Improvisieren für Dummies

Pianoteq
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Frohes Neues Jahr! 🍾 Nachdem das mit dem Auswendiglernen ja jetzt ganz gut geklappt hat, bin ich frohen Mutes, dass auch das Improvisieren endlich mal in meinen Kopf reingeht. Für den Anfang habe ich mir ein kleines Video herausgesucht. Irgendwo muss man ja anfangen.


View: https://youtu.be/OT67hYswqCs?si=ya1tEN5vpjXYI4AP

Das Problem beim Improvisierenlernen ist für mich, dass ich einen Ansatz finden muss, der mir entspricht. Ich kann die Akkorde, da habe ich schon alles durchgespielt und fühle mich auch sicher, aber mir fehlt immer der Anfang für die rechte Hand. Da sind solche Videos ganz hilfreich. Auch wenn zum Schluss etwas anderes dabei herauskommt, als der YouTuber hier vorgibt.

Ich merke, dass ich eher in Richtung Filmmusik gehe als in Richtung Jazz. Und die meisten Ansätze zum Improvisieren beziehen sich auf Jazz. Was mir nicht viel nützt, denn ich möchte nicht nur Jazz spielen. Ich mag Jazz, aber diese Beschränkung auf Jazz beim Improvisieren liegt mir einfach nicht. Mein Problem, aber ich möchte mich da jetzt auch nicht in irgendeine Art des Spielens pressen lassen, die mir nicht liegt. Mal eine Jazz-Improvisation werde ich gern spielen, aber anfangen möchte ich mit etwas Stimmungsvollem. Das liegt mir mehr.

Nur dass das immer so traurig klingen muss ... Wieso gibt es so viele Videos zum Improvisieren, in denen etwas von "zu Tränen rührend" oder so angeboten wird? Irgendwas in Moll. Ich würde lieber etwas Fröhliches spielen. Das Leben ist schon traurig genug. 😎 Aber ich kann das nicht ganz allein. Ich brauche eine Anregung, eine Inspiration. Deshalb fange ich jetzt mit diesem Video an. Das lässt sich bestimmt auch in etwas Fröhliches verwandeln, wenn die ersten Akkorde erstmal im Ohr klingen. Dann kommt mir bestimmt etwas in den Sinn, womit ich weitermachen kann.
 
Improvisierenlernen
🤔

Das muss man lernen?

Zitat aus Wikipedia:

"Improvisation bedeutet, etwas ohne Vorbereitung, aus dem Stegreif dar- oder herzustellen. Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter Improvisation auch den spontanen praktischen Gebrauch von Kreativität zur Lösung auftretender Probleme. Improvisation kann mit Aspekten von Ungeplantheit, Responsivität, Prozesshaftigkeit und Unmittelbarkeit einhergehen."

Ohne Vorbereitung, aus dem Stehgreif!


Das Problem beim Improvisierenlernen ist für mich, dass ich einen Ansatz finden muss, der mir entspricht.

Also ich habe ununterbrochen Melodien im Kopf. Ständig. Selbst nachts, wenn ich mal aufwache. Das ist mein Ansatz, das entspricht mir. Bin ich traurig, klingt es traurig, bin ich glücklich, klingt es glücklich und umgekehrt.

Melodie, gefolgt von Akkorden, harmonisch oder nicht, einfach so. Klingt es schief, egal, weiter so. Bleibt es im Kopf, wird es verfeinert und ggf. ein Stück. Wenn nicht, dann nicht.

Hör auf zu denken und beginne zu fühlen, respektive zu spielen.
 
In meiner Jugend gab es für das Erlernen von Instrumenten, einschließlich des Klaviers, mal ein Konzept, das im heutigen YouTube-Zeitalter befremdlich anmuten mag:

Man hatte eine(-n) Klavierlerer(-in). :)

Diese in aller Regel im Klavierspiel fortgeschritten befähigte Person hat dem Klavierschüler (ab sofort sind beide Geschlechter gemeint) in einzelnen, heutzutage womöglich als „Sessions“ zu bezeichnenden Lektionen das Klavierspielen nahegebracht. Dabei ging der Klavierlehrer höchst individuell auf die Wünsche, Bedürfnisse usw. des fleißigen Schülers ein und ermöglichte so dessen bestmögliche Fortschritte. Diese Methode funktionierte in jeder Hinsicht - sei es das Spielen von Klassik, von Jazz, von moderner Musik oder „schlicht“ das freie Improvisieren.

Der Rest war: Üben, üben, und nochmals üben. :)

Ob dieses Komzept heute, in Ansehung einer unüberschaubaren Masse an mehr oder minder wertigen YouTube-Videos, noch Bestand hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich würde es gleichwohl einmal mutig in Betracht ziehen. Denn kein noch so gutes Video kann die individuelle Betreuung durch einen guten Klavierlehrer ersetzen. Auch wenn es um das Erlernen des freien Improvisierens geht. Denn diese Fähigkeit kommt häufig, vereinfacht gesagt, praktisch „nebenbei“ während man ein besserer Spieler wird. Etwas anderes gilt eigentlich nur, wenn man ein herausragender Autodidakt ist.

Nur meine kleinen ersten Gedanken im neuen Jahr… ;)
 
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Ja, ich denke schon: Improvisieren kann / muss man lernen / üben.

Ich habe dieses Jahr im Frühjahr an zwei Wochenenden ein Seminar besucht bei Oli Bott zum Thema Improvisation - unabhängig vom Instrument. Da war alles vertreten: Bläser aller Arten, Gitarre, Bass, Klavier ...

War sehr gut! Kann ich sehr empfehlen.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Ohne Vorbereitung, aus dem Stehgreif!
Ja, in der Situation sicher aus dem Stehgreif.

Aber vorher kann man die Stilelemente gezielt und getrennt voneinander üben - das machen Profis wie Oli und empfehlen das auch ihren Schülern.

Zum Beispiel sagt er: Pausen in der Improvisation sind enorm wichtig. Also nehme ich mir beim Impro-Üben gezielt vor, Pausen einzubauen. Und erstmal nur das, also keine weiteren Stilmittel.

Oder:
Laut - leise. Genauso gezielt üben, und erstmal nur das (also ohne es mit anderen Elementen wie Pausen zu kombinieren). Ein paar Minuten Improvisieren mit dem Ziel: Piano und forte, lautstärkenunterschieden und übergänge einbauen.

usw.

Bei einer Darbietung hat man dann alle Elemente parat und automatisiert abrufbar.


View: https://www.youtube.com/watch?v=SDGEppY4C-8&t=263s
 
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In meiner Jugend gab es für das Erlernen von Instrumenten, einschließlich des Klaviers, mal ein Konzept, das im heutigen YouTube-Zeitalter befremdlich anmuten mag:

Man hatte eine(-n) Klavierlerer(-in). :)
Da kann ich mich nur anschließen. Mein Akkordeonlehrer brachte mir nicht nur das Spielen vieler Stücke in vielen Stilarten bei, sondern fachte auch das Feuer für Harmonie- und Kompositionslehre, Arrangements bis hin zum Improvisieren und (heute würde man sagen) Jammen bei. Ich halte mich jetzt nicht für blöd und/oder untalentiert, aber ohne den persönlichen Input wäre ich nicht soweit gekommen, wie ich jetzt bin.

Auch meine Weiterentwicklung mit Keyboards und Gitarre war durch persönliches Miteinander in vielfältigen Bands, wie Tanz-Mucke, Rock'n'Roll, Country, Hardrock, Free-Jazz begünstigt.

Selbst oder für mich alleine hätte ich nicht so kritisch auf mein Spiel geschaut/gehört und auch nicht so viel Input bekommen.

Für mich ist "Improvisieren" das themen- und gefühlsmäßige Just-in-Time-Spielen. Da gibt es kein "warte mal", "nochmal zurück", "passt nicht, also anders" etc. Improvisieren passiert im Moment. Alles andere ist "Ausarbeiten" bis "Komponieren", was auch nicht schlecht und auf keinen Fall minderwertiger ist, aber für mich halt etwas anderes ist. Da lass ich schon auch mal einen Background in Endlosschleife laufen und probiere aus (vor allem auch unterschiedliche Sounds an Tasten und Gitarre), um eine passende und eingängige Version zu finden. Beim Komponieren nehm ich aber keine Konserve, die mitläuft, weil ich ja auch für Entwicklungen und Änderungen frei sein will, was für mich auch das Ziel des Improvisierens vor allem mit Mitmusikern ist, so dass alle den Mood erfassen und ihn voranbringen. Da wird es richtig kreativ und "befruchtend".
 
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Da lass ich schon auch mal einen Background in Endlosschleife laufen und probiere aus (vor allem auch unterschiedliche Sounds an Tasten und Gitarre), um eine passende und eingängige Version zu finden.
Und das ist kein "Improvisieren üben"?
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Hör auf zu denken und beginne zu fühlen, respektive zu spielen.
Das kann jemand der
1.) sein Instrument technisch beherrscht
2.) die Elemente, die für das Improvisieren wichtig sind (siehe oben) soweit geübt und dadurch verinnerlicht hat, dass sie im Moment der (aufgeführten) Improvisation spontan abrufbar sind.
 
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Ich merke, dass ich eher in Richtung Filmmusik gehe als in Richtung Jazz.... Was mir nicht viel nützt, denn ich möchte nicht nur Jazz spielen.
Ich hatte das im Ursprungsthread angesprochen, aber Du bist nicht mehr darauf eingegangen.

"Fröhlich spielen" hat bei der Improvisation spieltechnisch höhere Anforderungen, weil die Tempi dann schneller und die Rhythmen komplexer sind, also braucht man eine bessere rhythmische Unabhängigkeit der Hände.
Mir scheint aber, dass Du noch an den spieltechnischen Hürden der ersten Unterichtsstunden knabberst.
Oder kannst Du Stücke auf dem Niveau von Jens Rupp Klavierschule Band 4 spielen?
Oder kannst Du Jürgen Mosers Fried Chicken spielen?
Solche Anforderungen an die rhythmische Unabhängkeit der Hände halte für die Voraussetzung einer 'Verwirklichung deines Wunsches.
Wenn Du z.B. bei Fried Chicken nach Beherrschung des Stücks anfängst, über die Akkordfolge zu improvisieren, dann könnte es sein, dass Du im Tempo erst einmal zurückschalten musst und ein paar (Skalen-)Übungen in Achtelnoten spielen willst, um im Hirn und der Muskulatur die nötige Synapsenbildung anzuregen.

Dein Beispiel aus Interstellar ist zwar aus der Kategorie Filmmusik, demonstriert in der Klavierfassung des Themas aber genau den "neoklassischen" Stil, zu dem ich auf die Klaviermusik von Alexis Ffrench hingewiesen hatte.

Die Anforderungen sind im Grunde wirklich gute Beweglichkeit in Dur- und Molltonarten, Begleitfiguren aus Akkordbrechungen und insgesamt Arpeggios aller Art, melodisch die Beherrschung von binären (meist nur bis 16tel) und triolischen Auflösungen (8tel- und 16tel-Triolen) beim fortlaufenden Spielen, gewürzt durch die übliche Ornamentik. Die jazztypische Chromatik und Blues-Bezüge fallen dagegen in der Regel weg.

Der einfachste Einstieg in die Improvisation geht über Pentatonik bzw. Teile davon, weil dann alle Töne passen und es dem musikalischen Gehör erleichtert wird, die Improvisation zu führen. Wer schnell vorankommen will, sollte langsam gehen.


View: https://www.youtube.com/watch?v=fqv7wL0ixXw

Gruß Claus
 
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