Hallo Xanadu, Hallo musikuss,
Danke für die Antworten. Und Danke Xanadu für den gut gemeinten Rat! Das sind sehr wertvolle Hinweise, hat alles absolut Hand und Fuß - aber manchmal spielt die Realität einem eben doch Streiche. Und ich würde meinen eigenen Beitrag auch für unglaubwürdig halten, wärs nicht tatsächlich so. Und dabei habe ich gestern in meinem Zorn noch einen weiteren Punkt ausgelassen. Aber davon später mehr...
Erstmal zum Tremolo: was Du schreibst ist absolut korrekt, daran gibt´s überhaupt nix zu rütteln! Aber: Meine erste Gitarre mit Tremolo war ein Höfner Strat-Nachbau und das so um Mitte der 70er. Seither habe ich mit 2 Ausnahmen (Gibson ES 175 und Teuffel Birdfish) nur Gitarren mit Tremolo gespielt und nie(!) in diesen über 30 Jahren hatte ich auch nur annähernd solche Probleme wie mit dem Floyd Rose dieser Wolfgang. Ich schreibe bewußt "dieser" Wolfgang - denn ich und der Gitarrenbauer meines Vertrauens meinen inzwischen, dass ich einfach richtiges Pech mit dieser einen speziellen Gitarre habe (ein echtes Montagsmodell also). Am Schluß hat auch der Gitarrenbauer resigniert. Fazit, da ist wohl ganz grundsätzlich was an der Materialbeschaffenheit (Feder) in Kombination mit einem vielleicht nur minimal nicht optimalen Einbau schief gelaufen - plus ein paar anderen kleinen Ungereimtheiten (Feinstimmer?), oder was auch immer. Das ist alles am Ende reine Spekulation, denn so ein abstruses Verhalten kannte der auch nicht. Aber wir wissen alle, wie sensibel so ein System reagiert und winzigste Fehlerquellen, wenn denn nur genügend davon da sind summieren sich dann doch mal zu einem handfesten Problem, obwohl die einzelne Ursache kaum auszumachen ist. Und so stimme ich jetzt lieber mal schnell nach, als während des Gigs erst denn Klemmsattel runter zu fummeln. Das kommt gar nicht gut.
Warum - fragte musikuss, habe ich die Gitarre nicht einfach zurückgegeben, anstatt da nochmal amtlich Geld reinzustecken... Antwort: Weil Alter nicht vor Thorheit schützt. Aber: ich habe noch nie eine Gitarre in die Hand genommen, gekauft und gespielt, so wie sie war. Selbst mit meiner (extra für mich gebauten und angepassten) Birdfish bin ich nochmal zu Herrn Teuffel gefahren und habe sie nachjustieren lassen. Bei Pickups bin ich ähnlich empfindlich wenn der Sound nicht ganz so stimmt, wie ich ihn mag - zugleich ist es für mich aber auch eine ganz normale Sache, Pickups auszutauschen (habe ich übrigens sogar mit meiner Axis so gemacht, weil die Dimarzios in Verbindung mit meinem
Engl Amp einfach zu aggressiv waren). Und so fing das auch mit der Wolfgang an:
Das erste war der Halspickup - da habe ich jetzt einen Häussel VIN+. Und das war schonmal ein ziemlicher Gewinn - aber damit war ich sozusagen schon in der Falle, denn Aufgeben war jetzt nicht mehr drin. Das Nächste, was passierte - und was ich gestern zu erwähnen vergaß (bitte nicht lachen - es ist wirklich wahr!!!): der Pickup Wahlschalter hat seinen Geist aufgegeben: "brzzzl...." und tot. Nachträglich hätte ich mein Gesicht selber gerne gesehen - wie ich da so mit der Klampfe in der Hand ziemlich doof in der Landschaft stand und es kam kein Ton mehr, gar nix. Also wieder zum Gitarrenbauer - der meinte milde kopfschüttelnd: "tja, japanische Schalter". Und da ich dank Harry Häussel ahnte, was in der Gitarre klanglich stecken könnte, aber mit der angeblichen Telecaster-Mittenposition immer noch nicht so ganz glücklich war, habe ich nebst dem Einbau eines neues Schalters auch gleich (wirklich) B gesagt und mir in der Stegposition einen Tozz B einbauen lassen. Das ist eine ganz tolle Kombination und jetzt klingt die Gitarre in der Mittenposition original nach Telecaster. Der Halspickup bringt einen warmen, bluesigen Klang mit viel Substanz, der aber auch schön rotzen kann und der Tozz B ist einfach ein richtiges Pfund für höhere Gain-Bereiche: griffige, aggressive Höhen, ohne auch nur ein bisschen schrill zu sein und ein ordentliches Pfund im Bass. Ich bin übrigens nicht bei Herrn Häussel angestellt, aber seine Pickups sind einfach so ziemlich das Beste was es auf dem Markt gibt. Und sie klingen auch mit der Wolfgang richtig toll! Als hätte ichs geahnt
Aber die Frage, warum ich die Gitarre nicht einfach zurückgegeben habe ist damit noch nicht ganz beantwortet. Der zweite Teil der Antwort lautet: Weil ich sie mag. Das klingt jetzt komisch, ist aber wahr. Es ist eine schnelle, leichtfüßige Gitarre mit einem Klasse Handling (das Tremolo mal ausgenommen). Der Hals ist 1 a - um Längen besser abgerichtet als bei meiner fast 3 mal so teuren Axis und außerdem ist die Gitarre wirklich sehr hübsch anzusehen - ein klasse designtes Teil. Die Hölzer sind gut ausgewählt und mit den richtigen Pickups entfaltet die Wolfgang ihr in der Tat beachtliches klangliches Potenzial - auch wenn Sie nach dem Umbau eben keine original Wolfgang mehr ist...
Das relativiert mein vernichtendes Urteil von gestern ein wenig. Aber auch wenn ich mit jeder neuen Gitarre erstmal zum Gitarrenbauer gehe, die Wolfgang hat´s mir schon recht schwer gemacht, mit ihr Freundschaft zu schließen...
Übrigens rechne ich jetzt schon damit, dass ich nach dem Einbau des Schaller Vintage Tremolos plus Knochensattel und Sperzel Locking Mechaniken ein obergeiles Instrument in Händen habe, dass die Investition wert ist...