Was für mich dennoch aus der etwas egozentrierten und um sich kreisenden Debatte herausgekommen ist, ist dass man vielleicht doch an den Beginn einer "
How to find a Band?-Check Liste" erst mal ein "Selbst Assesment" stellt "
Will ich mir das wirklich antun?"
Das ist IMO schon eine -realistisch, objektiv betrachtet- eine valide Frage.
Da muss jeder für sich, Aufwand (der eben nicht zu unterschätzen ist!) und "Nutzen", in Relation stellen.
In der Frage, "
Was nutzt mir das?", steckt IMO sehr viel! Wenn da drin, als Bullet Point eine "Zielerreichung" (...lokal berühmt sein; auf Gigs gefeiert werden; eine Platte rausbringen die mindestens 100000 mal verkauft wird; vor mindeststen 5000 Leuten spielen; mal Vorband von einem großen Act sein,...) enthalten ist, dann kommt da auch noch die Größe der Chance dazu, das mit dem leistbaren Aufwand, am Ende auch erreichen zu können.
Da hatte ich es schon mit einigen Mitmusikern zu tun, die diese Gedanken nie genau für sich durchgegeangen sind, sondern allenfalls da so eine "diffuse" Vorstellung hatten.
Da waren "Wunsch-Vorstellung" und "Realität" eigentlich nicht zur Deckung zu bringen und so war Dauerfrust vorprogrammiert.
In meinem ersten Musiker Leben habe ich mir über all das auch nicht viele Gedanken gemacht. Musik war ein Ventil und Songes und Texte mußten raus; man träumte auch ein bisschen von Fame und wir fanden das, was wir machten, bärenstark.
Fakt war aber auch, dass wir es wegen ständiger Besetzungswechsel, es im Grunde nie aus dem Probenraum heraus geschaft haben. Ein paar Jahre haben wir gebraucht, um ein ausreichend großes Set zusammenzukomponieren, arangieren und einzuproben und das Einproben haben wir immer wieder mit neuen Sängerinnen gemacht, die dann kurz vor Gigreife, andere Engagement oder Interessen hatten und/oder umgezogen sind...
Das Projekt wurde einfach nicht fertig. Als dann noch unser damaliger Drummer immer mehr Zeug und Ideen für Live Shows,-die gar nicht in Sicht waren!- heranschleppte (und auch die Unterstützung dessen einforderte), habe ich mir tatsächlich die Aufwand/Nutzen-Frage gestellt. Mit anderen Worten, ich hatte die Nase von Band Projekten gestichen voll und es folgte eine musikalische Pause von gut 15 Jahren.
Dann haben sich die Lebensumstände auch wieder weiterentwickelt und ich bekam wieder "Hunger" auf das Spielen in einer Band.
Aufgrund der Vorerfahrung (die ich immer noch schmerzlich im Kopf hatte!) habe ich aber meine Ziele ganz anders definiert:
- Keine eigene Musik mehr! Viel zu viel Aufwand eine gute Setlist aufzubauen; unnötig schwer ein Publikum/eine Bühne zu finden; zu schwer Musiker dafür zu finden, die sich das auch alles neu erarbeiten müssen (... die lokale Szene von Musikern kennt idR. 50% der Stücke einer jeden Cover Band...)
- Zusammen Musik machen ist mein Ziel und nicht wie viele, wie große oder erfolgreiche Auftritte. Nicht dass Live Spielen nicht klar angestrebt wird! Nur wenn dieses Ziel wegen Corona, Besetzungswechseln, ... nicht erreicht werden kann, ist das auch kein Beinbruch.
Mir geht es heute
um jeden einzelnen Probentag, wo wir uns etwas erarbeiten, ich daran etwas wachsen kann und um diese "Edelstein" Momente, wo die Band als Summe plötzlich mehr ist, als die einzelnen Musiker; wo dann auch ohne Absprache plötzlich Dinge klappen, die einfach cool sind. Dafür bin ich bereit ein paar km zu fahren und eine Menge € in mein Gear zu stecken.
Klar hat man auch Proben, die mal nicht so toll sind oder wo man sich über Bandkollegen ärgert, aber solange ich für mich sagen kann, das Proben macht mir unterm Strich Spass, ist alles fein.
Das im Rahmen von Open Stages zu finden, sehe ich für mich nicht.
Dafür reicht dann mein Talent (und sorry, auch das der idR dort anwesenden Musiker...) nicht aus, um in den dafür nötigen "Flow" zu kommen. Dazu muss ich meine Mitmusiker besser kennen und die Abläufe müssen klarer sein, um damit ich da zu einem "Next Level" Gefühl komme.
Aber das ist eben meine eigene Sache.
Genau das "Risiko", aufgrund der immer wechselnden Teilnehmer und da man sich idR. nicht vorbereitet, da meine "Ziele" nicht zu erreichen, sehe ich für mich bei Jam Sessions als wesentlich höher, als mit einer festen Band im Probenraum.
Wer im Hobby Bereich, proben und sich Stücke erarbeiten/üben, als notwendiges Übel sieht, um dann mit einer Band ein "Ziel" zu erreichen, geht IMO tatsächlich ein hohes Risiko, viel einzusetzen und nichts heraus zu bekommen. Wer jedoch in der Lage ist, hier eher den Weg als Ziel zu sehen, für den sind Besetzungs- oder auch Bandwechsel kein so großes Drama mehr.