Seid ihr eigentlich coole "irgendwohin-Gucker" oder eher uncoole Griffbrettgucker?

  • Ersteller Ersteller OldRocker
  • Erstellt am Erstellt am
  • Ersteller
  • #101
...bedeutet so viel wie aufgedreht, chaotisch, teilweise unkoordiniert...so wie Mick Jagger nur mit deutlich schlechteren Moves :biggrinB:
 

  • #102
Über dieses Thema habe ich mir auch schon viele Gedanken gemacht und auch einiges dazu recherchiert.

Unterm Strich bleibt für mich Folgendes übrig:
Wer nur wenig aufs Griffbrett schauen will, muss die Lieder tatsächlich bis zum Erbrechen üben. Stichwort Muskelgedächtnis. Wenn du an dem Punkt bist, an dem du ohne Nachdenken spielen kannst, hast du Luft für andere Dinge, zum Beispiel für die Interaktion mit dem Publikum. Das ist aber ein ziemlich langer Weg, den viele gar nicht bereit sind zu gehen.
Wenn man bei den Liedern noch Unsicherheiten hat, sollte man diese erst beheben, bevor man zur Rampensau mutiert.

Ich selbst bin nicht bereit, diesen Weg komplett zu gehen, weil mir der Aufwand dafür zu groß ist. Ich habe für mich entschieden, dass ich auch aufs Griffbrett schaue, wenn ich es brauche. Und das ist im Bandkontext überhaupt nicht schlimm. Das machen am Ende doch alle, auch die ganz Großen. Wichtig ist nur, dass nicht alle permanent aufs Griffbrett starren. Gerade bei kleineren Bands sind das oft die Auftritte, bei denen zwar alles sauber gespielt ist, aber keine echte Stimmung aufkommt.
Wir haben das Glück, dass unser Sänger und Bassist eine ganz natürliche Rampensau auf der Bühne ist. Das macht es für mich unauffälliger, wenn ich mal aufs Griffbrett starre.

Der Trick ist, ein gutes Mittelmaß zu finden. Es gibt Stellen, an denen man sich sicher fühlt. Da kann man zum Publikum schauen und mit ihm interagieren. Wird es etwas fummeliger, darf man natürlich auch aufs Griffbrett schauen. Und wenn sich mal ein Piratenton einschleicht, dann ist das eben so. Es wird oft unterschätzt, wie viel das Publikum verzeiht oder gar nicht erst bemerkt. Das bedeutet aber nicht, dass das Publikum gar nichts bemerkt!

Auch Profis, also die Leute auf den ganz großen Bühnen, schauen aufs Griffbrett. Der Anspruch ist dort aber nochmal ein anderer als bei einer kleinen Band. Bei kleinen Bands sind die Lieder oft nicht so bekannt, dass jeder im Publikum jeden einzelnen Ton kennt. Die Songs der Großen haben die Leute dagegen unzählige Male gehört, und viele erkennen jede Note eines Solos sofort wieder. Wenn der Gitarrist da einen Ton etwas länger stehen lässt, fällt das direkt auf. Mit anderen Worten: Die dürfen sich im Grunde keinen Patzer erlauben. Sie müssten vielleicht nicht aufs Griffbrett schauen, gehen aber lieber auf Nummer sicher.

Was mir bei mir selbst aufgefallen ist: Ich habe mich live meistens aus zwei Gründen verspielt. Erstens, wenn ich auf der Bühne herumgehampelt bin, obwohl es gerade nicht schlau war. Zweitens, wenn die Bühne zu dunkel war und ich das Griffbrett nicht richtig sehen konnte. Durch das Herumhampeln habe ich aber auch gelernt, wo ich auf der Bühne Quatsch machen kann und wo besser nicht.

Eine Lesebrille wäre für mich auch hilfreich. Live kann ich die aber leider nicht aufsetzen, weil ich immer eine Maske trage. Das ist mein Steckenpferd und gleichzeitig ein Wiedererkennungsmerkmal unserer Band.

Mein Fazit für unsere Band, also Punkrock:
Fehler, die durch Action auf der Bühne entstehen, werden schnell verziehen. Sie sollten nur nicht in Massen auftreten. In anderen Musikrichtungen kann es völlig okay sein, öfter aufs Griffbrett zu schauen. Unterm Strich muss da jeder seinen eigenen Weg finden. Das gehört auch dazu, wenn man seinen eigenen Stil entwickelt. Früher wollte ich für mich selbst zu viel. Inzwischen habe ich ein Mittelmaß gefunden, das für mich funktioniert.

PS:
Man kann auch einfach die Kamera vom iPad nutzen und sich das Griffbrett darauf anzeigen lassen ;)
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Vester, KlampfenTom und DarkStar679
  • #103
Ich verstehe das nicht, mit dem auf das Griffbrettschauen. Wenn man ein Instrument lernt, schaut man eigentlich auf die Noten und nicht auf sein Instrument. Ich glaube bei sehr wenigen Instrumenten sieht man überhaupt, wo seine Finger sind und man lernt eigentlich blind, seine Tasten oder die Saitenposition zu bedienen. Aber man schaut auf die Noten um die gewünschte Musik im richtigen Tempo zu spielen. Wenn ich dann so gut geworden bin, ohne Noten zu spielen, dann habe ich das Stück so gut geübt, dass es überhaupt keinenSinn ergibt, jetzt plötzlich auf einmal auf das Griffbrett zu schauen.
 

  • #104
ich vermute, es ist ähnlich wie beim autofahren.
man muß auf den tacho schauen, oder auf den drehzahlmesser....und ab und an mal auf die straße.
 
  • Haha
  • Gefällt mir
Reaktionen: Sharkai, KlampfenTom, Revolver und 2 andere
  • #105
schaut man eigentlich auf die Noten und nicht auf sein Instrument.
Nun ja, kommt auf das Instrument an. Bei der Querflöte schaue ich auch nciht auf das Instrument (geht auch gar nicht). Aber da liegen die Finger auf festen Positionen oder müssen nur von dort aus leichte Seitenbewegugnen machen. Bei der Gitarre muss man auf einem nichtlinearen Griffbrett eine Lage treffen, das auch gut (denn sonst schnarrt es oder klingt gar nicht) hat teilweise durchaus merh als einen Ton gleichzeitig.
Man könnte sagen, Streicher haben so was auch, aber die spielen in der Regel nur 1 Ton gleichzeitig, eventuell mal 2, selten einen Akkord.
Beim Klavier sind die Noten linear angeordnet, man hat über die schwarzen Tasten eine haptische Rückmeldung. Aber auch da wird aufs Griffbrett geschaut (zumindest ich bracuhe das, weil ich Klavier kaum glernt habe und die Orientierung brauche).
Wenn ich nur Akkorde schrubbe, brauche ich auch keine Blicke aufs Griffbrett.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: KlampfenTom, bemoll, Tokaier und 2 andere
  • #106
Wenn man ein Instrument lernt, schaut man eigentlich auf die Noten und nicht auf sein Instrument
Naja, die meiste Musik auf unserer Erde wird aber schon ohne Notenblätter gemacht. In unserem Kulturkreis ist das auch seit spätestens den fünfziger Jahren bei vielen Musiker/innen üblich. Bei der Gitarre ist es halt so, daß das Notenlesen nichts nützt, wenn man nicht weiss, wo sich die Töne auf dem Griffbrett befinden.
Das lernt man wohl erstmal am besten, wenn man auch sieht, wo sich die Finger bewegen.
Wenn ich nur Akkorde schrubbe, brauche ich auch keine Blicke aufs Griffbrett.
wenn ich die in höheren Lagen spiele, guck ich aber schon, rein zur Orientierung, gelegentlich wo ich mich gerade befinde.
Ich denke, man sollte das "Problem" nicht überbewerten, wenn man nicht einen eher showlastigen Gig spielt, interessiert das doch die wenigsten.
Im Vordergrund steht eh der Gesang:rolleyes:.
 
  • #107
Ich war ja ein paar Tage in Wien bei RockMeVienna 2026 ...

Da waren mit Jam und Konzert viele Shows dabei und ich hatte auch gut Zeit mal zu schauen, wo die "Speed Kings" hinschauen. Und da gibt es kein entweder oder, denn je nach Situation sind sie auf ihrem Griffbrett, oder in Publikumspose, oder mit geschlossenen Augen unterwegs ...

Gruß
Martin
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Brazolino und rmb
  • Ersteller
  • #108
Wenn man ein Instrument lernt, schaut man eigentlich auf die Noten und nicht auf sein Instrument.
...tja, weder hab ich Gitarrespielen gelernt noch kann ich Noten...schon zwei Gründe öfter mal aufs Griffbrett zu gucken :biggrinB:

Manchmal hilft`s auch mit recht bekannten Menschen zu spielen damit nicht so auffällt, dass ich hier selbst beim F-Dur auf`s Griffbrett linse...:biggrinB:
Bernie+Colin.JPG


...geht aber auch in cool, manchmal zumindest;)
i-5JDMpGD-X2.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
  • Haha
Reaktionen: Vester, KlampfenTom, DirkS und 4 andere
  • #109
Wow, hast Du mit John Scofield gespielt?:oops:
 
  • #110
Ich verstehe das nicht, mit dem auf das Griffbrettschauen. Wenn man ein Instrument lernt, schaut man eigentlich auf die Noten und nicht auf sein Instrument. Ich glaube bei sehr wenigen Instrumenten sieht man überhaupt, wo seine Finger sind und man lernt eigentlich blind, seine Tasten oder die Saitenposition zu bedienen. Aber man schaut auf die Noten um die gewünschte Musik im richtigen Tempo zu spielen. Wenn ich dann so gut geworden bin, ohne Noten zu spielen, dann habe ich das Stück so gut geübt, dass es überhaupt keinenSinn ergibt, jetzt plötzlich auf einmal auf das Griffbrett zu schauen.
Na ja, es kommt auch auf das Instrument an.
Je nachdem, wo du gerade im Lernprozess bist, musst du auch beim Notenlesen schauen, ob deine Finger auch den richtigen Ton aktivieren. Das ist bei einer Blockflöte deutlich einfacher wie bei einer Gitarre. Wenn du dann soweit bist, das du die Töne automatisch richtig triffst, dann hast du schon ein gewisses Muskelgedächtnis aufgebaut. Das ist gut.

Aber wenn man beginnt zwischen dem 3. und 12. Bund hin und her zu rutschen, dann ist ein Blick oft sehr wichtig. Denn da verhaut man sich doch recht schnell. Und dafür ein Muskelgedächtnis aufzubauen dauert für gewöhnlich deutlich länger, weil man das schlicht nicht so oft macht, vor allem wenn größere Sprünge über mehrere Bünde vorkommen.
Wenn ich mir die Helden im Gitarrensektor anschaue, dann schauen die durchweg alle immer aufs Griffbrett, vor allem wenn sie solieren. Bei einem Bending muss keiner hinschauen, das muss man hören. Wenn das Solo in einer Lage gespielt wird, kann man bei entsprechender Übung, auch leicht wegschauen. Das ist also eine perfekte Zeitspanne um eine verzückte Grimasse zur Musik zu schneiden (was auch auf vielen Bildern hier so gezeigt wird). Sobald man aber in der Lage hin und her rutschen muss ist ein Kontrollblick bei so ziemlich allen wichtig denn genau da schauen auch die ganz großen auf ihre Gitarre. Es mag da einzelne Ausnahmen geben, aber das ist es dann auch schon: Ausnahmen.

Und ich bin mir recht sicher, das auch nach Noten spielen ab und zu den Blick auf den Gitarrenhals erfordert, vor allem wenn man etwas übt und noch nicht kann. Aber da ich selber musikalischer Analphabet bin kann ich mich da auch täuschen. Ich kann keine Noten lesen, aber ich weiß wo welcher Ton auf der Gitarre ist.

Mach doch mal den Selbsttest. Nimm ein Lied das nicht nur in einer Lage gespielt wird und spiele es ohne auf die Gitarre zu schauen. Nimm eins das du richtig gut kannst (da wirst du sehr wahrscheinlich Erfolg haben) und dann eins das du noch nicht so gut kannst, aber es auswendig drauf hast. Im zweiten Fall sind Fehler sehr viel wahrscheinlicher. Nicht weil du es nicht kannst, sondern weil du im Bund verrutscht. Diese Kontrolle ist es in der Regel, die mich auf die Gitarre schauen lässt. Mach ich es nicht, kann ich da ganz schnell daneben liegen.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Vester und KlampfenTom
  • Ersteller
  • #111
  • Gefällt mir
Reaktionen: Vester
  • #112
Danke für die Aufklärung. Ziemliche Ähnlichkeit.
 
  • #113
„aufs Griffbrett schauen“ ist ein (IMO kleiner) Teil, von „Bühnen-Performance“. Da kann man halt viel falsch machen, selbst wenn man es unbedingt gut/richtig machen will.
Am Ende muss eine Performance IMO natürlich rüberkommen.
Etwas einzustudieren oder etwas zu tun, was wobei man sich eigentlich nicht wohl fühlt, kann (und wird sehr wahrscheinlich) voll nach hinten los gehen, weil wir Menschen mit Mimik, Posen, Bewegungen,… sehr schlecht „lügen“ können. Dem Publikum fällt das sofort auf, ob jemand authentisch ist oder gekünstelt versucht, ein Klischee nachzuahmen.
So beeindrucken mich nach wie vor, die Künstler am meisten, die in sich ruhend und einfach souverän auftreten.
Ob jemand sein Instrument beherrscht, entscheidet sich nicht daran, ob er auf Griffbrett schaut.
Wenn der Gitarrist, auf das Griffbrett schauen muss/möchte, um den fucking Song zu spielen, dann aber auch abliefert, dann muss/möchte er das nun mal.
Wenn ein Gitarrist aber zu schüchtern, unsicher, unerfahren, … ist, um den Blick von Griffbrett zu lösen, und dann auch noch das Spiel so ist, sind das zwei ganz unterschiedliche Dinge. Aber letztlich ist es dann gar nicht das aufs-Griffbrett-schauen, sondern das Gitarrenspiel, was noch ausbaufähig ist.
Aber auch einen Gitarrenheld, der spielt wie verrückt, aber dabei unentwegt ins Publikum starrt, wirkt auf mich auch unnatürlich.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Sharkai
  • #114
Ich möchte noch eine dritte Kategorie ins Rennen schicken: den Meister der Transzendenz.
Ich hab jetzt eine mittelgroße Band gesehen – Sänger, Bass, Drums, und drei Gitarristen auf der Bühne.

Einer davon hat die komplette Rockstar-Show abgezogen. Augen zu, Kopf zurück, Gitarre schräg in die Luft, rumgesprungen, rumgefuchtelt, das volle Programm. Kein Blick aufs Griffbrett, dieser Mann war woanders.

Und nach längerem, aufmerksamem Hinhören und Zuschauen bin ich zu einer bemerkenswerten Erkenntnis gelangt:
Seine Gitarre war nicht zu hören. Ich hab mir echt Mühe gegeben, aber: Null. niente. zero.

Was für eine Lösung!
Kein Griffbrettschauen, kein Verspieler, keine falsche Note. Einfach... nichts. Technisch gesehen seine fehlerloseste Performance überhaupt.
Der Mann hat das Griffbrettschauen-Problem ein für alle Mal gelöst.
 
  • Haha
  • Wow
Reaktionen: KlampfenTom, Sharkai, gitarrero! und eine weitere Person
  • Ersteller
  • #115
...und wurde somit zum "Bobby Farrel" der Truppe...na, nicht unbedingt ne Lösung😆
 
  • Haha
  • Gefällt mir
Reaktionen: KlampfenTom, dubbel und DirkS
  • #116
Einer davon hat die komplette Rockstar-Show abgezogen. Augen zu, Kopf zurück, Gitarre schräg in die Luft, rumgesprungen, rumgefuchtelt, das volle Programm. Kein Blick aufs Griffbrett, dieser Mann war woanders.
Wenn Du jetzt von Jannik Gers redest, muss ich leider herausfinden wo Du wohnst um dich dann nach allen Regeln der Kunst zu verhauen! 😁
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: DarthBela, KlampfenTom und Prospero
  • #117
Grund: Vollzitate reduziert
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
  • Gefällt mir
Reaktionen: KlampfenTom und Rookie77
  • #118
hol mich ab, ich halte ihn...
Joa, was immer bei dem Konzert beim Mix schief gelaufen ist. Jannik erstaunt mich immer wieder dadurch, dass er trotz der sportlichen Betätigung alles auf den Punkt spielen kann (falls Maiden gemeint waren...) :great:
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: noslash, KlampfenTom und Rookie77
  • #119
Grund: layout
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Ähnliche Themen

Bleecker Street Boogie
Antworten
17
Aufrufe
3K
Bleecker Street Boogie
Bleecker Street Boogie
Pepperidge
Antworten
2
Aufrufe
7K
Pepperidge
Pepperidge
strep-it-us
Antworten
0
Aufrufe
19K
strep-it-us
strep-it-us
Zurück
Oben