Das Kind

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Hier hab ich einen ur- ur- uralten Text gefunden. Falls ihn jemand will, gerne! Falls nein - Kritik ist trotzdem willkommen.

Das Kind

Hast du schon gehört?
Das mit Max und Grit?
Klar, sind wir empört!
Das nimmt einen mit.
Grit sagt, Max war breit,
wie fast jede Nacht
und hat ihr im Streit
die Veilchen vermacht.

Zurzeit wohnt sie im Frauenhaus.
In ein paar Tagen kommt sie raus.
Sie glaubt, ihr Fall sei nicht akut.
Erst, wenn er’s regelmäßig tut.

Max hasst ihren Bauch.
Sie wollte das Kind!
Grit sagt, er doch auch.
Er meint nur, sie spinnt.
Sie hoffte, er säuft
dann nicht mehr so viel .
Doch wie es nun läuft,
verliert sie das Spiel.

Zurzeit wohnt sie im Frauenhaus.
In ein paar Tagen kommt sie raus.
Sie glaubt, ihr Fall sei nicht akut.
Erst, wenn er’s regelmäßig tut.

Max' Eltern finden’s übertrieben,
dass sie beim ersten Schlag gleich flieht.
Grit würde ihn nicht richtig lieben,
wenn sie in Max nur Schlechtes sieht.

Zurzeit wohnt sie im Frauenhaus.
In ein paar Tagen kommt sie raus.
Sie glaubt, ihr Fall sei nicht akut.
Erst, wenn er’s regelmäßig tut.
 
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In ein paar Tagen kommt sie raus.
klingt eher nach JVA oder Krankenhaus, wo man entlassen wird / werden muss. Im Frauenhaus ist man ja auf freiwilliger Basis und kann prinzipiell jederzeit wieder gehen.
Ich würde eher in die Richtung "daheim hält sie es grad nicht aus" oder so denken...

Interessanter, wenn auch problembeladener Text! Gefällt mir!
 
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Mit dem "kommt" habe ich direkt anders ausgelegt im Sinne einer freiwilligen Entlassung - aber es stimmt, es hat die Assoziation von entlassen werden müssen (Knast), was ja nicht stimmt.
In ein paar Tagen geht sie raus oder In ein paar Tagen geht sie nach Haus ... bei "daheim hält sie es grad nicht aus" wäre ja eher die Situation, dass sie wieder rein geht ...

Überlege, ob ich den Text anders aufgefasst hätte ohne die Information, dass es ein uralt-Text ist. Schwanke noch ... einerseits hat er - wie ich meine - typische Deiner Texte, die eine klare Struktur und einen leicht eingängigen flow haben mit einer direkt verständlichen Sprache, die als oberflächlich mißgedeutet werden könnte - wenn es nicht diese Ebene unter der Oberfläche gäbe, wo es brodelt, nicht stimmig ist, wo das Dunkle lauert und das, was man nicht sehen und sich gerne wegreden will ... und andererseits meine ich bei deinen neueren oder späteren Texten mehr Ebenen zu entdecken, mehr Schwingungen, ein versierteres Spiel mit den Nuancen ...

Allemal vertonenswert!

x-Riff
 
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Hauself Zwo
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bei "daheim hält sie es grad nicht aus" wäre ja eher die Situation, dass sie wieder rein geht ...
Da hatte ich mit Blick auf
Sie glaubt, ihr Fall sei nicht akut.
Erst, wenn er’s regelmäßig tut.
assoziiert, dass viele misshandelte Frauen nach dem ersten Mal "Senge" (leider) wieder nach Hause gehen - bis zum nächsten Mal usw.
Da hat wohl jeder seinen eigenen Erlebnis- und Gedankenpool...
 
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bei "daheim hält sie es grad nicht aus" wäre ja eher die Situation, dass sie wieder rein geht ...
Stimmt auch. Siehste!
assoziiert, dass viele misshandelte Frauen nach dem ersten Mal "Senge" (leider) wieder nach Hause gehen - bis zum nächsten Mal usw
Das ist leider so. War auch so gemeint
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Ich freu mich, dass es euch irgenwie doch erreicht. Wer es vertonen möchte, kann gerne loslegen. Ich kann bloß nicht mehr ändern, der Text ist einfach zu alt. Vielleicht finde ich wieder rein, wenn die Musik mich auch erreicht.
 
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Hier hab ich einen ur- ur- uralten Text gefunden. Falls ihn jemand will, gerne! Falls nein - Kritik ist trotzdem willkommen.

Das Kind

Zurzeit wohnt sie im Frauenhaus.
In ein paar Tagen kommt sie raus.

Wie wär's mit
"Doch eigentlich will sie wieder raus"
 
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Bei "in ein paar Tagen kommt sie/er raus" denke auch ich an eine (von aussen) festgesetzte Frist (z.B. Krankenhaus oder Knast). Ist halt eine gängige Formulierung. Ich würde da gar nicht lange suchen und "kommt" durch "geht" ersetzen - ist zwar nicht so gängig, aber m.E. verständlich und bringt zum Ausdruck, dass sie diese Entscheidung selbst trifft. Passt auch metrisch...
 
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Wenn man es schnodderich singt, passt das :sneaky:
Puh, ich weiß nicht so recht, ob ich mich da rantraue, es ist halt ein sehr zynischer Text, den man auch entsprechend rüberbringen muss.
Ich finde, der Text wäre ideal für so provokante Liedermacher, wie Hans Söllner o.ä.
 
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es ist halt ein sehr zynischer Text
Isses das? "Das Große Wörterbuch der deutschen Sprache definierte 1999 zynisch als „eine gefühllose, mitleidlose, menschenverachtende Haltung zum Ausdruck bringend, die besonders in bestimmten Angelegenheiten, Situationen als konträr, paradox und als jemandes Gefühle missachtend und verletzend empfunden wird" (Wikipedia).
 
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Hm, was dann, bitter?
 
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wahr?

Zumindest finde ich ihn eher beschreibend als anklagend, wütend, verletzt, aggressiv ... Dass die Realität ihre bitteren Seiten hat, macht einen Text darüber nicht zwangsläufig auch bitter. Zynismus ist eine Haltung, keine Tatsache. Ironie, Distanz, Empathie etc. auch. Dafür gibt es dann die entsprechenden Stilmittel, die das kennzeichnen.

Gleichwohl kann man diesen Text auch in einer bestimmten Form darbringen oder interpretieren, die wiederum Gefühle transportieren. Das kann dann auch eine eher beschreibende, im Hintergrund aber auch empathische, auffordernd-anklagende Art des Gesangs sein. Wenn man beispielsweise "love is just a four-lettered word" von Joan Baez nimmt, so wird dort beschrieben, wie das LI hört, wie jemand anderer sagt, dass Liebe ja nur so ein Wort ist - was eine bittere Wahrheit ist (im Sinne, dass es eben manchmal oder oft so ist), ohne dass die Darbietung zynisch ist, weil sie sich eben diese Haltung nicht selbst zu eigen macht und eher erstaunt ist, wie man so etwas sagen, wie man so leben kann. Der song soll - so empfinde ich es - die Hörenden eher aufrufen, dazu eine eigene Haltung einzunehmen, zu schauen, wie es im eigenen Leben ausschaut und die Trauer und den Werdegang des LI, die dies hört und im Laufe ihres Lebens reflektiert, mitempfinden:



Dass die dargestellte Realität bzw. Geschichte bitter, sehr bitter sein kann, der Vortrag aber gleichwohl nicht zynisch, aggressiv oder wütend sein muss, zeigt Reinhard Mey in diesem song sehr gut, wie ich finde:


In dieser Art könnte man den Text durchaus vortragen - allerdings geht es auch ganz anders, auch musikalisch: seit dieser Zeit ist ja musikalisch auch einiges passiert.

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Off topic: Erinnert mich an


However: Anklagend finde ich passend und eben bittere Ironie. Mit aggressiv und wütend würde ich persönlich den Text nicht assoziieren.
Aber ich glaube, das kann ich nicht so gut rüber bringen, obgleich ich den Text sehr gut finde.
 
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Kann absolut so rübergebracht werden, @Uwi1976
Und mit anklagend kann ich absolut leben, bittere Ironie passt auch, imho.

Das finde ich ja gerade das Großartige, dass man ein und denselben songtext auf sehr unterschiedliche Arten interpretieren kann - und er dennoch stimmig bleibt.

x-Riff
 
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Ich sehe da eine Frau (Freundin des Paares), die aufgeregt in ein Handy redet (singt). Sie kann das alles erst mal nur benennen, aber (noch) nicht wirklich verarbeiten.
Änderung: Statt: In ein paar Tagen kommt sie raus lieber So schnell es geht, will sie da raus.
Danke für die Hinweise auf die Musiktitel.

;)
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Das mit Max und Grit?
Klar, sind wir empört!
Das nimmt einen mit.

Grit sagt, Max war breit,
wie fast jede Nacht
und hat ihr im Streit
die Veilchen vermacht.

Zurzeit wohnt sie im Frauenhaus.
So schnell es geht, will sie da raus.
Sie glaubt, ihr Fall sei nicht akut.
Erst, wenn er’s regelmäßig tut.


Max hasst ihren Bauch.
Sie wollte das Kind!
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Sie hoffte, er säuft
dann nicht mehr so viel .
Doch wie es nun läuft,
verliert sie das Spiel.

Zurzeit wohnt sie im Frauenhaus.
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Grit würde ihn nicht richtig lieben,
wenn sie in Max nur Schlechtes sieht.

Zurzeit wohnt sie im Frauenhaus.
So schnell es geht, will sie da raus.
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Ich sehe da eine Frau (Freundin des Paares), die aufgeregt in ein Handy redet (singt). Sie kann das alles erst mal nur benennen, aber (noch) nicht wirklich verarbeiten.
paßt gut, finde ich ... wäre dann so eine fast 1:1-Erzählung, ohne Reflektion - eher erzählen, um zu verarbeiten bzw. es jemand mitzuteilen ... wir hatten mal einen song, der hieß "Hast Du´s schon gehört?"
 
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Auf den zweiten Blick fällt mir auf, dass der Refrain wohl gelesen nicht so ganz hinhaut. Stimmiger wäre z.B.

Sie glaubt, ihr Fall sei nicht akut.
Weil er’s nicht regelmäßig tut.

Aber gesungen fällt das vermutlich nicht auf.

Noch ein bißchen Senf zum Abschied vom Frauenhaus : "So schnell es geht, will sie da raus" finde ich eine enorme Verbesserung. :claphands:Haar in der Suppe ist m.E. wieder mal die Logik: Wie schnell es geht, liegt ja wohl in ihrem Ermessen. Wenn sie also tatsächlich raus will, dann braucht sie auf nichts und niemand zu warten...
 
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dann braucht sie auf nichts und niemand zu warten...
Tut sie ja auch nicht. Es ist ja nicht gesagt, ob und wann sie es verlässt.
Das Frauenhaus ist, für sich genommen, wahrscheinlich auch ein Schock.
 

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