Ich bin ja bekennender Orange-Jünger. Bisher (und das wird sich auch zumindest dieses Jahr nicht mehr ändern) benutze ich meinen Terror Bass.
Ich bin aber natürlich schon länger scharf auf nen echten Röhrenamp, sprich den AD200B.
Jetzt schreibt besonders Shedua hier immer wieder was von alten Orange Amps und ihren Qualitäten.
Um welche Amps handelt es sich da genau?
Und wie schneidet der AD200B im Vergleich zu denen ab?
Sind die charakterlich grundunterschiedlich?
(Hat schonmal jemand den AD200B im direkten Vergleich zum TB gespielt? Ich konnte das bisher nicht unter vernünftigen Bedingungen tun.)
Hallo
sorry wenn ich ganz weit aushole .
Grundsaetzlich haben nahezu alle Roehrenbassamps ein "Verwandschaftsverhaeltnis"
Los ging es mit den 45 Watt Bassmans von Fender die von Jim Marshall fuer die Gitarre kopiert wurden ...
Problem der alten Bassmans war die "unzureichende" Klangregelung und die geringe Leistung.
Aus der Idee des Bassman entstanden dann auch die Leistungsstaerkeren Amps von Dallas Arbiter ( Sound City, spaeter HIWATT ) und MATAMP mit 200 Watt.
Waehrend Hiwatt+Sound City weiterhin eine "einfache" Klangregelung hatten, hatte der 200 Watt Matamp den ersten Voicing Schalter ( Drehschalter ) mit dem der Klang voreingestellt werden konnte.
In Amerika baute AMPEG dann Bassverstaerker mit parametrischen Mitten. Das war dann die eigentlich erste komplette Neuentwicklung von Ampeg.
Dallas Arbiter und Matamp haben in nennenswertem Umfang Amps fuer andere Firmen ( eigentlich nur Haendler ) geliefert. Dallas Arbiter lieferte die Sound Cities der ersten beiden Serien. Matamp lieferte seinen 200 Watt Amp fuer einen Music Store in London mit orangem Kunstleder und der Bezeichnung "Orange" ( es gibt auch White und Green von Matamp )
Spaeter wurde von Metamp auch der 120GT unter dem Label Orange verkauft. Beginnend mit dem Orange Graphic 120 und dem Overdrive hat Orange dann einen anderen Fertiger fuer die Amps benutzt. Matamp wollte die Amps nicht verinfachen, oder an der Qualitaet sparen, Orange wollte bei gleichem Preis die Gewinnspanne verbessern.
Das Design und Schaltung von Dallas Arbiter und Matamp war deren rechtliches Eigentum, allerdings gab es darum einige unschoene Prozesse...
So entfernten sich die Oranges und Sound city immer weiter von dem urspuenglichen Schaltungskonzept.
Sound City ist tot - und auch die neuen Orange leben vom Mythos der alten ORANGE/Matamps.
Hiwatt, Matamp und alte Oranges klingen ziemlich klar, britisch, mit Biss und unheimlich direkt.
Die neuen Orange 200 bringen klar weniger Leistung als mein 135 Bassman, dies ist dem knapp dimensionierten Ausgangsuebertrager geschuldet.
Die alten hatten noch grosszuegig dimensionierte Partride Trafos .
Die finden sich ( dem Konzept nach ) nun nur noch in den HIWATT und MATAMP ( die gibt es nach wie vor ).
Ein MATAMP mit 200 Watt ist deutlich lauter ( und wohl auch haltbarer ) als der 200 von Orange. Aber halt auch deutlich teurer ...
Bei den meisten alten Matamps und HIWATTS hat man dioe letzten 50 Jahre nur die Roehren und allenfalls mal die Kondensatoren im Netzteil getauscht.
Sonst geht da in der Regel nix kaputt. Dass die Partridge Traffos nach 40 Jahren den Loeffel abgeben ist nicht verwunderlich. Die damals verfuegbaren Materialien waren wie gesagt halt nicht so gut, und die Umstellung von 220 auf 230 Volt in Deutschland hat einigen das Lebenslicht ausgeblasen...
Ein Bekannter von mir repariert speziell britische Amps. Alte Hiwatts und Matamps kriegt der nur extremst selten rein. Und wenn - dann nur zur Ueberholung und nicht zur Reparatur.
Richtig kaputte 200 und 400 HIWATT hat er bisher noch gar nicht gesehen. In 38 Jahren ...
Die Warnung von HIWATT zum 400 ist uebrigens ernst zu nehmen. Betreibt diesen Amp bitte nur an EXTREM ueberdimensionierten Boxen.
Der pruegelt gnadenlos Spitzen von bis zu 1200 Watt raus. Habe vor ein paar Tagen eine 800 Watt Bassbox damit gehimmelt
