Carl schrieb:
Ich denke schon, dass man jede Annahme erfüllt.
Nein. Schon die Kausalität verbietet es, in der Zeit "rückwärts" zu integrieren, die Antwortfunktionen analoger Filter sind entgegen der Theorie nur "rechtsseitig" (math. Theorie: sinc, Praxis bestenfalls sinc*heaviside), dazu kommen noch sämtliche hypotetischen Filter...
Klar kann man jetzt sagen "aber die Abweichungen sind gering". ABER: Das muss man verifizieren:
a) entweder durch eine Theorie, die dem Rechnung trägt,
b) durch eine Fehlerabschätzung auf Grundlage der idealisierten Theorie oder
c) durch Versuch und experimentellen Beleg, wobei aber der Aufbau aussagekräftig sein muss.
Sich in dieser Hinsicht immer und immer wieder nur auf Shannon/Nyquist zu berufen, macht keinen Sinn.
In dem Beweis sind die Summen deswegen von -unendlich bis unendlich, weil man nach Fourier nur dann ein diskretes Spektrum hat und kein kontinuierliches! Was nicht heißt, dass es sonst nicht geht, aber der Beweis wird dann ungleich komplizierter.
Das ist der Knackpunkt: Klar wird das dann komplizierter. Und natürlich sagt das auch nicht, dass es "sonst nicht geht" (das habe ich ja auch nie behauptet), aber die Aussage, DASS es geht, ist damit nicht mehr bewiesen, sondern nur noch so viel Wert wie eine Vermutung.
Oder in diesem Fall sollte ich vielleicht sagen, wie eine sehr gute Schätzung
Der experimentelle Beweis dafür, dass es geht, ist ja in Form jeder CD und allen anderen digitalen Übertragungen erbracht. Aber wie sich so ein Übertragungskanal im Grenzbereich (also z.B. nahe der Nyquistfrequenz) oder mit "pathologischen" Signalen verhält, das darf ich dann nicht mehr nur aus Nyquist schöpfen, sondern da muss ich dann schon Quellen nennen, die mir entweder experimentell oder theoretisch sagen: "Das stimmt trotz verletzter Annahmen".
Ich hoffe wir müssen uns nicht über Fourier streiten: jedes beliebige periodische Signal lässt sich in eine endliche Zahl von Sinusschwingungen zerlegen, jeder nichtperiodische in eine unendliche...
Nein, müssen wir nicht. Es ging mir auch weniger um die Fourier-Trafo an sich, sondern eher um die einseitige Antwortfunktion, die (das wirst du leicht einsehen) eben nicht dieselbe Rekonstruktion ergeben kann wie die eigentlich geforderte zweiseitige.
Im Prinzip lässt sich mit keinem sich zeitlich ändernden Signal die Nyquist Bedingung einhalten keine Signalanteile überhalb der halben Abtastfrequenz zu haben.
Doch, klar. Mit einem endlichen nicht, aber mit einem "gewobbelten" Sinus zum Beispiel durchaus.
Aber: wenn diese deutlich unterhalb der S/N ratio sind, interessiert das, was da als aliasing rein kommt, niemand.
Das ist richtig. DIESE Art Problematik meine ich auch nicht.
Aber da du bestimmt mit Matlab/Mathematica o.ä. umgehen kannst: Mach dir mal ein kurzes Script, was dir ein "digitalisiertes" Signal einmal mit einer sinc-Rekonstruktion wiederherstellt und einmal mit einer (sinc*heaviside). Da wirst du den Unterschied sehen, gerade nahe bei fNyq
Man kann sie nie genau erfüllen, aber wer will denn schon einen ADC mit unendlicher Genauigkeit bauen?
Innerhalb der 120 dB erfüllen heutige ADC die Bedingungen.
Bei der Amplitudenquantisierung bin ich gar nicht. Auch nicht bei den allfälligen Abweichungen zwischen idealisierten Bauteilen und realen, die natürlich immer da sind. Aber ich mache mir meine Gedanken um Verletzung FUNDAMENTALER Annahmen, wie z.B. die Unendlichkeit von Signalen, die Möglichkeit beidseitiger Antwortfunktionen etc.
Dass der Sinus so abrubt einsetzt und wieder verschwindet sind nach Fourier Anteile, die unser Gehör nicht hört, also wird das etwas geglättet.
Das ist ja noch die Frage. Hören wir diese Anteile nicht, nur weil man Sinus-Dauertöne oberhalb 15-20kHz nicht mehr bewusst wahrnimmt? Aber das ist ein ganz anderes Thema
Dass ADC und DAC den selben Frequenzgang haben ist in der Praxis kein Problem, wenn die Filter auch unterschiedlich sind, Hauptsache sie machen im Audiospektrum genau eines: aalglatt sein, da noch nix machen. Dank oversampling sehe ich da gar kein problem.
Ich sag's nochmal: bei n-fachem Oversampling bekommst du die zu befürchtenden Probleme auch erst bei n*fNyq. Das sagt nichts aus über die Qualität einer "reinen Nyquist-Lösung" ohne Oversampling nahe bei fNyq. Mit Oversampling kommst du ja noch nicht mal ansatzweise in die Nähe der "gefährlichen" Frequenzen mit deinem Audiomaterial...
Ja, aber wer Fourier im Hinterkopf hat, der weis was er unverändert wieder raus bekommt, und was nicht.
Dazu reicht Fourier allein leider nicht ganz aus.
Denke ich nicht. bei den ehutigen Wandlern ist es einfach so, dass mit den 1Bit/6 MHz es einfach keine Frage ist, ob das Theorem erfüllt ist oder nicht, hauptsache man filtert bei 3 MHz bis .120 dB, was ja kein Problem ist und der Modulator ja brav macht.
Wie gesagt: Da gebe ich dir recht. Aber das sind alles Sachen, die nicht auf Nyquist basieren, sondern auf guter Ingeniuersarbeit, die sich von den beiden Urvätern bestenfalls haben inspirieren lassen.
Mich stört allein die immer wiederkehrende Behauptung: "Shannon funktioniert, und deswegen darf ich bis infinitesimal unterhalb fNYq alles machen und kriege alles auch genauso wieder raus". Sowas ist deutlich zu kurz gedacht.
Jens