Klavier selbst stimmen Pianoscope

Super, danke für die Ausführungen! Das klingt logisch.

Die drei großen Terzen in der Temperaturoktave, die man zur Kontrolle nimmt (a-cis, cis-f, f-a) schweben 8,7 und 11 und 13,8 mal.
Das schreibe ich mir sofort auf. 😀 (y)

Nicht der dritte, sondern der fünfte Teilton des unteren Tons entspricht dem 4. Teilton des oberen Tons bei einer großen Terz. Ansonsten richtig.

Oops, falsch herum beschrieben. Richtig rum heißt es:
D.h. der 4. Oberton des unteren Tons darf nicht genauso klingen wie der 3. Oberton des oberen Tons.
Ich habe es oben korrigiert.

Ansonsten kenne den Sprachgebrauch so:

1. Teilton = Grundton
2. Teilton = 1. Oberton
3. Teilton = 2. Oberton
4. Teilton = 3. Oberton
5. Teilton = 4. Oberton

etc.

Noch eine Frage:
Denn die ganzen Profi Stimm Apps liefern auch heute schon exzellente Ergebnisse.
Ist pianosope so eine Profi App? Um die ging es ja im Ausgangspost.

Viele Grüße,
McCoy
 
Sie richtet sich zwar ausdrücklich an Amateure und soll das Stimmen einfach machen - aber das mit der Messung der Obertonstruktur macht diese App anscheinend - und misst dabei auch die jeweilige Lautstärke der Obertöne. Ob die Software daraus schon Konsequenzen zieht, wurde im Video nicht erklärt.

Ansonsten habe ich gelernt: Je länger die Mensur eines Klaviers, desto weniger stark muss die Spreizung sein. Ich hatte das bisher so verstanden, dass damit der Inharmonizität begegnet wird - aber wer weiß, ob das stimmt. Schwebungen gibt es ja sowohl wegen der gleichstufigen Stimmung als auch wegen der Inharmonizität durch die Dicke der Saiten. Als alter Klavierspieler habe ich jedenfalls ein ziemlich verdorbenes Gehör: Reine Harmonien sind für mich eine komplett "andere" Hörerfahrung.
 
Ansonsten habe ich gelernt: Je länger die Mensur eines Klaviers, desto weniger stark muss die Spreizung sein....
Fast richtig. Das trifft nur für den Bass zu.

Michael
Ideal wäre meiner Meinung nach eine App, die sich auf die besonders prominenten Teiltöne konzentriert. Also deren Lautstärke berücksichtigt. Dadurch würden die besonders hörbaren Schwebungen minimiert. Das macht so weit ich weiß noch keine App.
Gibt es: TuneLab
 
Aber was macht TuneLab mit der Lautstärke Information? Ich hatte das mal als Demo Version, fand das aber nicht so toll. Da muss man ja sich auch festlegen auf eine Stimmkurve und auch auf das Teiltonpärchen, was schwebungsfrei sein soll, oder? Also ob man ein 4:2 oder 8:4 Oktave haben möchte. Und das vorab, also ist die Lautstärke in der Folge dann ja gar nicht mehr relevant. So hab ich das zumindest in Erinnerung.

Ich meine was anderes als Idealvorstellung: eine App, die wie Verituner alle Teiltoninfos sammelt. Dann aber schaut, welche Teiltöne besonders hervorstechen. Und dann erst entscheidet. Also versucht, die wahrgenommenen Schwebungen zu minimieren, abhängig davon, wie "prominent" diese wo sind.

Es gibt ja auch noch Entropy Piano Tuner. Wie genau das funktioniert weiß ich auch nicht. Aber der sammelt auch alle Daten und will in Folge dann so stimmen, dass die Schwebungen minimiert werden. Und zwar unabhängig, wo die entstehen. Also ohne vorherige Focussierung auf ein Teiltonpärchen.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Ansonsten kenne den Sprachgebrauch so:

1. Teilton = Grundton
2. Teilton = 1. Oberton
3. Teilton = 2. Oberton
4. Teilton = 3. Oberton
5. Teilton = 4. Oberton
Genau so ist es.
Noch eine Frage:

Ist pianosope so eine Profi App? Um die ging es ja im Ausgangspost.
Ich kenne diese App nicht. Muss nichts heißen, aber ich glaube, im Profi Bereich (noch?) nicht weit verbreitet. Jedenfalls kenne ich keinen, der damit stimmt. Die meisten Kollegen nehmen TuneLab, Verituner, Reyburn Cyber Tuner oder Tunic only:pure. Und manche stimmen noch mit dem Kasten von TLA (z.B. CTS-5). Aber die Beschreibung von PianoScope liest sich ziemlich gut.

Ich hab auch mal die Stimmungen von TuneLab und Verituner verglichen. Bei manchen Klavieren waren da doch einige Abweichungen bereits in der Temperaturoktave. Aber beide Versionen hat mein Ohr als korrekt empfunden. Aber die Verituner Stimmungen gefallen mir besser. Vor allem das Handling ist super: kurz Beispiele messen (ich nehme alle A´s mit Ausnahme des tiefsten und des höchsten A) und loslegen. Simpel und übersichtlich.
 
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Aber was macht TuneLab mit der Lautstärke Information?
Daraus ermittelt es den lautesten Teilton, den es dann auch anzeigt und anmisst.

Automatische Teiltonmessung verwende ich ausschließlich in der untersten Oktave mit teilweise erschreckend guten Ergebnissen.

Die Teiltonverhältnisse bestimmen den Grad der Spreizung. Irgendwann habe ich durch Ausprobieren meine bevorzugten Spreizungen gefunden.

Den Grad der Spreizung beeinflussen zusätzlich ganz erheblich die Messungen der einzelnen Töne. Wenn die Spreizung aus dem Ruder läuft, kann man ja mal den Nachbarton des Messtones einmessen, was möglicherweise zu dem gewünschten Ergebnis führt.

Das Obenstehende ist schön und gut, nützt aber einem nichts, wenn man z.B. ein gutes altes Willis Klavier stimmen soll. Da ist, vor allem in der Mittellage und im Bass, alles anders.

Michael
 
Ein sehr spannendes Thema. Vielen Dank für euren Input - ich habe schon wieder ein paar neue Dinge gelernt :)

Ich erinnere mich gerade ganz lebhaft an ein Seminar, das ich im Rahmen meines MuWi-Studiums absolviert habe.

Thema war "Stimmungen verschiedener Instrumente" oder so ähnlich. An eine Sitzung kann ich mich noch sehr gut erinnern. Da hat der Dozent erklärt, dass nur Dummköpfe versuchen, ein Klavier so zu stimmen, dass einfach jeder Ton die perfekte und korrekte Tonhöhe hat.
Das war mir damals komplett neu.

Es ging dann im Weiteren um den sogenannten "Railsback-Stretch" oder die "Railsback-Curve". Ist das dasselbe, was ihr oben mit "Spreizung" beschreibt?

Ich habe dann später in dieser Zeit ein Kawai EP-608 oder -705 gekauft. Das war ein E-Piano mit Saiten im Hochformat. Schon damals eher ein Exot.
Leider bin ich nicht stutzig geworden, als ich feststellte, dass es zu dem Piano kostenlos ein Stimmgerät und ein Stimmhammer dazu gab.
Und leider habe ich beides dann auch bald gebraucht.

Das Stimmgerät war zwar ein teures Gerät - aber irgendwelche Einstellungen, wie den o. g. Railsback-Stretch gab es zu der Zeit natürlich nicht.
Ich habe dann ein oder zwei Mal versucht, mit Hilfe dieses Geräts selbst zu stimmen, bin aber hoffnunglos gescheitert. :bang:

Theorie - Technik und Praxis lagen damals viel zu weit auseinander. Ich nehme an, dass heutzutgage die beschriebene Stimm-App für 599 Euros so etwas wie diese Stretches oder Curves einstellbar beherrscht - oder?

Und - nicht, dass ich es vorhätte - könnte ein musikalisch und handwerklich durchschnittlich begabter Laie damit ein Klavier halbwegs OK stimmen? :unsure:
 
Halbwegs OK vielleicht schon. Mit „Charakter“ und längerfristig stimmstabil ist aber eine ganz andere Frage, das erfordert lange Übung und Erfahrung
 
Daraus ermittelt es den lautesten Teilton, den es dann auch anzeigt und anmisst.
Laut Bedienungsanleitung misst Tunelab zwar die Amplitude (und Offset) jedes Teiltons, aber nutzt die Amplituden Information nicht:

The amplitude column shows the relative
strengths of the specific partials. These amplitudes are not used by
TuneLab, but are presented for your interest.


Was mir als ideale App vorschwebt: sie misst auch die Lautstärke aller Teiltöne (machen eigentlich die meisten Apps). Und entscheidet dann anhand der Lautstärke, wie die Intervalle gestimmt werden. Bsp Oktave im Bass: Tunelab nimmt als Standard erst mal 8:4. Wenn aber jetzt zufällig sowohl der 8. Teilton der unteren Taste als auch der 4. Teilton der höheren Taste ausgesprochen leise sein sollten im Vergleich zu anderen Teiltönen, dann sollte meine Ideal-App das berücksichtigen. Und sich an den lauteren Teiltönen orientieren. Und dadurch die Hörbarkeit der Schwebungen minimieren. Die Schwebungen an sich kann man natürlich nicht minimieren. Wohl aber die Entscheidung, welche Schwebungen in dem Kontext wichtiger sind (weil lauter).

Aber das ist wirklich alles graue Theorie. Wohl die meisten Stimm Apps liefern mittlerweile hervorragende Ergebnisse. Meist unterscheiden sie sich in der Bedienbarkeit. Tunelab z.B. setzt einiges an theoretischem Wissen voraus, andere wiederum setzen auf ahnungslose Stimmer.
 
Wg. TuneLab und Teiltönen. Ich denke, Du möchtest, dass die App beim Einmessen der Stimmung den jeweils lautesten Teilton als Berechnungsgrundlage setzt. Das geht glaube ich nicht und ist möglicherweise auch nicht sinnvoll, weil extreme Sprünge in den Teiltönen für eine ungleichmäßige Stimmung sorgen.

Aber: auschließlich in der untersten Oktave lasse ich die App den Teilton bestimmen. Und da zeigt die App den lautesten Teilton an. Mit den Ohr kontrolliere ich das Ganze.

Michael
 
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Am wichtigsten ist bei einer Stimmung, dass alle 3 Saiten unisono klingen. Das nennt sich Chorreinheit (ein Chor/Choir sind alle Saiten einer Taste, also 3 oder im Bass 2 oder 1). Da wäre 1 Cent Abweichung definitiv zu viel. 1 Cent entspricht beim Stimmgabel A (440 Hz) ca. 0,25 Hz. Das würde dann deutlich schweben und das will man nicht. Bei den Intervallen hingegen ist eine Abweichung bis 1 Cent völlig ok. Ich habe Zweifel, dass man die Chorreinheit mit einer Oszillograph App hinbekommt. Und alle 3 Saiten einer Taste mit einer Stimm-App zu stimmen funktioniert ebenfalls nicht (wegen der Inharmonizität). Allerdings klappt das Stimmen der Chorreinheit in der obersten Oktave mittels App dennoch ganz gut. Das liegt daran, dass die App (und auch die Ohren eines guten Stimmers) sich nicht an dem Grundton orientiert, sondern an den höheren Teiltönen. Und da ist man ja schnell im Bereich von über 8 Khz, da fällt das dann nicht so auf.

Man stimmt von oben nach unten. Also erst über die Zieltonhöhe ziehen, dann herunter drehen und dabei gerne mal brutal hart anschlagen. Dadurch setzt sich die Saite. Ich mache das so, damit das Verstimmen durch Fortissimo Anschlag nicht dem Kunden passiert, sondern mir. So kann ich noch korrigieren. Ich merke bei jeder Stimmung, ob ich der letzte Stimmer war oder jemand anderes. Denn oft sind manche Tasten noch gut gestimmt nach einem Jahr, so dass ich eigentlich nicht an der Taste was ändern müsste. Allerdings haue ich ein zwei sehr harte Schläge auf die Taste. Und wenn die dann verstimmt ist, war das ein anderer Stimmer. Ich stimme eine Taste so lange, bis sie durch einen harten Anschlag nicht mehr verstimmt. Allerdings muss man auch sagen, dass es eigentlich keine "richtige" Art zu stimmen gibt. Jeder Stimmer eignet sich im Laufe der Jahre seinen Stil an. Wenn es hält, dann hat er ja alles richtig gemacht. Egal wie.

Übrigens sind Konzertstimmer in der Regel dazu verpflichtet, bis zur Pause da zu bleiben um gegebenenfalls in der Pause einige Tasten nachzustimmen. Einerseits weil im Konzert ja meist recht expressiv gehämmert wird. Andererseits, weil durch Scheinwerfer und Publikum die Wärme ihr übriges tut.

Dass ein Hobbystimmer einen Stimmstock ruiniert, kann eher nicht passieren. Höchstens, dass er einen Schraubenschlüsse nimmt und dadurch den Wirbel "verwürgt", so dass ein normaler Stimmhammer nicht mehr drauf passt. Schon öfter erlebt. Sollte er den Wirbel nur in sich gedreht haben, dann hält halt die Stimmung nicht so lange. Einen Schaden produziert er dadurch nicht. Es gibt übrigens (meist aus China) Klaviere, wo man das Gefühl hat, dass man den Wirbel eher nur in sich dreht (Torsion). Das liegt dann aber an der Legierung des Wirbels.

Wirbel tiefer schlagen ist nur eine lebensverlängernde Maßnahme. Hält meist nur ein paar Jahre. Ebenso wie ein dickerer Wirbel. Nach einigen Jahren geht das wieder los. Weiterer Nachteil: mit etwas Pech keilt man dadurch einen vorhandenen Riss noch weiter auf, so dass dann auch die Nachbar Wirbel betroffen sind. Man hat es dann also verschlimmert. Ich habe schon sehr aufwendige Generalüberholungen gesehen, wo leider kein neuer Stimmstock eingebaut wurde, sondern nur dickere Wirbel. Und nach 10 Jahren war alles für die Tonne.

Saiten können sich tatsächlich auch nach oben verstimmen im Laufe des Jahres. Meist passiert das im Übergang vom Bass zur Mittellage. Genauer gesagt da, wo die kupferumsponnenen Saiten aufhören und die Blanksaiten anfangen. Da wandern die durchaus gerne mal um sage und schreibe 20 Cent nach oben. Je nach Instrument und klimatischen Bedingungen. Dummerweise ist das genau dort, wo sich die linke Hand aufhält. Das fällt dann natürlich sofort auf.

Ich stimme in mehreren Musikschulen, meist in den Oster- und Herbstferien. Manchmal bin ich nach 30 Minuten pro Instrument fertig, wenn da nicht viel zu tun ist. Manchmal aber ist dann doch was hoch oder runter gewandert. Besonders, wenn Musikschulen in öffentlichen Schulen unterrichten, kann es schlimm sein. Wenn die Klaviere nicht abschließbar sind, hämmern hysterisch pubertierende Kraftmeier darauf herum. Außerdem schwankt die Luftfeuchte durch die Anwesenheit der Schüler stark. Dass ein Ruckzuck Stimmer nach 10 bis 15 Minuten fertig sein soll, kann ich nicht glauben, sofern das ein gelernter Klavierbauer ist. Kann natürlich sein, wenn das Klavier noch super in Stimmung ist. Dann kontrolliert man quasi nur und korrigiert nur hier und da. Dann könnte das tatsächlich mal sein mit so wenig Zeit. Ich dagegen stimme mittlerweile nach App. Und das bei den Musikschulen seit Jahren. Da ist ja jede Stimmung immer die gleiche wie letztes Mal. Und da ich hart anschlage, ist das auch haltbar, so dass ich tatsächlich nicht an jedem Wirbel drehen muss. Nur so kann ich manchmal nach 30 Minuten durch sein. Aber: ich kontrolliere nicht nur, sondern fange bei der tiefsten Taste an und arbeite mich chromatisch bis zur höchsten Taste vor. Ohne vorher zu checken, ob das Intervall evtl. akzeptabel war. Selbst, wenn einige Wirbel unberührt bleiben, brauche ich dafür auf jeden Fall mindestens 30 Minuten.
Ich möchte einmal demonstrieren, daß das Stimmen einer dreichörigen Saite mit einer App, hier Pianoscope und einem Audiooszilloskop, hier „Oszilloskope“ gut funktioniert.

Mein Vorgehen zum Beweis, daß es funktioniert:
Anschlagen der drei Saiten einzeln unter Monitorkontrolle, dann je zwei Saiten, dann alle drei. Anschließend Hochziehen der rechten Saite um ca 1 Cent und Aufnahme des Anschlages. Jetzt Dokumentation des Anschlages von zwei und auch aller drei Saiten. Die Schwebungen sind gut zu hören und vor allem auch gut im Oszilloskop zu sehen. Es geht also.
Zum Beleg habe ich ein kurzes Video gemacht, ist auf Youtube.

View: https://youtu.be/0oIWrNxjxFs?si=ixXDWQlr5kVWOP9x

Und eine kleine Bitte besonders an die Klavierstimmer:
Dreht mir nicht den Hals um
Und steckt mich auch nicht in die Spinnerecke.
Ihr werdet bestimmt nicht arbeitslos.
Das Stimmen auf diese Art und Weise dauert viel zu lange! Außerdem kann ich nicht intonieren und reparieren.

Insgesamt ein herzliches Dankeschön an alle Teilnehmer für die vielen Infos und den netten Stil.

Kleine Provokation: Kann jetzt auch ein gehörloser Mensch stimmen oder einer mit Airpods und Heavy Metal im Ohr?
 
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Jetzt musst du nur noch alle 3 Saiten so stimmen, dass in Oszilloskope keine Schwebungen zu sehen und vor allem zu hören sind. Das wäre eine überzeugendere Demonstration. Aber was hast du mit dem Anschlag gemacht? Das klingt doch eher wie ein Cello oder so. Oder hast du da was rausgefiltert? Denn das wäre ja genau das Problem. Es sollen ja alle Teiltöne berücksichtigt werden und nicht nur ein Ausschnitt davon.
 
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...

Kleine Provokation: Kann jetzt auch ein gehörloser Mensch stimmen ...

... der Gehörlose wird auf jeden Fall mit dem Ergebnis zufrieden sein ;)

Was ich mich allerdings schon wirklich gefragt habe: Könnte man für Klaviere und Flügel nicht relativ einfach eine automatische Stimmung einbauen?

Also, ganz im Ernst: Ich hatte mal von Gibson eine Les Paul mit "Gforce"-System. Da waren in den Tunern kleine Motoren verbaut. Man konnte zwischen zig verschiedenen Stimmungen auswählen und musste dann nur einmal alle Saiten nacheinander anschlagen.
Das System hat dann innerhalb von einer Sekunde alle Saiten perfekt gestimmt.

So etwas müsste doch auch bei einem Klavier machbar sein. Klar, die Motoren müssten stärker sein und man bräuchte auch viel mehr davon. Auf der anderen Seite: Für - sagen wir mal - 2000 Euro mehr, immer einen perfekt gestimmten Flügel zu haben, ist doch schon reizvoll. Dazu kommt noch, dass man den Aufpreis innerhalb weniger Jahre durch Einsparen des Klavierstimmers wieder raus hätte.

Technisch sicher machbar - aber die typischen Steinway-Kunden sind wahrscheinlich eher konservativ unterwegs und mögen so einen modernen Kram nicht.
Das war letztlich auch der Grund, warum sich das System bei Gibson nicht dauerhaft durchgesetzt hat.

Eigentlich schade :)
 
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...aber die typischen Steinway-Kunden sind wahrscheinlich eher konservativ unterwegs und mögen so einen modernen Kram nicht.
S&S verdankt einen guten Teil seines Rufs von Anfang an allerdings bahnbrechenden Patenten und seiner Innovationsfreudigkeit.

Steinways Bestseller sind seit einigen Jahren angeblich die Spirio, die S&S mit der Einführung einen zweistelligen Umsatzzuwachs beschert haben sollen.

Innovation geht aber nicht immer so gut, berühmt-berüchtigtes Beispiel ist Steinways Teflon-Ära von Anfang der 1960er bis Anfang der 80er Jahre. Man hatte die Idee, statt Filz lieber super-reibungsarme Teflonbuchsen zu verwenden, denn Teflon war damals überhaupt der ganz heiße Scheixx.
Das Problem daran: das Holz drumherum reagierte auf Luftfeuchtigkeit, Teflon aber nicht, die gelegentliche Folge war Spiel mit Geräuschentwicklung. Schließlich kehrte man zum traditionellen Filz zurück.

Gruß Claus
 
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Jetzt Dokumentation des Anschlages von zwei und auch aller drei Saiten. Die Schwebungen sind gut zu hören und vor allem auch gut im Oszilloskop zu sehen. Es geht also.
Die Schwebungen im Chor wegzustimmen ist ja auch nach Gehör kein Problem. (Frage: Sind die Amplitudenschwankungen, die man hört, eigentlich Phasenauslöschungen?)
Das Hauptproblem beim Stimmen ist, die Temperatur anzulegen.

Mein Grundproblem mit der Stimm-App ist ein ganz anderes. Dasselbe Phänomen ist auch bei der Verbreitung der Notationsprogramme aufgetreten. So sehr ich musescore liebe und selber verwende, aber plötzlich konnte ein jeder professionell aussehende Noten drucken und erstellen. Nicht einmal die grundlegenden Konventionen, was Tonarten und Harmonien betrifft, sind der Mehrzahl der Anwender der Notensatzprogramme bekannt. Die Folge ist, daß eine unglaubliche Menge an fehlerhaftem Notenmaterial im Netz zu finden ist. Was meine Schüler da alles anschleppen, geht auf keine Kuhhaut. Ich muß mindestens 90% davon korrigieren.

Und vor allem das Wissen der alten Notensetzer geht völlig verloren, weil die Programme das ganze Layout selber machen. Das steht zwar noch in irgendwelchen Büchern, aber die liest ja keiner, und damit ist es aus der praktischen Anwendung komplett verschwunden.

Bei den Stimm-Apps kann genau das gleiche passieren: Irgendwann weiss eben keiner mehr, wie schnell genau welche Terz rollen muß. Das wird dann auch nicht mehr vom Meister an den Lehrling weitergegeben, und damit ist es kein aktives Wissen mehr. Die App macht's ja ...

Aus meiner Sicht sehr bedauerliche Entwicklungen.

Viele Grüße,
McCoy
 
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Bei den Stimm-Apps kann genau das gleiche passieren: Irgendwann weiss eben keiner mehr, wie schnell genau welche Terz rollen muß. Das wird dann auch nicht mehr vom Meister an den Lehrling weitergegeben, und damit ist es kein aktives Wissen mehr. Die App macht's ja ...
Noch ist es Teil der Gesellenprüfung.

Aber stimmt schon. Ich merke an mir selber, dass ich das Stimmen nach Gehör verlerne. Bis März 2025 hatte ich ja noch einen Klavierladen. Dort hab ich so ein bis zwei mal im Jahr eine Temperatur nach Gehör gestimmt und mit der App kontrolliert. Da war so ziemlich alles dabei: von genau auf den Punkt bis ganz schöne Abweichungen.
 
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Jetzt musst du nur noch alle 3 Saiten so stimmen, dass in Oszilloskope keine Schwebungen zu sehen und vor allem zu hören sind. Das wäre eine überzeugendere Demonstration. Aber was hast du mit dem Anschlag gemacht? Das klingt doch eher wie ein Cello oder so. Oder hast du da was rausgefiltert? Denn das wäre ja genau das Problem. Es sollen ja alle Teiltöne berücksichtigt werden und nicht nur ein Ausschnitt davon.
Tut mir leid, durch das Hochladen auf YouTube ist dieser verfremdete Klang entstanden. Hört sich bei mir eher wie eine gestopfte zaghaft angeblasene Trompete an.
Die Stimmung hält sich bei mir momentan nicht gut, liegt wohl daran, daß 25 Jahre gar nicht gestimmt wurde. Naja.
Ich brauche sehr lange, um die Saite exakt zu stimmen. Der Ton springt trotz behutsamer Stimmhammerbewegung und passendem kräftigen Tastenanschlag immer in zu großen Sprüngen um die null Cent Marke herum. Ich stimme von oben herunter. Ich weiß nicht, warum? Ist der Stimmhammer zu elastisch? Sind die Stimmwirbel zu fest? Ist die Gleitfähigkeit über der Druckleiste nicht gut? Was kann ich tun?
 
Was kann ich tun?
Entschuldigen Sie, können Sie mir sagen, wie ich zur Philharmonie komme?
Ja: Üben, üben, üben.

Du hast schon einige potentielle Gründe genannt. Aber am wahrscheinlichsten ist einfach fehlende Übung bzw. Erfahrung. Wichtig ist, denn Wirbel nicht zu biegen, sondern zu drehen.
 
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Ich brauche sehr lange, um die Saite exakt zu stimmen. Der Ton springt trotz behutsamer Stimmhammerbewegung und passendem kräftigen Tastenanschlag immer in zu großen Sprüngen um die null Cent Marke herum. Ich stimme von oben herunter. Ich weiß nicht, warum?
Ich vermute(!), daß hier auch der Unterschied zwischen einem € 17,- Stimmhammer von K&M und einem € 400,- Stimmhammer von Jahn zum Tragen kommt.

Ansonsten: Von oben runterstimmen, gleichzeitig kräftig anschlagen und die 0 Cent Stelle genau treffen. 1 Cent korrigieren ist schwer, dann lieber noch mal rauf und einen neuen Versuch starten. Das ist jedenfalls meine Erfahrung mit dem DM 30,- Stimmhammer.

Viele Grüße,
McCoy
 
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Danke. Schaue dann mal nach einem vernünftigen Stimmhammer.
 

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