Woher wisst ihr eigentlich bei einem AnfÀnger, dass dieser in die dramatische Richtung gehen könnte? Fangen AnfÀnger tatsÀchlich mit kraftvollem, lauten Gesang an?
Achtung, die von mir erwĂ€hnte SĂ€ngerin war, als man sie fĂŒr dramatisch hielt, kein wirklicher AnfĂ€nger mehr! Sie stand damals zwar wohl am Beginn ihrer
Profiausbildung, aber ein professionelles Gesangsstudium beginnst du natĂŒrlich nicht bei Null. Bevor man da einsteigt, haben die meisten schon mindestens 4-5 Jahre regelmĂ€ssigen Gesangsunterricht auf dem Buckel.
MĂŒsst ja nicht im Chor sein, wenn es da
wirklich nicht ginge und wer im Chor Solo singen mag mag das in der Regel auch woanders. In meinem Umkreis kenne ich es aber so, dass die Leute, die bei der Stange bleiben i.d.R. irgendwann auch im Chor Solo singen, vermutlich weil eigene Solisten i.d.R. deutlich - sagen wir mal, preisgĂŒnstiger sind

. Wobei die "Konkurrenz" bei Sopransolistinnen wesentlich gröĂer ist als bei Altsolistinnen.
Bei uns in der Region ist es tatsĂ€chlich auch so, dass Soloparts in den klassischen Chören fast immer von externen Profis besetzt werden. In grossen Chören, wo hauptsĂ€chlich die grossen Oratorien etc. aufgefĂŒhrt werden sowieso, aber auch in kleinen Dorf- und Kirchenchören (scheinbar ist immer genug Kohle vorhanden!). Die GrĂŒnde sehe ich, neben der stimmlichen QualitĂ€t (bei der der eine oder andere sehr gut ausgebildete Laie ja tatsĂ€chlich gar nicht immer so weit vom Profiniveau entfernt sein muss) auch darin, dass man hofft, mit regional oder national bekannten Solisten mehr Publikum anzulocken. Zudem möchten die Chorleiter auch nicht unbedingt auf die UnterstĂŒtzung der fĂŒhrenden Chorstimmen verzichten, weil die dann plötzlich mehr oder weniger von ihren Soli absorbiert sind. Ich weiss moniaqua, bei euch singen die Solisten die Chorparts voll mit

, bei uns ist das aber halt eher unĂŒblich.
Was ich machen wĂŒrde, wenn ich sehe, in meinem Stammchor gibt's keine Solo-Möglichkeiten: warten bis ich weit genug ausgebildet bin und mir dann einen, ev. zusĂ€tzlichen, anderen Chor suchen, wo diese Möglichkeit besteht. Und natĂŒrlich neben den Chören sich weitere Solomöglichkeiten beschaffen, die gibt es immer, wenn man da etwas aktiv wird und dabei auch etwas Geduld und Ausdauer an den Tag legt!
Es kommt wohl hÀufiger vor, dass lyrische Stimmen ins dramatische Fach wechseln, aber anscheinend weniger oft, dass dramatische lyrisch werden.
Sehe ich genau so.
Dramatische Stimmen können schon auch lyrisch singen und vice versa
MĂŒssen sie natĂŒrlich auch können, da kaum eine Rolle ausschliesslich lyrisch oder dramatisch angelegt ist. Wenn auch das eine oder das andere ĂŒberwiegen mag. Aber auch dramatisch Partien haben z.B. Stellen, wo die darzustellende Person traurig, nachdenklich, Ă€ngstlich etc. ist; auch bei dramatischen Partien gibt es pp-Stellen und wird nicht einfach alles nur durchgeschrien

Und lyrische Rollen kennen Stellen, wo sie vielleicht vor Freude fast ausflippen oder heftigst verzweifelt sind, also Stellen, wo mehr stimmlicher Wumms verlangt wird.
nur wird sich eine lyrische Stimme immer leichter tun mit schnellen, leichten Koloraturen als eine dramatische. Die fliegen da einfach drĂŒber, fĂŒr die dramatischen ist es harte Arbeit (und wird sich doch nicht so leicht anhören). DafĂŒr brechen sich die lyrischen einen ab, wenn sie gewichtiger singen sollen.
Hier bin ich jetzt nicht so bei dir. Obwohl, ist natĂŒrlich immer zuerst die Frage, wie man lyrisch und dramatisch definiert. Wenn man lyrisch als Synonym fĂŒr "leicht" und dramatisch fĂŒr "schwer" nimmt, stimmt es natĂŒrlich.
Diese Definition ist fĂŒr mich aber mehr als ungenĂŒgend. FĂŒr mich sind dramatische Stimmen solche mit Metall, einem "Klingeln", "Ping", einer gewissen HĂ€rte und Durchdringung. Das alles können sie aber auch sein/haben, wenn sie ansonsten eher leicht und beweglich sind. WĂ€re dies nicht vereinbar, gĂ€be es das Fach des dramatischen Koloratursoprans ja gar nicht

Gutes und allbekanntes Beispiel: Königin der Nacht: mit einer schweren Stimme wĂ€ren die Staccati-HĂŒpfer in die Höhe nicht anstĂ€ndig zu bewĂ€ltigen. Die sind nur gut, wenn sie locker flockig kommen und nicht wenn sie mĂŒhsam hochgestemmt werden mĂŒssen! Trotzdem wird niemand bezweifeln, dass die KdN eine sehr dramatische Person ist und die Rolle mit einem lyrischen Koloratursopran zu besetzen (wie man es leider ab und zu hört) ist IMHO ein komplettes No-go!

Lyrische Stimmen hingegen sind fĂŒr mich die lieblichen, weichen Schöntöner. Sicher sind sie oft gleichzeitig auch leicht, sie können aber auch schwer oder sogar sehr schwer sein (verlieren dabei im Klang aber nie ihre Weichheit!) Und solch schwere Lyrische tun sich alles andere als leicht mit schnellen LĂ€ufen! Ich kenne schwere lyrische (Profi-)Soprane, die scheuen KoloraturstĂŒcke wie der Teufel das Weihwasser

, sind daneben aber perfekte LegatosĂ€ngerinnen und Traumbesetzungen fĂŒr z.B. die grossen Puccini-Rollen.
Folgendes tönt jetzt vielleicht etwas seltsam

aber ich habe diese Bilder fĂŒr die Stimmtypen:
Die Lyrischen sind die Prinzesschen. die im rosa Kleidchen und mit blonden Löckchen im Schlossgarten Ringelreihen tanzen und dazu ein liebliches Liedchen singen. Manchmal sind sie zart und fein, manchmal, weil sie zu viel Kuchen genascht haben, etwas dicker und schwerer. Aber auch die schwereren bleiben blond und ihr Kleid ist immer noch rosa
Die Dramatischen hingegen sind die Hexen, die im braunen Zottelkleid, mit schwarzer Wuschelfrisur auf ihren Besen zum Blocksberg reiten. Sie sind wild, lachen und rufen sich mit lauter Stimme was zu. Und wenn sie singen, wĂŒrden die meisten ihre Stimmen nicht unbedingt immer als wohltönend bezeichnen

Dabei gibt es dicke Hexen (die Wagnersoprane), aber eben auch dĂŒnne (KdN, Konstanze, Violetta etc). NatĂŒrlich können/mĂŒssen die Hexen auch immer mal versuchen, etwas lieblicher zu singen und ihre GL werden auch immer an der Rundheit ihrer Stimmen arbeiten. Aber trotzdem, unter dem dann ĂŒbergestĂŒlpten Prinzessinenkleidchen wird immer der braune Zottelrock durchscheinen und wenn man genau hinschaut, steht auch immer in der Ecke ihres Gesangsraums ein Besen.
Sorry fĂŒr vielen OT

(Arm gebrochen: arbeiten geht nicht, singen schon

und scheinbar auch Forum zuspamen

)