Angefixt durch den Beitrag von
@Lum zum Thema Dual/Stereo-NAM Pedalboard vor ein paar Wochen, hatte ich jetzt in den letzten Tagen die Muße, eine mir schon länger im Kopf herumgeisternde Vorstellung zu einem halbwegs kompakten Dual-Amp-Recording-Board in die Tat umzusetzen. Ursprünglich hatte ich den Gedanken, dafür mein Kemper Player Board umzustricken:
Dabei stand kurzfristig die Idee im Raum, das Fairfield Roger That und den Dude Incredible zugunsten eines bislang nur sporadisch solo genutzten NDSP Nano Cortex, und eines noch zu beschaffenden Doublers (wahrscheinlich KMA Geminus) vom Board zu schmeißen, um so ein möglichst überzeugendes Dual-Amp-Double-Track-Stereo Setup auf die Beine zu stellen. War mir dann bei genauerer Überlegung allerdings zu umständlich, vor allem, weil ich dann gleich zwei nur per Software-/App-Editor vollumfänglich editierbare Amp-in-a-Box-Geräte auf dem Board gehabt hätte, die zudem ohne Midi-Brimborium nicht direkt miteinander kommunizieren würden. So sehr ich den kleinen Kemper (hier in der Variante mit allen verfügbaren Kaufupgrades) liebe - es geht mir zuweilen gewaltig auf die Klöten, zum Parameterfrickeln im Minimum zusätzlich auf ein Smartphone angewiesen zu sein. Selbes Spiel beim Nano Cortex; nach dem letzten Update für sich genommen eigentlich auch eine ziemlich coole Miniaturwunderkiste, aber den Preis für die Kompaktheit erkauft man sich halt mit dem Editorzwang per Mobil-App. Mag für andere Zeitgenossen kein Problem sein; ich finde es halt irgendwie angenehmer, idealerweise alles direkt am jeweils aufs Board getackerten Gerät einstellen zu können. Zudem stapelten sich bei mir auch noch eine Reihe von True-Stereo fähigen Pedalen aus der -ich nenne es jetzt mal- Special-FX Kategorie, die schon eine Weile auf Integration in ein etwas umfangreicheres festes Setup warteten. Dafür wäre auf dem Kemper-Board natürlich kein Platz mehr gewesen.
Lösung insofern: einfach ein komplett neues Board bestücken. Aber dann gleich mit einem digitalen Dual-Amp fähigen All-in-One Host, der gleichzeitig in Sachen FX ebenfalls alles reichlich + in hoher Qualität abdeckt, als USB-Interface nutzbar sowie vollständig am Gerät editierbar ist und per Stereo Send/Return noch eine Handvoll eher speziellerer FX-Kandidaten mit einbinden kann. Und das aber bitte mit nicht viel mehr Platzbedarf als Kemper Player oder Nano Cortex. Der Dimehead NAM-Player hat diesbezüglich einen echt angenehmen Footprint, ist allerdings bis auf die Nutzung mit dem ziemlich cleveren Workaround-Szenario von
@Lum leider nicht eigenständig für ein echtes Stereo-Setup in meinem Sinne nutzbar. Das Quad Cortex als bislang vermutlich kompaktester Kandidat aus der State-of-the-Art-Liga mit Dual-Amp-Fähigkeit war mir dann schon wieder viel zu groß und über Line 6 oder Fractal braucht man unter dieser Prämisse gar nicht erst nachzudenken. Dann kam die NAMM und Neural überraschend mit der Mini-Ausführung vom Quad um die Ecke, was ich am Release-Abend im ersten Moment tatsächlich für ein zu-schön-um-wahr-zu-sein-KI-Fake gehalten habe. Nachdem das Ding dann allerdings kurz darauf ziemlich real im Handel verfügbar war und für mein Vorhaben ideal schien, habe ich hier einfach kurzerhand zugeschlagen.
Als Basis für das Board dient in meinem Fall ein Temple Audio Duo 17, was im Vergleich zu meinem Kemper Board (Aclam Smart Track XS2) in etwa die selbe Größe hat. Hintergrund für die Entscheidung: es sollte maximal aufgeräumt sein (Stichwort: Wohnzimmerkompatibilität... ich will das Ding vor allem auch auswärts im Herrschaftsgebiet von Schatzi nutzen), was mit den Temple-Boards recht gut umsetzbar ist. Wenn auch leider nicht ganz preisgünstig. So sieht das Ergebnis aus:
Die Pedalanordnung hat sich mehr oder weniger aus bedientechnischer Sicht ergeben: die kleine Chase-Bliss-Parade ist für beste Zugänglichkeit zu den stirnseitigen Dip-Switch-Klaviaturen automatisch in die obere Reihe gerückt; bei QC Mini und Ottobit hatte ich mit dem Temple Board Planner beide Platzierungsvarianten durchgespielt und fand diese hier letztlich am günstigsten. Zum Signalfluss: ganz easy. Die zusätzlichen FX-Pedale hängen alle komplett stereo (Ottobit per TRS Input / L+R Outs; Chase Bliss jeweils TRS In/Out) im Send/Return vom QC Mini. Die Reihenfolge (Ottobit > Onward > Lost + Found > Lossy > Generation Loss MK II) ist ein Produkt aus eigener Intuition und einem längeren Gespräch mit der in diesem Fall tatsächlich überraschend hilfreichen Google-KI.
Verkabelt habe ich dieses Mal hauptsächlich mit EBS DLX Flat Patchkabeln, was trotz relativ weniger Längenoptionen ganz gut funktioniert hat. Lediglich die symmetrischen XLR-Outs waren durch den knapp bemessenen Abstand zwischen den Pedalreihen eine Herausforderung - fertige Kabel mit XLR3F-Steckern in Low-Profile-Ausführung sucht man in den großen Musikhäusern jedenfalls vergeblich. Aus Mangel an geeignetem Equipment und ohne Zugriff auf einen willigen Lötsklaven habe ich mir hier letztlich von einem kleinen Anbieter für Broadcast/Filmton-Zubehör ein Paar XLR-TRS Adapterkabel konfektionieren lassen (warum TRS? weil man durch die eiförmigen Kabeldurchlässe in den Temple-Boards beim besten Willen keinen XLR-Stecker bekommt). Der Netzanschluss vom QC Mini ist übrigens auch mit einem normalen 2,1mm Hohlstecker ohne Verriegelung nutzbar und sitzt da genauso fest, wie bei jedem anderen Pedal; in meinem Fall wird er ohnehin zusätzlich durch die rein zufällig passend geformte TRS-Winkelklinke vom Kopfhöreranschluss an Ort und Stelle fixiert.
Auf der rechten Seite habe ich neben dem schaltbaren Netzanschluss eine Patchbay für die beiden Inputs (jeweils TS mono), die kombinierten Outs 3/4 (TRS) und den Kopfhöreranschluss (TRS) vom QC Mini installiert. Ebenso einen USB-C Passthrough für die Nutzung als Audio-Interface. (Für Nachahmer: IMMER als erstes den Netzanschluss einbauen und dafür idealerweise das Seitenteil zunächst komplett demontieren. Schrauben gefühlvoll festziehen und mittelfeste Schraubensicherung verwenden, dann hält das Ding hinterher auch wackelfrei. Praktizierende Grobmotoriker sollten hier aber vielleicht einfach das Durchbohren des Seitenteils in Erwägung ziehen, um eine noch stabilere Fixierung durch Verschraubung von außen herstellen zu können. Und ebenfalls wichtig - vor dem Einbau von Patchbays ERST das Seitenteil inklusive Griffen wieder montieren, weil man sonst später nicht mehr an die Griffschrauben herankommt.)
Links habe ich noch eine zweite Patchbay für die symmetrischen Outs 1+2 verpflanzt (jeweils TRS; den Apothekerpreis für den XLR-Mod wollte ich dann doch nicht zahlen und in meinem Fall benötige ich auch keine Steckerverriegelung) und mal prophylaktisch die Expression-Outs vom QC Mini und vom Ottobit externalisiert. Für die Chase Bliss Pedale spare ich mir das vorerst, ebenso wie Midi, aber da habe ich für mein Anwendungsprofil ohnehin keinen echten Bedarf.
Untenrum schaut es dann nicht mehr ganz so ordentlich aus, da hätte ich ansonsten alle Kabel selbst konfektionieren müssen (was beim Thema TRS zwangsläufig wieder auf Lötarbeiten hinausgelaufen wäre). Als Kraftspender dient hier wie bei meinem anderen Board wieder das bewährte DC7. Gute Nachricht für alle in diesem Zusammenhang am QC Mini Interessierten: im Gegensatz zum "großen" QC braucht es hier kein Crux - zwei per Current-Doubler kombinierte 12V Ausgänge betreiben das Mini absolut stabil (laut Cioks Support liefert ein Ausgang im 12V Betrieb etwas mehr als die angegebenen 500 mA während das Mini im realen Betrieb etwas weniger als die veranschlagten 1,2 A zieht... ich kann das zumindest für das hier vorliegende Setup bestätigen).
Aus reinem Spaß an der Freude und weil es spottbillig war: den am DC7 noch freien 5V / 1A USB-Port habe ich schlussendlich für die Installation einer ganz nett anzusehenden Maschinenraumbeleuchtung per RGB-LED-Strip genutzt (vom großen Fluss... nicht die Variante von Temple Audio; die hätte zudem einen normalen DC-Port benötigt). Mehrwert? Nicht wirklich... aber hey - bunte Lichter!