hohe E Saite schnarrt bei Kontakt mit Finger/Hand

  • Ersteller Ersteller DaniWeini
  • Erstellt am Erstellt am
  • #21
Kleine Nebenbemerkung: ich bin immer wieder überrascht, wie unterschiedlich es aussieht, wie Leute Gitarre spielen und man sie beobachtet. Deshalb denke ich, dass es eigentlich wesentlich ist, sich auf den Flow der Musik einzulassen. Jeder "Griff", jede Daumenstellung entsteht im Kontext, es geht im Kern gar nicht um den aktuellen Griff, es geht um die Vorbereitung des nächsten Griffes. Das ist eine Kunst wie Schach oder Snooker.
Bei C=x32010 liegt der Daumen "meistens" an der tiefen E-Saite, um diese - notfalls unnötig - zu muten. Es gibt keine Regel, wo der Daumen zu sein hat. "Es muss immer sauber klingen", lautet die Regel. Der Flow ist der Beweis des Übe-Aufwands.
 

  • #22
Jetzt wo ich das Video mit dem offenen C-Dur sehe, versuch mal Folgendes (Edit: bezieht sich auf die erste Variante im Video mit Daumen überm Griffbrett):

Das Handgelenk etwas nach links drehen, so dass die vordere Handfläche auf Seite des kleinen Fingers einen Abstand zur unteren Griffbrettkante hat. Evtl hilft es sich vorzustellen die vordere Handfläche auf der Seite des Zeigefingers ist ein Dreh/Angelpunkt, also der Ballen vor dem Zeigefinger. Der kann IMO ruhig am Hals/Griffbrett anliegen (muss aber nicht) ausprobiern:). Ähnlich wie man es beim Bending/Vibrato bei E-Gitarristen oft sieht...

Das Handgelenk zusätzlich ein wenig "eincurlen" ähnlich wie bei Unterarmcurls, so kommt der Handrücken etwas nach Vorne und die Finger konnen "aufrechter" greifen. Der Daum wird dann allerdings u. U etwas nach hinten wandern...
 
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  • #23
Es gibt keine Regel, wo der Daumen zu sein hat. "Es muss immer sauber klingen", lautet die Regel.
Trotzdem gibt es effiziente Wege und saubere Technik und es gibt Haltungen, die eben nicht effizient oder vernünftige Technik sind.
Letztere führen deutlich häufiger dazu, dass man irgendwann vor Wände läuft, so wie das hier passiert ist.
Deine Aussage ist so ein wenig vergleichbar mit "Es gibt keine Regel, wie man einen Füller hält. Man muss immer ordentlich schreiben, lautet die Regel"...
Trotzdem ist es sinnvoll einem Menschen zu empfehlen den Füller mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger zu halten und nicht mit der ganzen Faust.
Die Wahrscheinlichkeit ist einfach höher, dass das Ergebnis besser ist.
So auch auf der Gitarre: Es gibt Haltungen und Spielweisen, die sich über die Jahre als empfehlenswert herauskristallisiert haben.
Natürlich gibt es aber auch Leute, die es anders machen und manche davon sind sogar sehr erfolgreich geworden. Trotzdem ist es in den meisten Fällen sinnvoll Wege zu empfehlen, die sich als sinnvoll erwiesen haben.
 
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  • #24
Du kannst mal probieren den linken Ellbogen weiter vom Körper wegzunehmen.
So, dass dein Arm quasi im rechten Winkel zum Hals steht.

Sehr guter Tip der einen der häufigsten Fehler betrifft. Einfach mal befolgen!

*
 
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  • #25
generell hat die Sattelbreite keinen Einfluß auf eine falsche Greifhandhaltung. Je breiter der Hals am Sattel, wird es bei dieser Haltung noch schlimmer, Probleme hat man auch mit einem schmalen Hals, bezogen auf die Fotos des TE.
Ja, bei "richtiger" Haltung kommen die Finger direkt von oben auf die Saite. Das Ellenbogengelenk sollte möglichst einen entspannten 90°-Winkel haben. Das erreicht man, indem man den Hals etwas nach vorne (vom Körper weg) nimmt, dadurch entsteht schon fast automatisch der richtige Handwinkel.
Du kannst mal probieren den linken Ellbogen weiter vom Körper wegzunehmen.
So, dass dein Arm quasi im rechten Winkel zum Hals steht.

Wenn du deinen Daumen nach hinten auf den Hals nimmst, erleichtert das die Fingerhaltung.
Das ist eine Gitarre, kein Baseballschläger.
Das sind die Anmerkungen, bzw Verbesserungsvorschläge, die man unbedingt beherzigen sollte.
ich spiele seit vielen Jahren Gitarre und habe leider ein laufendes Problem,
wenn man eine falsche Handhaltung über die Jahre praktiziert, fängt man quasi von vorne an, wenn es solche Probleme gibt. Deshalb werden hier im Forum immer die Empfehlungen gegeben, einen Gitarrenlehrer zu konsultieren, wenn man am Anfang steht.
Am Anfang steht die Handhaltung. Das wird von Vielen unterschätzt. Das ist aber der Schlüssel für alles Weitere.

@DaniWeini
in deinem Vid ab 0:53 sagst du, dass die Haltung unangenehm ist. Das ist aber die Haltung, die man sich über die Jahre angewöhnen hätte sollen/müssen. Das sind die Empfehlungen aus den oberen Zitaten. Vllt kann ich das noch etwas präzisieren.

Der Unterarm (bzw Ellbogen) wird möglichst nach vorne geschoben, wie schon angemerkt.
Der Daumen sitzt mehr oder weniger in der Mitte des Halsrückens, wie schon angemerkt.

Ergänzend dazu: man sollte am Anfang auch immer darauf achten, dass die Finger möglichst parallel zu den Bünden stehen, also keinesfalls schräg.

Auch ist es enorm wichtig, die Greifhand als "Klaue" zu begreifen, das bedeutet, man muss sich angewöhnen so zu greifen, als hätte man einen kleinen Ball in der Handfläche. Die Handfläche klebt nicht am Hals, das schränkt die Bewegung ein, führt zu solchen Fehlern, die du beschreibst. Die Finger setzt man mit der Fingerkuppe auf die Saiten, wie schon angemerkt.

Das, was du als unangenehm beschreibst, erfordert einen Neuanfang, du musst dich umgewöhnen. Der Post #13, @ukutele zeigt eine Handhaltung, die aus den Empfehlungen resultiert (auch von meinen). Wenn es erforderlich ist, rutscht der Daumen weiter nach unten am Hals, wenn man solche Akkorde greifen möchte, die Klaue anwendet, ist das möglich. Das kann dir ein Lehrer vermitteln, oder du bist so smart, dass du es selber hinkriegst.

Unangenehm ist das gezielte Üben der Spreizung der Finger, wie aus Post#13. Das muss man üben. Mit deiner jetzigen Handhaltung schaffst du das nicht.

Das, was ich als Ergänzung versucht habe zu erklären, auch die vorangegangenen Post (Zitate), sind die Basis dafür, eigene Wege zu beschreiten, aus der Basis, wenn man sie verinnerlicht hat, anwenden kann, kann man seine Handhaltung variieren, ohne Probleme zu bekommen, die du beschreibst.

Aus der Ferne sind solche Erklärungen etwas schwierig, ein guter Gitarrenlehrer wird sicher gut weiterhelfen können.
 
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  • #26
Druck und Gegendruck:

Screenshot_2026-05-12-10-58-20-600-1.webp
Der Daumen ist mittig, es ist nur ein leichter Gegendruck nötig.

Screenshot_2026-05-14-04-44-03-541-1.webp
Der Daumen ist seitlich, es entstehen zusätzliche Belastungen(Hebel/Scherkräfte).
 
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  • Ersteller
  • #27
@Disgracer okay danke
 
  • #29
in deinem Vid ab 0:53 sagst du, dass die Haltung unangenehm ist.
Ab 0:53 ist nur noch 1 Sek. Stille bis zum Ende des Videos ;)
scnr

Ich bin echt kein Gitarrengott, der gute Ratschläge geben sollte. Aber mit nem studierten Gitarristen in der Familie kann ich zumindest bestätigen, dass das Umlernen der linken Hand in die richtige Richtung weist. Den Daumen mehr hinters Griffbrett bringen! Die tiefe E-Seite nicht mitklingen zu lassen, erledigt beim Strummen bei mir die rechte Hand, indem sie nicht alle Saiten anschlägt. 4 bis 5 Töne je Akkord reichen völlig aus.

Und falls du mal mit nem Bass zusammen spielst, freut sich das Frequenzspektrum auch, wenn du dich in den Bässen zurückhältst.
 
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  • #30
Die tiefe E-Seite nicht mitklingen zu lassen, erledigt beim Strummen bei mir die rechte Hand, indem sie nicht alle Saiten anschlägt.
Hat IMO folgende Nachteile(?): Wenn man Akkorde strummt, bei denen die tiefe E und/oder A-Saite schwingt und man dann auf zB D-dur wechselt, dann klingen diese Saiten voll mit rein. Saiten fangen an mitzuschwingen wenn man sie nicht aktiv dämpft zB längere Zeit D-Dur strummt werden sich auch A und E Saite dazugesellen. Beim Strumming mehrerer Akkorde im Wechsel, stelle ich mir das schwierig vor beim Anschlag jedesmal gewisse Saiten zielsicher auszulassen. Es ist IMO leichter immer alle 6 gleichmäßig anzuschlagen...
 
  • #31
Wie man es macht, dass die leere E-Saite nicht mitschwingt, darüber macht man sich an irgendeinem Punkt keinen Kopf mehr. Selbstverständlich macht man das oft oder meist mit der rechten Anschlagshand. Mit der ich persönlich schon sehr lange nicht mehr schlage. Trotzdem dämpft man die E-Saite mit dem linken Daumen ab, wenn und weil man damit die Obertöne dieser Saite aus dem Gesamtsound entfernt. Das wiederum ist Sache des musikalischen Kontextes!
Die Musik muss stimmen! Irgendwann ist jedes Griffbild keine Sache der Konzentration mehr. Man spielt also C-Dur in zig Varianten und Winkel und Handhaltungen, auf zig Gitarren, im sitzen, stehen oder liegen.
Irgendwann kümmert sich das Gehirn nichtmal mehr um Akkorde. Die bemerkt man erst, wenn sie klingen. Es gibt aber keinen "Befehl" mehr der Art: "Jetzt bin ich auf G, Hand spiele jetzt D in dem Griffbild "200232" oder "254232".
Ich will nur das nur erwähnen, damit Anfänger wissen, wohin die Reise geht, auch wenn aller Anfang schwer fällt.
PS. Anfänger schlagen 6 Saiten an, daran erkennt man sie. Musikalisch nicht zielführend, aber als Einstieg ins Lernen unverzichtbar.
Alles, was man (noch) nicht kann, ist schwer. Alles, was man kann, wird plötzlich total easy.
 
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  • #32
Zur These "mittiger Daumen" werfe ich mal dieses Video in den Raum:


View: https://www.youtube.com/watch?v=VQRVbCAVveo

Dieses Video ist grundsätzlich großartig, auch mit den ganzen Erklärungen zu Muskelgruppen etc (große Empfehlung sich das anzuschauen), aber es passt aus zwei Gründen nicht wirklich in diesen Thread und kann deswegen leicht missverstanden werden:
Der Themenstarter hat(te) Probleme mit der Handhaltung beim C-Dur Akkord in der ersten Lage.
Das Video dreht sich quasi ausschließlich um:
- Single-Note-Spiel
- höher als 5. Lage, meistens sogar um den 12. Bund und aufwärts.

Das sind biomechanisch zwei komplett andere Baustellen, als der C-Akkord im ersten Bund.
- die höhere Lage bedingt schon, dass der Arm/Ellbogen näher am Körper anliegt und daher das Handgelenk einen anderen Winkel zum Hals hat, als in der ersten Lage. Den Daumen hier mittig gegenüber den anderen Fingern zu legen ist nahezu unmöglich. Das ist übrigens ein Grund dafür, wieso klassische Konzertgitarristen in der klassischen Haltung mit Stütze spielen: Die klassische Haltung erlaubt dem Arm/Ellbogen Bewegungsfreiheit bis in die hohen Bünde, weil der Winkel günstiger wird
- Single-Notes sind grifftechnisch physikalisch einfach ganz anders als Akkorde: Zum einen kommt wesentlich weniger Druck von vorne auf das Griffbrett, weil eben nur ein einzelner Finger greift und nicht drei oder vier. Insofern braucht es da auch viel weniger "Gegendruck" vom Daumen. Zum anderen verändert sich ja bei solchen Skalen, die er spielt, permanent der Punkt an dem die Kraft auf das Griffbrett wirkt. Es wäre bei der Geschwindigkeit auch einfach nicht möglich den Daumen permanent so schnell zu bewegen, dass er immer direkt gegenüber liegt.
(-Mini-Extrapunkt: Auf der E-Gitarre* mit sehr dünnen Saiten und extrem niedriger Saitenlage, ist generell nicht so viel Kraft im Spiel, so dass das Konzept von "Gegendruck" hier viel unwesentlicher ist. Man kann in vielen Fällen sogar Passagen spielen, wenn das Daumen überhaupt keinen Kontakt zum Hals hat. gerade im Sitzen.

Aber nach etwa zehn Minuten spricht der Gitarrist im Video tatsächlich auch kurz über Akkorde:
Schaut wo sein Daumen im Vergleich zu den Fingern ist:
Bildschirmfoto 2026-05-14 um 13.20.28.webp

Ich denke das sagt alles.

Also sehr wichtige Unterscheidung hier:
Akkorde und Single-Note-Lines sind sehr unterschiedlich. Ebenso spielt es für die Haltung eine Rolle, ob wir uns im ersten Bund oder im 12. Bund befinden.
Solche Informationen brauchen einfach mehr Kontext, als einfach ein Video in den Raum zu werfen, was scheinbar vielen getroffenen Aussagen widerspricht.


Beim Strumming mehrerer Akkorde im Wechsel, stelle ich mir das schwierig vor beim Anschlag jedesmal gewisse Saiten zielsicher auszulassen. Es ist IMO leichter immer alle 6 gleichmäßig anzuschlagen...
Hier möchte ich absolut widersprechen.
Auf gar keinen Fall sollte man generell immer alle sechs Saiten anschlagen.
Das ist zum einen sehr Kontext bezogen und in den wenigsten Fällen wird man immer alle sechs Saiten brauchen, zum anderen erzeugt man - selbst wenn man dann aktiv dämpft - immer auch Anschlagsgeräusche an Saiten, die man gar nicht braucht. Es sollte immer das Ziel sein zu lernen so genau anzuschlagen, dass man nur die Saiten trifft, die man auch wirklich anschlagen will. Das ist reine Übungssache.

Selbstverständlich macht man das oft oder meist mit der rechten Anschlagshand. Mit der ich persönlich schon sehr lange nicht mehr schlage.
Mit welcher Hand schlägst du dann an?
 
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  • #33
Beim Strumming mehrerer Akkorde im Wechsel, stelle ich mir das schwierig vor beim Anschlag jedesmal gewisse Saiten zielsicher auszulassen. Es ist IMO leichter immer alle 6 gleichmäßig anzuschlagen...

Hier möchte ich absolut widersprechen.
Auf gar keinen Fall sollte man generell immer alle sechs Saiten anschlagen.
Das ist zum einen sehr Kontext bezogen und in den wenigsten Fällen wird man immer alle sechs Saiten brauchen, zum anderen erzeugt man - selbst wenn man dann aktiv dämpft - immer auch Anschlagsgeräusche an Saiten, die man gar nicht braucht. Es sollte immer das Ziel sein zu lernen so genau anzuschlagen, dass man nur die Saiten trifft, die man auch wirklich anschlagen will. Das ist reine Übungssache.
"absoluter Widerspruch"? Das heißt dann bezogen auf die Aussage von mir die du zitiert hast, es ist für dich schwieriger alle 6 Saiten gleichmäßig anzuschlagen als Saiten gezielt auszulassen? ;) kleiner Scherz, der jedoch auch irgendwo ernstgemeint ist... Die anderen Aussagen in meinem Post hast du ja garnicht kommentiert. Das interpretiere ich mal so, dass das Dämpfen mit der Greifhand u.A. dem Daumen eben doch so seine Vorteile hat(?).

Dass das Ziel sein sollte nur die nötigen Saiten anzuschlagen, da geb ich dir vollkommen Recht! :) Habe auch nie gesagt, man soll generell immer alle Saiten anschlagen oder man bräuchte alle 6 Saiten. Kontextbezogen gilt aber auch im im Forum. IMAO ist die "ich schlag nur die Saiten die ich brauche an" Methode kein Ersatz fürs aktive Abdämpfen, wie es IMO hier zT suggeriert wurde. Evtl hat meine "es ist leichter xy" Aussage auch etwas suggeriert was sie nicht sollte:engel:...

Ich bin kein Hammergitarrist und sollte es mal passieren (trotz Übens der Zielfertigkeit der Anschlagshand) und ich komme beim Anschlag schnellerer Songs versehentlich an eine Saite die ich nicht treffen wollte wäre das IMO schlimmer wenn ein falscher Ton im Akkord mitklingt (und nicht aufhört) als wenn beim Anschlag mal kurz ein Anschlagsgeräusch mitten im Attack ist (und untergeht). Daher nutze ich persönlich gern (evtl auch "ergänzend") die Greifhand/Daumen/etc-Dämpftechnik.

Wie dem auch sei...

wünsche dem TE jedenfalls viel Erfolg und Spaß beim Üben...
 
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  • #34
Solche Informationen brauchen einfach mehr Kontext, als einfach ein Video in den Raum zu werfen, was scheinbar vielen getroffenen Aussagen widerspricht.
Ich denke, Du hast meine Intention falsch interpretiert. Es ging mir um das Mantra "Der Daumen muss immer in die Mitte" bezogen auf Hals und Greifhand, das hier im Thread auch teils verbreitet wird ("Cellogriff"). Die vermeintlich geringe, nötige Kraft bzw. Anspannung ist bedingt durch die Anatomie unserer Hände eben nicht so.
Es geht ja hier um 3-Finger Cowboyakkorde, die kein großes Hexenwerk sind. Zielführende Hinweise dazu kamen ja schon. Der Knickwinkel der mittleren Fingergelenke und der Abstand der Handinnenfläche zum Griffbrett ist durch die Position des Handgelenks zum Hals / den Ellenbogenwinkel zu groß bzw. zu klein.
Die nötigen Korrekturen lassen sich ja mit diesen Hinweisen und etwas aufmerksamem Herumprobieren an diesen Parametern gut erarbeiten. Eine grundlegende, komplette Änderung der Grifftechnik halte ich bei dem Problem für doch überzogen.
Natürlich ist keine Stellung der linken Hand universell sinnvoll und je nach Lage, Tonmaterial, Spieltechnik aber auch Anatomie der linken Hand situationsbezogen anzupassen. Beispielsweise sind weite Spreizungen der Finger nur möglich, wenn das Handgelenk weiter herunter kommt und damit auch der Daumen zwangsläufig weiter zur Halsmitte wandert
 
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  • #35
Es ging mir um das Mantra "Der Daumen muss immer in die Mitte" bezogen auf Hals und Greifhand, dass hier im Thread auch teils verbreitet wird ("Cellogriff"). Die vermeintlich geringe, nötige Kraft bzw. Anspannung ist bedingt durch die Anatomie unserer Hände eben nicht so.
Ja, genau so hatte ich dich verstanden und möchte da eben im Kontext dieses Themas widersprechen.
Wenn wir über Akkordgriffe reden, wo man über mehrere Bünde greift, ist es mMn nahezu immer sinnvoll den Daumen mittig zu positionieren.
Deswegen hab ich den Screenshot aus dem Video gemacht, wo er eben zum einzigen Mal auch einen Akkord spielt und der Daumen eben auch exakt mittig gegenüber den anderen Fingern ist.
Und dann ist auch genau weniger Kraft und Anspannung nötig. Das ist einfach simple Physik

Ja, wenn wir über andere Techniken reden, gelten wieder andere "Mantras", aber das ist eben nicht das Problem auf dem dieser Thread basiert. Insofern empfand ich das Video schon als irreführend, wenn es anfangs großartig propagiert man solle nicht den Daumen gegenüber legen. Es beschäftigt sich eben mit einer ganz anderen Technik. Das war mir wichtig das anzumerken.

Es geht ja hier um 3-Finger Cowboyakkorde, die kein großes Hexenwerk sind.
Das sagst du so..
Ich kann dir aus jahrelanger Erfahrung als Gitarrenlehrer sagen, dass es da mehr als genug Leute gibt, die sich damit schwer tun. Sowohl sauber greifen, als auch gerade Akkordwechsel, insbesondere bei höherer Geschwindigkeit.
Eine grundlegende, komplette Änderung der Grifftechnik halte ich bei dem Problem für doch überzogen.
Das steht dir ja frei. Ich persönlich würde immer empfehlen seine Technik möglichst effizient und sauber zu gestalten und die Dinge, die wir empfohlen haben (Ellbogenposition, Winkel der Hand, Winkel der Finger, Position des Daumens etc) sind schon sehr grundlegende, elementare Dinge, die ich schon als ziemlichen Wechsel der Grifftechnik empfinde. Hin zum Positiven.


Die anderen Aussagen in meinem Post hast du ja garnicht kommentiert. Das interpretiere ich mal so, dass das Dämpfen mit dem Daumen eben doch so seine Vorteile hat(?).
Das empfinde ich nicht so. Gerade auf der akustischen Gitarre. Ich erkläre unten wieso. Auf der E-Gitarre* ist das mMn etwas anders.
Natürlich kann das jeder so tun, wie er/sie möchte, aber ich dämpfe in 99% der Fälle mit den Fingern oder mit der rechten Hand und quasi nie mit dem Daumen.
Kommt aber auch ein wenig auf den Kontext an (nur offene Lagerfeuerakkorde gestrummt oder etwas mehr komplexe Stücke).

Hier die Erklärung, wieso ich wenig Probleme sehe nur die Saiten anzuschlagen, die man braucht und die anderen offen sein lassen:
Saiten fangen an mitzuschwingen wenn man sie nicht aktiv dämpft zB längere Zeit D-Dur strummt werden sich auch A und E Saite dazugesellen.
Die Aussage ist nur zu 50% korrekt:
Wenn du einen D-Akkord spielst und die tiefe E- und A-Saite nicht dämpfst, wird die A-Saite recht schnell mitschwingen, die E-Saite aber nicht.
Hier ist warum: Jede Saite hat bestimmte Frequenzen in denen sie schwingt und resoniert. Wir reden vom Grundton (=Name der Saite) und den Obertönen. Jeder Ton hat eine ganze Reihe von Obertönen. Dies ist ein komplexes System, aber lass uns zur Vereinfachung annehmen, dass die Obertöne grundsätzlich immer schwächer werden. D.h. der dritte Oberton ist im Normalfall stärker als der vierzehnte Oberton.
Wenn du jetzt einen D-Akkord spielst, wird auch die A-Saite mitschwingen, denn zum einen spielst du ohnehin schon ein A gegriffen auf der G-Saite, aber auch die beiden Ds, die du spielst (offene D-Saite + gegriffene H-Saite) regen die A-Saite an, weil direkt der zweite Oberton von D das A ist. Da ist also vergleichsweise viel Energie zum Anregen vorhanden.
Wichtig dabei: Du regst das A nicht auf dem Grundton der offenen A-Saite an, sondern in den höheren Oktaven. Insofern ist das D als offene Saite weiterhin der tiefste Ton und Grundton deines Akkords, du generierst einfach nur mehr Obertöne auf der A-Saite, dadurch, dass sie mitangeregt wird. Aber das sind alles passende Obertöne.
Im Normalfall klingt dadurch dein D-Akkord voller und lauter. Es ist also ein positiver Effekt.
Generell ergibt es in sehr vielen Fällen deswegen Sinn, offene Saiten einfach mitklingen zu lassen. Es wird den Sound eher angenehmer und voller machen.
(Einschub: Auf der E-Gitarre* ist das oftmals eben gerade nicht erwünscht, weil zusätzliche Obertöne auch zusätzliche Verzerrungen bringen, sobald man verzerrt spielt. Deswegen dämpfen wir auf der E-Gitarre* eher mehr ab, als auf der Akustischen. Aber bei der E-Gitarre* haben wir auch andere Optionen, wie Hall-Effekte, Delay etc um ggfs den Sound voller zu machen. Das haben wir auf der Akustischen Gitarre im Normalfall nicht, weswegen offene Saiten und deren Obertöne eigentlich eher positiv sind. Es gibt sogar Instrumente, die zusätzliche Saiten als Resonanzsaiten (Aliquot-Saiten) haben, wie etwa die Viola d'amore, oder manche Pianos, für genau diesen Effekt)
Man muss dann natürlich aufpassen, wenn man den Akkord wechselt, dass dann nicht Saiten weiterklingen, die Töne haben, die nicht zum nachfolgenden Akkord gehören.
Oder in komplexeren Kontexten. Wenn du Bach o.ä. spielst, wirst du dir viel mehr Gedanken darüber machen, wann du welche Saiten dämpfen musst. Nette Komponisten schreiben sowas sogar manchmal in die Noten.
Hier ein Beispiel aus einem Duo-Stück, dass ich gerade übe (Dropped D-Saite):
Bildschirmfoto 2026-05-14 um 16.19.54.webp

Hier würde das tiefe D nicht in den A-Moll Akkord passen, entsprechend gibt Andrew York hier den Hinweis das abzudämpfen, damit es sauber klingt und keine Reibungen entstehen.
In dem Fall muss man das mit der rechten Hand machen, weil links alle Finger beschäftigt sind. Theoretisch könnte man auch hier den Daumen der linken Hand nehmen, das ist aber spieltechnisch in diesem Fall viel komplizierter, weil man direkt danach die Lage wechseln muss.

Kommen wir zurück zum D-Dur Akkord und zur E-Saite: Diese wird quasi nicht mitschwingen, wenn du D-Dur spielst, denn das E wird nirgendwo gegriffen und es ist der 8. Oberton von D, also sehr schwach. Es wird also nicht mitangeregt. Die "meiste" Anregung findet hier darüber statt, dass das gegriffene A auch das E als Oberton hat. Aber im Vergleich zur Anregung der A-Saite ist das komplett vernachlässigbar.
Du kannst das selbst auch total einfach austesten: Greif einen offenen D-Akkord, schlag einmal nur die hohen vier Saiten an und dann kannst du vorsichtig mit dem Zeigefinger der rechten Hand an die A-Saite gehen und du spürst sofort die Vibration (kann man sogar meist sehen). Aber wenn du an die E-Saite gehst, wirst du nahezu keine Vibration wahrnehmen, denn diese wird nahezu nicht angeregt.

Insofern: Dämpfen auf der akustischen Gitarre ist ein komplexes Thema, aber grundsätzlich ist es überhaupt kein Problem offene Saiten nicht abzudämpfen, denn wenn sie angeregt werden, dann sind das ohnehin Obertöne, die zum Akkord passen und das macht den Klang eher besser als schlechter. Aufpassen muss man in dem Moment wo man den Akkord wechselt. (Das war ja auch einer deiner Punkte und das ist auch absolut richtig)
Wenn man z.B. den Wechsel E --> D hat, dann klingt ja bei E die tiefe E-Saite mit und in dem Moment wo man wechselt sollte man sie dämpfen, damit sie nicht in den D-Akkord hineinklingt, denn das wäre sehr unpassend. Das kann man mit dem Daumen machen. Völlig legitime Spielweise. Deutlich eleganter empfinde ich es aber (auf Western- und E-Gitarre) das einfach mit dem Mittelfinger zu machen, wenn man den E-Akkord loslässt. Ich tippe da beim Loslassen minimal die E-Saite an und nehme sie aus dem Spiel. Aber Daumen funktioniert hier genauso gut und wer das präferiert kann das auch genauso gut machen. Das ist möglicherweise sogar die einfachere Variante für viele. Aber manchmal ist eben auch der Kontext wichtig (mein Notenbeispiel oben), so dass der Daumen eben manchmal nicht die beste Wahl ist
 
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  • #36
@Disgracer
Ah ja. Hatte elektrisch angefangen und übe/spiele nicht so viel Western :whistle2:
Danke jedenfalls für die ausführlichen Erklärungen - ich konnte da auf jeden Fall was mitnehmen und der TE hoffe ich doch auch.
 
  • #37
Das steht dir ja frei. Ich persönlich würde immer empfehlen seine Technik möglichst effizient und sauber zu gestalten und die Dinge, die wir empfohlen haben (Ellbogenposition, Winkel der Hand, Winkel der Finger, Position des Daumens etc) sind schon sehr grundlegende, elementare Dinge, die ich schon als ziemlichen Wechsel der Grifftechnik empfinde. Hin zum Positiven.
Hm, da kommen wir nicht zusammen. Die nötigen Änderung an der Handgelenksposition, Ellbogenwinkel und resultierend andere Knickwinkel der Finger usw. sind für mich Optimierungen der bisherigen Haltung des TE, aber keine grundlegenden Wechsel seiner Grifftechnik. Natürlich ändert sich mit dem Handgelenk die Position des Daumens, was man im Video oben ja schon gut sehen kann, aber nicht soweit, dass dieser auf der Halsmitte und der Handmitte zu liegen kommt. Wenn man dies bei der Haltung/Position der Gitarre wie hier erzwingt, resultiert dies in einem stark abgeknickten Handgelenk. Um das zu vermeiden und die "klassische" Haltung sinnvoll spielbar zu machen, muss die Gitarre dann auf das linke Bein und der Hals 45° nach oben geneigt werden, damit die Winkel passen. Das wäre für mich eine grundlegende Änderung der Haltung, was auch durch andere Winkel für einen Anfänger ein nicht ganz unerhebliches Neulernen der Griffe bedeutet.
Ich bin wahrlich kein Freund von nicht tragfähigen Techniken ohne Potential, aber ich sehe kein Problem die bisherige Haltung des TE zu optimieren anstatt sie komplett umzubauen. Er scheint je keine klassischen Stücke anzustreben, sondern eher Akkordspiel - auch nicht immer sitzend - im Sinn zu haben.
Letztlich muss er entscheiden, wie tiefgreifend er sein Spiel umstellen möchte.
 
  • #38
Ach, das ist dann ja mehr ein semantisches "Problem". Da mag ich gar nicht wirklich drüber diskutieren.
Ob die vorgeschlagenen Veränderungen nun nur "Optimierung" sind oder "grundsätzliche Änderung", spielt für den Effekt ja überhaupt keine Rolle.
Klassische Gitarrenhaltung war ja auch vorher überhaupt kein Thema. Das hat niemand vorgeschlagen und ist auch eher eine ungewöhnliche Geschichte (auch wenn z.B. der Mensch aus dem Video das tatsächlich macht. Also E-Gitarre auf dem linken Bein..).
 
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  • #39
ab 0:18, da wo er den Daumen in die Mitte des Halses setzt, hab ich falsch abgelesen.
Zur These "mittiger Daumen"
der Mann hat geredet, viel geredet, andere Gitarristen vorgestellt, aber selbst nicht mit einem einzigen Ton vorgeführt, wie er das macht.
Kann ja funktionieren, aber so wie er das erklärt, glaub ich nicht so sehr, dass das entspannt sein soll, worauf der Mann ja sehr viel Wert legt, auf entspanntes spielen. Bei schmalen Hälsen mag seine Technik womöglich funktionieren.
 
  • #40
Die These vom mittigen Daumen ist m.E. absurd.
Wenn jemand sagt, "90% der Gitarristen machen was falsch" erhält der leider keinen Klick von mir.
Die Gitarristen, die ich höre, machen zu 100% alles richtig.
Wenn was nicht stimmt, liegt es an verkrampft ungelenken Fingern, nicht an der Daumenstellung.
Ist mir gerade gestern wieder aufgefallen. Akkord war G(III), also G im dritten Bund. Da bin ich vom Barré in den geklammerten Griff gewechselt, obwohl das Griffbild identisch ist: "355433". Weil das musikalisch notwendig war in diesem Moment.
 
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