Relevante Unterschiede entstehen imo durch die Position und die Art des Pickups (Breite des Magenetfeldes). Alles andere kann man grundsätzlich auch mit einem EQ beeinflussen, soweit überhaupt nötig, insbesondere wenn es um cleanen Sound geht.
Halte ich schon rein technisch für fragwürdig. Es fängt schon damit an, dass man den EQ für diese Anwendung zwingend dem Amp vorschalten muss, wodurch statt der direkten passiven Anbindung an die Eingangsröhre die Gitarrenelektrik durch eine aktive Schaltung entkoppelt wird. Auch die Wechselwirkung mit der Eingangsstufe Fuzz oder WahWah ist nichts wirklich neues und kein Voodoo. Man hat also schon eine Klangänderung wie durch jeden Buffer.
Hinzu kommen die Phasenverschiebungen, die die meisten EQs produzieren, sowie das Problem, dass man einen PU mit hoher Resonanzfrequenz nicht mit einem PU mit tieferer Resonanz (und dem entsprechenden steilen Abfall nach dieser) nicht mit einem EQ nachbilden kann, weil die höheren Frequenz schlicht gar nicht da sind. Einen breitbandig arbeitenden Medium-Output-HB in Richtung eines JB aufzublasen, funktioniert da schon besser - zumindest für den Zuhörer. Trotzdem ziehe ich vom Spielgeführ einen passiven PU mit mehr Power letztlich vor, wenn ich sowas brauche, und nutze das eher als Behelf, wenn solche gegensätzlichen Sounds innerhalb eines Songs verlangt sind.
Dass diverse PAF-Nachbildungen sehr ähnlich klingen, wundert mich allerdings nicht weiter. Trotzdem habe ich zB für meine Tokai bestimmt 5 oder 6 verschiedene BridgeHB ausprobiert, die alle in die Richtung gingen. Und da blieben auch solche außen vor (und da darf ich jetzt mal wieder den Bogen zum eigentliche Thread-Thema schlagen), die in einer anderen Les Paul genau meinen Geschmack getroffen hatten - aber mit der Basis der Tokai einfach nicht so harmonierten. Nachdem ich den richtigen gefunden hatte, wurden dann noch zwei, drei andere Magnete eingesetzt, und irgendwann war dann das da, was ich suchte. Ich bin in dem Punkt übrigens überhaupt kein Boutique-Käufer, sondern eher geizig, und mag durchaus auch viele eher günstige PUs, wie z.B. manche Roswell oder Tonerider. Die ganz feinen, ungewachsten 300 €-HB sind mir persönlich meistens auch klanglich schon
zu "transparent", um das beliebte Buzzword zu verwenden, und ungleich gewickelte Spulen wie beim Burstbucker mag ich fast nie, den symmetrischen und gewachsten '57 Classic ziehe ich da in fast allen Gitarren vor. Der Effekt zweier unterschiedlicher Spulen in einem HB ist übrigens auch etwas, was man mit einem EQ auf gar keinen Fall nachbilden kann.
Ein Thema, das die Herren Gitarrenwissenschaftler mMn argumentativ so gar nicht in den Griff kriegen, ist halt die eigentliche "Stimme" des PUs, das Timbre. Ich darf dabei mal den Vergleich zu Stimmmustern von Menschen ziehen. Die lassen sich tatsächlich in der Analyse unterscheiden und zuordnen, selbst wenn sie über ein EQ-mäßig erbärmliches Telefonhörer-Mikro aufgenommen wurden und jemand seine Sprechweise verstellt hat.
Umgekehrt werden die wenigsten den Unterscheid zwischen zwei Tenören hören, die die gleiche Arie schmettern, wenn sie keine ausgesprochenen Klassik-Kenner sind. Die wiederum sagen nach zwei Tönen: klar, das ist Domingo, der klingt doch viel dunkler als Pavarotti. Kann man aus Domingo per RQ Pavarotti machen? Ich habe da so meine Zweifel.
Was ich bei diesen Vergleichen ist die Methodik, die ich für viel zu ergebnisorientiert halte. Man fragt nicht unvoreingenommen: "Diese PUs klingen für viele Gitarristen unterschiedlich - woran kann man das festmachen, und welche Parameter haben wir vielleicht noch nicht gemessen?" Stattdessen kommt: "Wir haben Wasserfalldiagramme gemacht und Frequenzschriebe usw. studiert, und eigentlich dürfte man nach denen keinen Unterschied hören - also bilden sich das alle nur aufgrund der bösen Werbung ein."
Im Grunde das alte Dilemma: dass etwas möglich ist, ist objektiv nachweisbar, indem man es macht - dass etwas
unmöglich (in dem Fall unhörbar und -fühlbar) ist, ist eigentlich wissenschaftlich nie abschließend zu beweisen.
Von daher würde ich mal vorschlagen, die Missionierung der Heiden einzustellen und einfach ganz entspannt zu sagen: "Mit unseren bisherigen Mitteln haben wir für die Wahrnehmung dieser Unterschiede keine objektivierbare, wissenschaftliche Grundlage gefunden. Und wenn es diese Unterschiede trotzdem geben sollte, sind sie für uns persönlich als Musiker jedenfalls irrelevant."
Bringt aber natürlich viel weniger Clicks, als Tausende von Gitarristen als leichtgläubige Voodoo-Opfer zu verunglimpfen.
Gruß, bagotrix