Bevor jetzt gleich wieder die Glaubenskriege los gehen und ich mich dann vom Acker mache, möchte ich aber noch mal auf einige der zuletzt geschriebenen Dinge eingehen.
Das
Shure* SM81, das dir dein Bekannter empfohlen hat, ist auf jeden Fall auch ein sehr gutes Mikro. Und ebenfalls eines, das schon sehr lange auf dem Markt ist und gezeigt hat, was es kann.
Allerdings könnte ich auch etwa ein gutes Dutzend ebenfalls guter Mikrofone im Preisrahmen des MD421 oder des
Shure* empfehlen von AKG, Haun u.a., einige wurden ja von anderen schon angesprochen. Das habe ich aber nicht gemacht, weil du nicht nach Alternativen gefragt hast und weil ich guten Gewissens das zur Debatte stehende MD421 uneingeschränkt für die beabsichtigten Anwendungsfälle und darüber hinaus empfehlen kann - und darüber hinaus.
Wenn es um eine
bevorzugte oder gar
ausschließliche Verwendung als Mikrofon für ein Stereo-Hauptmikrofonsystem (wo man aber sowieso immer zwei braucht was beim Kostenrahmen zu berücksichtigen wäre), hätte ich zu anderen Mikrofonen geraten, obwohl man das MD421 auch dafür gebrauchen kann. Dafür gibt es aber heutzutage sehr gute und dabei erschwingliche Mikrofone. Da kommen dann andere, ganz banale Aspekte in den Fokus, da man für ein Stereohauptsystem 2 Mikros braucht wird es bei dem hohen Gewicht des MD421 schon kritisch bei der Auswahl eines (Hoch-)Statives.
Aber das stand hier nicht zur Debatte.
Das SM81 ist ebenfalls eine "Niere" und geht als Kondensator-Mikro (genauer Elektret-Kondensator-Mikro, ist aber auch unerheblich) wegen der leichteren Membran und ohne Tauchspule vom Frequenzumfang (-3 dB-Grenze) bis 20 kHz, das MD421 ´nur´ bis 17 kHz, das erwähnte LRM2b bis 18 kHz.
In der Praxis spielt das in 99% aller Fälle keine Rolle. Amp-Lautsprecher übertragen bis max. 14 kHz, meist weniger. Je nach Alter hören die meisten Menschen eh nichts mehr über 14-15 kHz und auch nur, wenn sie stets ihr Ohr geschützt und nicht überstrapaziert haben.
Die minimalen Unterschiede, die ggf. bei Transienten wie bei den Percussionsuinstrumenten zum Tragen kommen können, sind auch nur auf sehr guten Anlagen unter sehr guten Abhörbedingungen wahrnehmbar, wenn überhaupt. Jedenfalls bei allen hier im Thread erwähnten Mikrofonen. Für die meisten bleibt das also reine Theorie.
Was in der Praxis in der Regel eine deutlich größere Rolle spielt sind die Ausgangsspannung des Mikros und die Richtcharakteristik. Die Niere und die Hyperniere sind wie schon erwähnt sehr universell. Dynamische Mikrofone haben stets eine sehr geringe Ausgangsspannung, Bändchenmikrofone typbedingt die geringste. Der Mikrofon-Preamp muss also sehr rauschfrei sein bei hohem Gain. Das Scarlett sollte damit aber kein Problem haben, zumal es hier durchgängig um die Nahabnahme der Schallquellen geht wo die am Mikro ankommenden Pegel hoch sind, der Gain infolgedessen nicht so hoch aufgedreht werden muss, auch nicht bei dynamischen Mikros.
Bändchenmikrofone haben typbedingt eine Achter-Richtcharakteristik, also auch das erwähnte LRM2b. Diese "Acht" muss man sich dreidimensional vorstellen. Die geringste Empfindlichkeit hat diese Acht in der Ebene der Einschnürung. Es nimmt aber den Schall sowohl von vorne als auch von hinten auf. In bestimmten Situationen bietet das sehr große Vorteile, weil diese Unempfindlichkeit zu den Seiten wirklich sehr groß ist und seitlich einfallenden Schall ausgezeichnet ausgeblendet wird. Rückwärtig einfallender Schall wird aber ebensogut aufgenommen wie der von vorne, der Raumschall kann also unter bestimmten Umständen zu stark abgebildet werden. Bei einer sehr nahen Positionierung an der Schallquelle sollte das aber praktisch zu vernachlässigen sein.
Ein "Achter"-Mikrofon ist das ideale Mikrofon für bestimmte Fälle (eben wenn seitliche Schallquellen maximal ausgeblendet werden sollen, aber z.B. auch für bestimmte Stereo-Mikrofonanordnungen wie z.B. "Blumlein"), aber weit weniger universell als Nieren/Hypernieren.
Außerdem sind Bändchenmikros mechanisch etwas empfindlich. Die immer wieder zu sehende grobe Unsitte, das Mikrofon zu testen indem man es anpustet kann ein Bändchenmikrofon sofort zerstören (sollte man aber bei Mikrofonen sowieso niemals machen, egal welches).
Wenn du planst, dir über die Zeit eine Sammlung an Mikrofonen zuzulegen, wirst du dich irgendwann immer mehr mit "Spezialisten" und Mikrofonen beschäftigen, die für bestimmte Einsatzzwecke sinnvoller sind (u.a. weil sie klein und leicht sind, weil sie eine deutlich höhere Ausgangsspannung liefern, weil du vielleicht einen Chor aufnehmen willst, der ein traumhaftes ppp singen kann, usw. usw.), und wirst irgendwann viel Geld ausgegeben haben.
Wenn es dir aber nur um ein Mikrofon geht, das du überall dort sinnvoll und mit guten klanglichen Ergebnis einsetzen kannst wie du es im Eingangspost geschrieben hast, würde ich bei der Nieren-/Hypernierencharakteristik bleiben. Wenn es dabei auch um eine maximale Robustheit gehen soll, weil du es auch auf der Bühne einsetzten willst wo es vielleicht manchmal bei knapper Zeit hektisch zugeht, punktet für mich das MD421 nach wie vor.
Unter dem Strich würdest du aber bei deinen im Eingangspost beschriebenen, relativ eng umrissenen Einsatzfällen und wenn du sorgsam mit dem Mikro umgehst, mit jedem der hier erwähnten Mikrofonen glücklich werden können. Klanglich wird dich keines davon enttäuschen. Wenn du dich also gar nicht entscheiden kannst, kannst du auch ruhig nach der Optik gehen.