Hi,
man könnte theoretisch Folgendes versuchen, wenn man "nur" genau das Problem lösen will, dass du im Titel beschreibst:
-Such auf der OH-Spur eine Stelle, wo nur ein einzelner, "durchschnittlicher" Snare-Schlag zu hören ist, der komplett ausklingt, inkl. eventueller Hallfahne.
-Schneid ihn aus, dreh die Phase auf beiden Kanälen.
-Trigger mit der Snare-Spur dieses "Sample".
-Lass diese "getriggerte Snare" mit deinem Sample zusammen mit den OHs laufen. Die einzelnen Snareschläge müssten eingiermassen verschwinden (bei jedem Schlag etwas anders), der Rest der OHs bleibt.
-Du wirst mit dem Pegel des "Trigger-Kanals" experimentieren müssen und evtl. mit kleinen Verzögerungen nach vorne oder hinten. Suche und finde die Einstellungen, wo's am besten funzt.
Vielleicht noch besser, aber auch komplizierter: Nutz den "alleinstehenden" Snareschlag, um die Implsantwort deiner OHs für die Snare zu berechnen (mit Voxengo Deconvolver). Wende diese auf das "Direkt-Mikro" der Snare an. Lass das dann zusammen mit den OHs laufen und dreh die Phase der "neuen" Snare. Auch mit Pegel und Verzögerung (eher minimal nach vorne) experimeniteren. Berichte was passiert!
Solltest du mit den Tools und Methoden nicht vertraut sein, kannst du mir mal die OH- und Snare-Spur schicken, dann versuch ich mich mal dran.
Man könnte auch mal versuchen, gänzlich "künstliche" Overheads zu erzeugen. Man bräuchte eine Overhead-Impulsantwort für jedes einzelne Instrument der Drums. Sowas habe ich noch nirgends gefunden, aber man könnte sie z.B. vom BFD extrahieren, da man dort Zugriff auf die Direkt-Mics und die OHs hat. Wenn man z.B. den Voxengo Deconvolver (Freeware), z.B. mit einen OH-Snareschlag (stereo) als "File" und den direkten (mono) Snareschlag als "Testtone-File" füttere, bekomme ich die Impulsantwort der OH für sie Position der Snare inkl. Stereoinformation (Laufzeit- und Intensitätsdifferenzen, Raumklang, etc.). Rechnet man dann die Impulsantwort auf eine beliebige Snare z.B. mit SIR (Freeware), erhält man eine Snare, so wie sie die OHs "hören" würden. Das müsste man für jedes Instrument einzeln machen. Man könnte dann sogar die Pegel der einzelnen Instrumente auf den OHs einzeln anpassen, dann alles auf eine Stereospur rechnen und hat dann wieder eine ganz normale OH-Spur.
Soviel zur Theorie. Allerdings sehe ich für die Praxis einige Probleme:
-Das Instrument "selbst" geht dann nicht wie herkömmlicherweise "direkt" in die OHs, sondern ein aufgenommenes Monosignal des Instruments. Z.B. Eine Snare ist ja keine Punktschallquelle. Auch wäre die Impulsantwort immer ein wenig anders, je nach dem wo z.B. die Snare getroffen wird. Die Übertragungsfunktion des Direkt-Mikros und dessen Raumanteil habe ich auch schon mit drauf.
Beides könnte man theoretisch "rausrechnen", dann wird's aber langsam zur Doktorarbeit...
-Übersprechungen der Direkt-Mics verfälschen das Ergebnis weiter.
-Man müsste ALLE Elemente einzeln Mikrofonieren oder für diese Instrumente eigene OHs verwenden. Das Ergebnis ist schwer vorhersehbar.
Einen Versuch wäre es imho wert. Vielleicht ist das Ergebnis immer noch besser, als "herkömmliche OHs" in einem mässigen Raum, mit billigen Mikros und suboptimaler Aufstellung. Wenn, dann wäre man auch wesentlich flexibler mit nachträglichem Triggern mit Drumagog o.ä., denn ich kann die jeweilige IR auch auf ein Sample anwenden und ein zusammendgehörendes Set von OH-IRs fügt eben auch die einzlenen Instrumente in ein Ganzes, auch wenn es eine Mischung von aufgenommen und gesampelten/getriggerten Elementen ist. Man könnte auch (vorausgesetzt der Raum der "virtuellen OHs" ist gross genug) die ersten Samples der IR, die hauptsächlich die Stereoinformationen (Laufzeit- und Pegelunterschiede) des OH-Setups beinhalten nochmal auf den "Direkt-Mics" nutzen und hat dann a) diese exakt an die "richtige" Stelle gepanned (dort wo sie aufgrund der OHS auch sind, und zwar mit Laufzeitunterschieden, nicht nur mit dem Level-Panot) und b) die Möglichkeit auch bei AB-Stereo-OHs, alle "Direkt-Mics" perfekt zeitlich verzögern, so dass sie mit den OHs zusammenfallen. Herkömmlichweise müsste man eigentlich ja bei AB-OHs und Quellen, die nicht in der Mitte sind, auf dem linken und rechten Kanal verschiedene Delays einstellen, macht nur keiner.
Wie gesagt, alles theoretische Überlegungen, Ergebnis schwer abschätzbar. Leider kann ich es nicht selbst ausprobieren, da kein BFD o.ä.. Es hört sich weit komplizierter an, als es ist...
Beste Grüße,
Uranus