Eigentlich ist das doch ganz einfach.
Wenn es eine Band gibt, die für sich den Entschluss fasst, alles direkt ins Pult zu spielen, dann ist das doch in Ordnung. Dass der Mischer die Sache dann genau so im Griff haben muss, wie er das bei traditionellen Amps, Schlagzeug machen muss, sollte klar sein. Und wenn eine Band sagt, wir machen zusammen Musik und jeder nutzt sein Instrument so, wie er möchte (und dazu zählt auch ein Amp), dann ist das doch ok.
Ich hab in den vielen Jahren auf unterschiedlichen Bühnen alle möglichen Kombinationen selbst gespielt und im Kern kommt es doch drauf an, dass die Band mit ihren Instrumenten vernünftig umgeht.
Selbst wenn ich 25 Jahre zurückgehe hatten wir einen Schlagzeuger hinter Plexiglas (im Bierzelt), die Keyboards waren naturgemäß direkt in die PA, Bass mit Amp, die Gitarren sowohl zunächst beide mit Amp, dann einer oder später beide POD Pro direkt. Monitor gab's erstmal über Wedges, dann erste Versuche mit InEar. Einsatzbereiche waren das angesprochene Festzelt, aber auch kleinere Bühnen bei Bällen, oder ganz kleine (und deutlich leiserer) Sachen wie Hochzeiten. Ich hab damals vom POD bis zum 150 Watt Amp an einer 4x12" alles gespielt, was mir so in die Finger kam.
Auch bei einer späteren Band, die wirklich meist in kleinem Rahmen und mit entsprechend geringer Lautstärke unterwegs war, hab ich lange einen Mark V (und diverse anderer Röhrenamps) an 2x12" oder 1x12" gespielt, bevor es dann mal ein Fractal AX8 wurde. Schlagzeug war übrigens akustisch. Geht auch - ohne Probleme. Wenn man eben als Band dem Auftrittsort angepasst spielt.
Ich finde, dass dieser Gedanke Silent Stage umso mehr Sinn macht, je größer die Bühne ist. Denn dort ist man umso mehr auf gutes Monitoring angewiesen. Je größer die Bühne, die Veranstaltung, desto lauter und voluminöser wird/muss alles sein (nach vorn). Wenn ich da meinen Amp so aufdrehe, dass ich mich gut höre, auch wenn ich mal einen Schritt nach links oder rechts mache, das jeder andere auch macht, dann wird's auf der Bühne ordentlich laut. Ich hatte ein paar Mal das Vergnügen, meinen damaligen Dual Rectifier mit Master deutlich über 12 Uhr zu fahren. Hat was - knallt aber auch ganz ordentlich. Und Spaß macht's, weil man eben nicht nur hört, sondern auch spürt.
Nehme ich jetzt eine kleine Gala, eine Hochzeit und habe überhaupt keinen Raumklang der Instrumente, dann kann das schon recht künstlich wirken. Da fand ich es immer angenehmer, wenn jedes Instrument nach Möglichkeit akustisch zu hören ist - eben, damit die Band auf kleinem Raum eine akustische Einheit bildet. Man muss es mit der Lautstärke ja nicht übertreiben.
Und natürlich hängt es von der Musikrichtung an, das ist auch klar.
Aussagen, wie "Zeiten eines 100 Watt Amps an 4x12" sind vorbei" kann ich überhaupt nichts abgewinnen. Das sind Pauschalaussagen, die einfach nicht zutreffend sind. Es kommt auf den Amp an, es kommt auf die Musik an, es kommt auf den Spieler, die Band, die Bühne, usw. an. Nimm einen JVM. Der kann durchaus in sehr moderater Lautstärke vernünftig gespielt werden. Warum denn also nicht, wenn das der gewünschte Sound ist, wenn sich der Spieler, die Band damit wohlfühlt.
Ein richtig oder falsch, ein besser oder schlechter gibt es nicht.
Einfach so machen, dass es für alle passt.