Manchmal kauft man mit einem Instrument auch eine Geschichte.... Und die bleibt dann für immer ein Teil davon. So geschehen hier:
1940 war eine französische Band in der Schweiz unterwegs, der mir leider unbekannte Gitarrist spielte dieses eher ungewöhnliche Instrument:
Dann fiel die Wehrmacht in Frankreich ein, und dem Musiker wurde damit die Rückkehr in sein Heimatland verunmöglicht. Er war also gestrandet und wurde interniert. Bald einmal war das Geld aufgebraucht, und der offenbar trinkfreudige Musiker musste sich von seinem einzigen Schatz trennen, seiner Gitarre.
Ich denke mal das es ihm nicht leicht fiel, und so erwarb ein damals junger Mann aus der Region Bern mit seinem ersten, sauer verdienten Geld die Gitarre für den Preis von 20 Franken.
Gut 80 Jahre später konnte ich die Gitarre von dem nun 96 Jahre alten Herrn aus Bern erwerben, mit der Geschichte zusammen und dem Versprechen sie immer gut zu behandeln.... Mit all' den Spuren der Zeit die sie gemeinsam in ihrem Leben erfahren haben.
Auf dem ebenfalls stark mitgenommenen Koffer findet sich ein Fragment eines Labels der damaligen Band, leider konnte ich nichts über sie in Erfahrung bringen.
"Gordon et ses Français" nehme ich an.
Letztes Jahr liess ich mich überreden die Gitarre einem guten Freund als Teil eines Tauschs zu überlassen. Ich habe sie nie vergessen können, immer war sie in meinem Hinterkopf und mein Herz wurde schwer bei den Gedanken an sie.
Heute nun habe ich sie zurück geholt, wieder im Rahmen eines Tausches. Und es fühlt sich wirklich sehr gut an, habe mich selten so über ein Instrument gefreut wie bei ihr.
Zur Gitarre:
Unbekannte Herkunft, Decke aus Fichte, Korpus vermutlich Kirsche. Hals wohl aus Wenge, kein Trussrod. Der Steg ist alles andere als original aber passend, heute übliche Saiten sind beinahe zu kurz um sie ordentlich um die Mechaniken wickeln zu können.
Sie klingt nicht, sie erzählt ihre Geschichte.....
Liebe Grüsse, Michael