Da ist mir doch vor einiger Zeit eine Tributeband über den Weg gelaufen, die angewiesen sein muß auf a) hochgenaue Emulationen b) eines aberwitzigen Elektronik-Setups:
SIN – Tribute to Nine Inch Nails
SIN is the ultimate Nine Inch Nails tribute band, replicating the sound and energy of classic NIN while covering the full catalog of music. All members of the band are experienced professional musicians, and also huge NIN fans, striving to deliver detail after painstaking detail of the angst, grit, and emotion you expect from Trent Reznor’s incredible music.
(Hervorhebungen von mir)
Okay. Das ist also eine Band, die von sich selbst sagt, ultrahochdetaillierte Repliken
sämtlicher Songs der Nine Inch Nails zu spielen. Es bleibt ihnen also nichts anderes übrig, als den Sound von Trent Reznors
kompletten Studio-Gerätepark vollumfänglich und klanglich identisch auf die Bühne zu bringen.
Nun hatte Trent Reznor zu NIN-Zeiten nicht so ein Waisenknaben-Setup wie Tony Banks oder Geddy Lee zur jeweiligen Anfangszeit. Reznor hatte annähernd alles. Zumindest fast alles, was ab Mitte der 90er rauskam (außer vielleicht sämtliche Rompler), und auch Unmengen an Vintage-Gear. Er hatte einen Vollzeitangestellten, dessen einzige Aufgabe war, von allem, was an halbwegs passendem Musikequipment auf den Markt kam, jeweils zwei Exemplare zu kaufen.
Das fing an bei sämtlichen (!) Gitarreneffekten, unzähligen Gitarrenamps und der kompletten Produktpalette an Soundzerstörern von Metasonix und hörte auf bei mehreren Quadratmetern an Modularsystem mit wohl allen Eurorack-Modulen von allen Herstellern, die je auf den Markt kamen (trotzdem setzte er exzessiv den Nord Modular ein) – wie gesagt, jeweils zweimal. Dazu kam dann auch noch Vintage- und Semivintage-Material, darunter ein PPG Wave mit Waveterm, ein ARP 2600, ein Odyssey, ein AKS, mehrere Minimoogs, ein Prophet VS, ein Oberheim Xpander, ein Roland Super Jupiter MKS-80 und ein Yamaha VL1. Modernere Geräte reichen von Microwave XT und Nord Lead bis Alesis Andromeda A6 und Sherman Filterbank. Und man sagt Reznor nach, wenn eine Drummachine gebaut wurde, hatte er sie – vor allem kleine und billige Teile hatte er massenhaft.
Kaum etwas davon gibt's als wirklich überzeugende Softclones – oder überhaupt als Softclones, vor allem nicht die Metasonix-Röhrengeräte.
Dieser Gearslutz-Thread enthält einige interessante Bilder aus Trents Studio.
Es gibt wahrscheinlich mehr, was Trent hatte, als was er nicht hatte. 2010 hat er wohl hunderte Geräte über eBay verticken lassen. Ich meine, mich erinnern zu können, das ging über Wochen, wenn nicht Monate.
So, und das – wohlgemerkt, tatsächlich die komplette NIN-Diskographie mit jedem Song auf jedem Album – will diese Band 1:1 auf extrem hohem Authentizitätsniveau nachbauen. Sie spielen also nicht NINs Musik in ihrem eigenen Industrial-Sound, sondern sie klingen exakt wie NIN. Sagen sie jedenfalls. Und zwar, ohne Trents kompletten Fuhrpark auf die Bühne zu stellen und während des Konzerts Systeme aus hunderten Eurorack-Modulen umzupatchen, denn das tun sie nicht.
Große Worte. Wirklich große Worte.
Martman