Hohner Arietta IM Register Nachrüsten

von Jamadir, 25.06.20.

  1. Jamadir

    Jamadir Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.06.20   #1
    Moin!

    Ich habe mir ohne Vorkenntnisse Ende letzten Jahres für 50€ eine Alte Arietta mit 72 Bassknöpfen gekauft. Sie war etwas ramponiert: Eine Taste war abgebrochen und fast alle Stimmzungen waren verstimmt und leicht angerostet. Weil ich aber handwerklich geschickt bin und mir kein teures Akkordeon zum Einsteigen kaufen wollte habe ich mich an die "Restauration" gesetzt: Ein paar abgebrochene Stimmzungen nachbestellt, dann bei den ersten Stimmversuchen nochmal zwei abgebrochen und nachbestellt und alle Stimmzungen entrostet. Nachdem ich mit dem stimmen Fertig war, musste ich sie nach zwei Monaten vereinzelt nochmal nachstimmen aber mittlerweile stimmen ca. 95% der Tasten auch nach weiteren 6 Monaten im 0.3 Cent Bereich. Also für meine Zwecke 100% ausreichend. Die abgebrochene Taste habe ich mir mit meinem 3d Drucker nachgedruckt.
    Jetzt habe ich ein Hohner Student 40 mit Wasserschaden für lau in die Hände bekommen. Während auf der Bassseite die außen liegenden Stimmzungen ziemlich hinüber sind, sind die Innenliegenden teilweise weniger verrostet als die meines Akkordeons. Besonders die niedrigere Oktave mit ihren schweren Stimmzungen ist kaum betroffen und aufgrund ihrer schweren Zungen auch kaum verstimmt.
    Da ich gerne eine niedrige Lage auf der Klavierseite meiner Arietta hätte ist meine Idee nun das ich diese Stimmzungen (die höhere Oktave kann ich mit Zungen aus der defekten Klavierseite bestücken) zu zweit im Dreieck auf die Chorseite setzte. Alle nötigen Verbindungsstücke kann ich ohne weiteres selbst entwerfen und drucken, bei 100% infill sollte solider Kunststoff keine allzu schrecklichen Klangeigenschaften haben (hoffe ich mal). Damit die Stimmzungen nicht so nahe aneinander schlagen würde ich immer eine "rückwärts" verbauen. Meine andere Idee ist zwei weitere schmale Stimmstöcke zu drucken und hier die zusätzlichen Zungen unterzubringen. Dann würde ich die Enden der bestehenden Stimmstöcke aufschneiden und Luftkanäle zu den zusätzlichen Stöcken legen.
    Größere Klappen einzubauen wäre eigentlich meine erste Idee gewesen aber da das Akkordeon relativ alt ist, sind die kleinen Klappen nicht angeklickt, sondern verklebt. Die Klavierachse ist allerdings das einzige wo ich mich noch nicht ran trauen und eingebaut ist es schwer eine Ventilerweiterung an die bestehende zu kleben und alles gerade zu halten.
    Jetzt ist die mein Hauptproblem allerdings die Frage, ob ich überhaupt genug Luft durch die Standardlöcher bekomme um zwei Stimmzungen gleichzeitig zu versorgen, bei einer hohen Lage wäre es vermutlich weniger ein Problem. Ich habe festgestellt das ich, wenn ich etwas mehr als die Hälfte des Loches abklebe, bei den lautesten tönen einen leichten Lautstärkeunterschied hören kann. Wenn ich da noch eine Zunge eine Oktave tiefer anbaue benötigt die ja noch mehr Luft als die hohe, weiß einer von euch in etwa wie viel mehr? Bei den tiefsten tönen könnte ich ja notfalls das Loch eckig feilen um so mehr Luft in die Kammer zu bekommen Ich schätze mehr als 15-20% sind aber nicht möglich.

    Ich hoffe es ist klar, dass das kein professionelles Projekt ist und auch wenn sich das alles ziemlich abenteuerlich anhört, bin ich mir sicher das ich zumindest den handwerklichen Teil luftdicht hinbekomme. Es geht mir auch um die Herausforderung sowas hinzubekommen, allerdings habe ich keine Idee, mit der ich die Luftversorgung verdoppeln kann, ohne schwere eingriffe in die Klavierseite vorzunehmen. Was haltet ihr denn von der Idee?
     
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  2. 120

    120 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.06.20   #2
    Ich mußte die Achse ziehen an meinem Hohner Basso um eine Feder zu wechseln. Das solltest du machen auch weil es deine Planungsmöglichkeiten erweitert und möglich ist. Vielleicht erst mal die defekte Diskantseite der Student weiter zerlegen. Wieviel Luft du brauchst ist schwer vorhersehbar. Vielleicht druckst du dir erst mal ein Versuchsstück. Ich hatte eine Weltmeister Serino mit Stimmstöcken aus Kunststoff. Die klang sehr gut und war dadurch auch relativ leicht. Schlimmstenfalls verbastelst du was daß du dann schwieriger reparieren mußt aber so lernt man. Was nicht sicher planbar ist kann nur versucht werden. Mir gefällt die Idee besonders wegen der tieferen Töne.
     
  3. maxito

    maxito Akkordeon-Mod Moderator HFU

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    Erstellt: 28.06.20   #3
    Klingt spannend! - bin schon mal neugierig auf das Ergebnis!


    Kunststoff wird ab und an mal für Stimmstöcke verwendet. Maßgebend für den Klang sind die Oberfläche und die geometrischen Eigenschaften der Kanzelle. Oberfläche komtm raus, wie se rauskommt - so wie ich3D Drucker kenne ist die Oberfläche meist noch mit Druckerstrukturen versehen ... dürfte vermutlich den Klang gegenüber den bisherigen Holzstimmstöcken nicht beeinflussen. Wie das klingt, wenn man die Stimmplatten so dachförmig aneinanderstellt und damit zwangsläufig eine ganz andere Kanzelle baut - ausprobieren, dann hörst es.


    Wenn ich alles richtig verstanden habe dann sind diese beiden "Chöre" zwangsläufig immer miteinander aktiv, da nicht durch Registerschieber schaltbar? Mir persönlich wäre das auf Dauer lästig, wenn die tiefere Oktave immer mit dabei ist - aber wenns dir gefällt, isses ok.
    --- Beiträge zusammengefasst, 28.06.20, Datum Originalbeitrag: 28.06.20 ---
    Die tiefen Zungen schlagen bisweilen doch ordentlich weit aus - da würd ich zuerst mal messen wie weit deren Arbeitshub ist.

    Das könnte tatsächlich eine Poblemstelle sein. Die einfachen Instrumente haben meist rundgebohrte Tonlöcher... und die sind nicht unbedingt üppig, was den Luftdurchsatz angeht. Wenn die Stimmplatten hier eine deutlche Drosselstelle bekommen, dann werden die nach meinen Beobachtungen neben Lautstärke auch stärker anfällig gegenüber Bending und Tondrift. - Auch hier probiers aus! Die alten Stimmstöcke hast du ja immer noch, so dass du im gegebenenfalls zurückbauen kannst.

    ...Bleiben immer noch die Registerscheiber, die gleich groß bleiben und dann wiederum da begrenzende Element darstellen würden.

    Aber wenn du schon an der Stelle so massive Eingriffe machst, dann ist der Schritt nicht mehr weit, dass man gleich eine neue Planfüllung einbaut und dann 3 richtige einzeln schaltbare Chöre einbaut.


    Da kann vieles dabei schiefgehen und dann das Ganze komplett scheitern lassen , aber die Arietta ist finanzeill kein wirklich großer Einsatz und darum das ideale Übungsobjekt um solche Ideen mal auszuprobieren. Wenns klappt ist s nett und hat Spaß gemacht. Wenn nicht, dann ist der Schaden sehr berschaubar.
     
  4. Jamadir

    Jamadir Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.06.20   #4
    Die Schwarzen Tasten haben ja nicht jede stelle auf dem Stimmstock besetzt, ich habe also seitlich löcher in eine der Kanzellen gebohrt, um eine besetzte Kanzelle mit einer leeren zu verbinden. Dabei konnte eine Stimmzunge einfach einkleben und musste Feststellen, das es einen hörbaren Lautstärkeunterschied gibt. Bei den höheren tönen wird das wohl weniger ein Problem sein da beide Zungen weniger Durchsatz haben aber ich hätte gerne eine einheitliche Lösung.
    Da werde ich wohl weitere Löcher bohren und größerer Klappen mit ganzen Stimmstöcken verbauen müssen. Ich Habe mir erstmal Klappenleder und Kleber bestellt um eine Klappe durch eine längere 3d gedruckte zu ersetzten, wenn ich es schaffe dichte Klappen so selber hinzubekommen werde ich die Variante mit eigenen Stimmstöcken versuchen. Dann kann ich die niedrige Lage auch separat schalten.
     
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