Interview mit Recording-Studio-Betreiber

von migidomusic, 06.07.16.

  1. migidomusic

    migidomusic Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.07.16   #1
    Hallo zusammen,

    ich hatte letztes Wochenende einen Recording-Studio-Betreiber als Interview-Gast in meinem Podcast. Wir haben über sein Studio in München gesprochen, wie ein Besuch bei ihm abläuft und über das Recording und Mixing generell.

    Vielleicht ist das ja auch ganz interessant für den ein oder anderen hier im Forum. Ich fand' es jedenfalls sehr spannend mit dem Michael zu sprechen und einiges aus dem professionellen Studio-Alltag zu erfahren. Es gibt auch die ein oder andere lustige Geschichte zu hören ;-)

    Hier ist jedenfalls das Interview:

    https://soundcloud.com/migido/011-interview-mit-michael-bottcher-recording-studio-betreiber

    Ich hoffe, es gefällt euch :-)

    Lieben Gruß,
    Kevin
     
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  2. migidomusic

    migidomusic Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.07.16   #2
    Guten Morgen liebes Forum,

    für alle die, die lieber lesen als hören, gibt es das komplette Interview jetzt auch als Transkript:

    Kevin:
    So, heute habe ich hier einen besonderen Gast im Podcast. Und zwar den Michael Böttcher. Das ist ein Recording-Studio-Betreiber aus München. Aber du kannst uns doch siche etwas mehr zu deiner Person und deinem Studio erzählen.

    Mick:
    Also, erstmal danke Kevin, dass du mich eingeladen hast und dass du mich als besonderen Gast vorstellt. Ich weiß gar nicht wie ich zu dieser Ehre komme. Ja, was mache ich...ich hab’ ein Studio in München.

    Kurz zu meiner Person: Ich bin schon ein bisschen länger dabei. Ich hab damals noch in Hamburg gewohnt und bin so zur Musik gekommen mit Band usw. und hab dann irgendwann beschlossen Recording ist es. Ich hatte damals noch ein altes Cubase System. Ich glaub das hieß damals noch Cubase VST oder Cubase Audio.

    Das war irgendwann in den 90ern und dann habe ich beschlossen...jetzt lernst du mal Tontechnik. Bin dann zu SAE gegangen in Hamburg und hab dort meinen Audio-Engineer gemacht und parallel dazu war ich noch beim Radio und hab da ein Praktikum gemacht. Dort habe ich viel Schneiden gelernt und Jingles und auch Werbespots.

    So bin ich dann zum Pro Tools gekommen. Hab’ dann aber erstmal bei Steinberg im Support gearbeitet, weil die ja in Hamburg sitzen. Und irgendwann hab’ ich dann nen Anruf gekriegt. “Hey du, wir haben gehört du bist super-fit in Pro Tools” und dann war das halt DigiDesign, die mich aus München angerufen haben. Die heutigen Avids...damals hieß es noch DigiDesign Division of Avid. So bin ich dann dorthin gekommen und hab dort im technischen Support gearbeitet.

    Dann ging es halt immer weiter mit Recording parallel Zuhause und irgendwann wurde mir das alles zu klein und auch zu warm in meinem Homestudio. Ich hab parallel dazu auch schon in diversen Studios gearbeitet und irgendwann habe ich beschlossen “Jetzt bauste mal dein eigenes Studio”. Ich hatte einen Freund der ein Studio betrieben hat...das war das DreamSouth-Studio hier in München...das gibts immer noch. Und der hat schon einiges für mich aufgenommen gehabt mit meinen Bands und irgendwann hat er dann gesagt “Hey, ich hab hier noch n Raum frei. Komm doch mit rein hier ins Gebäude”.

    So ist dann quasi so eine Studio-Gemeinschaft draus geworden. Und da sind wir halt mit mehreren Studios drin...mitten in München.

    Kevin:
    Ok und seit wann betreibst du jetzt das Studio?

    Mick:
    Das Studio betreibe ich jetzt seit 3 Jahren. Zuvor hab’ ich das tatsächlich hier in dem Raum, in dem ich gerade sitze, Zuhause gemacht. Den Raum einigermaßen präpariert. Ja, das hat ganz gut funktioniert, aber es ist halt schwierig mit Kunden. Man kann hier halt nur so E-Mixing-Geschichten machen oder vielleicht mal einen Sänger aufnehmen oder Sprachaufnahmen, aber das ist kein Vergleich dazu, wenn man vernünftige Räumlichkeiten hat. Das sieht dann auch professioneller aus und das zieht die Leute einfach an und spricht sich rum.

    Kevin:
    Ok, du bietest also Recording an und dass die Leute etwas bei dir Aufnehmen und Mischen lassen können. Bietest du sonst noch irgendwas an?

    Mick:
    Ja, also ich biete alles an was mit Audio zu tun hat. Das geht über Sprachaufnahmen, Band-Recording, Mixing, Audio-Restauration zum Beispiel hab ich hin und wieder Anfragen.

    Also das beste was mir jemals passiert ist, war tatsächlich, dass jemand ein Interview versemmelt hat mit Jürgen Klinsmann. Und der hat mich wohl im Internet gefunden und hat das wohl mehreren Studio geschickt und hat gefragt, ob die das reparieren können und ich hab ihm dann ein Angebot gemacht. Ich hab es viel zu niedrig angesetzt im Preis, ich Idiot, denn ich war tatsächlich der Einzige der es wieder hinbekommen hat.

    Also, was ich noch anbiete ist Studio-Vermietung. D.h. Bands die ein eingeschränktes Budget haben, können sich bei mir einbuchen und sich selbst aufnehmen. Das ist auch etwas, was ich durchaus empfehle bei Leuten die wirklich schon Ahnung haben und auch Homerecording betreiben und das einigermaßen auf die Rille kriegen. Die können sich gerne bei mir einmieten im Studio und haben dann in der Regel Zugriff auf deutich bessere Technik und was auch sehr wichtig ist: die Räume.

    Kevin:
    Das ist ja wirklich cool! Was kostet sowas, wenn man sich den Raum selber mietet?

    Mick:
    Das kommt drauf an wie lange. Normalerweise geht es los bei 150€ am Tag. Dann guck ich auch nicht auf die Uhr, auch wenn es normalerweise so 8 Stunden sind, weil ich meistens Abends dann auch noch rein will oder noch andere Sachen laufen.

    Es ist so, dass wenn jemand nun sagt, er will da 5 Tage am Stück rein, dann kann man da durchaus über den Preis reden. Das rechnet sich in der Regel schon, weil du da verbünftige Schlagzeugaufnahmen machen kannst und gute Vocal-Recordings machen kannst. Das wirkt sich dann schon letztendlich auf den Sound am Ende aus.

    Ich bin dann natürlich auch da, wenn da irgendwelche Sachen wie z.B. technische Probleme sind, die eigentlich sehr selten sind. Denn dafür sorge ich natürlich, dass das Studio läuft. Das ist auch nochmal ein großer Unterschied zu den meisten Homerecording-Studios, welche die ganze Zeit mit ihrer Technik kämpfen müssen.

    Da gibts hier halt einfach nicht...auch das beste System stürzt mal ab, das ist klar, aber es gibt auch immer ein Backup-System, falls mal wirklich was komplett kaputtgehen sollte. Dann startet man das ganze System halt wieder von ner anderen Festplatte aus und dann funktionierts wieder. Das ist bisher aber nur ein mal vorgekommen, nachdem ich irgendwie was neues installiert hatte und das hat dann irgendwie alles zerschossen. Wenn man das professionell betreiben will, dann muss das halt laufen.

    Tipps und Tricks bekommen die Leute natürlich auch...wie alles funktioniert. Es ist auch dokumentiert wie die Patch-Bay funktioniert und so weiter.

    Kevin:
    Ja, das ist ne wirklich coole Möglichkeit für die Leute glaube ich.

    Wie sieht es bei dir aus, wenn ein Künstler jetzt zu dir ins Studio kommt und seinen Song von dir aufnehmen und mischen lassen möchte. Wie läuft das dann bei dir ab?

    Mick:
    Also oft ist es so, dass die Leute mich anrufen, weil sie von irgendwem gehört haben, dass das cool läuft, dass das Spaß macht und dass das Ergebnis vor allem stimmt. Dann lad’ ich sie meistens in Studio ein. D.h. man trifft sich erstmal und lernt sich kennen, denn auch mir ist es wichtig zu wissen, mit wem habe ich es hier zu tun.

    Weil es gibt tatsächlich Situationen bei denen ich beim ersten Treffe merke: Das wird nichts. Zum Beispiel hatte ich ein mal einen Künstler, der hatte sein Projekt genau vor Augen...was grundsätzlich schon mal richtig ist, aber er meinte ich wäre nicht das erste Studio in das er geht. Er meinte, dass er schon zwei andere gehabt hätte und er ist immer im Streit mit denen auseinander gegangen, weil ihm das zu teuer wurde oder weil das Produkt nicht so geworden ist, wie er sich das vorgestellt hat. Und wenn jemand eine ganz konkrete Vorstellung hat, wie es am Ende klingen soll, dann ist das meist schwierig, denn es kommt meist doch anders.

    Je nach Performance der Künstler oder auch wenn die Soundvorstellungen schon so konkret sind, dass er meint “Ich möchte den EQ dort aber genau so haben”, dann soll er es lieber selbst machen, denn als Tonstudiobetreiber oder als Mixer ist man dann ja auch kreativ damit drin. D.h. ich geb’ keine Mixes ab, die mir diktiert werden. Das ist halt meine Form der Kunst in dem Moment und die Leute müssen mir vertrauen. Sonst müssen die Leute halt woanders hingehen, denn wenn er sagt, dass er schon mit 2 Studios im Streit auseinander gegangen ist, dann weiß ich, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass auch ich Probleme kriege und in diesem Fall habe ich dann den Preis so hoch angesetzt für sein Projekt, dass ich ihn damit abgeschreckt habe. Dann ist der halt woanders hingegangen.

    Es ist jetzt nicht so, dass ich nicht grundsätzlich mit ihm gearbeitet hätte, aber dann hätte es sich halt rechnen müssen, weil das wird dann wirklich sehr anstrengend und langwierig, ja.

    Kevin:
    Ja, klar das wird dann ja auch ewig dauern, wenn du 20 mal nachkorrigieren musst.

    Mick:
    Ja, den größten Fehler den du machen kannst, ist den Preis zu niedrig ansetzen und nicht zu klären, was er dann wirklich als Gegenleistung dafür bekommt. Dann sind die Erwartungen so hoch und man arbeitet sich an Projekten einfach tot und dann gibt es böses Blut und das vermeide ich durch sowas halt. Deswegen möchte ich die Leute vorher kennenlernen. Meistens wird das ganz einfach...ich bin ziemlich locker und humorvoll und in den allermeisten Fällen läuft das dann auf eine Zusammenarbeit hinaus.

    Ja, dann gehts weiter, dass sie ne gescheite Vorproduktion machen sollten, damit ich auch weiß, in welche Richtung das geht. Und irgendwann lad’ ich sie dann ins Studio ein zur Aufnahme.

    Kevin:
    Mit Vorproduktion meinst du eine Demo-Version, die die Band selbst aufgenommen hat, oder?

    Mick:
    Ja, die muss qualitativ gar nicht gut sein, aber man sollte ne Vorstellung vom Song haben und vond em Material einfach, damit man weiß...ja...wohin geht die Reise. Wirds Heavy-Metal, wirds rockig, wirds poppig oder so. Dann nimmt man auch anders auf, dann arbeitet man anders mit den Leuten. Vielleicht macht man auch ein direktes Liverecording, sprich alle spielen zusammen oder man entscheidet sich doch einfach für hintereinander aufnehmen. Das sollte man vorher einfach klären.

    Dann gibt’s da noch die einen, die so sagen “Ich möchte so klingen wie Metallica.”. Dann sag’ ich meistens “Ja, dann müsst ihr aber auch so spielen wie die.”. Weil es bringt nichts, etwas so zu mischen, dass es so klingt...insbesondere es so klinisch zu mischen, wie das Schwarze Album, wenn du nicht wirklich auch so gut spielst.

    Ja, das sind so alles die Faktoren, über die man sich bewusst sein sollte, bevor es richtig losgeht. Dann wird es auch nicht so teuer.

    Kevin:
    Ist es auch so, dass du den Bands Tipps gibst, falls im Arrangement noch etwas fehlt, von dem du denken würdest, dass es dem Song gut tun würde? Bietest du solche Tipps an?

    Mick:
    Das biete ich grundsätzlich an und eigentlich nimmt das auch jeder an.

    Der Song lebt und stirbt schlussendlich auch mit seinem Arrangement. Es ist halt oft so, dass das Arrangement in sich nicht funktioniert und dann wird halt auch der Song nichts. Ne gute Produktion fängt schon beim Arrangement an, geht über die Perfomance bis zur Aufnahme bis zum Mix. Und wenn ein Element in der Kette nicht passt, dann wird auch das Endergebnis nicht gut werden.

    Ja und das war auch mit dem Simon so. Den hattest du ja interviewt vor Kurzem. Er hatte ne Grundidee und dann hab’ ich gesagt “Hey du, wenn es hier um Dschungel geht, dann mach da Congas rein, damit das ganze auch passt.” und dann fing der Song auch an zu leben und der Song ist dann wirklich klasse geworden.

    Kevin:
    Ok, damit haben wir die 2. Frage, die ich stellen wollte schon etwas angehakt. Also: Eine Demo ist für die Vorbereitung nötig...was muss man sonst noch vorbereiten, bevor man zu dir ins Studio geht?

    Mick:
    Was ganz elementar wichtig ist, ist dass die Leute ihr Zeug spielen können. Weil, es ist grundsätzlich so, dass ich bei der Aufnahme nach Zeit berechne. D.h. es hat der Künstler selbst in der Hand, wie lange das dauert. Ich mache da keine Pauschalangebote mehr. Das hab’ ich früher gemacht, aber die Leute sind dann selber nicht mit sich zufrieden, wenn sie es nicht spielen können. Dann versuchen sie es immer und immer wieder und dein Stundensatz sinkt und sinkt und irgendwann rechnet sich das nicht mehr und beide Parteien werden nicht glücklich dabei.

    Also das Wichtigste ist, dass die Leute sich so vorbereiten, dass sie ihr Zeug auch perfekt spielen können. Sicherlich kann man einiges nacheditieren, aber das kostet Zeit und Geld und ist nicht der beste Weg. Es gibt Musiker die spielen ihr Zeug beim ersten oder zweiten Take richtig ein und das klingt dann einfach fett. Es ist das Beste und es macht Spaß und man muss sich nicht darauf konzentrieren alles zu reparieren am Schluss.

    Also: Bands, lernt euer Zeug und kommt mit frischen Saiten, frischen Fellen, frischer Energie ins Studio.

    Kevin:
    Was ich mich frage: Ist das nicht für manche Künstler abschreckend, wenn die Künstler keinen Pauschalpreis haben und am Ende evtl. nicht wissen, was der Spaß dann kosten wird? Hast du dadurch schon Kunden verloren, weil die gesagt haben “Ich weiß ja gar nicht, was das am Ende kostet?”?

    Mick:
    Also: Ich kommuniziere das jetzt nicht so, dass das teuer wird durch den Tagessatz oder so...ich sag schon, dass das davon abhängt wie lange die Leute brauchen. Ich sag “das kostet so und so viel Geld am Tag” und wenn wir sagen, wir buchen so und so viele Tage oder Wochen am Stück, dann können wir da einen Pauschalpreis machen, aber wenn ihr dann nicht fertig werden, dann muss man halt noch Tage dazu buchen.

    Das sehen die Leute eigentlich auch ein, wenn man das gut verargumentieren kann. Ich nehme auch nicht alles selber auch. Ich habe Techniker im Studio, die das machen und ich muss die bezahlen. Ich kann kein Pauschalangebot für meine Techniker machen. Wenn der am Tag 12h da sitzt anstatt 8h, dann muss das jemand bezahlen. Und wie gesagt: Ich schätze das dann auch realistisch ein.

    Wenn mir jemand sagt, dass er zehn Songs an zwei Tagen aufnehmen will, dann sag’ ich erstmal “Leute, schickt mir euer Demo”. Dann höre ich mir das an und höre eigentlich auch schon, wie fit die Leute sind und kann ungefähr einschätzen, wie lange sie wirklich brauchen.

    Dann sage ich den Leuten: “Bucht erstmal 2, 3 Tage und guckt wie weit ihr kommt” und wenn das dann länger dauert, dann kostet das halt so und so viel. Das schätze ich schon meist realistisch ein und dann sind beide happy am Schluss.

    Kevin:
    Ja, das ist ja auch für dich viel besser, da du sonst am Ende soviel Arbeit hast, die nicht bezahlt wird. Das ist klar.

    Mick:
    Genau und das geht nicht, wenn man das professionell betreibt. Man hat Mietkosten, man hat die Techniker, die man bezahlen muss. Dann muss man natürlich wirtschaftlich denken.

    Pauschal mach’ ich beim Mixing. Sobald die Künstler keinen Einfluss mehr drauf haben, wie lang es dauert. Aber so lange der Künstler es in der Hand hat, wie lange es dauert, weil er sich evtl. nicht richtig vorbereitet hat, kann ich da keine Pauschalpreise machen.

    Kevin:
    Dann habe ich eine Frage vom Bonusmann:
    Der hat sich gefragt: Bekommen die Künstler am Ende von dir mehrere Versionen eines Mixes zugeschickt, aus denen sie wählen können oder gibst du einen Mix vor?

    Mick:
    Ja, da kann ich eigentlich etwas von eben aufgreifen. Ich hab’ in der Regel schon bei der Aufnahme eine Vision von dem Mix und weiß wo es hingeht. D.h. wenn ich jetzt sagen würde, ich mache 3 Versionen...dann weiß ich entweder gar nicht, was ich tu oder ich hab 3 Visionen und setze ich die alle um, was natürlich mindestens doppelt so lange braucht.

    Also ich mische in die Richtung, von der ich denke, wo es hingehen soll und biete dann natürlich Mitspracherecht an. Also ich schicke dann den Mix raus und zwar grundsätzlich dann, wenn ich meine er ist fertig. Keine Vorabversionen...viele wünschen sich das immer und sagen “Schick doch mal einen aktuellen Stand”. Du weißt nie, was mit den Mixes passiert. Nachher landen die irgendwie auf SoundCloud oder sonst was und du lieferst irgendwie nen Roughmix ab und letztendlich denken alle “der kann nicht mischen”, dabei war das überhaupt nicht das, was ich am Ende abliefern will.

    Aber am Schluss bekommen die Leute dann ihren Mix und können sagen “Hey, die Vocals sind mir zu laut oder zu leise oder ich hab ne andere Vorstellung von dem Sound” und dann biete ich denen auf jeden Fall eine Revision kostenlos an.

    Es passiert hin und wieder, dass sie sagen “Ich bin nicht zufrieden mit meinem Gitarrenspiel...kann ich das nochmal einspielen?”. Das geht dann natürlich nicht kostenlos. Sobald man wieder in die Aufnahme geht, muss man natürlich wieder einen neuen Termin ausmachen.

    Aber wie gesagt: Eine Revision oder auch mal zwei, wenn es wirklich Kleinigkeiten sind, sind kein Problem. Aber wenn es am Ende in viel Arbeit ausartet, dann kostet das halt ein bisschen mehr am Schluss, aber mehrere Versionen biete ich erstmal von Haus aus nicht an. Es macht für mich keinen Sinn...ich weiß nicht, ob es Studios gibt, die das machen.

    Kevin:
    Ja ok, find’ ich eigentlich auch gut und richtig so.

    Kommen wir zur nächsten Frage:
    Wie sieht das bei dir im Studio aus...benutzt du viel Hardware oder Software oder beides? Es gibt ja zur Zeit viele bekannte Mixer, die mittlerweile komplett aus Software umsteigen. Zumindest liest man davon. Da gibt’s ja auch gute Gründe für. Wie ist das bei dir im Studio?

    Mick:
    Also ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass man in the box so gut wie alles hinkriegt. Es ist tatsächlich so, dass wenn man ein richtig teures Pult hat...ein richtig großes Neve oder SSL, mit welchem man dann mischt...dann klingt es schon nochmal ein bisschen anders. Vorausgesetzt man kann überhaupt mischen.

    Ich glaub’ einfach, dass diese Philosophie über Software oder über Hardware zu mischen...das trifft oft gar nicht zu, weil diese Diskussion lohnt sich eigentlich gar nicht, weil man muss erstmal so gut mischen können, dass das n Unterschied macht.

    Ich arbeite bei der Aufnahme natürlich mit viel Outboard-Equipment und setze da auch auf Röhren-Equipment. Ich hab’ ein Röhrenmischpult dafür...einfach ein ganz kleines, ein acht Kanal Mischpult, mit dem ich Schlagzeug aufnehme, was wirklich gut klingt dann auch. Auch die ganzen Mikrofon-PreAmps sind alle fast ausnahmslos Röhre.

    Wobei man da auch schauen muss, weil Röhre heißt jetzt nicht automatisch “Es klingt jetzt besser”. Es gibt wirklich viele billige Röhrengeräte, die klingen so schlecht. Letztens habe ich einen Röhrenkompressor ausprobiert und dachte “Der kommt mir hier nicht ins Haus”. Ich dachte erst der wäre kaputt. Der war aber vollkommen i.O. Der klang einfach nur schlecht.

    Ich denk einfach, dass die Vorteile in the box dann zu mischen einfach überwiegen. Wobei ich schon bei luftigeren Produktionen, bei denen weniger Instrument dabei sind nochmal summiere über das TLA-Pult. Das ist ein Röhrenpult und das macht den Klang echt noch mal räumlicher. Da passiert wirklich was und das kriegen wirklich nur wenige oder gar keine Plugins so hin.

    Allerdings, wenn das Arrangement schon wirklich so voll ist, dass da gar kein Platz mehr ist. Dann lass’ ichs komplett in the box. Dann hat man auch den Vorteil des total recalls und man kann einfach schneller arbeiten. Dann ist man auch nicht auf externe Hardware angewiesen, die auch defekt sein kann. Ich hatte mal eine Band, bei der sich der Mix deutlich verzögert hat, weil das Pult einfach defekt war. Ich hatte damit aber schon angefangen und ich wollte den neuen Mix jetzt nicht ohne das Pult machen.

    Also ich bin schon inzwischen Fan von in the box, aber auf dem Hinweg muss das Signal passen.

    Kevin:
    Was ist denn das Lustigste oder Komischste, was bisher in deinem Studio passiert ist? Du hattest ja vorhin schonmal die Geschichte mit dem Jürgen Klinsmann - Interview angeschnitten.

    Mick:
    Ja, das mit Jürgen Klinsmann war natürlich echt witzig. Der hat mir das natürlich nicht gesagt. Der hat mir einfach so ein Snippet geschickt, wo ich dann einfach mal reinhören sollte bzw. mich dran probieren sollte. Das war dann das Interview, was auf Sky Sport lief mit dem Jürgen Klinsmann und der Monika Lierhaus. Das war sehr witzig. Wie gesagt, da war die Aufnahme dann völlig im Eimer. Und auch die Backup-Recordings haben nicht funktioniert...die klangen halt wie aus der Toilette. Die haben da wohl irgendwo noch so einen Fieldrecorder aufgestellt, der aber viel zu weit weg stand und halt auch nicht brauchbar war. Also es war halt völlig übersteuert. Das ließ sich aber retten. Das war ganz witzig, als ich dann merkte “die Stimme kennste doch”.

    Das Andere was ich dazu noch sagen kann, was wirklich sehr abgefahren war, war … was auch immer mal wieder vorkommt ist, das so genannte Americal Idle - Syndrom. Es kommen halt Leute ins Studio, die nie hier hingekommen wären, wenn sie nicht von ihren Eltern oder Freunden dazu animiert worden wären, die alle sagten “Du kannst das. Du singst ganz toll!”.

    Dann kam halt so ein Pärchen und da hat halt wirklich nur die Frau die ganze Zeit gesprochen. Die hat dann halt gesagt “Mein Mann soll singen” und der hat sich dann dahingestellt und dann war es halt wirklich schwer sich das Lachen zu verkneifen. Ich weiß nicht...ich glaube der hatte auch seine eigene Tonleiter im Gepäck hatte ich so den Eindruck. Also der hat nicht einen einzigen Ton getroffen und es war wirklich grauenhaft. Da hilft dann auch das Tuning nicht mehr, also man kann ja mit Melodyne so einiges machen...aber nicht alles. Also es bringt nichts...er hatte auch einfach nichts in der Stimme drin. Das war einfach zum Scheitern verurteilt.

    Die Frau hat dann gesagt “Ja, super! Wir müssen dann beim nächsten mal nur einen längeren Termin ausmachen.”. Sie hatte wohl viel vor mit ihrem Mann. Und dann hab ich denen den Mix geschickt...dann kam erstmal eine Woche nichts und dann kam ne Email...wieder von der Frau...dass sie halt nicht wirklich zufrieden sind. Also im Studio fanden sie das noch alles ganz toll, aber im Mix haben sie dann wohl doch germerkt, dass das irgendwie nichts war. Sie wären nicht so happy mit dem Resultat und sie hätten sich gewünscht, dass ich im Studio ein bisschen mehr Unterstützung gegeben hätte, so dass es besser wird.

    Kevin:
    Ok...Gesangsunterricht oder wie?

    Mick:
    Ja, da muss man dann halt einfach drüberstehen und freundlich bleiben. Ich bin auch nicht wirklich darauf eingegangen, dass der Fehler jetzt vor dem Mikrofon stand. Ich hab’ dann nur gesagt “Schade, dass Sie nicht zufrieden sind” und die haben dann auch nichts weiter gebucht.

    Was soll man dazu sagen? Die Leute denken halt, dass im Studio immer alles gut wird. Je besser das Equipment wird, desto besser wird die Aufnahme. Ich erklär das dann immer gerne mal so: Je besser das Equipment ist, desto besser hört man dann auch, wie schlecht das ist. Das sehen die Leute dann auch oft ein.

    Wie gesagt: Man hat immer wieder mit verschiedenen Charakteren zu tun. Man muss sich halt immer wieder auf komplett neue Leute einstellen...und ja, das ist immer spaßig. Man muss mit Menschen können. Man muss sehr diplomatisch sein und vor allem muss man sich auch manchmal das Lachen verkneifen, wenn man so ne Aufnahme macht. Das ist manchmal hart. *lacht*

    Kevin:
    Ja, das kann ich mir vorstellen. Wie gehst du denn jetzt mit solchen Leuten um? Sagst du denen direkt, dass das keinen Sinn hat oder wie machst du das dann?

    Mick:
    Also es ist in der Tat so...es gibt manche Künstler mit denen ich zusammenarbeite. Die haben gute Tage, die haben schlechte Tage. Oder sie brauchen sehr lange, bis sie sich mal warmgesungen haben oder warmgespielt haben und dann läuft das ganze auch.

    Kevin:
    Kenn’ ich...ist bei mir auch so. *lacht*

    Mick:
    In solchen Fällen sag’ ich dann auch: “Lass’ uns für heute schlussmachen...das macht keinen Sinn.”. Es ist durchaus schon vorgekommen, dass obwohl ich gesagt habe, dass es keinen Sinn macht. “Ne, wir machen jetzt weiter. Das klingt doch gut”. Und dann haben sie sich ihre Aufnahme später nochmal angehört und gesagt “Oh mein Gott”. Inzwischen läuft das dann so, dass die Leute einem dann auch vertrauen. Ich kann auch gut beurteilen, was ich mit Melodyne retten kann und was ich im Mix retten kann, ohne dass ich mich dann totarbeiten muss oder wo ich dann weiß, das musst du eh wegschmeißen und nochmal machen. Also die Leute vertrauen mir da in den meisten Fällen und dann brechen wir solche Sessions ab. Dann sagen wir halt, dass wir ein anderes mal weitermachen, denn das hat so keinen Sinn.

    Kevin:
    Also vielleicht noch kurz für die Zuhörer, die nicht wissen was Melodyne ist. Kannst du kurz sagen, was das ist?

    Mick:
    Ja, Melodyne ist eigentlich das Programm für Pitch- und Time-Correction. Insbesondere wenn man Vocals aufnimmt, dann kennt man das ja dass die Töne nicht richtig getroffen werden. Viele Leute kennen nur das Autotune von Antares oder so...find’ ich nicht so dolle.

    Kevin:
    Ne, ich auch nicht.

    Mick:
    Ich arbeite nur mit Melodyne. Ich finde, für mich hat das den natürlichsten Klang. Ich hab’ sehr oft auch Spuren bekommen, die in Cubase gepitched sind, wo ich erstmal davon überzeugt war: Der Algorithmus muss wirklich furchtbar sein. Es klingt meistens einfach schrecklich...oder es liegt oft auch daran, dass die Leute es einfach nicht richtig bedienen können, es vielleicht auch nicht hören, wann etwas natürlich oder unnatürlich klingt. Man braucht da auch viel Erfahrung für und wie gesagt: Man muss das schon bei der Aufnahme hören, ob man das fixen kann oder nicht.

    In den meisten Fällen entscheide ich mich lieber für den Take mit der größten Emotion und meinetwegen ein bisschen daneben liegt. Das kann ich dann pitchen. Aber wenn der Ton gut getroffen ist, aber überhaupt keine Power hat und überhaupt kein Gefühl und einfach nicht an die Stelle passt, dann mach’ ich die Aufnahme lieber nochmal.

    Kevin:
    Ok, das wollt’ ich nur mal klären, falls das jemand nicht kennt.

    Dann würde mich deine Top 3 Hardware oder Software, die du regelmäßig benutzt interessieren. Hast du eine Top 3?

    Mick:
    Ja, ich hab’ glaube ich sogar mehr. Also es ist wikrlich so, dass ich ein riesen Sammelsurium an Plugins habe...von denen ich jetzt sogar ca. drei Viertel deinstalliert habe.

    Kevin:
    Kenn ich…

    Mick:
    Insbesondere als ich jetzt ein Update gemacht habe von meinem alten Pro Tools System auf ein HDX-System. Da gab es halt viele Plugins nicht mehr...zumindest nicht mehr für die DSP-Plattform, von denen ich mich dann halt verabschiedet habe.

    Als Hardware, welche bei mir zu 99% eigentlich immer verwendet wird, ist der Universal Audio 6176...der PreAmp. Ein ganz ganz feines Ding. Den nutze ich wirklich nur dann nicht, wenn jemand mit einer ganz lauten Stimme kommt, weil der Sättigt halt so krass. Der geht sofort in die Zerre, wenn man den zu heiß anfährt und dann nehme ich natürlich nen anderen PreAmp. Ansonsten ist das aber einfach das zentrale Gerät zusammen mit nem TLM 103. Ein Mikrofon von Neumann.

    Und als Plugins sind eigentlich meine absoluten GoTos der FabFilter Pro Q2.

    Kevin:
    Den benutze ich auch sehr gern!

    Mick:
    Dann das SSL-Bundle von Waves. Also ich geh normalerweise erst in den FabFilter Pro Q2, um zu filtern und danach in das SSL-Bundle von Waves und mach’ damit dann den Mix eigentlich.

    Kevin:
    Gut, dann kommen wir zur nächsten Frage:
    Was ist deiner Meinung nach der häufigste Fehler, wenn Leute Zuhause ihre eigene Musik aufnehmen?

    Mick:
    Da fällt mir auf Anhieb ein, dass sie überhaupt Mischen Zuhause. Also manche haben Talent, manche können es wirklich, aber manche haben gar kein Talent. Ja, ich kenne Musiker, die machen seit 30 Jahren Musik und recorden und mischen immer noch Zuhause oder im Proberaum, obwohl sie es besser wissen müssten.

    Ein ganz grober Fehler ist Drums und Vocals selber aufzunehmen. Insbesondere Drums, weil es waren schon Bands bei mir im Studio, die haben sehr viel Geld für Mikrofone ausgegeben und ihre Drums im Proberaum aufgenommen. Ich habs ja vorhin schon gesagt: Besseres Equipment macht nicht einen besseren Sound. Man hört einfach besser, dass es schlecht klingt. Gerade bei Drumrecording muss man sehr viel Erfahrung haben. Man muss einen sehr guten Raum haben und man muss sehr viel Erfahrung haben bei der Mikrofonaufstellung. Und wenn du dann die Drums selber aufnimmst, weil du denkst, du sparst Geld...dann leidet die Produktion wahnsinnig darunter.

    Es ist einfach essentiell, genau wie die Vocals. Es gibt zwar mittlerweile diese ganzen Micscreens die verkauft werden, um die gröbsten Probleme zu beseitigen oder es zumindest akzeptabel zu machen, aber es geht nichts darüber diese Aufnahmen wirklich in einem Raum zu machen, der gut klingt. Und dabei auch noch einen Coach zu haben...in diesem Fall jetzt mich oder ein Techniker, der sich mit Vocal-Aufnahmen auskennt und auf solche Sachen wie Ausdruck und sowas einfach achtet. Was die Leute einfach selber nicht hören. Da kriegt man einfach viel mehr raus.

    Um nochmal auf das Mixing zu kommen: Auch wenn man schon etwas Erfahrung hat und ganz gut Mischen kann, es war für mich einfach ein absoluter Gamechanger, als ich in mein Studio umgezogen bin und dort dann einfach mal meine Boxen getestet habe. Das war ein Unterschied wie Tag und Nacht. Also aus meinem Homestudio in ein richtiges Recording-Studio zu gehen...ich hab’ plötzlich Sachen gehört, die habe ich nie gehört. Nichtmal über Kopfhörer! Es war einfach so: Der Raum war ausgewogen und man konnte mal richtig aufdrehen. Man hat einfach eine viel viel bessere Akustik und man kann viel besser Mischen.

    Als ich noch Zuhause gemischt habe, habe ich es immer im Auto gegengehört. Man sagt ja immer, wenn es im Auto gut klingt, klingt es überall gut. Was ich für ein Gerücht halte. Man hört einfach vieles nicht. Man müsste wenn dann in 30 verschiedene Autos gehen und wenns in allen gut klingt, dann kann man das vielleicht behaupten. Aber es war oft so, dass ich dann im Auto die Probleme gehört habe, weil dort eben die Umgebung besonders problematisch ist und schlechte Mixe einfach noch schlechter klingen. Dann habe ich immer nachkorrigiert Zuhause. Und nach 2, 3 Produktionen im Studio, musste ich das nicht mehr machen. Das hat einfach so gepasst, weil du einfach alles gehört hast. Also so gut wie alles.

    Ich denke jeder Raum hat seine Probleme, mit denen man umgehen kann, aber in so einem Homestudio Zuhause in einem kleinen Zimmer oder im Schlafzimmer oder im Keller...da gibt es halt so so viele Probleme, dass sich das alles aufsummiert und man das nicht wirklich in Griff kriegt. Bei mir war das zumindest so, dass das wirklich ein himmelweiter Unterschied war.

    Also da auch nochmal: Lasst es mischen oder geht halt irgendwo ins Studio, wo ihr es selber mischen könnt, wo ihr euch reinhören konnt. Es wird garantiert besser werden.

    Ein weiterer Fehler ist auch noch, dass Musiker glauben, dass im Mastering viel gerettet wird.

    Kevin:
    Ja….

    Mick:
    Ich weiß nicht woher das kommt, aber viele denken, das ist so die absolute Zauberphase...also am Schluss nochmal beim Mastern wird alles korrigiert. Das geht einfach nicht! Der Mix muss passen. Die Aufnahme muss passen. Die Perfomance muss passen. Dann brauchst du im Mastering auch nicht mehr viel zu machen. Da gilt auch immer wieder diese Devise: Ich möchte nicht reparieren müssen. Wenn ich ein gutes Produkt machen möchte, dann muss einfach von Anfang an alles gut gemacht werden. Dann kann ich mich darauf konzentrieren wirklich alles aus dem Sound rauszuholen und muss nicht eingreifen, um irgendwas zu retten.

    Da bin ich neugierig...vielleicht kannst du mir sagen woher das kommt, dass die Leute denken, dass Mastering das Wichtigste wäre?

    Kevin:
    Ja, das würde ich auch gerne wissen. Die Leute denken man retten da, aber eigentlich verfeinert man ja nur und macht die Mixe fertig für iTunes und Co, aber das verstehen die Leute nicht. Hab’ ich auch das Gefühl. Kann ich dir nicht sagen, woher das kommt.

    Mick:
    Ja, genau. Also Leute, wenn ihr das jetzt hört: Macht nen guten Mix oder lasst nen guten Mix machen. Der Übergang von Mixing zum Mastering ist eigentlich genau so wie vom Recording zum Mixing. Also wenn die Basis nicht stimmt, dann kann es nichts werden.

    Kevin:
    Ja, ich sag’ immer: Man sollte so mischen, wie man es am Ende hören will. Also es sollte einfach so gut gemischt sein, dass beim Mastering nicht mehr verbessert werden muss.

    Mick:
    Genau, dann kann man da wirklich nochmal das ganze….also ich hab da mal zwei schöne Vergleiche gelesen: Einerseits wie ein schönes Bild. Wo man einfach ein schönes Bild hat und dann in Photoshop noch ein bisschen nachbearbeitet, aber das eigentliche Bild verändert man ja nicht. Also du machst die Belichtung und alles. Das muss alles stimmen bei der Aufnahme und dann kannst du auch ein wirklich cooles Endresultat rausholen.

    Und beim Mastern, der Vergleich mit einem Bild, was du einrahmst, damit es zur Geltung kommt. Also du hast einen super Mix und überlegst dann, wo häng’ ich den Mix jetzt auf bzw. das Bild und denkst “Hey, es könnte noch ein bisschen mehr strahlen” und dann rahmst du es ein und hängst es an die richtige Position im Zimmer. Den Vergleich fand’ ich eigentlich ganz nett.

    Kevin:
    Ja, den find’ ich auch gut!

    Mick:
    Wo wir gerade beim Mastering sind: Viele denken dann auch “Ja, dann können wir das ganze ja zum Stem-Mastering geben. Sprich, man liefert letztendlich wieder Einzelspuren ab, die vorgemischt sind. Meinetwegen Drums, Bass, Gitarren, Vocals und lässt das so mastern. Das ist sicherlich noch die bessere Alternative, wenn man es schon nicht so richtig gemischt gekriegt hat. Dann kann man das sicher so noch am Besten retten irgendwie am Schluss, aber das kostet dann auch wieder mehr Geld und außerdem ist das wieder ne Form von Mixing, was ich eigentlich beim Mastering nicht haben möchte.

    Also ich gebe beim Mixing, wenn ich es zum Mastern gebe auch keine Stems ab, weil der Mix, der gefällt mir so und so soll das dann auch gemastert werden. Wenn ich dann die Einzelspuren wieder abgebe, dann greift jemand anders wieder in meinen Mix ein. Deswegen bin ich kein Fan von Stem-Mastering.

    Vielleicht noch was zum Recording, fällt mir gerade ein: Viele nehmen ja selber auf und schicken die Spuren dann zum Mischen extern weiter in ein Studio. Da ist der größte Fehler, dass die Leute wirklich schon viel Vorarbeit leisten. Sie filtern, sie komprimieren, sie machen Effekte drauf...alles sowas gehört in die Vorproduktion. Da können se soviel Hall oder Delay drauf machen wie se wollen. Da können sie mir genau zeigen, wohin es gehen soll, wie sie sich das vorstellen, welche Effekte sie gerne haben wollen, aber um Himmels Willen, wenn ich nicht wirklich top mit nem Kompressor umgehen kann oder mit nem Equalizer, dann lasst es bitte weg.

    Weil dann geht es wieder los...man fängt an zu retten. Also ich hab’ Aufnahmen gekriegt, wo bei Gesangsaufnahmen bei 300Hz ein Lowcut gesetzt wurde, wo dann überhaupt kein Druck mehr da ist und du siehst dann wirklich: Da ist nichts! Das ist komplett weggefiltert. Mitten rausgezogen ohne Ende, weil Zuhause hört sich fast alles nicht optimal an. Man zieht, zieht, zieht alle Frequenzen raus. Da lässt sich dann auch nicht mehr viel rausholen. Da bin ich wirklich immer froh, wenn die Leute die spuren unbearbeitet lassen..auch wenn sie nicht gut sind. Auch wenn die Aufnahmen nicht wirklich top geworden sind, lasst sie so wie sie sind, weil jemand mit Erfahrung kann das noch eher retten, als jemand, der es schon nicht richtig aufgenommen gekriegt hat.

    Auch durch Autotune sind die Sachen schon gegangen, wo ich mir denke: Bitte nicht! Es wird einfach nicht drauf geachtet, wo das hingehen soll. Also das löst man einfach anders. Einfach aufpassen da.

    Kevin:
    Wie ist das mit der Benamung der Spuren. Hast du da Wünsche, wie du die kriegen willst?

    Mick:
    Oh ja...der Klassiker ist, die Leute machen entweder gar keine Benamung. D.h. ich krieg Audio 1 bis Audio 50 oder sowas. Dann muss ich durchgehen und alles erstmal selber benennen. Das ist gar nicht das Schlimmste.

    Wenn es schon benannt wird, dann bin ich immer sehr dankbar, wenn nicht am Anfang der Songtitel steht. Also oft steht da: “Band XY - Song XY - Kick”. Das ist erstmal gut gedacht, aber wenn man das dann importiert, steht überall nur noch der Songname. D.h. ich muss erstmal überall reingehen und den weglöschen. Zumindest ist das in Pro Tools so, dass die Spuren nicht so intelligent angezeigt werden, so dass ich überall eigentlich das Gleiche sehe. Deswegen benennt sie einfach nur “Kick”, “Snare-Top”, “Snare-Bottom” usw. Da komme ich dann viel besser mit zurecht. Legt das dann einfach in den Ordner mit dem Songnamen und schreibt das Tempo bitte dazu. Das ist nämlich auch immer Mehraufwand das Tempo rauszufinden.

    Was auch immer wieder passiert ist, dass Mono-Spuren als Stereo-Spuren geschickt werden. Das ist natürlich erstmal nicht so schlimm. Das kann man alles konvertieren in Mono-Spuren. Schwieriger wird es, wenn das Panning dann schon drinnen ist und man immer schauen muss, auf welcher Seite ist es jetzt lauter, auf welcher leiser. Dafür gibt es jetzt schon Software, mit der man das ganz schnell machen kann, aber in der Regel, wenn möglich, schickt dann auch Mono-Spuren davon.

    Kevin:
    Ok, jetzt hast du uns ja doch viel mehr als nur einen Fehler aufgezeigt. Sehr schön!

    Mick:
    Ja, es gibt so viele Fehler...vieles läuft auch gut, so ist es ja nicht! Aber man kanns immer verbessern.

    Kevin:
    Ok, jetzt hast du schon so viel erzählt. Ich habe hier noch als letzten Punkt, ob du noch einen nützlichen Tipp für die Zuhörer hast...aber du hast schon so viel erzählt. Hast du noch einen?

    Mick:
    Ja, das kommt drauf an, woran das jetzt adressiert wird: Eher an die Musiker oder an die Studio-Betreiber?

    Kevin:
    An die Musiker.

    Mick:
    Konzentriert euch auf die Musik und nicht auf die Aufnahme! Vorproduktion...immer gut. Macht das Zuhause, das macht Spaß. Man kann immer am Song arbeiten ohne Ende, aber geht zum Aufnehmen dann doch lieber ins Studio.

    Und als zweiten Punkt: Schreibt eure Songs so, dass ihr sie auch spielen könnt! Ich hab schon sehr oft erlebt, dass die Leute über ihren Verhältnissen spielen und versuchen hier noch ein super-mega-Fill einzubauen beim Schlagzeug oder n Solo zu spielen, von dem der Gitarrist vielleicht denkt “Hey, das ist so fett das Solo”, aber es ist nicht fett. Es kann einfach nicht mit ner gescheiten Produktion mithalten. Spielt ein Solo, wenn ihr das Solo spielen könnt oder vereinfacht euch das so, dass ihr es gut spielen könnt.

    Spielt lieber immer etwas unter euren Verhältnissen, dafür aber richtig geil, anstatt immer noch irgendwas on top zu setzen. Das gilt auch für Sänger. Wenns nicht klingt, klingts nicht. Da tut sich keiner n Gefallen mit. Also das wird man immer hören, dass das nicht so gewollt ist.

    Und als letzten Tipp: Wenn ihr selber Aufnehmen könnt, dann macht das ruhig, aber geht dazu auch ins Studio. Also mietet euch ein und sagt “Hey, ich bin fit in Pro Tools”. Ihr spart unheimlich viel Geld dabei, aber habt dann zumindest nen vernünftigen Raum, vernünftiges Equipment, ihr habt einen klimatisierten Raum. Es macht einfach viel mehr Spaß. Man kann einfach viel besser arbeiten. Dann kommt auch Stimmung auf und das Ergebnis wird deutlich besser werden.

    Denn so ne Produktion ist für die Ewigkeit und wenn man an der falschen Stelle spart, dann wird man nie glücklich werden.

    Kevin:
    Ja, ich denke auch: Raum ist das größte Problem, was die Leute Zuhause haben. Vor allem - wie du schon sagtest - bei Drums und Vocals...wenn der Raum nicht stimmt, dann wird die Aufnahme schlecht.

    Mick:
    Also ich sag den Leuten: Macht eure Gitarren- und Bass-Aufnahmen selber, macht eure Keyboard-Arrangement selber. Das ist alles völlig legitim. Bei Gitarren ist es essentiell heutzutage: Nehmt die DI-Spur mit auf. Also ich hab Bands gehabt, die haben gesagt: “Die Gitarren sollen genau so klingen, deshalb kriegst du keine DI von mir”. Dann hörst du total den Raum. Das ist dann im Keller aufgenommen oder im Proberaum. Es ist so - wie beim Schlagzeug auch - Recording von Gitarren-Amps ist ne hohe Disziplin. Man muss da sehr genau hinhören, vor allem wenn man mit echten Amps arbeitet. Es kommt auf den Raum, es kommt auf die Mikrofonierung an. Schon Millimeter können den Sound so dermaßen ändern. Ich hab’ schon Gitarrenspuren bekommen, wo ich die Leute dann erneut eingeladen habe, damit die das nochmal neu einspielen. Das bringt sonst nichts. Hätte ich die DI-Spur mitgekriegt, dann geht das per Re-Amping in nen gescheiten Amp rein und man kann deutlich mehr rausholen. Wobei das Ergebnis meist ein besseres ist, wenn man es direkt per Amp einspielt, weil das noch mal ein anderes Spielgefühl gibt, als wenn man mit nem Plugin spielt oder sowas. Es macht einfach was aus, wenn man einen echten Röhrenamp auf der anderen Seite der Scheibe hat und dann damit Gitarre spielt.

    Kevin:
    Ja, vor allem, wie du schon sagtest: Du hast gesagt 150€ am Tag?

    Mick:
    Ja, genau.

    Kevin:
    Das ist ja bezahlbar, vor allem wenn man ne 5-köpfige Band hat oder so...jeder ein paar Euro.

    Mick:
    Einfach mal 2, 3 Wochenende hintereinander buchen und dann kann man auch nochmal über den Preis reden. Und das ist einfach ne super-günstige Alternative. Also wer hier aus dem Raum München kommt. Ihr könnt mich gerne kontaktieren. Ihr bekommt auch Tipps von mir.

    Kevin:
    Sag’ uns doch mal, wo die Leute dich im Internet finden können.

    Mick:
    Also mein Spitzname ist ja Mick und das Studio heißt micks-mix.com. Da könnt ihr mich direkt über das Formular kontaktieren oder anrufen. Meine Nummer ist auch da drauf oder ihr schreibt mir ne Email an info@micks-mix.com und dann können wir gerne darüber reden.

    Kevin:
    Ok, dann habe ich alle meine Fragen abgehakt und danke dir für deine Zeit! Ich denke, da war sehr viel Interessantes dabei und ich glaube die Zuhörer können die Überlänge dieses Podcasts verschmerzen. Ist ja auch eine spezielle Folge heute.

    Mick:
    Ja, ich finde es einfach wichtig, dass man hier mal die Möglichkeit hat, den Leuten zu erzählen, worauf es wirklich ankommt.

    Kevin:
    Ja, ich denke die Zuhörer konnten hier einiges mitnehmen. Ich danke dir nochmal für deine Zeit und wünsche dir noch einen schönen Tag, Bis bald!

    Mick:
    Bis bald!
     
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