt. Dazumals hatte ich vergleichsweise eine BaCH Les Paul, die sich diesbezüglich IN NICHTS zu meiner damaligen Epiphone unterschied, wissend, dass auch dieser Vergleich natürlich etwas hinkig ist, weil diese beiden Gitarren preislich in einer ähnlichen Liga spielten.
 
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Ui, da bin ich gespannt.
 
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Ja, ich auch. :D

OK, die "Meßlatte" hängt sehr hoch und möglicherweise taugt sie vielleicht schon aus Prinzip nicht. Leiten lasse ich mich ja auch nur, weil die damaligen Gitarren beide so verblüffend ähnlich geklungen haben; Humbucker vs. Humbucker! Vollmassiv vs. ES-Bauweise spielte klanglich scheinbar keine Rolle, das hatte mich so verblüfft.
 
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Schönes Review und die ES 335 Pro in Sunburst habe ich mir auch vor einiger Zeit gegönnt :)
 
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EAROSonic

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Dank Dir @ultraGP!

Nach wie vor spiele ich die Epi ES sehr gerne, hab bei ihr den Tone gefunden, der mir absolut gefällt, so dass ich an ihr nichts mehr rumschrauben muss.
 
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ultraGP

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Gerne. Hier mal 2 Bilder von meiner ES.
Die Verarbeitung finde ich für diese Preisklasse erstaunlich. Wie beim Klang so fällt auch das Burst-Finish (wie man sieht) bei jeder ES anders aus.
 
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Stratspieler

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Ich bin kein solcher Burst-Fan bei der VS, denn meistens ist mir da zu schwarz-gelb. Die Fotos hingegen zeigen ein schon angenehmeres Sunburst - aber das eben von einer Pro.

Tobacco Sunburst wäre super - aber leider schwer zu haben. Vor kurzem ging eine in der Elektrobucht weg, aber ich war nicht zugegen...

Im Grunde genommen (schrieb ich irgendwo im Board schon einmal) sind die Dots Gitarren, auf denen man nach Herzenlust herumfiedeln kann und die m.E. für ihr Geld einen sehr hohen Spaßfaktor bieten. Zwischenzeitliche Ausführungen hatten mir nicht gefallen, sie sahen mir zu bunt, zu sehr nach "Lego" aus. Die in den letzten Jahren erhältlichen Modelle hingegen haben m.E. an "Wertigkeitsempfinden" wieder zugenommen, aber das ist möglicherweise nur subjektiv.

Bin ja man schon auf meine gespannt!
 
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So, die Epiphone ist angekommen.

Ich baue mal kurz ein kleines Ensemble zum Photographieren auf. Während ich inzwischen Surfgreen photographisch korrekt ablichten kann, so hatte ich schon immer Probleme hatte, dieses Cherryrot einer Epiphone lichttechnisch in den Griff zu kriegen... Das Foto ist bewusst sehr dunkel gehalten und dennoch ist das Rot zu hell drauf...

Dieses Cherryrot gefällt mir! Die Maserung ist nicht gerade das, was man als "spektakulär" bezeichnen würde. Sie ist eher dezent-zurückhaltend. Das geht für mich in Ordnung, mehr soll es auch gar nicht sein!

DSC07370.JPG


Was bekomme ich, wenn ich mehr oder weniger fraglos so eine Epiphone kaufe? Eine Gitarre, die einen ziemlich verwahrlosten Eindruck macht. Sie wurde angeblich lange nicht gespielt, dem Verkäufer fiel angeblich der Abschied schwer. OK, "lange nicht gespielt" ist natürlich relativ. Schaut Euch Saiten und Bünde an:

DSC07379.JPG


DSC07385.JPG


Ich lerne mal wieder: Die Ansprüche und offenbar auch die Vorstellungen über den Zustand eines zu verkaufenden Artikels sind unterschiedlich. :D

Die eingetrockneten Schweißspuren auf dem Korpus habe ich bereits mit einem feuchten Lappen angewischt. Ich wollte die Gitarre, ehrlich gesagt, so nicht wirklich anfassen.

You'll get what you pay for.

So sieht einer der Pickups aus:

DSC07391.JPG


Die Saiten sind so aufgezogen, wie man es normalerweise tunlichst nicht tun sollte:

DSC07396.JPG


Die sehr schwammig laufenden Mechaniken (das kann aber auch den verrosteten Saiten geschuldet sein, die einfach nicht mehr glatt durch den Sattel gleiten) sitzen z.T. nicht fest auf dem Headstock. Einige der Unterlegscheiben sind locker, so dass es schon rappelt, wenn man die Epiphone nur in die Hand nimmt.

Die relativ vergriesgnaddelte Klinkenbuchse ist locker. Ein Wunder, dass sie noch nicht lose in der Gitarre herumfliegt.

So sieht es aus, man könnte fast schon "Mißhandlung" sprechen, wenn ein falscher Schraubendreher an der Tunomatic dreht:

DSC07403.JPG


DSC07406.JPG


Die Einstellschrauben an der Tunomatic zeigen nach vorn - das scheint bei Epiphone Standard zu sein. Mir gefällt's jedoch nicht, das werde das einschliesslich der passend gekerbten Sättel umdrehen, sofern möglich.

Der Verkäufer sagte mir natürlich nicht, dass ein Dingens am Zargen ist - ok, ich habe ja auch nicht danach gefragt... Aber es ist gottseidank nichts schlimmes. Nur eine kleine Delle, die später mit Sekundenkleber verschwindet:

DSC07377.JPG


Überrascht war ich, dieses "Doppelbinding" zu sehen, also diesen zusätzlichen schwarzen "Trauerrand", das kannte ich so nicht. Geschmackssache, auf den Angebotsfotos hatte ich das nicht gesehen bzw. beachtet und somit auch gar nicht danach gefragt. Normales Binding wäre mir lieber, weil schlichter, aber dieses Schwarze fällt auf dem dunklen Rot ohnehin kaum auf, es tritt nur im Sonnenlicht so stark zutage. Bei einer naturfarbenen Dot allerdings wäre das für mich geschmacklich ein No Go.

DSC07376.JPG


Mit Widerwillen angesichts des Schmadders habe ich dennoch die Gitarre an den Excelsior angeschlossen, um mal zu hören, was sie noch so von sich gibt.

Erstaunlicherweise laufen die Potis weich und sahnig und kratzen nicht, wenngleich sie eine etwas eigenartige Regelcharakteristik aufzeigen, insbesondere dann, wenn beide Pickups aktiv sind. Der Toggle Switch ist überraschenderweise keiner der üblen, kabbeligen Art. Zwar kann er mit dem meiner Les Pauls nicht mithalten, wackelt aber kaum herum. Daß er hingegen lange nicht geschaltet wurde, merkt man an seiner Kontaktgabe...

Die Epiphone klingt logischerweise durch die verrosteten Saiten tot, hat aber ein beachtenswertes Sustain mit gleichmäßig ausklingendem Ton und diesen typischen, hölzernen ES-Klang. Da ist Potential vorhanden und es lohnt, mit den Üblichen Verdächtigen die Gitarre aufzuarbeiten. Als da wäre in Stichpunktform:

- Bünde säubern und polieren, Abrichten ist offenbar nicht nötig, wird aber überprüft
- Griffbrett reinigen (ach, was schreibe ich: komplette Gitarre reinigen...)
- Verdrahtung raus und ggf. neue Potis rein, womöglich ebenso neue Klinkenbuchse
- auf 50s Wiring umlöten
- neuer Sattel
- Toggle Switch kontaktsicher machen
- Überprüfen der Grover Rotomatics - gehen die noch gerade so durch oder müssen doch neue rein?
- Tuneomatic beschnarchen, insbesondere hinsichtlich Kerben und Schraubendreherspuren
- neue Saiten
- Justage von Hals, Tunomatic und STP.

Hinsichtlich der Pickups möchte ich erst einmal sehen, was sie wirklich können, wenn die Gitarre im wahrsten Sinne des Wortes wieder griffbereit ist, also der Siff runter ist. Sind sie mikrophonisch? Wie ist ihr Output? Eher moderat? Was bringen sie, wenn sie richtig eingestellt sind?

Optisch lässt sich an der Epiphone ebenso einiges machen, wie z.B.

- neue Reglerknöpfe
- anderer Tip für den Toggle Switch.

Ich habe schon mal etwas recherchiert, der Aftermarket ist wohlbestückt. Stewmac z.B. hat Diverses vorrätig, um nur einen Anbieter zu nennen. Und bei Stewmac wird man auch fündig, was Informationen hinsichtlich Riffelung der Potis, Gewindeangaben für die Switch Tips, sowie Maße der Mechaniken angeht - sehr informativ und empfehlenswert!

Was bleibt erst einmal unter dem Strich? :gruebel:

Das hier ein Rohdiamant nur darauf wartet, geschliffen zu werden, glaube ich nicht. Der Hals ist gerade, nicht vertwistet, sitzt bestens verleimt auf dem Korpus, der bis auf die winzige Blessur am Zargen ansonsten vollkommen ok ist. Die Bundierung sieht aus, wie nie bespielt, Riefen und Abnutzungsspuren sind unter dem Dreck keine zu erkennen. Risse an Korpus oder Headstock gibt es keine. Wir haben somit eine kerngesunde Basis, auf die wir nun aufsetzen können. Schmadder und Siff lassen sich entfernen.

OK, meine ursprünglich angedachten Tests sind aufgrund des Zustandes der Gitarre erst einmal verschoben. Sie mausert sich ungewollt zum Bastelprojekt, sie gründlich aufzuarbeiten. Wenngleich so nicht geplant, so freue ich mich nun auf dieses Projekt. Warum eigentlich nicht?

So eine Gitarre lebt hinsichtlich ihres Wertes nicht davon, was sie als Kaufpreis hat, sondern was man daraus und mit ihr macht.
 
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Ja, allein schon ein 50s Wiring mit vernünftigen Potis wird das "Jerät" aufwerten. Und erst dann kann man auch wirkliche Aussagen über die Pickups treffen.
 
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Danke für den schönen Fotobericht. Ich würde mich nicht trauen, ein so schmutziges Objekt abzugeben - brrr! Aber vielleicht hat ja der Verkäufer gemeint, beim Putzen geht das Mojo mit ab. Hoffentlich sind sowohl Du als auch der Excelsior gegen Tetanus geimpft.

Ich freue mich auf den zweiten Teil des Tests.

Bezüglich Foto-Farbe: Kannst Du bei Deiner Kamera auf manuellen Weißabgleich umstellen? Das sollte helfen.
 
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Tatsächlich gefallen mir die Kopfplatten an oben gezeigten Modellen besser als an Les Paul und SG - Kopien von Epiphone.
Ich liebäugele auch immer wieder mit ´ner ES 335, ich schätze, ich würde dann aber mittlerweile eher zum Original greifen -
wie ebenfalls oben schon gesagt: you´ll get what you pay for!

Greetz,

Blake
 
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...manuellen Weißabgleich...

Ja. Nur so kriege ich nämlich Sörfgrün hin, denn sonst würde es Türkis werden. Für dieses schöne dunkle Cherryrot habe ich das noch nicht geschafft. Die einzigen Fotos, die mir hier wirklich überzeugen, macht übrigens Thomann; womöglich geht das nur wegen des schwarzen Hintergrundes.

Tetanus geimpft bin ich. :D

Eines habe ich noch vergessen, zu schreiben: Das Griffbrett wird natürlich nach dem Reinigen geölt.

Bzgl. Dauer des Ganzen bitte ich um Geduld: Ich habe gerade einen Blackface Vibrolux Reverb auf der Werkbank. Der Kunde möchte nicht nur den originalen US-Trafo gegen einen für 230V ausgetauscht haben, sondern auch noch diverse Klangtunings. Das bedeutet Zeitaufwand. Und blöderweise ist mir der neu gelieferte Netztrafo aufgrund eines Isolationsfehlers in der Anodenwicklung abgeraucht, er ist z.Zt. in der "Reklamations-Pipeline"... Mach' mal dem Hersteller klar, dass ich das nicht war... Allein das dauert schon, der Kunde wartet, die Tests zum Klangtunen brauchen Zeit...

Und der nächste mit seinem "Amp-Sorgenkind" hat schon angerufen...

Aber ich freue mich schon auf's Basteln an der Epiphone. Vielleicht wird ja mal so etwas draus, wer weiß das schon:

Epiphone-Dot-Archtop1-e1390309943418.jpg
 
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Bin bei Euch im Klub.
Ich habe heute auch eine bei Ebay geschossen.
240€ inkl. Hardcase.
Rot wäre mir lieber gewesen, aber natural kommt direkt danach.
Ich denke, Anfang nächster Woche wird sie da sein. :rolleyes:

$_57.JPG
 
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Die rege Teilnahme hier im Thread freut mich und auch die vielen ES´es, die einen neuen Besitzer gefunden haben und an dieser Stelle gezeigt werden!

Bin gerade dabei meine Gibson ES-333 zu verkaufen. Meine Epi ES-335 werde ich behalten und dies nicht nur, weil ich bei ihr den Hals abschleifen musste (was ihr klanglich entgegen kam) und ich für sie daher eh nichts mehr bekommen würde, sondern sie mir vom Tone her einfach besser gefällt.
 
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