Nein, früher war NICHT alles besser !!!


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DirkS
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Immer wieder höre ich in Gesprächen mit Musikern Sätze, die sich einfach zusammenfassen lassen in den Satz: „Früher war alles besser!“

Leute, ich kann das einfach nicht mehr hören. Sind das alles nur Alterssentimentalitäten oder haben die Leute einfach vergessen, wie es früher WIRKLICH war?

Ich bin Jahrgang 67, meine bis heute ungebrochene Gitarrenbegeisterung begann Ende der 70er, seit den 80ern habe ich alles voll miterlebt.
Und seltsamerweise sind meine Erinnerungen völlig anders:

Es begann mit dem Gitarrenkauf. Es gab in jeder Stadt (meine hatte etwa 250.000 Einwohner) mindestens ein meist ziemlich kleines Musikgeschäft, in dem oft alles von der Blockflöte bis hin zum Klavier angeboten wurde. Notgedrungen hatte man auch einige E-Gitarren im Angebot, über die die Musikalienhändler aber eher die Nase rümpften, das war meist eher so ein notwendiges Übel. Echte Beratung konnten oder wollten die Wenigsten bieten. Wer in einer Kleinstadt oder auf dem Dorf wohnte, hatte nicht einmal ein solches Geschäft in der Nähe.
Also selbst informieren? Gern, aber WIE DENN?? Internet gab es nicht, also auch nahezu keine Infos. Es gab 1-2 Fachzeitschriften (vor allem das berühmte Fachblatt), aber wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass die gerade die Gitarren, die Dich interessierten oder die Du Dir leisten konntest, testeten?

Also selbst in die Geschäfte.
Was zumeist mit einer Reise in die nächste Großstadt begann. Für 250 bis 500 DM gab es damals heute zu recht vergessene Marken wie Luxor, Johnny Pro, usw. inflationsbereinigt wären 300 DM von 1980 heute knapp 300 €.
Aber die Gitarren, die es damals für diesen Betrag gab, waren absoluter Schrott gegen das, was man heute für diesen Betrag bekommt! Verarbeitung meist mies, Klang oft mies, Holz- und Pickupqualität fast immer mies, verbogene Hälse, kalte Lötstellen, Rauschen, Rückkopplung, alles dabei. Nicht ansatzweise zu vergleichen mit der Qualität, die man heute zu diesem Preis bekommt.

Es gab natürlich auch schon bessere Gitarren, etwa von Ibanez, Westone oder Aria, aber die begannen preislich erst bei dem Doppelten, ab 500 DM. Musste man als Jugendlicher erst einmal aufbringen.

Also eine Gebrauchte! Aber woher nehmen? Internet gab`s ja noch nicht. Also regelmäßig an`s schwarze Brett in den Musikgeschäften, in Kleinanzeigen der Zeitung schauen, das war`s schon.

Hatte man mit viel Glück eine Gitarre, dann suchte man einen Verstärker.
Wollte man auch einmal auftreten, dann brauchte man mindestens 50 Röhren- oder 80 Transistor-Watt. Denn die kleineren Säale hatten fast nie bereits eine qualitativ hochwertige PA im Raum verbaut, die auch leisere Signale gut verstärkt. Jede Band, die auftreten wollte, brauchte dazu eine eigene PA mit hohen Leistungsreserven und das war teuer.

Überhaupt Verstärker: Röhrenverstärker waren unerschwinglich, die Auswahl sehr begrenzt.
Blieben Transistorcombos, denn so etwas wie Modellingamps, Hybriden usw. gab es noch nicht.
Und die Transistorcombos klangen verzerrt wirklich nicht schön, man war noch unendlich weit vom Röhrensound entfernt, selbst wenn man viel Geld zusammenkratzte und etwa einen Marshall Transistorcombo kaufte. Oft musste also noch ein Verzerrer wie der Tube Screamer dazu kommen. Man musste sich auch für wenige Musikstile entscheiden, denn einen Verstärker, der alles gut konnte, wie heutige Modellingamps, gab es noch nicht.

Auch Effekte waren noch nicht in die Verstärker integriert, also musste man sich jeden Effekt durch Tretminen zusätzlich kaufen, also etwa Chorus, Phaser, Delay, usw.

Jetzt hatte man bereits zusammen 700-1000 DM ausgegeben und war klanglich noch Lichtjahre von dem entfernt, was man heute für 4-500 € bekommt.

Genauso schwierig wie der Kauf gestaltete sich der Verkauf, weil man (–kein Internet-) mit schwarzem Brett und Zeitungsanzeigen nur einen sehr kleinen Interessentenkreis erreichte.
Hatte man eine Band, dann war man ziemlich aufeinander angewiesen, denn z.B. mal eben etwa einen Bassisten zu ersetzen war ebenfalls ohne Internet schwierig.

Der Satz „Früher war das Verhältnis unter Musikern besser“ könnte sogar stimmen, aber das lag nicht an den Menschen, sondern war schlicht eine Notwendigkeit, um an Informationen zu gelangen etwa über Auftrittsmöglichkeiten, Verkäufe von Instrumenten, Musiker auf Bandsuche usw.

Hatte man endlich mal einen Auftritt, dann begann der Kabelsalat. Da Funkübertragungen noch nicht erfunden waren, hatten jedes Mikrofon und jedes Instrument Kabel. Allein unser Drummer nutzte 5 Mikros. Die Kabel engten die Gitarristen ein und hatten eigentlich immer die falsche Länge. Entschied man sich für ein kurzes, dann war der eigene Radius beschränkt, nahm man ein längeres, dann verlor das Signal hörbar Höhen. Wenn dann noch (wie bei uns) 2 Gitarristen und ein Bassist die ganze Bühne nutzten, dann verhedderten sich irgendwann zwangsläufig die Kabel.

Ein lustiges Kapitel waren die Klamotten. Wer damals ambitioniert war und wie wir den Rock der 80er spielte, imitierte natürlich das Outfit der Stars. Das heißt Streifenleggins in Neonfarben, weiße Adidas Allround, Jacken mit Schulterpolstern, im schlimmsten Fall Vokuhila-Frisuren oder Fönfrisur. Hier wandelt sich ein Nach- zum Vorteil: Während heute alles ganz einfach per Handy gefilmt werden kann, benötigte man damals echte Filmkameras. Sperrig und unheimlich teuer, 3 Minuten Super-8-Film kosteten mit Entwicklung 29 DM. Es wurden also (zum Glück) keine Filme von damaligen Auftritten gemacht, über die sich heute unsere Kinder schlapp lachen würden….;)

Handys sind ein gutes Stichwort. Gab es nicht, also war man nur zuhause erreichbar. Im Festnetz. Was natürlich nur klappte, wenn gerade Anrufer und Angerufener gleichzeitig zuhause waren. Telefonzellen waren selten und standen mit Sicherheit nicht direkt am Proberaum, Auftrittsraum usw. Eine Panne war also nicht durch einen schnellen Handyanruf bei der Freundin („Kannst Du mir ganz schnell neue Drumsticks bringen?“) behoben.

Um Erfolg zu haben, gab es nur die Mund-zu-Mund-Propaganda und für die echten Stars Radio- und Fernsehsendungen (MTV!). Niemand konnte, etwa durch Youtube-Kanäle, selbst auf sich aufmerksam machen, sich dadurch ein Publikum aufbauen und damit sogar Geld verdienen!

Ich könnte noch seitenlang weiter machen. Natürlich gab es auch einige wenige Vorteile, die ich nicht verschweigen will:
-Es gab noch keine DJs, dadurch bekam man als Band viele Auftritte bei Veranstaltungen.
-Da abends wenig los war (5-6 spießige Fernsehkanäle) gingen die Jugendlichen abends weg, was viel Publikum bei Auftritten brachte

Aber unter dem Strich ist die Aussage, früher sei alles besser gewesen, aus meiner Sicht kompletter Unsinn! Wer heute als Jugendlicher Musik machen möchte, hat es tausendmal besser als wir aus der nicht mehr ganz jungen Generation!
 
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Ich glaube es war weder besser noch schlechter, einfach nur anders. Bin aber auch 5 Jahre "jünger"...
 
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Da ich auf'm Dorf wohne, sind wir nicht in die nächste größere Stadt gefahren.
Wir sind ca. 1 Stunde in ein anderes Dorf gefahren...

Da gab es damals, so Anfang der 80er einen 'Geheimtipp' unter Musikern....

Das Musikerparadies gab es damals schon, nur eben etwas kleiner,
damals hat der heutige Chef noch persönlich die PA-Anlage am Freitag abend ausgeliefert

Somit hat sich für mich nicht so viel geändert
 
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Markusaldrich
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Du hast im Grundsatz schon recht. Die Möglichkeiten der heutigen technischen Welt bieten viele Vorteile.
Auf der anderen Seite finde ich es aber lustig, dass z. B. die Gitarrensounds von damals unbedingt mit der neuesten Technik reproduziert werden soll. Die alten Kisten konnten also schon was.
Außerdem kann ich mir gut vorstellen, das die ständige Erreichbarkeit vielen auf den Sack geht, mir übrigens manchmal auch, da kommt man schon ins Schwärmen zur guten alten Zeit.
 
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Nein früher war nicht alles besser.... heute sind wir einfach auf viel höherem Niveau genauso unzufrieden wie damals....:coffee:
 
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Hallo,
früher war nicht alles besser - schon richtig. Ich sage nur mal: Reifenpanne mit dem Auto :D
In Sachen Equipment war tatsächlich nicht viel los und Deine Beschreibung eines Gitarrenkaufs trifft schon ziemlich ins Schwarze. Das war damals wirklich nicht besser. Andererseits: mit etwas Glück konntest Du von einem Ahnungslosen einen Marshallamp zB für echt wenig Geld übernehmen.
Was heute einerseits ein Vorteil ist, ist andererseits ein Nachteil: Übersättigung in jeder Hinsicht.
Wenn Du damals halbwegs stabil und sauber 5 Griffe auf der Gitte hinbekommen konntest, war der nächste Gig schon im Kasten.
Heute konkurriert man/frau mit einer nahezu unendlich großen "Konkurrenz" um Aufmerksamkeit.
Grüße
Markus
 
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Jetzt fällt mir doch was ein, früher war weniger Cover. Entweder es wurde weniger erwartet, oder die Akzeptanz für eigene Sachen war einfach höher...
 
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Früher war "schnell mal was aufnehmen" ein echter Act... Heute kannste zuhause echt was amtliches auf die Beine stellen. Wenn ich dran denke, wie man früher noch überlegt hat, ob es die Anzahl der Spuren hergibt, ne Gitarre vielleicht mal zu doppeln... Und Bandmaschinen mit 1 PS...
 
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"Nein, früher war NICHT alles besser !!!"


Du solltest die Betonung auf "alles" legen und nicht auf "nicht". ;) "Alles" ist übrigens ein grosses Wort, dessen Verwendung wohl überlegt sein sollte.

Ich persönlich möchte nicht mit "früher" tauschen. Elektronik oder Einkaufsmöglichkeiten zB. sind heute um Welten besser, und die Auswhl macht einen geradezu schwindelig. Und das schöne an heute ist, man bekommt zusätzlich auch noch die Sahnestücke von "früher" zu kaufen.
Herz was willst du mehr. Früher war gut - heute ist besser, ist meine Meinung.
 
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Ist es heute soviel besser das man als Gitarrist anstatt zu spielen den 500sten Overdrive bestellt anstatt das beste aus den Möglichkeiten zu machen die man hat?

Mir ist das mittlerweile viel zu viel. Reizüberflutung und zu viel Bla Bla. Zu viel Boutique und Vintage Wahn und viel zu wenig Output. Zu wenig wirklich gute Bands und viel zu wenig dankbares Publikum. Worum gehts denn beim musizieren? Früher war das glaub ich alles mehr wert. Ich stehe aber auch erst seit 10 Jahren auf Bühnen.

Was günstiges und brauchbares Gear angeht und die Bequemlichkeit an sowas zu kommen magst du oberflächlich recht haben aber ist das wirklich besser? Das gleiche könnte man über Kleidung sagen. Man hat so viele Optionen an günstige, cool aussehende Kleidung zu kommen. Aber ist es den Preis wert? Denkt mal dran was alles dahinter steht das wir hier für 300euro eine günstige Klampfe aus Indonesien oder sonst woher kaufen können mit zwei Klicks.
 
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Jahrgang 1969, Anfang der 80er Jahre die erste Band gegründet. Allein schon Bandmitglieder finden war ein Prozess, der sich über viel Mundpropaganda und Jahre gezogen hat. Bei der Band meiner Jugend, die ein Schulkollege und ich 1982 gegründet haben und die immerhin 10 Jahre gehalten hat, dauerte es bis ca. 1989 bis wir die endgültige (und in der Bandgeschichte beste!) Besetzung hatten. Leute wurden zwar auch über schwarze Bretter gesucht, aber im Endeffekt ging das vor allem über - "du, ich kenn da wen"...
In der Großstadt war natürlich die Versorgung mit Instrumenten besser, was allerdings nichts an der Auswahl ändert. Die großen Marken wir Fender waren unerschwinglich, gebraucht sowieso nicht leistbar, weil noch teurer. Wenn ich denke, dass ich heute für eine MiM Standard Strat weniger zahl als damals - in absoluten Zahlen! Hat damals, wenn ich mich richtig erinner, um die 12.000 öS (knapp 800€) gekostet. Im benachbarten Deutschland war das Equipment zwar teilweise günstiger, aber da war die Sache mit dem Zoll - Österreich war noch nicht in der EU und die war noch keine Zollunion... Ein Bandkollege hat mal ein teures Vierspurgerät in München gekauft und nach Österreich gebracht - der Zoll konnte nicht ran, weil seine Freundin einen Diplomatenpass hatte :D
Und die Billigmarken - ja, die waren Schrott, da kann man heute bedenkenlos zur billigsten Gitarre beim Händler greifen, die Qualität wird definitv höher sein. Hab damals Bass gespielt - mein erster Bass ein Noname, gemeinsam mit einem Verstärker gebraucht um ca. 400€ gekauft. Der Verstärker (erinnert sich wer an die Marke Marlboro) war an sich ok, der Bass war eigentlich schlecht. Hab mir dann einen Ibanez gekauft - hat umgerechnet 350€ gekostet, da hab ich einige Zeit sparen müssen. Ist aber bis heute makellos und ein wirklich gutes Instrument. Seitdem schwör ich auf Ibanez, weil sie schon damals im günstigen Segment gute Instrumente hergestellt haben.
Das ist nämlich etwas, das gut war in den 80er Jahren, dass es eben zumindest einen günstigen Hersteller gab!

Dafür haben wir Songs geschrieben, das bissl das wir gecovered haben mussten wir uns raushören und konnten keine Tabs heraussuchen. Und ein wichtiger Teil der Probe war auch immer das gemeinsame Platten hören - was es neues gibt oder was einem gerade besonders gefällt, wo er was in die Richtung machen will...

Ich würde sagen: früher war definitiv nicht alles besser. Es war aber einfach anders, man hat sich anders organisiert als heute und musste auch einfach kreativ sein, um soundmässig in die Richtung zu kommen, die man wollte. Ach, als Musiker vermisse ich die Zeiten schon manchmal. :D
 
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Ich sage nur soviel dazu.....

Mit Sicherheit war früher nicht alles besser.
Wenn ich allein an an den Austausch unserer Daten (Proberaumaufnahmen) denke oder an die Möglichkeit mit einem kleinen Handrecorder die Proben aufzunehmen
oder aktuellstes Beispiel....
Unser Sänger hat sich vor zwei Wochen das "Behringer iStudio IS202" für 85.- € und ein IPad für 50.-€ gekauft und kann jetzt Mehrspuraufnahmen für neue Song-Ideen
im Proberaum machen und das in einer ganz passablen Qualität. Früher, wäre sowas undenkbar gewesen.

Von daher kann ich in dieser Richtung nur sagen,...
Früher war vielleicht nicht alles besser ABER es war eine schönere Zeit und vor allem eine Zeit, in der man noch zu schätzen wusste, was man hat.
 
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Was glaub ich am Musikmachen besser war: wir waren eher bereit auch Kompromisse einzugehen, weil wir uns eben das "gute Zeug" gar nicht leisten konnten. Also waren wir darauf angewiesen unseren eigenen Sound zu entwickeln.
In der von mir oben erwähnten Band haben wir auch ganz wild Stile gemischt. Unsere Songs waren von Jazzig angehaucht, Hard Rock Kracher, bissl Metal und etwas Punk. Und das ohne für jeden Song einen neuen Sound einzustellen, Gitarre zu wechseln etc. Wobei wir die Stile ja auch IN den Songs vermischt haben. Wir haben vielleicht nie wirklich grosse Gigs gespielt, vor allem auf Uni Festen, aber das Publikum war begeistert.
 
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DirkS
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Die Hürden waren früher wirklich höher, vielleicht wusste man es deshalb aber auch wirklich mehr zu schätzen, wenn man es trotzdem geschafft hatte, in einer ordentlichen Band zu spielen, eine gute Aufnahme zu erstellen oder auch nur eine tolle Gitarre zu ergattern.
Trotzdem ist es schön, dass die Jüngeren heute nicht mehr so viele Steine aus dem Weg räumen müssen.
 
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Als Jahrgang '88 kann ich ja eigentlich gar nicht mitreden aber: Die Möglichkeiten sind heute in vielerelei Hinsicht "besser". Mehr Auswahl, höhere Qualität zu niedrigeren Preisen und als großer Profiteur vom Homerecording will ich gar nicht davon anfangen, was das für Vorteile hat.

Was immer noch dasselbe ist, wie jetzt schon festgehalten wurde: man muss was draus machen. Wer es wirklich ohne jede Ambition einfach als Hobby betreibt, kann sich einfach an der massiven Auswahl erfreuen und jeden Monat neue Kondensatoren verlöten auf der Suche nach dem Sound. Das Risiko ist aber da, dass das zum Selbstzweck wird und man gar nicht mehr Musik macht, sondern nur noch Equipment testet. Man faselt dann von Mojo und Vibes aber eigentlich betrachtet man die Instrumente viel mehr als Werkzeuge, als Leute, die offen sagen, dass es Werkzeuge sind. Ein Instrument bekommt keine Seele, in dem man die perfekten Tonabnehmer einlötet, sondern durch's Spielen. Obwohl ich mittlerweile deutlichen Abstand zum GAS habe, würde ich, hätte ich die Kohle, auch nochmal Tonabnehmer tauschen - weil ich einfach weiß, dass mir persönlich einige Dinge besser gefielen, als das was ich jetzt habe. Aber ich komme auch mit dem klar, was da ist. Nächste Woche gibt's Song Nr. 13. In weniger als einem Jahr habe ich mehr fertig gemacht, als in den 10 Jahren davor. Mit jedem Song ein Stückchen besser, ein bisschen mehr rausgeholt, aus dem, was da ist (finde ich selbst zumindest). Und das ist im Endeffekt erst der Anfang (100 Songs sollen's nachher sein). Das wäre früher faktisch für mich gar nicht möglich gewesen. Es war aber auch nicht mit dem herkömmlichen Weg mit Bands usw. möglich. Und es brauchte den Abstand zum Sound-Wahn. Wo früher der Schrott der Motivation im Weg stand, steht jetzt das Überangebot der Konzentration im Weg.

Wobei ich schon sagen muss, dass der POD XT Pro als 3. "Amp" einfach nur seeeehr lehrreich war für mich (und das nicht im negativen Sinne).
 
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ich glaube, dass früher Musik mehr geschätzt wurde. Ich bin zwar erst Mitte zwanzig, habe mit 13-14 angefangen Musik zu machen und selbst damals, also vor 10 Jahren, war es einfacher an Auftritte ran zu kommen. Mittlerweile hab ich so das Gefühl, dass Musiker kaum noch geschätzt werden. Ich bekomm im Auto jedes mal die Krise, wenn ich da Radio höre...Monatelang die gleichen Songs, zwei Monate später schlechte Coverversionen der gleichen Songs... Furchtbar.
Ich bilde mir ein, auch was ich so aus Erzählungen mitbekomme, war es früher wohl einfacher an Auftritte zu kommen, da man eher auf Livebands gesetzt hat.. Heutzutage wird dann halt ein DJ engagiert, der den Abend über Musik macht. Der will paar Kröten die Stunde und ist zufrieden, während man als Musiker versucht den Veranstaltern klar zu machen, dass man gerne etwas mehr Geld haben möchte, als ein einzelner DJ.
Wurde ja auch von den Anderen hier bereits so erwähnt. Ich denke, früher wurde man als Musiker eher geschätzt.

Was sich natürlich technisch getan hat, ist enorm. Wenn ich Bilder sehe von altem Equipment, bin ich echt froh. Man bekommt recht günstig mittlerweile brauchbares Zeug, alles ist kleiner und leichter geworden. Und allein was sich im Bereich Recording getan hat, ist der Hammer. Man kann zuhause mit relativ geringem Aufwand aufnehmen. Mal eben eine Probe mitschneiden, kein Stress. Kurz ne Demo aufnehmen, kein Problem.

Auch finde ich teilweise "den Sound" von früher gar nicht sooo toll, wie viele immer meinen. Gerade bei Instrumenten glaube ich, dass die Gitarren/Bässe, die bis heute überlebt haben, damals unter den Besten aus der Produktion waren. Wieso sollte man denn sonst ein schlechtes Instrument behalten? Damals wurde bestimmt deutlich mehr "Ausschuss" produziert als heute. Wenn man sich heute anschaut, wie Instrumente gebaut werden. Vieles ist automatisiert, optimiert und die Toleranzen, Produktionsverfahren sind deutlich ausgereifter als früher.
 
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Die Musik war früher viel viel viel besser.

Wen interessieren Instrumente und Klamotten, wenn das worauf es ankommt fehlt?
 
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Ich habe das Aufbrechen des Mainstreams durch die Punk & Indie-Bewegung der späten 70er als sehr wichtig und erfrischend empfunden. Das fehlt mir heute. Man muß schon nach Sparten-Programmen suchen um die Perlen abseits des Mainstream zu finden. Das war früher anders und mMn auch besser. Die Charts spiegelten den frischen Wind wieder.
Neben ABBA, Shakin Stevens und den Bee Gees tummelten sich The Cure, Madness, The Specials, The Stray Cats uva. .
In Hinsicht auf die Verfügbarkeit von vernünftigem Equipment für Mucker hingegen ist es heute erheblich besser.
Wenn ich bedenke mit was für Plunder wir um 1980 rum Mucke gemacht haben...
Aber schön war's doch.:D
 
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Hallo,
Vielleicht noch einen Gedanken zu der Entwicklung aus meiner Sicht:

Die Welt insgesamt ist unübersichtlicher geworden. Dahrendorf sprach in den 80ern von "Risikogesellschaft". Das meinte vor allem das Bewusstsein über die Risiken, die dann zT (zB Tschernobyl) auch tatsächlich eintraten. Im Vergleich dazu waren die 60er und 70er Jahre total schlicht: Man/Frau konnte gegen den Vietnamkrieg sein, Niceragua libre-Jute-Taschen mit sich rumschleppen, gegen die Stationierung weiterer Langstreckenwaffen demonstrieren usw.
Wer heute handelt, weiß dass er prinzipiell die Folgen seines Handels nicht übersehen kann (sog. transintentionale Effekte intentionalen Handelns). Die Zunahme an Komplexität in allen Lebensbereichen ist anstrengend. Nur mal als Beispiel das Lesen einer Zeitung (falls das noch jemand macht): Es kostet mehr Energie die irrelevanten Infos rauszulassen, als die relevanten rein.

Diese Komplexität spiegelt sich eben auch im Bereich von Equipment. Neulich fragte ich mal etwas provokativ, warum eigentlich Behringer die "Bösen" sind ;)
Eine eindeutige Antwort kann es nicht geben.
Oder wie sieht es mit einer neuen Gitarre aus? Das wird anstrengend. Oder ein neues Interface? Oje
Mein erster Verzerrer war ein Boss OD-1, dann noch einen RAT und viel mehr war nicht nötig (und auch nicht wirklich leicht zu bekommen). Hier musste ich also gar nicht ewig Magazine lesen. Auch die Auswahl an Bands war zwar groß, aber bei weitem nicht so riesig und also war es einfacher einen Gig zu bekommen. Zudem war die Bereitschaft in meiner Erinnerung auch größer eine Live-Band zu engagieren, die nicht nur Top40-Zeugs spielt, sondern echt eigene Sachen. Über die Qualität will ich mal schweigen :)

Der Nachteil des Überangebotes ist eine Trivialisierung. Die bringt es mit sich, dass es ganz viel zu hören gibt, was nicht interessiert (siehe "Zeitung lesen") und der Wert von Live-Musik abgenommen hat (Achtung: ich meine nicht die Einnahmen der Profis aus Konzerten, da hat sich nämlich genau die gegenteilige Entwicklung ereignet).
Wenn jedeR - und ich meine wirklich jedeR - mit etwas Geldeinsatz super Equipment kaufen kann, dann ist die Hürde sehr niedrig. Das ist nicht grundsätzlich negativ - im Gegenteil. Befeuert aber auch die weitere Trivialisierung. Das ist für "alte Hasen" etwas nervig. Ähnlich dem Effekt, wenn es Baggy Pants bei Aldi gibt.
Grüße
Markus
 
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Plektomanic
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Wieso eigentlich immer nur entweder , oder ?:)
Ich seh das entspannter und behaupte , einiges war früher besser und einiges nicht ...
Man muss sich nur meine Customstrat anschauen , dann merkt man dass ich auf Vintage mit modernen Features stehe .
Der Charme und die Qualität der Alten Instrumente , gepaart mit dezenten modernen Features .
Beim Equipment hab ich keine berührungsängste mit Digitalem , als beispiel sei das Apollo twin von UAD genannt , wenn ein Modernes gerät soviel bietet und einem das Homerecording SO erleichtert ..dann finde ich das Absolut spitze , nicht nur vom Technischen gesichtspunkt , sondern auch Umweltschutz und auf moderne zeiten angepasste Philosophie (Man benötigt ja nur noch diesen kleinen Kasten , anstatt ein Fuhrpark an geräten , die irgendwann zwangsläufig auf dem Müll landen )

Was ich heutzutage nicht gut finde ist diese Überproduktion von Gear ..man hat das gefühl dass es drei oder viermal soviel zeug gibt als jemals gebraucht wird , der sogenannte Gear Overkill :D
Kapitalismus halt ..
Was Musik betrifft , so gefällt mir viel ältere Musik (Halte Led Zep immer noch für die grössten im Rock) , aber auch neuere sachen wie z.B. zur Zeit die Metal Band Mastodon , auf die ich wirklich abfahre (Kreativ wie keine andere Band !)
Ich hab da nie Berührungsängste gehabt mit irgendwas "fremden" solange es mir zusagt , war in den 90ern auch mal 2 Jahre regelmässig in Elektroclubs und die Gitarre lag in ihrer Tashe irgendwo ..bis ich genug hatte von dem "bum Bum" :D
Was Akustische Gitarre angeht , so mag ich auch da wieder mehr die alten Sachen ..ich kann mich an manch modernen Akustikstil nicht erfreuen , z.B. diese "Perkussiven Spieler"(Korpus als Schlagwerk etc.) da mag ich es wirklich Vintage und lerne hauptsächlich alte Musik anfangs des Letzten Jahrhunderts - Blues (Nat. !)

Wir sollten die guten Sachen von Früher nicht vergessen , genau so wie wir die Fehlleistungen ächten (Nationalsozialismus z.B. ) ..
 
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