Ich spiele seit 1982 Gitarre und musste seitdem noch nie eine Gitarre endgültig entsorgen, obwohl es zwei Mal ganz kurz davor war:
1. Mit meiner Aria 7/8 Klassikgitarre bin ich als Kind vom Fahrrad gefallen - es war auf der Heimfahrt vom Gitarrenunterricht und sowohl ich als auch die Gitarre waren am Boden zerstört. Trotz Gigbag brachen bei dem Sturz mehrere Mechaniken ab und es entstand ein Holzschaden, dessen Reparatur nicht wirtschaftlich gewesen wäre. Ich war echt untröstlich. Dennoch entschied ich mich dazu, sie zu behalten, die Ersatzmechaniken waren nicht teuer und die provisorische Reparatur am Korpus mit Textilklebeband (ein paar Jahre später hätte ich Gaffa benutzt) hält bis heute. Mit Aufklebern versehen kommt sie als Hütten- und Lagerfeuergitarre ständig zum Einsatz.
2. Einst kam ich preiswert an eine Kawai Aquarius E-Gitarre aus den 80ern heran, die ich im jugendlichen Übereifer in mehreren Schritten ungelogen kaputtmodifiziert habe. Rückblickend schäme ich mich dafür, denn das Sammeln von Erfahrungen und das Erlangen von Know-how gingen leider mit der unwiederbringlichen Zerstörung der Lackierung und nicht rückgängig zu machenden Veränderungen am Holz einher. Aus einer ansehnlichen und qualitativ überaus brauchbaren Japan-Strat mit mehreren individuellen und nichtalltäglichen Merkmalen wurde ein Häuflein Elend und nur der Unerschrockenheit eines Aquarius-Fans, der sie mir per Kleinanzeige abkaufte, ist es zu verdanken, dass sie nicht im Container gelandet ist.
Langer Rede kurzer Sinn: Ich denke, es gibt selbst für den größten Schrotthaufen immer noch ein Einsatzgebiet, und sei es als Ersatzteilspender, Versuchskaninchen für Experimente, Dekorationsobjekt oder Trainingsgerät für Guitar Spins

. Und wenn wirklich alles zu spät ist, springt immer noch ein Show-Effekt auf der Bühne oder in einem Video raus.