So sehr ich ja auch ein Fan von klaren Definitionen bin und so sehr ich mich versuche von so Marketing-themen nicht zu sehr beeinflussen lassen... eines bleibt irgendwie doch:
Der Sound, den ein ganz simpler Einkanaler mit ganz wenigen Komponenten und ohne Solid-State-Halbleiter (Transistoren) erzeugt, ist halt auf irgendeine "magische" Weise schon anders als jeder noch so vintage-orientierte Sound eines modernen und komplexeren Amps. Ein kleiner Champ oder Princeton ist halt schon was Besonderes, und selbst meine beiden Billigs-Amps (Fender Champion 600 und Fender Excelsior) überraschen mich immer wieder was den enthaltenen "Tone" angeht. Dieses "reduced to the max", die Einfachheit, auch die damit beibehaltenen technischen Schwächen der Original-Schaltkreise machen eine Kombination, die schon besonders ist. Schaut euch mal den Schaltkreis von einem 5F1 Champ an - da ist ja fast nix drin, schon krass was da an Sound rauskommt.
Ansonsten ist die Definition von "Vintage" halt sehr persönlich.
Der eine fängt bei den allerersten Röhrenverstärkern an und mit den Fenders der 1960er auf, der nächste erweitert das noch auf die frühen Marshalls und VOX - plus ggf. kleinere Hersteller aus der Zeit, die auch gute Qualität abgeliefert haben. Und bei "echtem" Vintage geht's eben nicht nur um den Sound, sondern auch wie der zustande kommt, mit alten Widerständen, Kondensatoren, Röhren, usw usw. - so Original wie möglich. Da geht's wie bei den Autos zu, auch ein Oldtimer muss ja so originalgetreu wie technisch machbar sein wenn er was wert sein soll.
Vintage-sound ist aber Marketingsprech ... spricht halt ein gutes Marktsegment an, kann man schon mal draufschreiben. Und zeigt mir zumindest, dass der Amp vielleicht nicht "Metal kann" und damit auch für mich interessant sein könnte.