Soweit ich das beurteilen kann, kann mein Vierkanaler das.
Weil Du für Dich ein Einzelstück gebaut hast und Du solange daran gefeilt hast, bis es Deinen Ansprüchen genügt.
Aber ich meine, in Deinen Beiträgen, z.B. bei den "Tube Amp Guts", oftmals schon rausgelesen zu haben, daß Du mit dem Aufbau der wenigsten Serien-Röhrenamps zufrieden bist.
Ich kann mir vorstellen, daß Du beim Klang dann ähnlich wählerisch bist.
Da sag ich mal Nein. Die Endstufen gleichen sich bis auf die Endröhren und evtl. die Gegenkopplung doch alle sehr, da was zu basteln ist absolut kein Problem.
Zweikanaler mit zwei gut klingenden Kanälen zu bauen, kriegen noch relativ viele Hersteller hin. Bei den Dreikanalern wird dann die Luft schon dünn, was den High-End Bereich angeht. Die klingen gut, aber im Vergleich zu spezialisierten Amps stinken die meisten Allrounder in der jeweiligen Kategorie dann doch ab.
Sehe ich absolut nicht so. Eine Endstufe an verschiedene Signalformen anzupassen, das ist sehrwohl möglich und garnichtmal so kompliziert, wie du denkst.
Wenn man eine Endstufe aber gleich so entwickelt, dass sie flexibel ist (und das sind die meisten leider nicht), dann kommt auch was passendes dabei raus.
Jein. Vom reinen Verstärkeraufbau kann man schon sagen, daß man es bis zu einem gewissen Grad anpassen kann. Im Detail scheitern die Geräte dann an anderen Dingen, die nicht unbedingt auf elektronischer Ebene stattfinden.
Beispiel Marshall vs Fender:
Ein Fender-Tweed Cleansound kommt nicht nur durch den Aufbau
im Chassis zustande. Selbst wenn man einen Marshall-Amp elektronisch in die Nähe des Fenders bügelt, bleiben die Unterschiede noch deutlich hörbar.
Da spielen dann so Dinge wie Gehäusekonstruktion eine Rolle.
Ein Fender Tweed Low Power Twin oder Bassman steckt in einem Combogehäuse aus massiver Kiefer. Da wiegt das Gehäuse so wenig, daß man es leer mit drei Finger hochheben kann.
Wenn man nun den Amp in dem Gehäuse laufen hat, dann schwingt dieses ganz anders mit als es z.B. ein Marshall-Gehäuse aus 13-lagiger Baltischer Birke macht.
Blöd ausgedrückt: dieses massive Kiefern-Gehäuse ist prädestiniert für cleane und angezerrte Amps, hört sich aber scheußlich an, wenn man damit Highgain Sounds fährt. Ebenso wird dieser Amp mit einem Celestion Vintage 30 nicht gerade wie das Gelbe vom Ei klingen.
Ich bin sogar der Meinung, daß ein klassischer Fender-Amp dieses massive Gehäuse
essentiell braucht, um seinen Klang zu entfalten. Bestätigt werde ich dabei von Fender selbst, die in den Neunzigern teilweise auf Schichtholz-Gehäuse umsattelten ( das Baffle-Board, also das "Brett", auf dem die Speaker aufgeschraubt wurden, war noch Jahre später wesentlich dicker und ebenfalls Schichtholz. Vor ein paar Jahren haben sie es wieder dem Originalen angepasst ). Ein Bekannter von mir hat einen solchen Bassman. Der hat sich von einem Schreiner ( TAD gab es damals noch nicht bzw. das war noch nicht so bekannt ) ein massives Kiefern-Gehäuse nach Fender-Plänen anfertigen lassen und dann selbst bezogen. Der Amp klang danach wirklich besser. Präsenter, breiter, heller. Den hätt ich ihm beinahe mal abgekauft, wenn er nicht diesen Scheiß-Innenaufbau gehabt hätte.
Des Weiteren klingen die Fender Amps nur mit niederohmig verdrahteter Speakerbestückung nach was ( 2 Ohm, 4 Ohm ), während man die Marshalls am Besten mit 16 Ohm fährt. Bei Marshall ist mir die physikalische Grundlage klar ( volle Wicklungszahl des Trafos genutzt ), bei Fender ist mir der Hintergrund nicht klar, aber das Phänomen ist eben da. Vielleicht kannst Du es erklären.
Worauf ich letztendlich hinaus will:
den Dreikanaler, der Fender-Cleansounds allererster Güte mit einem erstklassigen Marshall-Crunchsound und einem Soldano-Leadkanal verbindet, habe ich bisher noch nicht gefunden. Auch nicht in den Preisklassen >3500 .
Es gibt Annäherungswerte, es gibt gute Amps. Aber es gab noch keinen Allrounder, der es im Vergleich mit genannten Einzelamps im jeweiligem Kanal geschafft hat, gleichzuziehen.
Nun stellt sich die Frage, ob es technisch nicht möglich ist ( Du hast je gemeint, es wäre möglich ), oder ob es nur eine Frage des Budgets ist.
Das soll kein Angriff auf dich oder deinen Amp (geiles Teil!) sein, aber die Möglichkeiten wollte ich dennoch klarstellen
Hab ich nie so aufgefasst. Der Larry ist für mich ein Marshall-Amp, wie ich mir einen vorstelle und nichts sonst. Wenn ich einen Fender haben will, dann müßte ich mich dementsprechend umsehen.
Was das ganze mit der Röhren vs Transistor-Diskussion zu tun hat?
Nun, letztendlich zeigt es
mir persönlich auf, daß man
A) sowieso nicht vom reinen Röhrensound sprechen kann, da man selbst unter den verschiedenen Röhrenkonstruktionen immer wieder vor dem Problem steht, einer feststehenden Klangvorstellung gerecht zu werden, da dies nur mittels der Summe der Konstruktionsdetails funktioniert.
Daher ist es müßig, vom Röhrensound zu sprechen, wenn selbst solche Details wie Top+Box vs. Combo, Impedanzen, Gehäusekonstruktion usw. eine Rolle spielen, ob das Endprodukt einem gewissen Vorbild ( z.B. Fender Twin, Marshall JTM ) nahe kommt. Die Wechselwirkungen sind einfach zu komplex, um es auf einen Nenner zu bringen.
B) das die Klangqualität eines Produkts letztendlich vom Talent/Know-How, dem Budget und dem Zeitaufwand der Entwicklung abhängt.
Egal ob Röhre oder Transistor. Das Problem ist, daß sich ein Transistoramp für > 3000 kaum vermarkten läßt udn wir deswegen kaum in den Genuß kommen werden, eine Antwort auf die Frage zu bekommen, ob ein solcher Amp mit einem gleich teuren Röhrenamp mithalten könnte.
Übrigens hätte Larry, zumindest, wenn man dem Bericht der Grand GTRs Glauben schenkt, seine Amps ursprünglich in Transistor-Technologie aufbauen wollen. Muß ihn mal dazu fragen...